Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, zumeist Johann Friedrich Adolph von der Marwitz (* 24. März 1723 in Friedersdorf; † 14. Dezember 1781 in Berlin) war ein preußischer Generalmajor.

Leben mini|100px|Wappen derer von der Marwitz. Herkunft Johann Friedrich Adolf entstammte dem alten märkischen Uradelsgeschlechts von der Marwitz. Seine Eltern waren der Erbherr von Friedersdorf und Kapitän a. D. August Gebhard von der Marwitz (1695–1753) und dessen Ehefrau Helene Sophia, geborene von Loeben aus dem Hause Kunersdorf. Der spätere preußische Generalleutnant Gustav Ludwig von der Marwitz und der Hofmarschall Behrendt Friedrich August von der Marwitz waren seine Brüder.

Militärkarriere Im Alter von 17 Jahren wurde Marwitz im Regiment Gensdarmes der Preußischen Armee angestellt und brachte es im Laufe der Jahre zum Kommandeur dieses Regiments, das er in der Schlacht bei Zorndorf mit Auszeichnung führte. Danach wurde er zum Major befördert und erhielt den Orden Pour le Mérite. Er tat sich auch in der Schlacht bei Hochkirch hervor. Gegen Ende des Siebenjährigen Krieges eroberten die preußischen Truppen das kurfürstlich-sächsische Jagdschloss Hubertusburg in der Nähe von Leipzig. Marwitz bekam das Schloss von König Friedrich II. geschenkt, mit dem Auftrag, es gründlich zu plündern (dies sollte die Rache des Königs für die Plünderung des Schlosses Charlottenburg im Jahre 1760 durch Russen, Österreicher und Sachsen sein, bei der der König seine Antikensammlung verlor). Auf die Aufforderung des Königs, das wertvolle Mobiliar wegzuschaffen, antwortete Marwitz, „es würde sich allenfalls für den Offizier eines Freibataillons schicken, nicht aber für einen Kommandeur Seiner Majestät Gensdarmes“ und ersuchte um Abschied aus der Armee. Friedrich schenkte das Schloss seinem Adjutanten Quintus Icilius, der es ausplünderte und verkaufte. Später gewann Marwitz den größten Teil der schönen Büchersammlung aus Hubertusburg dem Quintus Icilius in einem Kartenspiel ab.

Viele Jahre in Ungnade bei Friedrich II., erhielt Marwitz neue Anstellung erst im Bayerischen Erbfolgekrieg als Generalkriegskommissar des Königsbruders Prinz Heinrich von Preußen. Gegen Ende seines Lebens wurde er zum Generalmajor befördert. Bei der Erbteilung war ihm das Familiengut Friedersdorf zugefallen, er kümmerte sich aber wenig darum und verweilte in Berlin bei seinen Büchern und Gemälden. Er starb, wie sein Neffe schreibt, „völlig insolvent“, war aber „ein sehr braver und in großer Achtung stehender Soldat, ein feiner und sehr gebildeter Weltmann, ein großer Freund der Literatur und der Kunst“.

Johann Friedrich Adolf von der Marwitz starb unvermählt in Berlin im Jahre 1781. Auf seinen Grabstein in der Dorfkirche Friedersdorf (Vierlinden) ließ sein Neffe Friedrich August Ludwig von der Marwitz folgende Worte setzen: „Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in all seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte.“ Damit drückte er seine Auffassung über die Freiheit des Adels aus, zu dienen und notfalls gegen den König oder ohne ihn handeln zu dürfen.

Allerdings hat Werner Meyer in seiner 2014 erschienenen Schrift über Hubertusburg-Marwitz bezweifelt, dass Marwitz einen Befehl des Königs, Schloss Hubertusburg zu plündern, verweigert habe und deswegen in Ungnade gefallen sei; im Lichte der Literatur, die sich teils als unrichtig, teils als wenig wahrscheinlich erweise, sei dies eher eine Legende als ein verbürgtes historisches Geschehen. mini|hochkant=0.4|Johanniter-Ritterkreuz. Marwitz,Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band (Teil) 2: Das Oderland. (Wohlfeile) 6. Auflage, Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), Berlin 1899, S. 227. war seit 1. Oktober 1764 RitterHermann von Redern: Zur Geschichte der Familie von der Marwitz. Regesten, Stammtafeln und andere Materialien. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1879, S. . Nr. 13. der damaligen Ballei Brandenburg des Johanniterordens. Ein einstiges Wappen in der Johanniterkirche zu Sonnenburg bei Küstrin, häufig in der allgemeinen Ausführung als Allianzwappen mit dem eigenen Familienwappen und dem achtspitzigen Stern der Johanniter im Bezug zur Bergpredigt ist bezeugt.Vgl. (Küster) G. Mundt: Alphabetisch geordnetes Verzeichnis der in der Johanniter-Ordens-Kirche zu Sonnenburg vorhandenen Wappen-Tafeln nebst historischen und genealogischen Anmerkungen. Küstrin 1869. Es gilt aber heute als eines der Mehrzahl der frühereren mindestens 1140 Schilde als verschollen.Lars Andersson, Christopher von Warnstedt, u. a.: Riddarvappen från Sonnenburg. Ett Aterfunnet Krigsbyte. En Utställning i Samproduktion mellan Statens Historiska Museum och Riddersbergs Säteri. (Begleitheft zur Ausstellung der Wappentafeln aus Sonnenburg in Stockholm), Tryckeri Ölandstryckarna, Borgholm 1991, , S. 75. Am gleichen Tag wurden u. a. der polnisch-chursächsische Kammerherr Detloff Carl Graf von Einsiedel, der sächsische General Adam Rudolph von Schönberg und der Erbprinz Wilhelm zu Hessen-Philippsthal (zur Kommende Johanniterburg Lagow) zum Johanniter geschlagen. Johann Friedrich Adolph von der Marwitz, so seine damalige Schreibweise, war der Komturei Lietzen zugeteilt, wie Friedrich Wilhelm von der Osten und Anton Dietrich Wilhelm von Pannwitz. Der Neu-Ritter Leopold Alexander jun. Graf von Wartensleben dagegen war zu Lietzen und zur Johanniterkommende Werben zugeordnet, als Anwärtschaft einer möglich späteren Ernennung zum Kommendator, früher Komtur. Erhalten blieb die Johanniter-Ahnentafel des Johann Friedrich Adolph von der Marwitz.

Bedeutung in der Folgezeit Die Grabinschrift „Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte.“ wird noch heute gerne von verschiedenen politischen Lagern benutzt, um die Entscheidung des Einzelnen über Befehl und Anordnung, als Gewissensentscheid gegen Despotismus, Obrigkeitsdenken und Gewaltherrschaft darzustellen. Insbesondere im Kreise der Verschwörer des 20. Juli wurde das Beispiel Marwitz oft genannt, um zu begründen, dass der Einzelne zuerst seinem Gewissen und dann erst seinem politischen Führer verantwortlich sei.

Ehrung Zu Ehren des Generals von der Marwitz hat sich der 83. Offizieranwärterjahrgang der Bundeswehr (2013) nach ihm benannt.

Literatur Werner Meyer: Befehl verweigert und Ungnade erlitten? Zur Geschichte des „Hubertusburg-Marwitz“ in der Literatur. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3389-4. Günter de Bruyn (Hrsg.): Friedrich August Ludwig von der Marwitz. Nachrichten aus meinem Leben. 1777–1808 In: Märkischer Dichtergarten. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1989, ISBN 3-37100243-8, S 8, 10 ff., 38, 49, 320, 350 f., 357, 382, S. 384. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 2. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , S. 119–121, Nr. 640; , Nr. 640. Walther von Diest: Geschichte der Familie von der Marwitz. Auftrag des Familienverbandes, Selbstverlag-Druck beim Kolberger Tageblatt, Kolberg [in Pommern] 1929, S. 18. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. 1. Auflage-Band 2: Das Oderland. Barnim. Lebus. Mit: Das Oderbruch und seine Umgebungen. Kapitel Schloß Friedersdorf. Mit: Alexander von der Marwitz, Verlag Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), Berlin 1863, S. 347 ff.Vgl. Zeno.org: Alexander von der Marwitz, Stand 2025. Vgl. Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Band 1–25, Band 10, München 1959–1975, S. 223–247. [Pauli]: Historische politisch-geographisch-statistisch- und militärische Beyträge, die Königlich-Preußischen und benachbarte Staaten betreffend. Band 2/2. Verlag Johann Friedrich Unger, Berlin 1783, S. 575. Johann Gottfried Dienemann: Nachrichten vom Johanniterorden insbesondere von dessen Herrenmeisterthum in der Mark, Sachsen, Pommern und Wendland. Th. II. Cap. VI. Von den Anno 1764. Mit: Wappentafel. Hrsg. Johann Erdmann Hasse, Georg Ludwig Winter, Berlin 1767, S. 340 f., S. 342., Tafel 342.

Sekundär-Literatur Günter de Bruyn: Mein Brandenburg. Frankfurt am Main 1993. Hans Körner: Marwitz, v. der. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 16. Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 318. Politische Correspondenzen Friedrich`s des Grossen. Band 21, Alexander Duncker jun., Berlin 1894, S. 574.

Quellen (Auswahl) Deutsche-Biographie-Index: Marwitz, Johann Friedrich Adolf von der No. XL VIII. Johanniter-Ahnen-Tafel Herrn Johann Friedrich Adolph von der Marwitz Marwitz, Johann Friedrich Adolph von der. [3. August 1737]. Aufschwörungstafel, In: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA-PK) X. HA, Rep. 9, Nr. 356 Johanniterorden | Archivportal-D

Weblinks

Golocal (Berlin): Familienfriedhof von der Marwitz in Friedersdorf-Stand 2022.

Einzelnachweise

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