Tit for Tat ist eine englische Redewendung, die zuerst im 16. Jahrhundert in der Form „tip for tap“ belegt ist. Beide Wörter sind in der Bedeutung Schlag, Stubser zu verstehen. Die Redewendung kann grob mit „Wie du mir, so ich dir“ oder Auge um AugeGernot Sieg: Spieltheorie. 2., überarbeitete Auflage, Oldenbourg, München / Wien 2005, ISBN 3-486-27526-7, S. 45. übersetzt werden.

In der Spieltheorie bezeichnet „Tit for Tat“ eine auf dem Prinzip der Reziprozität aufbauende Strategie für iterierte Gefangenendilemmata. Ein Spieler, der die Tit-for-Tat-Strategie anwendet, beginnt die Interaktion mit einem kooperativen („freundlichen“) Spielzug. Danach macht ein Tit-for-Tat-Spieler jeweils den letzten Zug des anderen Spielers nach. Formal wurde diese Strategie bereits in den 1960er Jahren von Anatol Rapoport erarbeitet.Anatol Rapoport (PDF; 80 kB) Institute for Advanced Studies. Bekannt als „Tit for Tat“ wurde sie einer breiten Öffentlichkeit durch das Buch Die Evolution der Kooperation von Robert Axelrod, in dem er einen großen Erfolg dieser Strategie in einem Zweipersonen-Wettkampf online lesen, (PDF 345 kB, abgerufen am 15. September 2015) bei einem Computer-Turnier beschreibt.

Begriffsklärung und Eigenschaften In der Spieltheorie bezeichnet Tit for Tat die Strategie eines Spielers, der in einem fortgesetzten Spiel im ersten Zug kooperiert (sich „freundlich“ verhält) und danach genauso handelt wie der Gegenspieler in der vorausgehenden Spielrunde. Hat der Gegenspieler zuvor kooperiert, so kooperiert auch der Tit-for-Tat-Spieler. Hat der Gegenspieler in der Vorrunde hingegen defektiertSynonyme und Ursprung Synonyme des Verbs in Englisch (Auszug), Oxford Dictionaries 2015. Abgerufen am 19. Juni 2015. desert, go over to the enemy, change sides/loyalties/allegiances, turn traitor, rebel, renege, abscond, go AWOL, quit, escape;(dt.: desertieren, zum Feind überlaufen, wechseln der Seite/Loyalität/Treueschwur, Verräter werden, rebellieren, Versprechen brechen, sich absetzen, sich unentschuldigt von der Truppe entfernen, Schluss machen, flüchten); shift ground, break faith, be apostate, apostatize;(dt.: seinen Standpunkt ändern oder Gefolgschaft verweigern, Vertrauen brechen, abtrünnig sein, vom Glauben abfallen) abandon, renounce, repudiate, secede from, revolt against (Auszug)(dt.: etwas verlassen, etwas entsagen oder abschwören, etwas zurückweisen oder nicht anerkennen, sich von etwas abspalten oder lossagen, sich gegen etwas erheben) Ursprung von . Oxford Dictionaries 2015. Abgerufen am 19. September 2015Zitat: „Late Middle English (as a noun, influenced by Old French defect 'deficiency'): from Latin defectus, past participle of deficere 'desert or fail', from de- (expressing reversal) + facere 'do'.“ (dt. Spätes Mittelenglisch (als Stoffname, beeinflusst vom Altfranzösisch defect 'Mangel'): vom Lateinischen defectus, Partizip Perfekt von deficere 'desertieren oder scheitern', von de- (als Ausdruck der Umkehr) + facere 'tun/machen'.) Anm.: Im deutschen Sprachraum wird der englische Begriff defector zumeist als Defektor übersetzt oder angewandt. Ein defector beim iterierten Gefangenendilemma entspricht einem „Gegen-Spieler“ (vgl. Widersacher). (ein Defektor reagiert „unfreundlich“), so antwortet der Tit-for-Tat-Spieler (zur Vergeltung) ebenfalls mit Defektion.„Tit-for-Tat“-Strategie. Universität Münster.

Die von Anatol Rapoport formulierte Tit-for-Tat-Strategie beinhaltet nicht nur das gerade dargestellte Prinzip der Reziprozität bzw. des Talions „Auge um Auge, Zahn um Zahn: Tue anderen so, wie sie dir getan haben“Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger: strategisches Know-how für Gewinner. Schäffer / Poeschel, Stuttgart 1997, ISBN 3-7910-1239-8, S. 105–108. englisches Original Thinking Strategically: The Competitive Edge in Business, Politics, and Everyday Life. 1991 (Neuauflage, Norton, New York 1993, ISBN 0-393-31035-3), sondern auch der beschränkten Vergeltung, um Strafen gering und Belohnungen hoch zu halten, unabhängig davon, wie das Gegenüber sich verhält. Die Strategie hat außerdem die Regel, zu Beginn einer Interaktion auf jeden Fall kooperativ zu handeln. Tit for Tat ist daher eine freundliche Strategie. Wenn zwei Tit-for-Tat-Spieler aufeinander treffen, kooperieren sie immer.

Das Potenzial der Tit-for-Tat-Strategie wurde in einem vielbeachteten Computer-Experiment von Robert Axelrod deutlich. Dabei bat Axelrod Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, ihm Strategien mitzuteilen, die in Form von Verhaltensregeln die Entscheidungen innerhalb eines wiederholten Gefangenendilemmas bestimmen sollten. Mit diesen Strategien simulierte Axelrod ein Turnier, bei dem jeder Spieler wiederholt gegen jeden anderen antrat. Unter verschiedenen Versuchsbedingungen setzte sich immer wieder Tit for Tat als eine der erfolgreichsten Strategien durch.

In einem wiederholten Gefangenendilemma über mehrere Runden kann ein Spieler mit der Anwendung der Tit-for-Tat-Strategie nie besser abschneiden als der jeweilige Gegenspieler, da ja immer dessen Züge nachgemacht werden. Der maximale Rückstand auf den Gegenspieler ist dafür verhältnismäßig klein. Wenn der andere ebenfalls Tit for Tat spielt (oder eine andere Strategie, die auf Freundlichkeit immer freundlich reagiert), entsteht kein Rückstand, da dann beide Spieler genau gleichmäßig Kooperationsgewinne einstreichen. In einem Spiel mit mehreren Mitspielern dagegen schneidet man in vielen Fällen besser ab als Spieler mit anderen Strategien, da sich dort Kooperation bezahlt macht, die Tit-for-Tat-Strategie sich aber zugleich nicht „ausbeuten“ lässt. Die Strategie „Kooperiere immer“ schneidet hingegen bei unfreundlichen Gegenspielern oder in gemischten Interaktionsgruppen deutlich schlechter ab, da sie sich ausbeuten lässt.

Nach Axelrod erfüllt Tit for Tat vier Eigenschaften, die jede Strategie im wiederholten Gefangenendilemma besitzen muss, die wirkungsvoll sein soll: Klarheit Nachsichtigkeit Nettigkeit Provozierbarkeit

Tit for Tat ist klar und einfach, da sie aus nur zwei sehr einfachen Regeln besteht. Die Strategie ist „nett“, insofern jede Interaktion freundlich beginnt. Sie ist provozierbar, das heißt, sie lässt unfreundliches Verhalten eines Gegenspielers nicht unbestraft. Und sie ist nachsichtig, denn sie reagiert nicht nachtragend und ist bereit, die Kooperation wieder aufzunehmen.

Die Tit-for-Tat-Strategie ist beim iterierten Gefangenendilemma sehr anfällig selbst für geringste Störungen, da ein einziges Missverständnis auf unbestimmte Zeit widerhallen kann. Diese Schwäche versuchen weiterentwickelte Strategien zu überwinden.Per Molander: The Optimal Level of Generosity in a Selfish, Uncertain Environment. In: The Journal of Conflict Resolution, Vol. 29, Nr. 4, Dezember 1985, S. 611–618. Sage Publications, zitiert nach Robert Axelrod: On Six Advances in Cooperation Theory. School of Public Policy, University of Michigan, Ann Arbor (USA), Januar 2000, S. 27; umich.edu (PDF; 140 kB) (Zitat) It is well known that the Tit for Tat strategy suffers from even small amounts of noise because a single mistaken defection can echo indefinitely. Übersetzungsvorschlag: Es ist gut bekannt, dass die Strategie Tit for Tat selbst schon bei geringem Rauschen leidet, da eine einzige falschverstandene Defektion auf unbestimmte Zeit widerhallen kann.

Vergleichbare Maximen „Tit for Tat“ geht als spieltheoretische Strategie auf Anatol Rapoport zurück. Kulturgeschichtlich lassen sich vergleichbare Maximen finden. In der isländischen Hávamál, einem Teil der Edda, findet sich diese Regel:

Das historische Talion strebt ein Gleichgewicht zwischen dem Schaden an, den das Opfer einer Tat erleidet, und dem Schaden, mit der Täter gestraft werden soll. Ein Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung fordert die Quid-pro-quo-Regel.

Tit for Tat im wiederholten Gefangenendilemma Tit for Tat wurde als erfolgreiche Strategie im wiederholten Gefangenendilemma bekannt. Dabei stehen zwei Angeklagte vor einer schweren Entscheidung, denn das Urteil über ihre Schuld oder Unschuld wird nach strengen Regeln gefällt. Verrät nur einer der beiden den anderen, so wandert der Verratene für fünf Jahre hinter Gitter. Der Verräter jedoch wird freigesprochen und erhält zusätzlich noch eine Belohnung. Verraten einander beide gegenseitig, müssen beide für drei Jahre in den Knast. Und verrät keiner den anderen, werden beide freigesprochen. Allerdings bekommt dann keiner von ihnen eine Belohnung.

Wenn man nur eine einzelne dieser Entscheidungen betrachtet, wäre die Sache einfach: Jeder Angeklagte würde annehmen, dass der andere den größtmöglichen Gewinn wählt: die Freiheit und das Geld. Das Resultat wäre damit klar: Beide würden einander verraten und wanderten ins Gefängnis.

Werden die beiden Gefangenen wiederholt vor diese Entscheidung gestellt und ist beiden die jeweils vorherige Entscheidung des anderen bekannt, gibt es verschiedene Strategien, um das Spiel erfolgreich zu durchlaufen. Tit for Tat ist dabei eine der erfolgreichsten.

In diesem Beispiel bedeutet das, dass einer der Gefangenen generell kooperativ in das Spiel geht und dem anderen Teilnehmer hilft, indem er schweigt. Sollte der andere Gefangene nun nicht schweigen, so rächt sich der Tit-for-Tat-Spielende in der folgenden Runde, indem er auch nicht schweigt. Allerdings ist er bereit, sofort zu vergessen, wenn sich der Mitspieler bessert und wieder kooperativ spielt. In der nächsten Runde wird er auch wieder kooperativ spielen.

Diskussion praktischer Anwendungen Kommunikationsverbot? Das wiederholte Gefangenendilemma, bei dem Tit for Tat durchschnittlich gut abschneidet, setzt extreme Spielregeln in einer extremen Situation. Ob eine reale Handlungssituation ausreichend genau als wiederholtes Gefangenendilemma interpretiert werden kann, ist jedoch nicht immer klar. So besteht die einzige „Kommunikation“ der beiden Spieler darin, dass sie jeweils die vorherige Entscheidung des anderen kennen. Die oft naheliegende Möglichkeit, sich mit dem andern explizit über ein kooperatives Verhalten zu verständigen, ist definitionsgemäß nicht möglich.

Missverständnisse zwischen Großmächten Zwei potenzielle Probleme von Tit for Tat sind die schnelle Provozierbarkeit sowie der Vergeltungsautomatismus der Strategie. So ist die Anwendung der Regel in Situationen gefährlich, in denen die Reaktion des Interaktionspartners nicht richtig erkannt oder interpretiert werden kann. Wird eine Aktion beispielsweise fälschlich als Defektion erkannt, ist ein Missverständnis aufgetreten. Aber auch eine fälschlich als unfreundlich erkannte Aktion löst bei einem Tit-for-Tat-Spieler sofort eine eigene unfreundliche Reaktion aus. Spielt auch der andere Spieler Tit for Tat, kann es aufgrund dieses einen Missverständnisses zum vollständigen Zusammenbruch der Kooperation kommen.

So wurde beispielsweise im Jahre 1987 die amerikanische Botschaft in Moskau von sowjetischen Agenten abgehört und ausspioniert. Die USA verringerten daraufhin die Zahl der in Washington zugelassenen sowjetischen Diplomaten. Die Sowjets wiederum zogen die einheimischen Hilfskräfte von der Moskauer US-Botschaft zurück und verlangten eine Verkleinerung der amerikanischen Delegation. Im Ergebnis wurde es für beide Seiten schwieriger, ihrer diplomatischen Tätigkeit nachzugehen.