Peter Sandloff (* 3. Juli 1924 in New York City; † 17. Dezember 2009 in Berlin) war ein deutscher Komponist und Filmkomponist.
Leben Sandloff, Sohn eines russischen Arztes und der deutschen Schauspielerin Eva Fiebig, ist Neffe des Komponisten und Kirchenmusikdirektors Kurt Fiebig und Enkel des Regimentsmusikers Eduard Fiebig. Nach dem Tod seines Vaters kam Sandloff im Alter von zwei Jahren nach Deutschland. Ab dem fünften Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht, 1936/1937 war er Leiter der Blockflötengruppe der „Rundfunkspielschar des Reichssenders Breslau“.
Es folgten erste eigenständige Kompositionen, die Kantate Frau Musica für vierstimmigen gemischten Chor und Schulorchester und die Bühnenmusik zu den zwei Goethe-Einaktern Die Laune des Verliebten und Der ist schuldig für die Inszenierungen der Schauspielschule der Hamburger Kammerspiele.
Nach Absolvierung des Notabiturs in Hamburg studierte Sandloff an der Kölner Musikhochschule unter Philipp Jarnach, Eugen Papst und Karl Hermann Pillney. Nach dem Studium wurde er zum Reichsarbeitsdienst in der Rüstungsindustrie abkommandiert und landete anschließend in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Sandloff als Redaktionsassistent in der Musikabteilung bei Radio München, als Musikalischer Leiter am Bamberger Theater, als dirigierender Ballett-Repetitor und Komponist am Staatstheater am Gärtnerplatz in München und als Musikalischer Oberleiter an der Deutschen Musikbühne in Freiburg im Breisgau. In Freiburg wurde seine Oper „Traum unter dem Galgen“ uraufgeführt.
Während seiner Tätigkeit am Staatstheater am Gärtnerplatz erhielt er einen Brief des Filmkomponisten Hans-Martin Majewski, der Sandloff wenig später als Bearbeiter und Orchestrator für die Filmmusik des Streifens Liebe 47 (1949) engagierte. Zwischen Majewski und Sandloff entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft.
Durch intensive Vermittlung Majewskis erhielt Sandloff 1955/56 seinen ersten eigenen Filmmusikauftrag (für Viele kamen vorbei) und wurde dafür mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Zahlreiche weitere Filmarbeiten folgten. Außerdem war Sandloff nach wie vor an zahlreichen Filmmusiken seines Kollegen Hans-Martin Majewski beteiligt.
Ab den sechziger Jahren komponierte Sandloff zunehmend Musiken für das Fernsehen. Neben vielen anspruchsvollen Fernsehspielen vertonte Sandloff auch Serien wie „Alle machen Musik“ (1965), „Ich heirate eine Familie“ (1983 bis 1986), „Löwengrube“ (1989 bis 1992) sowie Kabarettsendungen mit Hanns Dieter Hüsch, Ursula Herking und anderen.
Filmografie
Kino 1951: Im Bann der Madonna 1956: Viele kamen vorbei 1956: Geliebte Corinna 1957: Ruf der Götter (Dokumentarfilm) 1958: Er ging an meiner Seite 1958: Mädchen in Uniform 1958: Polikuschka 1958: Nackt wie Gott sie schuf 1960: Wir Kellerkinder 1960: Der Rächer 1961: Spuren der Vergangenheit (Dokumentarfilm) 1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse 1961: Ländliche Arbeitskleidung – Praktisch und doch schön (kurz Dokumentarfilm) 1962: Das Leben beginnt um acht 1962: Ich kann nicht länger schweigen 1962: Eheinstitut Aurora 1962: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse 1962: Sein bester Freund 1963: Das Feuerschiff 1964: Ein Frauenarzt klagt an 1969: Michael Kohlhaas – Der Rebell
Fernsehen 1953: Johannes Kreisler, des Kapellmeisters musikalische Leiden 1958: Der Meisterdieb 1958: Das Märchen von vielen Wünschen 1959: Der Fall Pinedus 1959: Eva und ihre Kleider 1959: Der König ist tot 1960: Der Prozeß Mary Dugan 1960: Dr. Knock 1961: Fast ein Poet 1961: Mary Rose 1961: Die Marquise von Arcis 1962: Jeder stirbt für sich allein 1963: Von Musen und Menschen 1963: Die Wölfe 1964: Leocadia 1964: Ein langer Tag 1964: Pamela 1965: Manchmal spielt der Himmel mit 1965: Im Schatten einer Großstadt 1965: Alle machen Musik (Fernsehserie, 13 Folgen) 1965: Abel mit der Mundharmonika 1966: Der Kinderdieb 1966: Ohne festen Wohnsitz 1966: Der Kirschgarten 1966: Wer rettet unseren Ackerknecht? 1967: Liebesgeschichten (Fernsehserie, Folge Geliebter Nicolas) 1968: Der verzauberte Park 1968: Teaparty 1968: Die Stimme im Glas 1968: Unwiederbringlich 1968: Alles dreht sich um Michael (Fernsehserie, 8 Folgen) 1969: … tot im Kanapu 1970: Tommy Tulpe (Fernsehserie, 13 Folgen) 1975: Little Boy 1975: Mütter 1978: Schlaraffenland 1979: Wo die Liebe hinfällt 1979: Nachbarn und andere nette Menschen 1980: Eingriffe 1981: System Ribadier 1982: So oder so ist das Leben: Vier Begegnungen in einer Großstadt 1984: Freundschaften 1984: Die Dame und die Unterwelt 1984: Leute wie du und ich (Fernsehserie, 1 Folge) 1986: Was zu beweisen war 1986: Ich heirate eine Familie (Fernsehserie, 5 Folgen) 1989–1992: Löwengrube (Fernsehserie, 30 Folgen)
Auszeichnungen (Auswahl) Filmband in Silber für Viele kamen vorbei (1956)
Diskografie (Auswahl) Peter Sandloff. Aus: Deutsche Filmkomponisten, Folge 6. Bear Family Records, BCD 16486 AR.
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R–T, Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 41 f.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher