Der Bahnhof München Ost der Deutschen Bahn im Münchener Stadtteil Haidhausen ist ein bedeutender Umsteigepunkt für den Nah- und Fernverkehr. Der Durchgangsbahnhof mit 12 Bahnsteiggleisen gehört zu den 21 Bahnhöfen der Preisklasse 1 von DB InfraGO und ist damit zusammen mit dem Hauptbahnhof einer der zwei Münchner Bahnhöfe dieser Klasse.

Die Station wurde 1871 als Bahnhof Haidhausen für die beiden neuen Bahnstrecken nach Simbach und Rosenheim eröffnet. Heute ist er neben dem Münchner Hauptbahnhof und dem Bahnhof Pasing einer von drei Fernbahnhöfen der bayerischen Landeshauptstadt. In den Fahrplänen des Nahverkehrs wird er als Ostbahnhof geführt.

Am Orleansplatz vor dem Bahnhof (Nordwestseite) kann zum innerstädtischen Verkehr der MVG in Busse oder die Straßenbahn umgestiegen werden. Unter dem Platz liegt der U-Bahnhof der Linie U5. Die drei Verkehrsmittel sind zusammen mit der S-Bahn in den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) integriert. Weitere Stadtbuslinien halten an der südöstlichen Seite des Ostbahnhofs an der Friedenstraße.

Der Bahnhof zählte 2019 täglich im Durchschnitt 174.000 Reisende und Besucher.

Geschichte mini|Ostbahnhof mit Orleansplatz im Jahr 1910

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen den Bahnhof am 15. März 1871 unter dem Namen Haidhausen mit der Hauptbahn vom Bahnhof München (heute München Hbf) über Grafing nach Rosenheim in Betrieb. Der Bahnhof erhielt ein repräsentatives Empfangsgebäude im Stil der Neorenaissance mit Gusseisensäulen im Innern und Rundbögen am Eingang, das vom Architekten Friedrich Bürklein entworfen wurde. Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde ein prächtiger Brunnen errichtet, der inzwischen auf dem Weißenburger Platz steht. Am 1. Mai 1871 ging die Hauptbahn von Haidhausen nach Neuötting in Betrieb; damit wurde Haidhausen zum Trennungsbahnhof.

Zum 15. Oktober 1876 benannten die Bayerischen Staatseisenbahnen den Bahnhof Haidhausen in München Ostbahnhof um. Dieser Name wurde zum 1. Mai 1911 zu München Ost verkürzt. 1880 begann der Bau eines Zentralstellwerkes. 1898 entstand die Strecke nach Deisenhofen über Giesing, 1909 eine Verbindung nach Ismaning und München-Schwabing. Letztere wurde 1927 zusammen mit der Verbindung München–Rosenheim als erste den Ostbahnhof berührende Strecke elektrifiziert.

Von 1912 bis 1924 entstand östlich des Personenbahnhofs der neue Rangierbahnhof München Ost. Gemeinsam mit dem Rangierbahnhof wurde 1924 das neue Bahnbetriebswerk München Ost eröffnet, das die bisherigen Betriebswerksanlagen am Personenbahnhof ersetzte.

Am 24. Mai 1926 hielt – aus Berchtesgaden kommend – gegen 22:30 Uhr der Personenzug 820 vor dem geschlossenen Einfahrsignal in den Bahnhof. Das ihn deckende Signal zeigte aufgrund eines mechanischen Fehlers „Fahrt frei“, obwohl es seitens des Stellwerks auf „Halt“ gestellt worden war. 30 Menschen verloren ihr Leben, als der Zug 814 auf den stehenden Zug auffuhr.Hans-Joachim Ritzau: Von Siegelsdorf nach Aitrang. Die Eisenbahnkatastrophe als Symptom – eine verkehrsgeschichtliche Studie. Landsberg 1972, S. 44, 154.

Bei den Luftangriffen auf München wurde der Bahnhof im April 1944 zerstört und nur teilweise wiederhergestellt. 1952 begann die Errichtung einer provisorischen Schalterhalle. Am 22. Juni 1959 wurde die Autoreisezug-Verladeanlage in Dienst gestellt.

mini|Personentunnel des Bahnhofs München Ost (2010) 1971 ging ein Gleisbildstellwerk (Typ SpDrS60) in Betrieb. Im Mai 1972 wurde das S-Bahn-Netz mit der zentralen hier einmündenden Stammstrecke in Betrieb genommen. 1985 wurde das heutige Empfangsgebäude eröffnet, 1999 das Reisezentrum neu gestaltet. Im Sommer und Herbst 2008 wurden die Fassaden des Hauptgebäudes sowie des angrenzenden Postgebäudes saniert.

Die Variante A des Projekts München 21 sah die Einbindung eines viergleisigen Tunnels vom Hauptbahnhof in den Westkopf des Ostbahnhofs vor. Bei dieser Lösung wären maximal zehn Bahnsteiggleise (zuzüglich S-Bahn) am Ostbahnhof erforderlich gewesen. Im Rahmen der Alternative B sollte ein zweigleisiger Tunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof entstehen, ohne wesentliche Veränderungen am Bahnsteigbereich. Beide Tunnel wären von Fern- und Regionalzügen befahren worden.

Vom 30. August 2004 bis Juni 2025 stellte ein abgesetztes Elektronisches Stellwerk (ESTW-A) die Gleise 4 und 5 des Bahnhofs. Das Gleis 5 ist mit Linienförmiger Zugbeeinflussung und Hochleistungsblock mit Blockkennzeichen im Bahnsteigbereich ausgerüstet, um dichte Zugfolgen von der Stammstrecke zu ermöglichen.

Im Zuge der Zweiten Stammstrecke soll ein unterirdischer Haltepunkt am Ostbahnhof entstehen. Der Mittelbahnsteig an den beiden Tunnelgleisen wird in einer Tiefe von 16 Metern unter der Friedensstraße unmittelbar südöstlich der bestehenden oberirdischen Gleisanlagen errichtet. Um Platz für diese Station zu machen, wurde die Autoreisezuganlage München Ost geschlossen. Der letzte Autoreisezug bediente diese am 22. März 2025. Als Ersatz nahm die Deutsche Bahn am 31. März 2025 die Autoreisezuganlage München Süd in Betrieb. mini|Nach Bahnsteig 13/14 gesperrte Unterführung zur Friedenstraße (2026) mini|Personenüberführung Bahnsteig 13/14 – Friedenstraße (2026) Seit Juli 2025 ist die lange östliche Unterführung zur Friedensstraße bzw. dem Werksviertel nach Gleis 14 geschlossen und wird während der Baumaßnahmen für die zweite Stammstrecke durch eine Überführung ausgehend vom Bahnsteig der Gleise 13 und 14 ersetzt. Die Brücke wird erst wieder abgebaut, wenn die unterirdische Station an der Friedenstraße und damit die zweite Stammstrecke in Betrieb gehen – das dürfte frühestens zwischen 2035 und 2037 der Fall sein.

Hinter dem Ostbahnhof (südöstlich) befanden sich bis 2016 der Kunstpark Ost bzw. die Kultfabrik und die Optimolwerke, seitdem entsteht hier das Werksviertel.

Stellwerksneubau mini|Blick von Südosten auf den Ostbahnhof und auf die Gleise (2019)

Umbauten am Ostbahnhof sind Bestandteil des am 30. Mai 2006 erlassenen Planfeststellungsbeschlusses für den Abschnitt 3 A der zweiten Stammstrecke. Im Zuge der Einführung des 10-Minuten-Taktes notwendige Spurplanveränderungen zwischen Ostbahnhof und Leuchtenbergring wurden bei dieser Planung berücksichtigt, um Spurplanveränderungen zu vermeiden. Ein Großteil der für die Einbindung der zweiten Stammstrecke nötigen Umbauten konzentriert sich jedoch auf den Bahnhofsteil Leuchtenbergring, wo die Gleise an die Oberfläche geführt werden und u.a. eine Verschiebung des bisherigen Bahnsteigs B (Gleise 3 und 4) an eine südlichere Lage mit neuen, am Leuchtenbergring bisher nicht vorhandenen Bahnsteiggleisen 5 und 6 vorgesehen ist.

Parallel dazu wird der Stellbereich S-Bahn des bestehenden Gleisbildstellwerks, der die Bahnhofsteile München Ost S-Bahn (wozu die Bahnsteiggleise 4 und 5 heute nicht zählen), München Leuchtenbergring und München Berg am Laim umfasst, durch ein neues elektronisches Stellwerk ersetzt. Bau und Inbetriebnahme dieses Stellwerks wurden mehrfach verzögert: Die Bauarbeiten starteten im Oktober 2021, die Hauptbaumaßnahmen im Januar 2022. Eine erste Teilinbetriebnahme 1, für die Gleise 1 bis 5 (der S-Bahn), war bei Baubeginn für Mitte 2023 geplant. Im Mai 2023 wurde die Verzögerung auf August 2024 bekannt. Im März 2024 gab die DB eine weitere Verzögerung, bis Sommer 2025, bekannt und begründete dies mit einem erst spät erkannten „bauliche[n] Umsetzungsproblem für die hochkomplexe Stellwerksanlage“. Im November 2024 begannen Abnahmetests. Die Inbetriebnahme der Stellwerke München Ost S-Bahn und München Leuchtenbergring wurde in der Zeit vom 6. bis 13. Juni 2025 durchgeführt, wobei der Betrieb anschließend bis 18. Juni 2025 hochgelaufen ist. Mit der Inbetriebnahme wurde die Betriebsstelle München Ost Pbf aufgeteilt in die Bahnhofsteile München Ost Pbf Fernbahn und München Ost Pbf S-Bahn. Die Inbetriebnahme erfolgte zunächst ohne LZB in München Ost, womit der Hochleistungsblock für in das Gleis 5 einfahrende S-Bahnen nicht nutzbar ist.

Weitere Ausbaustufen dieses Stellwerks umfassen die Anbindung der zweiten Stammstrecke sowie 2029 mit Einbindung der Fernbahngleise und des Bahnhofsteil Giesing die vollständige Ablösung des Gleisbildstellwerks.

Gleisanlagen mini|Blick vom Technischen Rathaus nach Südwest auf die Bahnanlagen (2006)

Insgesamt liegen im Personenbahnhof 17 Gleise. Die Gleise 1 bis 5 sind dem S-Bahn-Verkehr vorbehalten und tragen Beschilderung Ostbahnhof, die Gleise 6 bis 8 und 11 bis 14 sind für den Nah- und Fernverkehr und werden als München Ost ausgewiesen. Zwischenzeitlich (von 2023 bis 2025) waren auch die S-Bahn-Gleise mit München Ost beschildert. Die Gleise 9, 10 und 15 sind für durchfahrende Züge reserviert und haben keinen Bahnsteig. An den Gleisen 16 und 17 befanden sich vor den Baumaßnahmen zur zweiten Stammstrecke Verladeeinrichtungen für Autoreisezüge, die hier auch abgestellt und gereinigt wurden. Von München Ost aus starten die Nachtzuglinien in Richtung Berlin und Hamburg.

Gleis Nr. Linien Richtung136px|S4 36px|S6 36px|S8Stadteinwärts (1. Stammstrecke) 36px|S4 – Geltendorf 36px|S6 – Tutzing 36px|S8 – Herrsching236px|S1 36px|S2Stadteinwärts (1. Stammstrecke) 36px|S1 – Freising / Flughafen München 36px|S2 – Petershausen / Altomünster336px|S3 36px|S5Stadteinwärts (1. Stammstrecke) 36px|S3 – Mammendorf 36px|S5 – Pasing436px|S2 36px|S3 36px|S5Stadtauswärts 36px|S1 – Leuchtenbergring 36px|S3 – Holzkirchen (Linksverkehr bis Bahnhof München-Giesing) 36px|S5 – Kreuzstraße (Linksverkehr bis Bahnhof München-Giesing)536px|S2 36px|S2 36px|S4 36px|S6 36px|S8Stadtauswärts 36px|S1 – Leuchtenbergring 36px|S2 – Erding 36px|S4 – Trudering 36px|S6 – Ebersberg 36px|S8 – Flughafen München6Regionalzüge und Fernverkehr Stadteinwärts – München Hbf7Regionalzüge und Fernverkehr – München Hbf (Mo–Fr) – München Hbf

– Wasserburg (Inn) Bahnhof (Mo–Fr)8Regionalzüge und Fernverkehr Stadtauswärts Richtung Rosenheim – Salzburg Hbf

– Kufstein9Kein Bahnsteig vorhanden10Kein Bahnsteig vorhanden11Regional- und Sonderzüge – Simbach (Inn) oder München Hbf (Mo–Fr) – Mühldorf (Obb.) oder München Hbf

– Endhaltestelle (Mo–Fr)12Regional- und Sonderzüge – Simbach (Inn) oder München Hbf (Mo–Fr) – Mühldorf (Obb.) oder München Hbf

– Endhaltestelle (Mo–Fr)13Ausweichgleis bei Störungen14Ausweichgleis bei Störungen, unterbrochen wg. 2. Stammstrecke15Kein Bahnsteig vorhanden16Ehemals Autozüge, unterbrochen wg. 2. Stammstrecke17Ehemals Autozüge, unterbrochen wg. 2. Stammstrecke

Verkehr Fernverkehr mini|EuroCity mit Elektrolokomotive der ÖBB-Baureihe 1116 im Bahnhof München Ost auf dem Weg nach Klagenfurt am Wörthersee in Österreich (2010)

Es verkehren ICE/EC-Züge aus und in Richtung Salzburg, Railjet-Züge aus und in Richtung Innsbruck und Italien sowie die Westbahn aus und in Richtung Wien. Außerdem halten einzelne Railjet-Züge in Richtung Wien.

Folgende Fernverkehrslinien verkehren im Münchner Ostbahnhof: Linie Strecke Takt RJ 90 München Hbf – München Ost – Salzburg – Wien (– Budapest Keleti pu) zwei Zugpaare ICE/RJ/EC 62 (Frankfurt – Heidelberg – Stuttgart – Ulm – Augsburg –) München Hbf – München Ost – Salzburg – Villach – Klagenfurt – Graz 2-Stunden-Takt (Münster (Westf) – Recklinghausen – Gelsenkirchen – Köln Messe/Deutz – Frankfurt Flughafen – Mannheim – RJ 89 München Hbf – München Ost – Kufstein – Innsbruck (– Bozen – Verona – Venedig / Bologna) 2-Stunden-Takt (Stuttgart – Ulm – Günzburg – Augsburg –) München Hbf – München Ost – Salzburg – Linz – Wien Westbahnhof5 Zugpaare

Nachtverkehr