Pirmasens (auf der ersten Silbe betont;Duden. Das Aussprachewörterbuch (= Der Duden in zwölf Bänden. Band 6). 7., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage. Bearb. von Stefan Kleiner und Ralf Knöbel. Dudenverlag, Berlin 2015, S. 686. pfälzisch Bärmesens []Pfälzisches Wörterbuch. Begründet von Ernst Christmann. Band I: A. B/P. (C). Bearb. von Julius Krämer. Steiner, Wiesbaden 1965, Spalte 933, Stichwort Pirmasens.) ist eine kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz. Sie liegt am Westrand des Pfälzerwalds und ist Verwaltungssitz des Landkreises Südwestpfalz und der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land, von denen sie umschlossen ist.

Der Name geht auf den heiligen Pirminius zurück, der das Kloster in der nahen Landstadt Hornbach gründete. Von dort aus wurde der Klosterhof Pirminiseusna betrieben, der zur Keimzelle der Stadt wurde (siehe auch Pirminius und das Kloster Hornbach).

Pirmasens erlebte Blütezeiten als Garnison- und Residenzstadt im 18. Jahrhundert und später als deutsche Schuhmetropole im 19. und 20. Jahrhundert. Dazwischen gab es immer wieder tiefgreifende wirtschaftliche Krisen, auch heute befindet sich die Stadt nach der weitgehenden Verlagerung der Schuhproduktion ins Ausland noch in einem anhaltenden Strukturwandel.

Geographie Lage Pirmasens liegt am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds im Nordwesten des Wasgaus, der vom Südteil des Pfälzerwalds gebildet wird. Unmittelbar westlich schließt sich zum Zweibrücker Hügelland gehörende Pirmasenser Hügelland an. Die mittlere Höhe der hügeligen Kernstadt beträgt . Die Stadt wird komplett vom Landkreis Südwestpfalz umschlossen. Im Westen liegen die kreisfreie Stadt Zweibrücken und der Saarpfalz-Kreis, im Norden die Landkreise Kusel und Kaiserslautern, im Nordosten der Landkreis Bad Dürkheim, im Osten der Landkreis Südliche Weinstraße und im Süden die Staatsgrenze zu Frankreich mit den Départements Moselle und Bas-Rhin. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Rodalben, Münchweiler an der Rodalb, Lemberg, Obersimten, Vinningen, Bottenbach, Nünschweiler, Höheischweiler und Petersberg.

Stadtgliederung Die Kernstadt ist in acht Teile gegliedert: Der historische Kern erstreckt sich über den westlichen Hang des Horebs, auf dessen Höhe sich ausgedehnte Wohngebiete anschließen. Um den Horeb herum liegen im Uhrzeigersinn der Kirchberg im Süden, das Winzler Viertel im Westen, der Schachen im Nordwesten und die Husterhöhe im Norden. An der Peripherie gelegen sind noch weiter im Norden der Sommerwald, im Südosten die Ruhbank und ganz im Westen der Erlenteich.

mini|Stadtteil Hengsberg Bei den sieben Ortsbezirken – Erlenbrunn, Fehrbach, Gersbach, Hengsberg, Niedersimten, Windsberg, Winzeln – handelt es sich um ehemals selbständige, später eingemeindete Dörfer; seither ist der Bürgermeister durch einen Ortsvorsteher ersetzt. Die Befugnisse des früheren Gemeinderats sind überwiegend auf den Stadtrat, in geringerem Ausmaß ebenso auf den neuen Ortsbeirat übergegangen.

Siehe auch: Liste der Orte in der kreisfreien Stadt Pirmasens

Auf sieben Hügeln erbaut Einem geflügelten Wort zufolge sei Pirmasens – ähnlich wie Rom – auf sieben Hügeln erbaut. Tatsächlich zählt man sieben Erhebungen im Bereich der Kernstadt: Der Horeb, an dessen Fuß der Ort ursprünglich gegründet wurde; der Blocksberg mit dem Winzler Viertel, der Schachen und die Husterhöhe, auf deren Flanken sich die Stadt bis ca. 1900 erweitert hatte; der Kirchberg und der Sommerwald als Neuerschließungen im 20. Jahrhundert sowie der Sengelsberg mit der Ruhbank, das 1956 nach Pirmasens umgemeindet wurde. Nach 1969 wurden noch die Ortsbezirke eingemeindet, die bei den sieben Hügeln allerdings nicht mitgezählt werden.

Gewässer Am südlichen Stadtrand entspringt die Felsalb, die bereits kurze Zeit später von links den Erkelsbach empfängt, anschließend Niedersimten passiert, wo sie von links den Gersbach und dann von rechts den Großen sowie den Kleinen Littersbach aufnimmt; danach bildet sie die Grenze zu Vinningen. Am westlichen Rand der Kernstadt entspringt der Blümelsbach, der sich anschließend s-förmig zwischen Hengsberg und Windsberg hindurchwindet und nordwestlich von Windsberg die Grenze zu Nünschweiler bildet. Im Osten der Gemarkung entspringt der Lamsbach, der nach rund zwei Kilometern von links durch den Dankelsbach verstärkt wird. Am Lamsbach ist der Eisweiher angestaut. Am nördlichen Stadtrand nimmt der nach Norden verlaufende Steinbach seinen Anfang, der – genau wie der Lamsbach – in die Rodalb mündet. Letztere bildet im Südosten teilweise die Gemarkungsgrenze zu Lemberg.

Klima mini|hochkant=2.5|links|Klimadiagramm von PirmasensGeoklima 2.1

Geschichte

Ortsname Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von Pirmasens, die aus der Zeit um 860 stammt und in einer Kopie aus dem 10. Jahrhundert überliefert ist, lautet in loco, qui nunc vocatur Pirminiseusna ‘am Ort, der nun Pirminiseusna genannt wird’ lautet. Sprachgeschichtlich liegt ein Kompositum vor: Das Bestimmungswort ist der Heiligenname Pirminius und steht für den Gründer des Klosters Hornbach, dem die Siedlung gehörte; bis 1360/61 blieb Pirmasens eine vom Kloster Hornbach abhängige Pfarrei. Das Grundwort ist althochdeutsch *einasna ‘Einzelanwesen’. Die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens ist damit ‘Einsiedelei des Heiligen Pirminius’.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 493.

Mittelalter und Neuzeit bis 1900 mini|Karte von Pirmasens im Jahr 1788 mini|Pirmasens um 1910 mit Blick auf den Exerzierplatz, Johanneskirche (links) und Pirminiuskirche (rechts) Zusammen mit Hornbach gehörte Pirmasens ursprünglich zum Bistum Metz und gelangte 1087 durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs IV. an das Bistum Speyer. Wohl Anfang des 12. Jahrhunderts kam das Klostergebiet unter die Vogtei der Grafschaft Saarbrücken und durch Erbteilung 1182/90 zur neuen Grafschaft Zweibrücken. Bald wurde diese Grafschaft wieder geteilt, so dass Pirmasens ab Ende des 13. Jahrhunderts zur Grafschaft Zweibrücken-Bitsch gehörte. 1570 starben die Grafen von Zweibrücken-Bitsch mit Jakob aus. Dadurch kam es zum Erbstreit zwischen den Schwiegersöhnen der beiden letzten Grafen, Philipp V. von Hanau-Lichtenberg und Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Philipp V. konnte sich zunächst durchsetzen, geriet aber durch die sofortige Einführung der Reformation in Konflikt mit dem Lehnsherrn der ererbten Gebiete, dem römisch-katholischen Herzog Karl III. von Lothringen. Dieser besetzte 1572 beide Teile der alten Grafschaft Zweibrücken-Bitsch, die Herrschaft Bitsch im Süden und das Amt Lemberg im Norden, zu dem Pirmasens gehörte. Erst 1606 verließen die lothringischen Truppen nach 34-jährigem Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht das Gebiet. In einem Vergleich wurde das Gebiet geteilt; Bitsch gelangte zu Lothringen, das Amt Lemberg wurde endgültig der Grafschaft Hanau-Lichtenberg zugesprochen. Innerhalb des Amtes wurde Pirmasens Sitz der Amtsschultheißerei Pirmasens.

Das nächste Jahrhundert brachte durch die vielen Kriege regelmäßige Verwüstungen der Region, zusätzlich dezimierten Seuchen die Bevölkerung. Während des Dreißigjährigen Krieges verheerten 1622 und 1634 kaiserliche Truppen den Ort. Von etwa 235 Einwohnern im Jahr 1620 sank die Einwohnerzahl auf etwa 40 im Jahr 1657. Eine vorübergehende Erholung wurde unterbrochen durch eine Pestepidemie 1666 und das Niederbrennen des Dorfes durch französische Truppen im Jahr 1677. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) zogen erneut französische Truppen durch die Region, auch wenn kaum Kampfhandlungen in der unmittelbaren Umgebung stattfanden. Die benachbarte Burg Lemberg wurde 1689 endgültig zerstört. Da Pirmasens am Ende des Krieges in besserem Zustand war als das fast komplett verlassene Lemberg, wurde der Sitz des Amtes Lemberg 1697 nach Pirmasens verlegt. Dies machte das Dorf zum wichtigsten Ort der Umgebung. Auch die Bevölkerungszahl erholte sich langsam durch die Zuwanderung von Religionsflüchtlingen aus unter anderem der Schweiz und Tirol. Eine weitere Aufwertung bedeutete der Bau eines Jagdschlosses unter Graf Johann Reinhard III. Anfang des 18. Jahrhunderts. Mit dessen Tod 1736 fiel Pirmasens an seinen Enkel, den (Erb-)Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt.

Ludwig bevorzugte Pirmasens als Residenz gegenüber der eigentlichen hanau-lichtenbergischen Hauptstadt Buchsweiler. Das stand unter Hoheit des französischen Königs, der dort die Aufstellung bewaffneter Truppen verbot. Im zum Reichsgebiet gehörenden Pirmasens konnte Ludwig dagegen nach preußischem Vorbild Soldaten anwerben. Er ließ das Jagdschloss seines Großvaters ausbauen, verlieh der Siedlung 1763 die Stadtrechte und blieb auch nach Übernahme der Macht in Hessen-Darmstadt 1768 hier. Pirmasens wurde zur Hauptgarnison der Hessen-darmstädtischen Armee. Die Stadt bekam eine Stadtmauer, einen Exerzierplatz und die zum Zeitpunkt der Erbauung nach der im russischen Sankt Petersburg größte Exerzierhalle Europas. Mit dem Tod des Landgrafen 1790 wurde die Residenz verlegt und die Garnison verkleinert. Die kurze Blütezeit der Stadt war zu Ende und auch die Garnisonszeit endete 1792, als die letzten darmstädtischen Truppen vor der anrückenden Französischen Revolution abgezogen wurden. 1793 schlugen die Preußen die französische Moselarmee in der Schlacht bei Pirmasens, konnten den Sieg aber nicht ausnutzen. Noch Ende des Jahres wurde Pirmasens französisch besetzt. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Pirmasens Sitz des gleichnamigen Kantons sowie der gleichnamigen Mairie, die zusätzlich Fehrbach und Ruppertsweiler umfasste. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen, wechselte aber kurz darauf mit der gesamten Pfalz zum Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 war die Stadt Sitz des nach ihr benannten Landkommissariats, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.

Einen erneuten Aufschwung für die Stadt brachten der Wegfall der Grenze nach Süden durch die Angliederung von Elsass-Lothringen 1871 und der Eisenbahnanschluss nach Landau und Zweibrücken 1875. Die stetig an Bedeutung gewinnende Schuhindustrie profitierte von der Industrialisierung und der Erschließung neuer Absatzmärkte. Die Bevölkerungszahl nahm eine ähnliche Entwicklung wie in anderen Industriestädten und stieg bis zur Jahrhundertwende stark an von unter 10.000 auf über 30.000 Einwohner.

In der in Sankt Petersburg (Russisches Zarenreich) 1896 herausgegebenen Bolschaja ėnciklopedija (Bd. 15 Seite 179) heißt es zu Pirmasens:

Seit 1900 Die Encyclopædia Britannica aus dem Jahr 1911 vermerkt unter dem Stichwort Pirmasens:

mini|Brennendes Bezirksamt 1924

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Pirmasens zum französischen Teil der Alliierten Rheinlandbesetzung. Am 1. März 1920 schied Pirmasens aus dem gleichnamigen Bezirksamt aus und war fortan kreisunmittelbare Stadt. Im November 1923 übernahmen pfälzische Separatisten die Kontrolle über die Stadt, ihre Herrschaft scheiterte aber an mangelnden Ressourcen und anhaltendem Widerstand von Bevölkerung und Beamtenschaft. Für den bayerischen Staat organisierte August Eberlein den Kampf gegen die Separatisten. Am 12. Februar 1924 stürmten bewaffnete Separatistengegner das Bezirksamt, Sitz der separatistischen Stadtregierung, setzten es in Brand und lynchten die anwesenden Separatisten. Die Stadt erlebte große wirtschaftliche Instabilität durch den Verlust von Absatzmärkten wie Elsass-Lothringen und dem Saargebiet,Gerhard und Evelyn Stumpf: Geliebtes Pirmasens. 1. Auflage. Bd. 12 (1930–1940). Komet-Verlag, Pirmasens 1994, ISBN 3-920558-18-9, S. 107. die bis 1923 andauernde Inflation, und durch Zollgrenzen, die den Handel erschwerten.