Sigmaringendorf ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Sigmaringen.
Geographie Geographische Lage mini|Sigmaringendorf mit Donau und Lauchert mini|Mündung der Lauchert in die Donau in Sigmaringendorf Sigmaringendorf und der Ortsteil Laucherthal liegen im Naturpark Obere Donau, rund fünf Kilometer östlich der Kreisstadt Sigmaringen. Hier mündet die Lauchert in die Donau. Mit insgesamt 340 Hektar Waldflächen sind knapp 28 Prozent der rund 1247 Hektar großen GemarkungsflächeAngaben nach Alois Henne, Bürgermeister der Gemeinde Sigmaringendorf, vom 11. Januar 2011. bewaldet. Zwei Drittel davon ist Nadel- und ein Drittel Laubholz. Pro Tag wachsen dem Wald elf Kubikmeter zu. Die in der Gemeinde ausgewiesenen FFH-Gebiete der EU befinden sich Richtung Laucherthal bis Hitzkofen und im Luibentäle.Anton Speh (asp): Waldbegehung. Fichten leiden unter dem Klimawandel. In: Schwäbische Zeitung vom 22. November 2010 Im Bitzehau befindet sich ein gepflegtes Feuchtbiotop, ein Rückzugs- und Lebensraum für gefährdete Pflanzen und Tiere.Anton Speh (asp): Natur: Helfer bringen Feuchtbiotop auf Vordermann. Ortsgruppe des Albvereins übt seit mehr als einem Jahrzehnt Patenschaft aus. In: Schwäbische Zeitung vom 16. Februar 2011 Die Gemeinde erstreckt sich von 560 Metern bis 643 Metern über Normalnull, das Rathaus als Ortsmittelpunkt liegt 569 Meter über Normalnull., abgerufen am 22. November 2010
Geologie Die Gemeinde liegt am südlichen Rand der Schwäbischen Alb. Zwei kleinere Erhebungen, die teilweise besiedelt sind, begrenzen die Gemeinde in östlicher und westlicher Richtung. Nach Westen trennt der Sturren Sigmaringendorf von Sigmaringen, nach Osten bildet der Stauden die Grenze zum Stadtgebiet von Scheer.
Nachbargemeinden Sigmaringendorf grenzt an Scheer im Osten, Sigmaringen im Süden und Westen sowie Bingen im Norden. Zu Sigmaringendorf gehört auch eine etwa 44 Hektar große Exklave im Bereich der heutigen Baggerseen zwischen Krauchenwies und Zielfingen an der Ablach. Dieses Gebiet grenzt an die Gemeindegebiete von Sigmaringen, Mengen und Krauchenwies.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem namengebenden Sigmaringendorf und dem Ortsteil Laucherthal.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 795–882. Das rechts der Donau gelegene Wohngebiet bezeichnet der Volksmund als „Zizahausa“, ein Begriff, der auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurückgeht: Damals hatte sich der Holzhändler Gabriel Springer aus Zizenhausen nahe der Donaubrücke angesiedelt, blieb aber für die Sigmaringendorfer stets der „Zizenhausener“, ein Begriff, der schließlich auf den ganzen Ortsteil abfärbte.Anhang zur Dehnerschen Chronik, A9
Wappen Ortsteil Einwohner Fläche 30px|Sigmaringendorf Sigmaringendorf (Kernort) 3761 1171 ha 30px|Kein Wappen Verfügbar Laucherthal 643 76 ha
Schutzgebiete
Sigmaringendorf hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Donau- und Schmeiental, den FFH-Gebieten Donau zwischen Riedlingen und Sigmaringen und Gebiete um das Laucherttal sowie am Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.
Die Exklave an der Ablach gehört teilweise zum Naturschutzgebiet Zielfinger Vogelsee und liegt im Vogelschutzgebiet Baggerseen Krauchenwies/Zielfingen.
Sigmaringendorf liegt außerdem im Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|hochkant|Rathaus der Gemeinde Sigmaringendorf Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes datiert aus dem Jahre 1249 in einer von Papst Innozenz IV. unterzeichneten Urkunde. Sigmaringendorf war demnach schon damals eine eigene Pfarrei und unterhielt ein eigenes Gotteshaus, während Sigmaringen noch als Filial zur Pfarrei Laiz gehörte.
Vor- und Frühgeschichte Eine Besiedlung des heutigen Gemeindegebiets lässt sich schon weit vor 1249 nachweisen. Aus der Hallstattzeit stammen Siedlungsreste und archäologische Funde, etwa die keltischen Ringwälle im Westen von Sigmaringendorf und Grabhügel nördlich von Laucherthal. Eine Römerstraße führte ebenfalls durch das Gemeindegebiet, von den Römern zeugen heute die Überreste der Villa Rustica beim Hüttenwerk in Laucherthal und einer römischen Furt an der Lauchertmündung in die Donau. Außerdem wurde 1972 bei Bauarbeiten im Industriegebiet Scheererstraße ein Alemannenfriedhof ausgegraben. Neben Skeletten fand man dabei auch Waffen und Schmuck. Von dem Alemannen „Sigemar“ leitet sich vermutlich auch der Ortsname ab.Theo Vennemann: Europa Vasconica – Europa Semantica. Walter de Gruyter, 2003, S. 774f., ISBN 978-3-11-090570-0
Mittelalter und Neuzeit Der Ort lag im frühen Mittelalter im Bereich der Goldineshuntare, dann im Gau Ratoldesbuch und später in der Grafschaft Sigmaringen. Mit ihr kommt es 1535 als österreichisches Lehen an die Hohenzollern. Grundherr war vom 13. Jahrhundert an das Kloster Mehrerau bei Bregenz. 1826 wurden dessen Rechte durch die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen abgelöst. 1805 erlosch die österreichische Lehenshoheit.
Im Jahre 1708 errichtete Fürst Meinrad II. eine Eisenschmelze. Aus dieser entwickelten sich im Laufe der Jahre die „Fürstlich Hohenzollernschen Hüttenwerke“, heute als Zollern-Werke der größte Arbeitgeber der Gemeinde. Um das Hüttenwerk entstand der Ortsteil Laucherthal, ursprünglich als reine Arbeitersiedlung.
In der Zeit des Nationalsozialismus stellten 1700 ausländische Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen in Laucherthal Rüstungsgüter her. Hierfür wurde das Zivilarbeitslager 501 eingerichtet. Acht Männer, eine Frau und neun Kinder überlebten die Jahre von 1940 bis 1945 nicht.Jürgen Witt: Gedenken an Opfer der NS-Tyrannei. Nazi-Verfolgung in der Region. In: Südkurier vom 29. Januar 2015
Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung der Gemeinde Sigmaringendorf 1871–2007Daten des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, ergänzt um Daten aus der Ortschronik für die Jahre 1918, 1934, 1936 und 1946. Für 1934 und 1936 liegt keine Aufschlüsselung nach Geschlechtern vor. Seit der ersten belegten Volkszählung in Sigmaringendorf aus dem Jahre 1871, als 1507 Menschen hier lebten, hat sich die Einwohnerzahl des Dorfes mehr als verdoppelt. Gegenüber dem Jahre 1890, als nur noch 1032 Personen in Sigmaringendorf lebten, ist die Bevölkerungszahl heute 2007 mit 3761 fast vervierfacht. Nachdem in den Jahren des Zweiten Weltkriegs insbesondere die männliche Bevölkerung einen deutlichen Rückgang erlebte, wuchs die Einwohnerzahl in den 1950er und 1960er Jahren sprunghaft an, von 2049 Einwohnern im Jahre 1946 auf über 3000 im Jahre 1961. Neben dem allgemeinen Aufschwung in der Zeit des Wirtschaftswunders trug hierzu auch der Zuzug von Gastarbeitern für das Hüttenwerk Laucherthal bei. Es handelte sich hierbei vor allem um Männer aus Italien, Griechenland und der Türkei. In der Volkszählung von 1961, die für Sigmaringendorf erstmals ausländische Einwohner getrennt ausweist, werden hier 142 Menschen (davon 120 Männer) nicht deutscher Staatsangehörigkeit aufgeführt, zehn Jahre später hatte sich diese Zahl auf 270 schon beinahe verdoppelt. Die Einwohnerzahl von Sigmaringendorf wuchs nun bis ins Jahr 1997 (3747 Personen) kontinuierlich an und erreichte nach einem leichten Rückgang um die Jahrtausendwende 2004 den bisherigen Höchststand von 3794 Personen.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Sigmaringendorf umfasst 14 ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Das Verfahren der unechten Teilortswahl findet in Sigmaringendorf keine Anwendung. Bei der letzten Wahl 2024 traten zwei verschiedene Wählergruppen an: die Unabhängige Wählergemeinschaft konnte mit 59,1 Prozent der Stimmen acht Mandate erreichen, die Allgemeine und Freie Wählervereinigung mit 40,9 Prozent der Stimmen sechs Mandate. Fünf der gewählten Mitglieder sind Frauen (2019: keine). Die Wahlbeteiligung betrug 64,6 Prozent.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 2. Dezember 2024 Dominik Mattes (CDU). Er wurde am 20. Oktober 2024 mit 79 Prozent der Stimmen gewählt. Er folgte Philip Schwaiger (CDU) nach, der im Juli 2024 zum Bürgermeister von Mengen gewählt worden war.
BürgermeisterDienstzeitStefan Gulde1840–1845Mathias Gelle1845–1849Ottmar Geschwender1849–1852Joachim Siebenrock1852–1863Michael Pröbstle1864–1868Joachim Siebenrock1868–1884Edmund Hotz1884–1890Sebastian Bettinger1890–1901Gerold Speh1901–1923August Stecher1924–1945Wilhelm Siebenrock1946–1953Alois Maucher1953–1980Alois Henne1980–2017Philip Schwaiger2017–2024Dominik Mattes2024–
Die Oberhäupter der Gemeinde Sigmaringendorf trugen davor, also bis zum Jahre 1840, die Amtsbezeichnung Schultheiß, ihnen waren nochmals ein bis zwei Bürgermeister unterstellt. Gerold Speh, der sein Amt 1901 antrat, war der erste pensionsberechtigte Bürgermeister in Sigmaringendorf.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Die Gemeinde Sigmaringendorf pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu der Stadt Rafaela in Argentinien, die 1881 von dem in Sigmaringendorf geborenen Wilhelm Lehmann gegründet wurde. Beginn der partnerschaftlichen Beziehungen war Mitte der 1970er-Jahre, als Historiker aus Rafaela die Herkunft ihres Städtegründers suchten. Die Partnerschaft wurde in der Amtszeit von Bürgermeister Alois Maucher 1979 mit einem Empfang der ersten Gruppe aus Rafaela besiegelt. 1981 kam der damalige Oberbürgermeister Juan Carlo Borio mit Frau nach Sigmaringendorf zu Besuch und Bürgermeister Alois Henne reiste ebenfalls mit seiner Frau nach Rafaela.Anton Speh (asp): Sig'dorf pflegt Partnerschaft über Kontinente hinweg. Seit drei Jahrzehnten Austausch zwischen Rafaela und Sigmaringendorf. In: Schwäbische Zeitung vom 14. Dezember 2010Anton Speh (asp): Partnerschaft mit Rafaela besteht seit 30 Jahren. Sigmaringendorf erwartet im September eine große Delegation aus Argentinien – Ortsverwaltung sucht noch nach Unterkünften für die Gäste. In: Schwäbische Zeitung vom 9. August 2011 Zum 100-jährigen Jubiläum Rafaelas weilte dann eine große Delegation aus Sigmaringendorf in Rafaela bei den Feierlichkeiten. Der Text der Urkunde, mit der die Partnerschaft besiegelt wurde, lautet:
Die Urkunde wurde vom damaligen Bürgermeister Alois Maucher am 28. Mai 1979 unterzeichnet. Pate standen dabei der Gouverneur von Santa Fé und ein Vertreter der Deutschen Botschaft aus Buenos Aires.
Die Gemeinde Sigmaringendorf gab Lehmann zu Ehren dem Platz beim Rathaus seinen Namen.Wir in Sigmaringendorf. In: Schwäbische Zeitung vom 27. November 2010
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sigmaringendorf ist Teil der Tourismusregion „Oberschwäbische Donau“.Vera Romeu (vr): Geburt: Neue Region heißt Oberschwäbische Donau. Sigmaringendorf, Krauchenwies, Mengen, Scheer, Hohentengen und Herbertingen sollen sich zusammenschließen. In: Schwäbische Zeitung vom 19. Februar 2011
Theater mini|Die Waldbühne im Spieljahr 2006 Am Ortsende in Richtung Rulfingen liegt die Freilichtbühne Naturtheater Waldbühne Sigmaringendorf – eine idyllisch im Wald gelegene Naturbühne. Mit gut 10.000 Besuchern jährlich ist diese die touristische Hauptattraktion der Gemeinde. Jährlich werden zwei verschiedene Stücke (Kindergruppe, Erwachsenengruppe) von ehrenamtlichen Laienschauspielern aufgeführt.
Museum Im Ortsteil Laucherthal wurde im September 2009 auf dem Gelände des Fürstlich Hohenzollerischen Hüttenwerkes im denkmalgeschützten Hochofengebäude ein Bergbaumuseum eröffnet.Vera Romeu: Historischer Hochofen erzählt von harter Arbeit. In: Schwäbische Zeitung, 29. Januar 2009.
Musik