Die Westfälische Mühlenstraße ist eine Bezeichnung für ein Tourismuskonzept im Kreis Minden-Lübbecke, das 43 restaurierte Mühlen zu einer erfahrbaren Route verbindet. Nur an zwei Stellen verlässt der Rundkurs für wenige Kilometer das Kreisgebiet: Zwischen Heimsen und Großenheerse verläuft er ein Stück durch den Landkreis Nienburg (Niedersachsen) in der Nähe der Niedersächsischen Mühlenstraße;Arbeitsgruppe Mühlenstraße i.d. Mühlenvereinigung Niedersachsen – Bremen e. V.: Landkreis Nienburg zwischen Oberbauerschaft und Holzhausen führt die Strecke durch den Kreis Herford.Kreis Minden-Lübbecke: Die Westfälische Mühlenstraße – Karte in Originalgröße
Viele der in der Westfälischen Mühlenstraße zusammengeschlossenen Mühlen sind betriebsbereit und können an Öffnungstagen besichtigt werden. An fast jedem Wochenende und an Feiertagen zwischen März und Oktober ist mindestens eine der Mühlen geöffnet, die an dem betreffenden Termin ihren Mahl- und Backtag hat.Mühlenkreis Minden-Lübbecke: Mahl- und Backtage 2012 (PDF; 4,6 MB) Fast alle Mühlen führen am Pfingstmontag (dem Deutschen Mühlentag) und am vierten Sonntag im August (dem Kreismühlentag)Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Kulturatlas Westfalen gleichzeitig Führungen und ein touristisches Programm durch. Fast alle für die Jahre 2020 und 2021 geplanten Mahl- und Backtage fielen wegen der COVID-19-Pandemie aus.
Die Mühlen werden von lokalen Mühlenvereinen unter Federführung des Mühlenbauhofes Petershagen betreut. Der Mühlenkreis beherbergt im Mühlenbauhof weiterhin die Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e. V.
Die DGM ist das einzige deutsche Gründungsmitglied der Via Molina. 2018 schlossen sich Mühlenorganisationen aus den Niederlanden, Deutschland und DänemarkVia Molina: Über uns mit dem Ziel zusammen, die Via Molina als Kulturweg des Europarat zertifizieren zu lassen. Durch diesen Kulturweg sollen mittel- bis langfristig Mühlen in ganz Deutschland sowie in weiteren europäischen Staaten miteinander verbunden werden. Mit der Niedersächsischen Mühlenstraße ist die Westfälische Mühlenstraße bereits seit Jahren durch die Anbindung von drei Mühlen im Landkreis Nienburg über eine Nebenroute vernetzt.
mini|Galerieholländer Windmühle Eilhausen mini|Durchfahrtholländer Windmühle Südhemmern Geschichte Ende der 1960er Jahre erkannte man um den Kreisheimatpfleger Wilhelm Brepohl die Bedeutung der im Kreis vorhandenen Mühlenreste. Mit wenigen Getreuen machte er sich an die Erhaltung und Restaurierung der Mühlen und legte damit einen Grundstein für die Renaissance der Mühlen in den westlichen Bundesländern. Durch die frühe Entscheidung zum Erhalt der historischen Maschinen wurde der Mühlenkreis der Vorreiter im Erhaltungsprogramm der Wind- und Wassermühlen in Norddeutschland. Bald wurde dieses Vorhaben auch finanziell durch den Kreis und das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt, Förderprogramme der EG und später der EU kamen hinzu. Bis heute hat der Kreis mit seinem Mühlenerhaltungsprogramm 43 – teilweise nur als Ruinen erhaltene – Mühlen restauriert. Windmühlen, Wassermühlen, Rossmühlen und eine rekonstruierte Schiffmühle auf der Weser wurden zu einem einzigartigen Freilichtmuseum arrangiert.
Konzept Die in der Mühlenstraße berücksichtigten Mühlen werden langfristig angepachtet und anschließend einer örtlichen Mühlengruppe zur Betreuung übergeben. Die Hauptaufgabe der betreffenden Mühlengruppe ist es, Besucher der Mühlen zu betreuen. Daneben werden Ehrenamtliche als Arbeitskräfte in einem produzierenden Denkmal benötigt. Die bauliche Betreuung liegt in den Händen des Mühlenbauhofs, der alle Planungen und Restaurierungsarbeiten durchführt. Zeitweise wurde geplant, eine Ausbildungsmühle einzurichten, um Mitgliedern von Mühlengruppen die Fähigkeiten des Mahlens und Backens in Baudenkmälern zu vermitteln. Diese Idee wurde jedoch nicht realisiert.
Mitte der 1980er Jahre wurde die Westfälische Mühlenstraße erfolgreich in ein Tourismuskonzept des Kreises Minden-Lübbecke eingebunden, die nicht nur den Erhalt der Technik, sondern auch deren touristische Vermarktung als Schwerpunkt definierte. Weitgehend parallel zur Mühlenstraße wurde eine Mühlenroute angelegt, die als Fernradweg die Mühlen erschließt. Sowohl bei der Mühlenstraße als auch bei der Mühlenroute wurde großer Wert darauf gelegt, dass Ausflügler durch Wegweisersysteme leicht die gesuchten Objekte finden können.
mini|Weihnachtliche Beleuchtung der Windmühle Destel Die Zahl der Übernachtungen stieg, der Kreis wurde fest mit dem Begriff der Mühlen verbunden. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei die Selbstbezeichnung des Kreises Minden-Lübbecke als „Mühlenkreis“ ab den 1990er Jahren. Unter diesem Logo werden auch landwirtschaftliche Produkte vermarktet. An einigen Mahl- und Backtagen stoßen Mühlenvereine einiger Mühlen aufgrund hoher Besucherzahlen an die Grenzen ihrer Kapazitäten.
Einige der Windmühlen entlang der Mühlenstraße bzw. der Mühlenroute werden in der Advents- und Weihnachtszeit illuminiert.
Mühlen der Westfälischen Mühlenstraße Die Nummerierungen entsprechen der aktuellen Mühlenkarte und dienen der schnelleren Zuordnung.
Bockwindmühlen Bockwindmühlen bestehen aus einem Gebäude, das wie ein Kasten wirkt, der auf einen Bock aufgestellt ist. Die Drehebene ist demnach unter dem Kasten, alle Maschinen sind im Kasten untergebracht und müssen demnach mitgedreht werden. Daher können solche Mühlen nur eine begrenzte Anzahl von Maschinen aufnehmen.
Zur Westfälische Mühlenstraße gehören folgende Bockwindmühlen:
Bockwindmühle Neuenknick Die Bockwindmühle Neuenknick wurde 1747 in Warmsen aufgebaut. Sie ist in ihrer ursprünglichen Bauart erhalten geblieben. Anfang 1899 wurde die Mühle für 600 Taler verkauft, zerlegt und auf Wagen nach Neuenknick gebracht. Neben einem großen Schrotgang wurden zwei weitere kleinere Mahlgänge eingerichtet, die durch einen Rohölmotor oder Wind betrieben werden konnten. Die Mühle wurde nach einem Schaden zeitweise nur mit zwei Flügeln betrieben. Die Mahlgänge sind Anfang der 1980er Jahre ausgebaut worden.
Bockwindmühle Oppenwehe Die Bockwindmühle Oppenwehe hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie wurde 1705 als Gutsmühle des Rittergutes Hüffe erstmals erwähnt. 1868 wurde sie abgebaut und nach Oppenwehe transportiert. Wieder aufgebaut wurde sie am heutigen Standort im Jahre 1873. In den 1870ern wurden alle Gebäude um die Mühle abgerissen und die Mühle selbst mit eingezogenen Stützen komplett stillgelegt und die Seitentaschen beseitigt. Ab 1991 wurden die „Sünden“ der 1970er Jahre beseitigt, indem der Bock und das Mühlenhaus mit den Seitentaschen komplett neu gebaut wurde. Durch diesen Neubau erhielt man die Chance die ursprüngliche Technik wieder einzubauen und ein produzierendes Denkmal zu erhalten.
Bockwindmühle Wehe Die Bockwindmühle Wehe ist nach bisherigen Erkenntnissen die älteste im Kreis Minden-Lübbecke an einem Standort stehende Windmühle. Seit ungefähr 1370 stand hier eine Mühle. Als Bischofs-Mühle wurde sie in einem Urkundenbuch von 1370 erwähnt. Damit beginnt die Weher Mühlengeschichte.
Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Kammrad ein zweites Rad angebaut, um ein zweites Getriebe installieren zu können, das über ein stehendes Vorgelege zwei Gänge und Maschinerie betrieb. Damit war die Mühle im Stande, ohne große Umbaumaßnahmen Energie für weitere Maschinen zur Verfügung zu stellen. Das Vorgelege wurde zusätzlich durch einen unter der Mühle angebrachten Dieselmotor angetrieben, so dass der Windantrieb zeitweise gänzlich wegfiel. Der Dieselmotor Fabrikat „Baumi“ steht heute noch unter dem Mühlenkasten, ist allerdings nicht mehr funktionsfähig. Zusätzlich wurde an nur einer Seite eine Tasche angehängt, um die Lagerkapazitäten zu vergrößern. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist die Mühle mit nur zwei Flügeln betrieben worden. 1944 wurde der eiserne Wellenkopf abgesägt, er fiel dabei nach unten und beschädigte den Mühlenkasten schwer. Die Schäden wurden nur notdürftig geflickt. 1953 wurde dann das Müllergewerbe endgültig abgemeldet, nachdem zum Schluss nur noch mit einem Elektromotor ein Mahlgang angetrieben wurde. In den darauffolgenden Jahren war die Mühle stark dem Verfall preisgegeben, so dass man sie ganz abtragen musste und komplett neu errichtet hat. Einige Originalteile waren noch recht gut erhalten und konnten wieder verbaut werden, wie der Hausbaum, der Mehlbalken und noch wenige mehr. Von 1979 bis 1982 wurde die Mühle restauriert und mit der einfachsten technischen Ausstattung, nur einem Schrotgang wieder aufgebaut. Zur Rahdener Woche 1984 wurde die Bockwindmühle Wehe dann feierlich eröffnet.
Holländerwindmühlen Bei Holländerwindmühlen ist die Drehebene unter die Haube nach oben gewandert, das Gehäuse ist ein feststehendes Gebäude und kann viel mehr Maschinerie als die Bockwindmühle aufnehmen und höher in den Wind gebaut werden (bessere Energieausnutzung).
Einen Sonderfall des Typs Holländerwindmühle stellen Königsmühlen dar. Diese wurden im Auftrag des preußischen Staates im 18. Jahrhundert gebaut und für Rechnung des Fiskus betrieben. Sie wurden bereits gegen Ende desselben Jahrhunderts im Regelfall erblich verpachtet. Die als Königsmühle errichteten Windmühlen weisen bauliche Gemeinsamkeiten auf: Sie besitzen ein relativ dickes Mauerwerk, erlauben einen freien Blick über das umliegende Gelände, und in Kriegen konnten die Fenster als Schießscharten genutzt werden. Im Umkreis der Königsmühlen bestand im 18. Jahrhundert Mahlzwang: Der preußische König als Landesherr sicherte Einkünfte aus seinen Mühlen, indem er die Benutzung anderer Mühlen bei empfindlichen Strafen verbot. Von den Holländerwindmühlen des Kreises Minden-Lübbecke sind die Mühlen Eilhausen, Großenheide und Seelenfeld Königsmühlen.
Zur Westfälischen Mühlenstraße gehören folgende Holländerwindmühlen:
Windmühle Bierde mini|hochkant|Windmühle Bierde Der Wallholländer in Bierde wurde 1802 erbaut. An dieser Mühle finden sich einige Sonderformen. Da ist zum einen der von der Erde bis unter die Kappe geradlinige hölzerne Achtkant. Eine einfachere Konstruktion als die ansonsten taillierten Mühlenkörper, die den Wind besser ableiten und den Staudruck nach den Flügeln vermindern. Aber es geht auch so wie die Mühle in Bierde zeigt. Dann ist da die zum Windrosenbock verarbeitete Eichastgabel. Und zum anderen ist die Mühle mit neuen Jalousieflügeln ausgerüstet, die nicht mit einer durchbohrten Flügelwelle angesteuert werden, sondern durch eine Hecht’sche Jalousieansteuerung, Hinweis auf eine nachträgliche Änderung der Flügelart. Die Hecht’sche Jalousieansteuerung findet sich äußerst selten im Mühlenkreis. Das Getriebe der Mühle ist noch nicht funktionsfähig, so dass die Flügel sich ohne Last drehen.
Neben der Windmühle ist in einem Gebäude die Dampfmühle untergebracht. Das Gebäude bot viel mehr Platz und konnte durch die neue Energie Dampf angetrieben werden. Diese Mühle hat bis 1990, zum Schluss im Eigenbedarf, gearbeitet.
Windmühle Destel mini|hochkant|Windmühle Destel Der Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute, auf verputztem Bruchsteingeschoss stehende, Galerieholländer hat mit seinem verbretterten und geschindelten Achtkant nach der Restaurierung mit Kappe, Stert und windgängigen Segelflügeln wieder sein ursprüngliches Äußeres erhalten. Die Galerie ist kaum sichtbar, da sie von niedrig gehaltenen Bäumen umgeben ist.
Windmühle Dützen mini|hochkant|Windmühle Dützen Ein genaues Baudatum der „Hummelbecker Windmühle“, wie die Dützer Mühle nach dem ältesten Dützer Ortsteil schon immer genannt wurde, steht nicht fest. Aussagen des Bölhorster Müllers aus der damaligen Zeit lassen den Schluss zu, dass die Mühle zwischen 1808 und 1813 errichtet wurde. Seit der Restaurierung besitzt der Wallholländer mit seiner hohen Durchfahrt wieder eine Haube, eine Windrosenanlage und windgängige Segelflügel.