miniatur|Bahnhof Oberschefflenz, Ausgangspunkt der Schefflenztalbahn Die SchefflenztalbahnWolff / Menges 1992, S. 395 (auch Schefflenzbahn) war eine normalspurige, nichtbundeseigene Nebenbahn im nordbadischen Bauland. Sie zweigte als Stichstrecke in Oberschefflenz von der Bahnstrecke Neckarelz–Osterburken ab und folgte der namensgebenden Schefflenz talabwärts bis nach Billigheim.

Das Verkehrsunternehmen Vering & Waechter (V & W) nahm am 12. Juni 1908 den regulären Betrieb der 8,6 km langen Strecke auf und übergab sie 1917 an die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG). 1963 übernahm die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SWEG) die zeit ihres Bestehens defizitäre Bahn bis zur Streckenstilllegung zum 1. Juli 1965.

Geschichte Vorgeschichte, Planung und Bau Initiator für den Bau einer Eisenbahnstrecke im Schefflenztal war ein Konsortium Mannheimer Kaufleute, das 1897 neu entdeckte Tonvorkommen bei Billigheim erwarb. Für deren Ausbeutung gründeten sie das Unternehmen Ziegel- und Mühlenwerke Billigheim GmbH. Eine private Bahn sollte eine Querverbindung zwischen dem Abschnitt Neckarelz–Osterburken der Odenwaldbahn im Norden und dem Abschnitt Jagstfeld–Osterburken der Unteren Jagstbahn schaffen und von Oberschefflenz über Billigheim und Allfeld nach Neudenau führen. Ein erstes Gutachten vom 19. März 1898 empfahl einen Streckenbau höchstens bis Allfeld, da ansonsten aus dem unteren Schefflenztal ein aufwändiger Tunnel unter dem Pfaffenberg hindurch ins Jagsttal zum – damals badischen – Neudenau notwendig gewesen wäre.Seußler 2008, S. 211 Wäre die Strecke entlang des gesamten unteren Schefflenztals bis zur Mündung in die Jagst bei Untergriesheim geführt worden, hätte sie württembergisches Staatsgebiet erreicht – eine solche Trasse wurde daher nicht in Erwägung gezogen.

Am 10. Mai 1898 ersuchte das Konsortium beim Großherzogtum Baden dennoch eine Konzession für die Gesamtstrecke bis Neudenau.Scharf 2001, S. 276 Der Staat wurde um einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Mark pro Bahn-Kilometer gebeten. Im gleichen Monat begannen die Vermessungsarbeiten, noch 1898 gründete sich ein Eisenbahnkomitee. Die Anliegergemeinden erklärten sich bereit, zur Senkung der Kosten das benötigte Gelände unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Ziegel- und Mühlenwerke Billigheim GmbH stellte einen Zuschuss in Höhe von 33.000 Mark in Aussicht und gab Frachtgarantien ab. Im gleichen Jahr gerieten die weiteren Vorbereitungen ins Stocken, da sich der Erwerb einiger Privatgrundstücke schwierig gestaltete und die Finanzierung des laufenden Betriebs noch nicht gesichert war.

Als Privatunternehmer konnte das Komitee das Unternehmen Vering & Waechter (V & W) gewinnen, die zu diesem Zeitpunkt bereits für die nahe gelegene, geplante Schmalspurbahn von Mosbach nach Mudau im Gespräch war. 1901 schätzte V & W die Baukosten für die gesamte Strecke ohne Grunderwerb auf 1,067 Mio. Mark. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Kosten hatte der Abstieg von Oberschefflenz hinab ins Schefflenztal nach Unterschefflenz. Angesichts der hohen Baukosten sei die gesamte Bahn nicht bauwürdig, bei projektierten Kosten von 880.000 Mark erachtete V & W jedoch eine nur bis Billigheim führende Stichbahn als realisierbar. Im gleichen Zuge bot sich V & W für den Bau und den Betrieb der Strecke an, vorausgesetzt die Anliegergemeinden leisteten einen Zuschuss in Höhe von rund 119.900 Mark.

Da V & W bezogen auf das nötige Anlagekapital nur mit einer Rendite von 2 % rechnete, forderte das Unternehmen einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 35.000 Mark pro Kilometer und damit mehr als die üblichen und zunächst geforderten 20.000 Mark pro Kilometer. V & W konnte sich schließlich mit dem badischen Staat auf einen Betrag von 30.000 Mark pro Kilometer einigen. Obwohl die Finanzierung und die Streckenführung noch nicht vollständig geklärt waren, kam am 27. Juli 1902 ein badisches Gesetz für den Bau der Strecke als Privatbahn zu Stande, das diesen Betrag und eine Fertigstellung bis Ende 1907 festschrieb.

Im Februar 1903 befasste sich das Eisenbahnkomitee mit der Lage des Billigheimer Bahnhofs, was in einen bis 1906 währenden Konflikt mündete.Horn 1969, S. 15 Schließlich schlossen die Anliegergemeinden, die Ziegel- und Mühlenwerke Billigheim GmbH und V & W am 15. September 1906 einen Vertrag über den Bau der Schefflenztalbahn: Die Gemeinden traten die benötigten Flächen kostenlos an V & W ab, und die Ziegelei garantierte einen einmaligen Zuschuss von 33.000 Mark sowie jährliche Frachtandienungen in Höhe von 2.000 Mark. Daraufhin beantragte V & W die Konzession, die am 31. Januar 1907 erteilt wurde. Weil schon geplant war, den Betrieb der V & W-Strecken an das Tochterunternehmen Deutsche Eisenbahn Betriebs-Gesellschaft (DEBG) zu übergeben, wurde die Konzession von vornherein im Namen beider Unternehmen beantragt. Darüber hinaus verlängerte der badische Staat die Ende 1907 ablaufende Frist für die Fertigstellung um ein weiteres Jahr.

V & W nahm die Bauarbeiten Mitte Juli 1907 auf.Seußler 2008, S. 212 Bis Ende 1907 waren der Unterbau, die Hochbauten, Durchlässe und Widerlager größtenteils fertiggestellt, Mitte Mai 1908 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Am 10. Juni 1908 fand die feierliche Einweihung der Bahnstrecke von Oberschefflenz nach Billigheim statt, zwei Tage darauf begann der reguläre Betrieb. Damit war die Schefflenztalbahn – vor der Strecke Staufen–Münstertal – die vorletzte normalspurige Privatbahn in Baden.

Weitere Entwicklung Nach der Eröffnung der Strecke bis Billigheim reichte die Gemeinde Allfeld 1909 erstmals eine Petition für eine Verlängerung der Bahn ein.Seußler 2008, S. 214 V & W lehnte einen Weiterbau ab, nachdem in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg schon die bestehende Strecke kaum rentabel war und von einer Verlängerung keine wesentlichen Mehreinnahmen erwartet wurden. Am 26. März 1910 legte der Badische Staat der Gemeinde ausführlich dar, dass der hohe Aufwand für eine Verlängerung – so hätten in Billigheim einige Häuser weichen müssen, und im weiteren Verlauf hätte die Schefflenz drei Mal überquert werden müssen – einen Weiterbau nicht rechtfertigten. Weitere Eingaben in den Jahren 1911 und 1913 blieben gleichermaßen erfolglos.Scharf 2001, S. 278

Mit Wirkung zum 1. April 1917 übertrug V & W die Strecke an ihr Tochterunternehmen DEBG.

In der Zwischenkriegszeit verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Strecke, sie fuhr nur noch Verluste ein.Wolff / Menges 1992, S. 396 Mit Unterstützung der Gemeinde Billigheim richtete die Deutsche Reichspost eine Kraftpostlinie von Mosbach nach Billigheim ein, die der Strecke Fahrgäste entzog. 1929 waren die Züge werktags durchschnittlich nur noch mit 54 Personen besetzt. Anfang der 1930er Jahre ging die Ziegel- und Mühlenwerke Billigheim GmbH in Konkurs. Der neue Besitzer verlagerte den Versand 1935 von der Schiene auf die Straße. In den 1930er Jahren fuhr die Bahn jährliche Verluste zwischen 7.000 und 25.000 Reichsmark (RM) ein.Scharf 2001, S. 279

1936 erwog die DEBG noch einmal eine Verlängerung der Strecke über Allfeld bis ins Jagsttal, um zusätzlichen Verkehr anzuziehen – nun aber entlang der gesamten unteren Schefflenz bis nach Untergriesheim. Aufgrund der damit verbundenen Risiken setzte sie die Pläne nicht um, sondern richtete stattdessen am 10. Oktober 1937 eine parallele Buslinie von Oberschefflenz bis Billigheim und dann weiter nach Untergriesheim ein. Bis 1938 ersetzte der Bus täglich drei der vier zuvor verkehrenden Zugpaare.

Ende der 1930er Jahre plante die DEBG erstmals, die Strecke stillzulegen, was durch den Zweiten Weltkrieg zunächst verhindert wurde. Während des Kriegs erlitt die Strecke keine Schäden. 1945 ruhte der Verkehr von der zweiten Aprilwoche bis zum 7. September. In der Nachkriegszeit blühte der Verkehr auf der Strecke wie andernorts noch einmal auf, und man transportierte bis zu 150.000 Fahrgäste jährlich. Das Aufkommen sank jedoch bis 1963 wieder auf das Niveau der 1930er Jahre. Lediglich für den Schülerverkehr kam der Strecke eine gewisse Bedeutung zu. Ein inzwischen erweitertes Busnetz bediente 1961 die Linien Waldmühlbach–Neckarsulm und Oberschefflenz–Untergriesheim. Für den Güterverkehr hatte die DEBG zwischenzeitlich einen Lastkraftwagen beschafft.

Niedergang Zum 1. Mai 1963 ging die Schefflenztalbahn zusammen mit den anderen südwestdeutschen DEBG-Strecken an die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SWEG) über.

In den 1960er Jahren konnte der Betrieb nur noch mit hohen Subventionen des Landes Baden-Württemberg aufrechterhalten werden. 1961 – zu diesem Zeitpunkt verkehrte nur noch ein Personenzugpaar am Morgen – lagen die Einnahmen nur noch bei einem Viertel derer von 1949.Horn 1969, S. 16 Hinzu kam, dass die Bahnanlagen, die seit ihrer Eröffnung keiner Erneuerung unterzogen wurden, inzwischen stark sanierungsbedürftig waren. Überdies war die Schefflenztalbahn die einzige DEBG- beziehungsweise SWEG-Strecke, auf der damals nur dampfbespannte Züge zum Einsatz kamen und deren Betrieb weder durch Triebwagen noch durch Diesellokomotiven rationalisiert wurde. Das Wagenmaterial stammte noch aus der Eröffnungszeit, die geschätzten Kosten für eine Erneuerung der Gleise lagen bei rund 1.200.000 DM, weitere 80.000 DM wären für erneute Hauptuntersuchungen an den beiden Dampfloks erforderlich gewesen.

In Anbetracht dieser desolaten Situation beantragte die SWEG am 1. Mai 1964 die Entbindung von der Betriebspflicht und damit die Stilllegung für die Schefflenztalbahn. Gegen den vehementen Widerstand der Gemeinde Billigheim, die dadurch ihre Position als Wirtschaftsstandort gefährdet sah, gab das Land dem Antrag am 27. Mai 1965 statt.Wolff / Menges 1992, S. 397 Letzter Betriebstag zwischen Oberschefflenz und Billigheim war der 30. Juni 1965. Der Abbau der Gleisanlagen dauerte bis Ende 1965 an, und das rollende Material wurde bis Januar 1966 vor Ort verschrottet. Den Personenverkehr übernahm nach der Stilllegung der Postbus.

Betrieb mini|Ehemaliges Empfangsgebäude in Billigheim, heute Raiffeisen-Markt (Dezember 2011) mini|Erhaltener Lokschuppen in Billigheim mit Lkw- / Busanbau (Dezember 2011)

Betriebsstellen Oberschefflenz Der Ausgangspunkt der Bahn nach Billigheim bestand aus einer viergleisigen Anlage am Bahnhofsvorplatz. Sie war bis in die Nachkriegszeit beidseitig an die Strecke Neckarelz–Osterburken angebunden, so dass sich das Empfangsgebäude der Staatsbahn in Insellage befand. In den letzten Betriebsjahren wurde das Verbindungsgleis in Richtung Neckarelz abgebaut. Bis in die 1920er Jahre gab es eine eingleisige Wagenremise.

Mittelschefflenz und Katzental Die Bahnhöfe in Mittelschefflenz und in Katzental hatten jeweils ein kleines Empfangsgebäude und ein Ladegleis mit Laderampe.

Unterschefflenz Das Unterschefflenzer Empfangsgebäude war zweigeschossig, daran war ein Güterschuppen angebaut. Auch hier gab es ein Ladegleis.

Billigheim (Baden) Den Endpunkt der Bahn bildete der viergleisige Bahnhof in Billigheim, wo anfangs drei Gleise – analog zu den V&W-Endbahnhöfen in Oberbühlertal und Ottenhöfen – in einer Drehscheibe zusammen liefen. Ein Anschlussgleis führte zur Ziegelei. Für die Dampfloks gab es einen eingleisigen Lokomotivschuppen für zwei Lokomotiven und eine Werkstatt, 1938 kam ein Anbau für den Omnibus und einen Lastkraftwagen hinzu. Darüber hinaus gab es in Billigheim eine Ladestraße, einen freistehenden Drehkran, eine Gleiswaage und ein Lademaß. In Billigheim saß auch die Betriebsleitung der Schefflenztalbahn.

Fahrzeuge Lokomotiven Während der Jahre des Bahnbetriebs waren in Billigheim zur Abwicklung des gesamten Verkehrs stets zwei Dampfloks stationiert. Zur Bewältigung des geringen Verkehrsaufkommens genügten Zweikuppler mit der Achsfolge B.