mini|hochkant=1.3|Braunschweiger Schloss Das Braunschweiger Schloss ist die ehemalige Residenz der Herzöge von Braunschweig am Schlossplatz in Braunschweig. Die klassizistische Dreiflügelanlage wurde 1833 bis 1841 durch Herzog Wilhelm von Carl Theodor Ottmer errichtet. Nach der Beschädigung 1945 und dem Abriss 1960 wurde das Schloss 2005 bis 2007 wiederaufgebaut. Seitdem dient es als Sitz der Schlossarkaden, des Schlossmuseums und der Stadtbibliothek.

Erster Bau (1717–1830) An der Stelle, wo unter der Leitung des braunschweigischen Landbaumeisters Hermann Korb ab 1717 das erste Schloss entstand, befand sich seit dem Mittelalter der Stadt- und Wirtschaftshof, die innerstädtische Niederlassung der Zisterziensermönche, aus dem östlich vor den Toren Braunschweigs gelegenen Kloster Riddagshausen. Die Gebäude lagen direkt am Bohlweg in dessen Mitte und erstreckten sich über Höfe in die Geländetiefe. Die Bezeichnung „Grauer Hof“ gaben die Braunschweiger Bürger dem Schlosssaal später wegen der grauen Farbe der Riddagshäuser Mönchskutten. Für den Schlossbau musste noch Fläche von den nördlich benachbarten Eigentümern hinzu erworben werden. Bis 1671, als die Stadt Braunschweig ihre Unabhängigkeit verlor, diente der Wirtschaftshof als Quartier für die Welfen-Herzöge, wenn diese zu Besuch in Braunschweig waren. Bis 1754 lag ihre Residenz in Wolfenbüttel. Erste Planungen für den Neubau der innerstädtischen Nebenresidenz der Herzöge begannen auf Weisung von Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel unter Baumeister Korb um 1715.

mini|Barocker Bau, nach 1717 mini|Brand des Schlosses, 1830

1717 schließlich begannen umfangreiche Neubaumaßnahmen auf dem Gelände des Grauen Hofes. Die alten Klostergebäude wurden abgerissen, und so entstand allmählich die erste Residenz der Herzöge in Braunschweig. Die Fassaden der Seitenflügel wurden aus Fachwerk errichtet (was typisch war für Hermann Korb), die Fassade des jüngeren Mitteltraktes von 1783/1791 vermutlich aus Hilssandstein, auch Lutterer Sandstein genannt, weil er aus der unmittelbaren Umgebung von Lutter am Barenberge stammt. Der Mittelbau (Corps de Logis) verfügte über zwei Geschosse mit Mezzanin, das Erdgeschoss hatte die für Korb typischen gedrückt bogenförmigen Arkaden. Die inneren Seitenflügel (Cour d’Honneur) waren um den U-förmigen Hof angeordnet, die äußeren Flügel trapezartig nach außen erweitert. Die Seitenflügel waren etwa 100 Meter lang und der Kopfbau mit den Staatssälen etwa 50 Meter. Mit den Außenflügeln öffnete sich das Schloss der Stadt. Diese typisch französische Gestaltung endete hart am Bohlweg, es hatte keinen eigentlich dazugehörenden, gegenüberliegenden Ehrenhof. Erst Peter Joseph Krahe versuchte – vergeblich – im Jahre 1811, als der „Graue Hof“ eine Nebenresidenz des Königs von Westphalen war, den Bau eines solchen Ehrenhofes durchzusetzen.

Während der Regierungszeit Herzog August Wilhelms wurden 1724 die inneren Flügel mit der Kapelle fertiggestellt. In den 1730er Jahren wurden die Arbeiten am inneren Südflügel beendet. Die Arbeiten am Mittelbau waren damals noch nicht abgeschlossen. So musste das Gebäude zunächst durch ein Notdach geschützt werden. Unter dem neuen Bauleiter Martin Peltier de Belfort wurde von 1752 bis 1754 der äußere Nordflügel nach den Plänen des bereits 1735 verstorbenen Korb ausgeführt. Obwohl das Schloss 1753 noch nicht fertiggestellt war, wurde die Residenz nach Braunschweig verlegt. Erst 1790 während der Regierung Herzog Karl Wilhelm Ferdinands wurde sie mit dem massiven Mittelbau unter Leitung der Hofbaumeister Christian Gottlob Langwagen und Wilhelm von Gebhardi in reinem Klassizismus zwischen 1783 und 1791 vollendet. Während der Besetzung und Annexion von Stadt und Herzogtum Braunschweig durch die Truppen Napoléons I. zwischen 1806 und 1813 (siehe Département Oker) gestaltete Peter Joseph Krahe schließlich das Gebäude für Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoléons und König des neu geschaffenen Königreiches Westphalen, zu dem Braunschweig seit 1807 gehörte, im Empire-Stil zur königlichen Winterresidenz um. Sowohl seine Blütezeit als auch seinen Untergang erlebte das Schloss unter Herzog Karl II.

Am 7. September 1830 kam es zu einer Revolution in Braunschweig. Bürger und Landstände der Stadt und des Herzogtums rebellierten gegen Herzog Karl II., den sie später wegen seines sagenhaften, durch Spekulation erworbenen Reichtums „Diamantenherzog“ nannten. Im Zuge dieser Revolution stürmte eine aufgebrachte Menschenmenge zunächst das prächtig umzäunte Gelände der Residenz und anschließend das Schloss, um es zu plündern und niederzubrennen. Ohne dass dabei die Wachtruppe eingriff und ohne dass das in der Nähe befindliche Wohngebäude in Mitleidenschaft gezogen wurde, brannte das Schloss in der Nacht auf den 8. September 1830 im Bereich von Nordflügel und Mitteltrakt bis auf die Grundmauern nieder, der Südflügel war nur beschädigt worden. Herzog Karl II. floh am selben Abend aus Braunschweig und kehrte nie wieder zurück. Auf Bitte des Braunschweiger Magistrats, der anstelle des untätigen Staatsministeriums handelte, folgte ihm zwei Tage später sein Bruder Wilhelm als Regent. Karl sanktionierte dies am 20. September in der Hoffnung, wieder zurückkehren zu können. Nachdem der Deutsche Bundestag Wilhelm am 2. Dezember anerkannt hatte und Karl im Februar 1831 für regierungsunfähig erklärt worden war, huldigten am 25. April 1831 die Landstände Wilhelm als Herzog von Braunschweig. Er regierte bis zu seinem Tod am 18. Oktober 1884.

Zweiter Bau (1841–1960) Residenz und Museum mini|Entwurfszeichnung von Carl Theodor Ottmer (1830/31), welche die nie gebauten Kolonnaden zeigt mini|Klassizistischer Bau, nach 1841 mini|Ansicht des Schlosses, um 1900

Der braunschweigische Hofbaumeister Carl Theodor Ottmer, der im Umfeld Karl Friedrich Schinkels in Berlin ausgebildet worden war, erhielt nun den Auftrag, ein neues Schloss zu planen und zu bauen. Am 15. Mai 1831 war die Annahme der Baupläne, und am 23. Juni desselben Jahres erfolgte der erste Spatenstich. Am 26. März 1833 wurde der Grundstein für diesen Neubau gelegt. Der mit der Front nach Westen ausgerichtete, dreiflügelige, U-förmige Bau fand im Dezember 1837 einen ersten Abschluss mit der Vollendung der herzoglichen Privaträume im Nordflügel. Zwischen 1838 und 1841 wurden die Repräsentationsräume im Haupt- und Südflügel fertiggestellt, so dass das Gesamtgebäude am 21. März 1841 vollendet und mit einer Theateraufführung im Südflügel eingeweiht wurde. Als Gesamtanlage blieb das Schloss allerdings ein Torso, da Herzog Wilhelm 1839 den weiteren Ausbau untersagt hatte. Es entfielen die dreireihigen Kolonnaden in Form von zwei Viertelbogen seitlich des großen Schlossplatzes als Verbindung mit dem Bohlweg, und die kleinen zweireihigen Säulengänge rings um den ostwärts gelegenen Schlossgarten. Auch viele Teile der Bauornamentik der Westseite und die Quadriga auf dem Schloss kamen nicht mehr zur Ausführung. Im Gedenken an seinen Erbauer, der 1843 verstarb, wird das Braunschweiger Schloss auch „Ottmer-Schloss“ genannt. Ein erneuter Brand in der Nacht des 24. Februar 1865,Klaus-Dieter Wille (Hrsg.): Der Brand des Braunschweiger Schlosses am 23. Februar 1865. Ein Augenzeugenbericht. In: Der Herold. Vierteljahrsschrift für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften. Neue Folge Band 19, 58. Jg., Heft 3–4, 2015, , S. 230–238. verursacht durch einen technischen Defekt, zerstörte den Nordtrakt und den nordwestlichen Teil des Hauptgebäudes. Bis 1868 rekonstruierte Baumeister Carl Wolf mit Unterstützung von Constantin Uhde das klassizistische Schloss nach den ursprünglichen Entwürfen Ottmers. Im Jahr 1874 wurden auf dem Schlossplatz Reiterstandbilder der Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelm aufgestellt.Elmar Arnhold, Sándor Kotyrba: Klassizismus in Braunschweig. Arnhold & Kotyrba, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-942712-09-5, S. 51.

Als Wilhelm, der braunschweigische Welfen-Herzog, am 18. Oktober 1884 ohne legitimen Erben starb, fiel die Regierung Braunschweigs zunächst an den vertretenden Thronrat aus drei leitenden Ministern des Staatsministeriums und vom 21. Oktober 1885 an einen auswärtigen Regenten. Da das Kaiserreich und auch Preußen die „Bundestreue“ des rechtmäßigen Erben, Kronprinz Ernst-August von Hannover, nicht gewährleistet sahen, sollte er in Braunschweig das Erbe der Nebenlinie antreten. Denn Ernst August hielt weiterhin seinen Anspruch auf das ehemalige Königreich Hannover aufrecht, das 1866 durch Preußen nach dem verlorenen österreichisch-preußischen Krieg annektiert worden war. Hannover hatte auf der Seite Österreichs gestanden. So residierten als Regenten zunächst Albrecht von Preußen bis zu seinem Tode am 13. September 1906 und anschließend vom 28. Mai 1907 an Johann Albrecht zu Mecklenburg bis zum 1. November 1913 im Schloss. Erst durch die Heirat von Herzog Ernst August III. mit Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, der Tochter Kaiser Wilhelms II., und durch die damit verbundene Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen bestieg am 1. November 1913 noch einmal ein Welfe den Braunschweiger Thron und zog in das Braunschweiger Residenzschloss ein.

Das Gebäude selbst blieb in dieser Zeit unverändert erhalten und war bis zum 8. November 1918 Sitz des Hauses Braunschweig-Lüneburg. In Folge der Ausbreitung der Novemberrevolution auch in Braunschweig wurde Herzog Ernst-August an jenem Tag zur Abdankung gezwungen. Er übergab die Regierungsgeschäfte an den Arbeiter- und Soldatenrat mit dem Spartakisten August Merges an der Spitze und verließ Braunschweig kurz darauf mit seiner Familie, um zunächst nach Karlsruhe zu gelangen und von dort aus ins österreichische Exil nach Gmunden. Daraufhin wurde das ehemalige Residenzschloss zunächst Hauptquartier des Arbeiter- und Soldatenrats. Ab Frühjahr 1919 wurden die als nutzlos und wenig wertvoll erachteten Einrichtungsgegenstände sowie das Mobiliar bis zum Sommer 1922 verkauft. Die Abgabe an braunschweigische Landesstellen bis zur „Gesandtschaft in Berlin“ zog sich bis Ende 1919 hin. Einiges war in der Zeit des Hauptquartiers des Arbeiter- und Soldatenrates auch gestohlen worden. Am 7. März 1920 wurde das erste Museum im Schloss eingerichtet, in dem die wertvollsten Ausstattungsstücke der vormaligen herzoglichen Herrschaft verwahrt werden sollten. Durch den Ausgleich von 1925 mit dem vormaligen Herzogshaus gingen 1926 zusätzlich kostbares Mobiliar und fast alle Gemälde in das Schloss Richmond und nach Schloss Blankenburg und somit in den Besitz der Welfen über.Bernd Wedemeyer, Helena Horn: Auf Umwegen ins Schloss. Fundstücke und ihre Geschichte(n). Schlossmuseum Braunschweig, Weidmann/Post, Braunschweig Mai 2012, Einleitungstext.

Neben der Nutzung der 1. nordwestlichen Etage als Schlossmuseum enthielt das Gebäude auch im Großen Festsaal das „Kleine Haus“ des Braunschweigischen Staatstheaters, im Gartensaal das Naturhistorische Museum, im 2. Obergeschoss Institute der Technischen Hochschule Braunschweig, im Südflügel, wohl im 2. Obergeschoss, eine Galerie für Moderne Kunst (gegründet von Otto Ralfs), Teile der Öffentlichen Bücherei und die Landessteuerstelle. Vor dem Schloss fanden 1931 die Aufmärsche beim großen Gautreffen der Nationalsozialisten und ihrer Kampfverbände SA und SS vor ihrem Führer Adolf Hitler statt. Nach Auslagerung dieser Landesfunktionen ab Sommer 1934 und entsprechendem Innenumbau beherbergte das Gebäude ab dem 29. Juni 1935 eine der im nationalsozialistischen Deutschland geschaffenen SS-Junkerschulen zur militärischen und ideologischen Ausbildung bzw. Schulung späterer SS-Offiziere.

Beschädigung und Abriss mini|links|Luftbild des Braunschweiger Schlosses, 1936 mini|Abriss des Braunschweiger Schlosses, im Sommer 1960 mini|Abrissarbeiten am Portal des Braunschweiger Schlosses, 1960