mini|Gary Barlow (2017)
Gary Barlow, OBE (* 20. Januar 1971 in Frodsham, Cheshire) ist ein britischer Komponist, Singer-Songwriter, Pianist und Musikproduzent. Besondere Bekanntheit erlangte er als Leadsänger und Songwriter der Boygroup Take That. Acht seiner Alben haben die Spitze der Charts erobert, hinzu kommen 20 Top-5-Hits und 14 Nummer-1-Singles.Offizielle Chartanalyse von Musicweek: Gary Barlow führt sowohl Alben- als auch Singleliste an. Abgerufen am 29. September 2015 Barlow gilt mit über 50 Millionen Tonträgern und mehr als 7,5 Millionen verkauften Konzertkarten weltweit Abgerufen am 29. September 2015 als einer der erfolgreichsten Songwriter Großbritanniens. Er wurde bereits sechsfach mit dem unter Komponisten begehrten Ivor Novello Award ausgezeichnet. auf seiner Homepage GaryBarlow.com; abgerufen am 29. September 2015. In der Liste der Autorenbeteiligungen von Gary Barlow findet sich eine Übersicht seiner Werke als Songwriter und Musicalkomponist. Barlow lernte seine Frau Dawn Andrews 1988 kennen, das Paar hat drei Kinder.
Karrierebeginn: 1981–1990 Wie Barlow in seiner Autobiografie My Take beschreibt,Gary Barlow: My Take. Bloomsbury Publishing, 2007, ISBN 978-0-7475-8806-1 genoss er nie eine schulische/universitäre musiktheoretische Ausbildung; als Kind ließ er sich einen kleinen Synthesizer schenken und lernte die technischen Grundlagen des Instrumentes durch Ausprobieren und das Nachspielen von Liedern der aktuellen Hitparade, insbesondere Songs der Band Depeche Mode, welche starken Gebrauch von Synthesizern machten und machen. Später nahm er Klavierunterricht bei Chris Greenleaves, einem Musiker aus der Nachbarschaft, der ihm außerdem das Notenlesen beibrachte. Barlows langjähriger Freund und Songwriter-Kollege Eliot Kennedy erzählte in der BBC-Dokumentation When Corden met Barlow (dt. Als Corden auf Barlow traf; 2014): „Jeder, der wirklich eine musikalische Karriere einschlagen möchte, opfert die BMX-Jahre seiner Kindheit, wie ich sie nenne: All die Zeiten, wenn deine Freunde draußen mit ihren Rädern unterwegs sind. Diese Jahre existieren für einen Musiker nicht, denn du bist in deinem Zimmer und lernst dein Instrument. Und Gary entsprach dieser Beschreibung auf den Punkt.“When Corden met Barlow Dokumentation der BBC von 2014. Hochgeladen am 6. Mai 2014. Abgerufen am 28. Mai 2017.
Innerhalb eines Jahres hatte er seine Fertigkeiten weit genug ausgebaut, um einen Minijob als Unterhalter und Begleitmusiker in einer lokalen Bar anzunehmen. Nach und nach nahm er weitere Jobangebote in den umliegenden Dörfern an und war schließlich an fast jedem Abend in Nordwestengland und Nordostwales beschäftigt. Da seine Familie von seinem bald stattlichen Einkommen nicht abhängig war, konnte er es in weiteres, besseres Live-Equipment sowie ein Heimstudio investieren, welches schließlich sein gesamtes Zimmer einnahm und ihn zum Schlafen auf die Wohnzimmercouch verdrängte. In den Clubs musste er die gewünschten Lieder spontan vom Blatt spielen, wodurch er schon früh einen Einblick in die Struktur und Gestaltung der größten Hits diverser Genres des 20. Jahrhunderts erhielt. Mit diesem Wissen begann er mit 14 Jahren, eigene Lieder zu schreiben. Im Alter von 15 Jahren komponierte er so 1986 unter anderem den späteren Take-That-Hit „A Million Love Songs“ sowie das Weihnachtslied „Let’s Pray for Christmas“, womit er den zweiten Platz beim Jungkomponistenwettbewerb A Song for Christmas der BBC-Familiensendung Pebble Mill gewann. Mit seinem Einzug ins Finale der Sendung ermöglichte die BBC Barlow seine erste professionelle Studioaufnahme in den Londoner West Heath Studios unter der Leitung des Produzenten Bob Howes. Howes wurde über die Sendung hinaus zu Barlows erstem Ansprechpartner in der Musikindustrie und wichtigem Mentor während seiner frühen Karriereschritte.Angaben zu Pebble Mill und dem Kontakt zu Bob Howes aus Barlows Autobiographie My Take, S. 32 ff. der Taschenbuchausgabe.
In den Clubs weitete sich Barlows Tätigkeitsfeld schon bald vom Begleitpianisten bzw. -keyboarder zum alleinigen Abendprogramm aus. Mehrere Stunden pro Abend hatte er die Besucher zu unterhalten. Einen weiteren Lerneffekt entnahm Barlow so der Tatsache, dass es für einen jungen Unterhaltungskünstler kaum ein härteres Publikum gebe als nordenglische, erschöpfte, angetrunkene Arbeiter. Gordon Smart von der Scottish Sun kommentierte: „Er musste schnell erwachsen werden, weil er in den Arbeiterclubs arbeitete. So musste er als Fünfzehnjähriger mit grölenden Männern zurecht kommen, die an einem Samstagabend bereits zwei Liter Bier intus hatten und ihn unentwegt anpöbelten. Wissen Sie, was für eine großartige Ausbildung so etwas für jeden Darsteller ist?“ Über mehrere Jahre hinweg spielte Barlow im Halton Legion gemeinsam mit Schlagzeuger John Tedford, mit welchem er auch 1987 unter dem Namen Stax den auf 500 Pfund dotierten ersten Platz des Club Act of the Year Wettbewerbes der Weekly News gewann. Zeitgleich nahm Barlow mit seinem Song „Now We’re Gone“ am landesweiten Wettbewerb Schools Make Music teil, welcher ihm seine ersten Zeitungsinterviews, den ersten Preis und damit – da der alljährliche Wettbewerb von EMI gesponsert wurde – seine erste Aufnahme in den berühmten Londoner Abbey Road Studios einbrachte. Nach seinem Schulabschluss im gleichen Jahr baute er seine abendlichen Gigs weiter aus und wurde immer professioneller und besser ausgestattet. Je nach Standort verdiente er so zwischen 50 und 100 Pfund pro Abend und damit bereits besser als seine Eltern, einer Labortechnikerin und dem Projektingenieur eines Düngemittelunternehmens. Mit 17 Jahren machte er den Führerschein und dehnte auch geografisch seinen Arbeitsbereich weiter aus.
Im 50 Kilometer entfernten Manchester bewarb er sich schließlich bei diversen Labels und machte sich auf die Suche nach einem Manager. Sein erster Anlauf endete 1989 mit dem Musikvideo „Love Is in the Air“ unter dem Künstlernamen Kurtis Rush. Das Lied wurde weder von Barlow geschrieben noch von ihm gesungen. Es sollte ihm zu einem Karrierestart verhelfen, der Versuch scheiterte. Bei den Dreharbeiten lernte der 17-jährige Barlow allerdings die ein Jahr ältere Tänzerin Dawn Andrews kennen, die elf Jahre später seine Frau und Mutter seiner Kinder werden sollte. Auf Bob Howes Anraten hin löste sich Barlow aus dem voreilig und ohne Absprache mit Eltern und Mentor geschlossenen Management-Vertrag. Im erneuten Anlauf lernte er Manager Nigel Martin Smith kennen, welcher ihn unter Vertrag nahm und für seine Idee einer Boyband als Antwort auf den US-Hit New Kids on the Block umwarb. In der Hoffnung, seine Karriere mit Smiths Hilfe endgültig ins Rollen zu bringen, schlug Barlow ein zeitgleich eingegangenes Angebot aus, ein Jahr lang als Pianist und Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff mitzureisen. Stattdessen stimmte er der geplanten Boyband zu und wurde mit fünf weiteren Kandidaten zu einem gesonderten Casting in einen örtlichen Club geladen.
Take That
Take One: 1989–1996 1989 lernte Barlow Nigel Martin Smith kennen und hinterließ ihm wie vielen anderen Managern und Labels in Manchester ein Demo-Tape (eine Kassette mit einer Auswahl seiner Eigenkompositionen, darunter „A Million Love Songs“, aufgenommen in seinem Schlafzimmer-Studio). Martin-Smith nahm ihn unter Vertrag. 1990 wurde Barlow dann Gründungsmitglied der von Nigel Martin-Smith von langer Hand geplanten und nun um den jungen Singer-Songwriter formierten Boygroup Take That. Der 19-jährige eroberte zusammen mit Howard Donald (21), Jason Orange (19), Mark Owen (18) und Robbie Williams (15) die Charts und Bühnen weltweit, insbesondere in Europa, Südamerika und Ostasien. Sie lösten sich schnell von dem Vergleich mit ihrem US-amerikanischen Vorbild, denn anders als New Kids präsentierten sie hauptsächlich eigene Songs anstelle von Interpretationen älterer Hits.
In diesen ersten Jahren der Gruppe schrieb und produzierte Barlow die meisten Take-That-Songs im Alleingang: für 31 der 44 veröffentlichten Lieder trug er die völlige musikalische Verantwortung, bei weiteren neun Titeln war er Teil des Komponistenteams. Zudem ist er auf den früheren Alben in den meisten Liedern als Hauptsänger zu hören. Unter seinen Hit-Kompositionen aus dieser Zeit sind Pray, Babe, Never Forget und Sure. Auf dem vorerst letzten Album Nobody Else befand sich schließlich die kommerziell bis heute erfolgreichste Single der Gruppe Back for Good, welche die Spitze von 47 verschiedenen Charts (auch in Deutschland) und die Top Ten in 25 weiteren erreichte, u. a. in Österreich, der Schweiz und verschiedenen US-amerikanischen Charts (Billboard). Bis Oktober 2015 gab es zu diesem Lied weltweit bereits mehr als 190 eingetragene Cover-Versionen anderer Interpreten.
Während der Proben zur Nobody-Else-Tournee traf Barlow nach sechs Jahren erneut auf Dawn Andrews, welche vom Label als eine der Tänzerinnen engagiert worden war. Im Zuge dieses Wiedersehens wurden die beiden ein Paar. Noch vor Beginn der Tournee verließ der von Drogen-Exzessen mitgenommene Robbie Williams 1995 die Boygroup, die verbleibenden vier kamen ihren Verpflichtungen nach und machten die Welttournee, danach trennte sich im Frühjahr 1996 auch der Rest der Band und Barlow nahm seine lang ersehnte Solokarriere in Angriff.
Take Two: 2005 bis heute Im Jahr 2005 fanden sich Barlow, Donald, Orange und Owen für eine Fernsehdokumentation der BBC erstmals wieder zusammen, Williams erschien nicht und meldete sich bei seinen früheren Kollegen mit einer Videobotschaft, in der er an jeden Anwesenden einige Worte richtete. Die Ausstrahlung der Dokumentation wurde zum Überraschungserfolg; infolge dessen erhielten die vier verbleibenden Mitglieder Angebote für eine landesweite Best-Of-Tournee. Die Ultimate Tour war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und legte den Grundstein zu einem überaus erfolgreichen Comeback von Take That ohne Williams: Es folgten die Nummer-Eins-Studioalben Beautiful World und The Circus mit zugehörigen Tourneen (2009 brach die Band Michael Jacksons Bad World Tour 1987 Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die am schnellsten ausverkaufte Tournee) sowie das Live-Album Greatest Day – The Circus Live mit Aufnahmen aus dem Londoner Wembley-Stadion und den Abbey Road Studios, bevor 2010 Robbie Williams für Progress und die EP Progressed wieder hinzustieß.
Die Rückkehr von Williams wurde eingeläutet von der Single Shame, einem Duett zwischen Barlow und Williams, in dem die beiden mit einem Augenzwinkern auf ihren erbitterten Konkurrenzkampf nach der Trennung der Band zurückblicken und ihre späte Aussöhnung feiern. Das Lied entstand 2009 während der gemeinsamen Produktion des Take-That-Albums Progress in Los Angeles. Ein zugehöriges Musikvideo erschien im Stil des Filmdramas Brokeback Mountain und impliziert eine komplizierte romantische Beziehung. Das Lied erschien ein weiteres Mal als Teil von Williams Greatest-Hits-Kompilation In and Out of Consciousness. Mit der Premiere in Radio und Medien erzielte Shame einen beispiellosen Erfolg: Die Single wurde noch am Veröffentlichungstag 694 Mal im Radio und weitere 153 Mal im Fernsehen gespielt,The Sun Gordon Smart das entspricht einer Gesamtspielzeit von gut 56 Stunden an nur einem Tag. Die Single erreichte Platz zwei der britischen Charts und erhielt Silber von der BPI sowie Gold von ihrem italienischen Pendant FIMI. In weiteren 19 Ländern weltweit war sie in den Charts vertreten.