mini|hochkant=1.2|Markt mit Rathaus Die Stadt Teuchern ist eine Einheitsgemeinde im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Geografie und Geschichte Die Stadt liegt zwischen Weißenfels und Zeitz am Rande der Leipziger Tieflandsbucht.
Zwischen 1991 und 1995 befanden sich in Teuchern provisorische Unterkünfte des damals im Bau befindlichen Agricolagymnasiums Hohenmölsen.10 Jahre Agricolagymnasium Hohenmölsen. Herausgegeben im Eigendruck vom Agricolagymnasium, Agricolaweg 1, 06679 Hohenmölsen, 2005, 57 Seiten (archiviert in der Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung Berlin unter der Register-Nr. 2006.3225).
Nachbargemeinden Teuchern grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Weißenfels, Lützen, Hohenmölsen, Zeitz, Kretzschau, Meineweh, Stößen, Mertendorf, Wethau und Schönburg.
Stadtgliederung Die Stadt Teuchern gliedert sich in die folgenden acht Ortschaften mit ihren Ortsteilen.
Ortschaft Einwohner Deuben (mit Naundorf und Wildschütz) 983 Gröben (mit Runthal) 618 Gröbitz 468 Krauschwitz (mit Kistritz, Reußen und Krössuln sowie Kostplatz und Zaschendorf) 508 Nessa (mit Ortsteilen) 888 Prittitz (mit Plennschütz und Plotha) 966 Teuchern (mit Bonau, Lagnitz, Schelkau und Schortau) 3.300 Trebnitz (mit Oberschwöditz und Trebnitz-Siedlung) 788
Die Ortschaften von Teuchern (anklickbare Karte)
Geschichte mini|Rittergutsschloss Teuchern Allgemeine Geschichte Die Gegend um Teuchern war schon vor über 5000 Jahren besiedelt, was zahlreiche Knochen- und Werkzeugfunde belegen.
Teuchern war Hauptort der seit dem 7. Jahrhundert nach und nach angesiedelten Sorben. Wie Tauchlitz, heute im Weißenfelser Stadtgebiet, oder Taucha bei Poserna bedeutet der Name auf altsorbisch feuchter, sumpfiger Ort. Davon leitet sich der Name des Kleinstammes der Tuchari ab, der sich nach der Ansiedlung um Teuchern und entlang der Rippach herausgebildet hatte und deren Hauptort Teuchern war. Es ist zu vermuten, dass die Tuchari auf Befehl karolingischer oder ottonischer Markgrafen oder des Königs selbst eine einfache Ringburg ähnlich Treben bei Dehlitz/Saale anlegten, ein Nachweis existiert jedoch nicht. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 976. Darin schenkt Kaiser Otto II. unter anderem die „in pago Ducharin nominato basilicam“ (die Basilika im Gau Teuchern) der Zeitzer Kirche. Allein die Tatsache, dass Teuchern eine Basilika, also eine feste Kirche besaß, zeigt die Bedeutung des Ortes zur damaligen Zeit. Verschenkt wurde aber nur die (Haupt-)Kirche, Ort und Höhenburg blieben kaiserliches Eigentum. Das wird durch eine Schenkungsurkunde König Heinrichs III. von 1042 bestätigt, wo das geschenkte Gut als im Burgward Teuchern gelegen beschrieben wird. Codex Diplomaticus Saxoniae I, Nr. 91 Bald muss der König Teuchern aber weitergegeben haben. Um 1070 tauscht der Markgraf der Nordmark, Udo von Stade, seinen Besitz um Groitzsch und Profen, wozu auch Teuchern gehört, mit dem Grafen Wiprecht aus dem Belsemgau. Hierbei wird in der Pegauer Chronik ein Bethericus de castello Tuchin im Dienst von Wiprecht von Groitzsch erwähnt. Somit ist das Teucherner Ministerialengeschlecht seit 1070 nachgewiesen. Sie verwalteten Burg und Ort Teuchern. Den Kampf zwischen König Heinrich IV. und Gegenkönig Rudolf nutzt Wiprechts Rivale Ekbert von Braunschweig, Markgraf von Meißen, um Teuchern 1080 zu besetzen. Beim Gegenstoß des Königs nach der verlorenen Schlacht von Mölsen eroberte Wiprecht die Burg im Dezember 1080 zurück.Annales Pegavienses, in: MGH, SS Bd. 16, Hannover 1859, S. 236, 242.
Im Zuge des Streits zwischen König Heinrich V. und dem sächsischen Adel unter Herzog Lothar (1125 Kg.) verschanzte sich 1112 der Pfalzgraf Friedrich IV. von Sachsen (Goseck) in der Burg und wurde vom König Heinrich V. belagert und gefangen genommen. Dabei wurde die Burg zerstört. Der König übergab sie dem Meißener Markgrafen Wiprecht von Groitzsch. Sie wurde bis zum Tod des Markgrafen 1124 vermutlich nicht wieder aufgebaut. Stattdessen nutzten die Herren von Teuchern von nun an den Edelhof, welcher sich etwa an der Stelle befunden haben muss, an dem sich das ehemalige Rittergut und heutige Ärztehaus befindet.
Dieses, sich nach dem Ort Teuchern benennendes ritterliches Geschlecht von Teuchern (Tuchern) ist vom 11. bis 16. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen.
Da die Region noch dünn besiedelt war, holte man Siedler durch Vergünstigungen (vor allem Grundeigentum oder die übliche zehnjährige Grundzinsbefreiung) heran. In Teuchern entstand so die Kapitelsgemeinde, die aus fränkischen Siedlern bestand. Daneben bestand das alte Wendendorf weiterhin. Durch die Siedler wuchs der Ort Teuchern und damit auch seine Bedeutung. Der Markt bestand schon, als Bischof Udo von Naumburg dem Kloster Neuwerk bei Halle 1135 die Zollfreiheit in Teuchern gewährte.
1480 verlieh Herzog Albrecht von Sachsen dem Ort die Berechtigung, einen Pfingst- und einen Herbstmarkt, am Tage Simon Judaeus’ (28. Oktober), sowie Wochenmärkte stattfinden zu lassen. Damit wurde Teuchern zur Stadt.
Der von 1523 bis 1526 in Teuchern tätige Pfarrer Anton Zimmermann versuchte, als Anhänger der Lehre Martin Luthers die Reformation in Teuchern einzuführen. Dies scheiterte aber am sächsischen Herzog Georg dem Bärtigen, der ein erbitterter Gegner der Reformation war. Erst nach dem Tod des Herzogs 1539 wurden nun auch in Teuchern die Lutherischen Lehren gepredigt.
Im Jahre 1815 kam Teuchern, nach über 700-jähriger Herrschaft des Hauses Wettin, zu Preußen. Mit der Übernahme der preußischen Verwaltungsstrukturen im Jahr 1816 gehörte die Stadt dem neugegründeten Kreis Weißenfels (Regierungsbezirk Merseburg), dessen erster Landrat der Teucherner Rittergutsbesitzer August Heinrich Ferdinand von Funcke war, an. Obwohl sich die Einwohner anfangs als „Muss-Preußen“ sahen, gewöhnte man sich schnell an die neuen Herren. Unter Preußens Herrschaft begann die Industrialisierung der Region und mit dem Wachsen des Braunkohlebergbaus gewann auch Teuchern wieder an Bedeutung.
1919–1925 waren in Teuchern die Uhrgläserwerke Deutscher Uhrmacher eGmbH ansässig, damaliger Marktführer in Deutschland. Ein 50-Pfennig-Notgeldschein der Stadt Teuchern von 1921 zeigt die Werksanlagen des Unternehmens.
1947 wurde Teuchern mit dem Landkreis Weißenfels Teil des neugeschaffenen Landes Sachsen-Anhalt, aufgrund der Verwaltungsreform 1952 Teil des neugebildeten Kreises Hohenmölsen im DDR-Bezirk Halle (ab 1990 wieder im Land Sachsen-Anhalt).
Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Weißenfels, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Burgenlandkreises.
Eingemeindungen Ursprünglich bestand Teuchern aus drei selbständigen Gemeinden, der Gassengemeinde Kleinteuchern, der Kapitelsgemeinde und der Gutsgemeinde. 1834 wurden aus der Gassen- und aus der Kapitelsgemeinde die Stadtgemeinde gebildet. Eingemeindet wurden:
30. September 1928 die Gutsgemeinde zusammen mit dem Vorwerk Lagnitz 20. Juli 1950 die Gemeinde Schortau 1. Januar 2004 die Gemeinde Schelkau mit den Ortsteilen Bonau und LagnitzStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands
Am 1. Januar 2011 entstand aus der Stadt Teuchern und den Gemeinden Deuben, Gröben, Gröbitz, Krauschwitz, Nessa, Prittitz und Trebnitz die Einheitsgemeinde Stadt Teuchern. Mit Bildung der neuen Stadt wurden die an der Neubildung beteiligte Stadt und die beteiligten Gemeinden aufgelöst, ebenso die Verwaltungsgemeinschaft Vier Berge-Teucherner Land, in der alle vereinigten Gemeinden organisiert waren.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1600 etwa 500 1650 etwa 150 1740 300 1809 663 1840 1.399 1852 1.857 Jahr Einwohner 1861 2.494 1885 4.644 1900 5.588 1939 5.867 1958 6.627 1965 6.018 Jahr Einwohner 1990 3.685 2005 3.544 2010 8.859 2015 8.262 2020 8.014 Jahr Einwohner 2021 7.974 2022 7.875 2023 7.869 2024 7.712 2025 7.645
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion Evangelisch-lutherische Kirche mini|hochkant|St.-Georg-Kirche Die St.-Georg-Kirche auf dem Glockenberg, die von 1610 bis 1612 in ihrer jetzigen Form erbaut wurde, sowie die Kirchen in Deuben, Gröben, Kistritz, Krössuln, Naundorf, Schelkau, Trebnitz, Wildschütz und ihre Kirchengemeinden gehören zum Kirchenkreis Naumburg-Zeitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.Stadtkirche St. Georg Teuchern. Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, abgerufen am 12. Oktober 2023. Die Kirchen der Ortschaften Gröbitz, Obernessa, Plennschütz, Prittitz, Unternessa und ihre Kirchengemeinden gehören dagegen zum Kirchenkreis Merseburg, der ebenfalls zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gehört.Pfarrbereich Weißenfels-Südost (Langendorf). Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, abgerufen am 12. Oktober 2023.
Römisch-katholische Kapelle Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa wieder viele Katholiken in den Raum Teuchern, sie gehörten zunächst zur Pfarrei Weißenfels. Am 1. Dezember 1947 wurde Teuchern Sitz einer Kuratie, die zeitgleich mit der Kuratie im nahegelegenen Hohenmölsen errichtet worden war und zur Pfarrei Weißenfels gehörte.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 332–335. Der aus dem Erzbistum Breslau kommende Priester Ernst Bregulla wurde ihr erster Kuratus, der bereits seit März 1945 als Kaplan von Weißenfels aus die Seelsorge in Teuchern ausübte.50 Jahre im priesterlichen Dienst. In: Tag des Herrn. Ausgabe 29/1990 vom 22. Juli 1990, S. 6. Die katholischen Gottesdienste hielt Bregulla anfangs in einem Gasthof und zeitweise auch in der evangelischen Kirche. Seit Bregulla um 1990 in den Ruhestand trat, hat Teuchern keinen eigenen katholischen Seelsorger mehr.Eckhard Pohl: Keine einfachen Zeiten. In: Tag des Herrn. Ausgabe 31/2019 vom 4. August 2019, S. 10.
1949 wurde in einem ehemaligen Pferdestall, der auch als Turnhalle und Kino genutzt worden war, eine katholische Kapelle eingerichtet, die am 3. April 1949 durch Propst Wilhelm Weskamm eingeweiht wurde.St. Elisabeth, Weißenfels. Katholische Pfarrei St. Elisabeth zu Weißenfels, abgerufen am 17. Januar 2025. Ende 1992 sperrte die Bauaufsichtsbehörde die Kapelle, welche die Kuratie gemietet hatte, wegen Baufälligkeit.Wolfgang Haferkamp: Einsturzgefahr - und dann ging alles ganz schnell. In: Tag des Herrn. Ausgabe 23/1993 vom 13. Juni 1993, S. 4. Zwei Straßen weiter, im Steinweg, erwarb die Kuratie ein Grundstück, auf dem nach dem Abriss des dort befindlichen Gebäudes im Februar 1993 die Grundsteinlegung für die heutige Kapelle erfolgte, die am 18. Juli 1993 durch Generalvikar Theodor Stolpe (1932–2016) eingeweiht wurde.Gemeindezentrum Teuchern eingeweiht. In: Tag des Herrn. Ausgabe 29/1993 vom 25. Juli 1993, S. 12.
Am 28. November 2010 ging die Kuratie Teuchern, die zur Pfarrvikare Hohenmölsen gehörte, in der heutigen Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Weißenfels auf. Bistum Magdeburg, Amtsblatt 12/2010, Dokumente des Bischofs, abgerufen am 13. März 2023.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Teuchern besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024