Ernen (walliserdeutsch Äärne ,Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1b. französisch Aragnon) ist eine Munizipalgemeinde und eine Burgergemeinde mit einem Burgerrat im Bezirk Goms im Schweizer Kanton Wallis. Der Ort bildet zugleich eine Pfarrgemeinde des Dekanats Ernen.

Geographie mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1955 mini|Winter in Ernen VS mini|Kirche Ernen mit dem Finsteraarhorn im Hintergrund mini|Drei Säulen des Galgens von 1702 Die Munizipalgemeinde Ernen liegt im Goms auf der linken Seite des oberen Rhonetals. Ihr Territorium besteht seit der Fusion vom Frühjahr 2005 aus den früheren Gemeinden Ausserbinn, Ernen, Mühlebach und Steinhaus. Die frühere Gemeinde Ernen selber, zu der seit 1872 auch der Weiler Niederernen gehörte, zählte Ende 2000 noch 385 Einwohner., abgerufen am 2. Mai 2014 Ernen ist Teil des regionalen Naturparks Binntal.

Geschichte Ernen wurde erstmals 1214 als Aragnon urkundlich erwähnt; die heutige Lautung findet sich erstmals 1510 als Ärnen bezeugt. Die Herkunft des Namens ist unsicher, vielleicht bedeutet er «(Land, Besitz) des Aranius».Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 332. Geschichte Ernen In: ernen.ch, abgerufen am 14. Mai 2025

Der Ort lag verkehrsgünstig zwischen den Pässen Albrun, Gries, Furka und Grimsel und profitierte jahrhundertelang als Warenumschlagplatz von dieser Lage. Die Gegend war schon in der Latènezeit besiedelt, wie Gräberfunde beweisen. Im Hochmittelalter unterstand das Goms dem erstmals 1135 erwähnten Meiertum von Ernen, im Spätmittelalter war der Zenden Goms in die Majorate Ernen und Münster geteilt. Ernen war neben Münster auch eine der beiden Grosspfarreien des Goms. Die Hochgerichtsbarkeit lag jedoch stets bei Ernen. Drei Säulen des Galgens von 1702 sind bis heute erhalten geblieben ().

Der Bau der modernen Strasse (Furkastrasse 1860–1861) und der Eisenbahnlinie (Furkabahn 1914) auf der anderen Talseite setzten den Ort verkehrstechnisch ins Abseits und führten zu einem wirtschaftlichen Rückgang.

Im Jahr 1974 begann der ungarische Pianist György Sebök, im Sommer Meisterkurse für Pianisten und Kammermusiker in Ernen anzubieten. Seither nennt sich der Ort «Musikdorf». 1987 wurde dieses Angebot durch die Kammermusikreihe «Festival der Zukunft» erweitert. Weitere Veranstaltungen kamen hinzu: eine Reihe mit Barockkonzerten, ein Schreibseminar mit Donna Leon, eine Werkstatt «Biographisches Schreiben» und anderes, so dass Ernen im Sommerhalbjahr ein reichhaltiges kulturelles Programm anzubieten hat.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1950 2000 2016 Einwohner 414 355 299 385 509

Sehenswürdigkeiten

Sehenswert sind besonders die 1214 erstmals urkundlich erwähnte und 1510 bis 1518 umgebaute Kirche St. Georg, die Kapelle Maria Hilf (1690–1709) sowie im Ortsteil Niederernen die 1684 erbaute Kapelle des heiligen Antonius von Padua. Ernen erhielt 1979 den Henry-Louis-Wakker-Preis Wakkerpreis In: heimatschutz.ch, abgerufen am 14. Mai 2025 als Auszeichnung für das besonders schöne und gut erhaltene Dorfbild.

Beispiele für den ehemaligen Reichtum der Gemeinde sind markante Gebäude, wie das Rathaus (1762), das Tellenhaus (1578), das Kapuzinerhaus (1511), das Schulhaus (1538), das Mathäus-Schiner-Haus (1603), das St. Georg-Haus (1629), das Sigristen-Jost-Haus (1580). Das Tellenhaus zeigt aussen Tell-Fresken mit der Darstellung des Apfelschusses, es sollen die ältesten der Schweiz sein.

Diese Häuser stehen rund um den Dorfplatz von Ernen:

Verkehr Ernen liegt an der Strasse zwischen Fiesch und dem Binntal. Die Zufahrt erfolgt über die Kantonsstrasse im Goms.

Der öffentliche Verkehr verbindet Ernen mit Brig und Fiesch. Reisende fahren mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn bis Fiesch. Dort bestehen Postauto-Verbindungen nach Ernen.

Die Region besitzt Anschlüsse an die Autoverlade Furka und Lötschberg. Dadurch bestehen Verbindungen Richtung Urserental und Berner Oberland.

Persönlichkeiten Walter Supersaxo (um 1402–1482), 1441–1457 Pfarrer von Ernen, 1457–1482 Bischof von Sitten Georg Supersaxo (um 1450–1529), Politiker, Gegner von Bischof Matthäus Schiner György Sebők (1922–1999), ungarischer Pianist und Klavierpädagoge, der 1974 das spätere Festival Musikdorf Ernen gründete und der dritte Ehrenbürger in der Geschichte Ernens ist

Literatur

Roland Flückiger-Seiler und Benno Mutter: Ernen und Umgebung (= Schweizerische Kunstführer. Band 581/582). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1995, ISBN 3-85782-581-2. Walter Ruppen: Ernen. In: Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 67 (= Untergoms. Band 2). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Birkhäuser Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7643-1080-4, S. 7–109.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Ernen

Weitere Bilder bei picswiss.ch Musikdorf Ernen Landschaftspark Binntal: Dorfrundgang und Kulturgüter Ernen (Informationsbroschüre) (Archiv) Anton Carlen: Zwischen zwei Brücken. Die Pfarrgemeinde Ernen, ihre alten Häuser und ihre einstigen Bewohner 1963 (PDF; 50 MB; Archiv).

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Wallis Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Wallis

Kategorie:Ort an der Rhone