Die Orgelbauwerkstatt der Gebrüder A(ndreas) und M(ichael) KellerVgl. dazu Bernhard Hemmerle: Orgelbau im Kreis Limburg-Weilburg. S. 4. (kirchenmusik.bistumlimburg.de). war von 1871 bis 1894/1895 in Limburg an der Lahn (Herzogtum Nassau) ansässig und stand unter der Leitung von Orgelbaumeister Michael Keller († 4. September 1894).

Biographisches Die Gebrüder Keller stammen aus dem Ort Horbach in der Nähe von Kirchähr. Dort wurden am 24. September 1841 Andreas Keller und am 22. November 1843 Michael Keller als Söhne des Schreiners Johann Keller und der Anna Maria Katharina (geb. Wolf) geboren.Mitteilung des Diözesanarchivs Limburg. 18. März 2015. Wann und bei wem die Gebrüder das Orgelbauerhandwerk erlernten und der jüngere Bruder (Michael Keller) „seinen Meister“ gemacht hat, ist nicht bekannt. Nach den Standesamtsregistern der Stadt Limburg wohnte die Familie Keller seit 1876 südlich des Bahnhofs in der Straße „(Im) Schlenkert Nr. 11“. In dieser Straße lag wahrscheinlich auch die Werkstatt (eine besondere Firmenadresse ist nicht überliefert), wobei es sich jedoch um einen größeren Gebäudekomplex gehandelt haben dürfte, da 1896 nebst der Familie des Orgelbauers noch 8 weitere Familien hier wohnten (vielleicht sogar die ehem. Mitarbeiter der Orgelwerkstatt).Mitteilung des Stadtarchivs Limburg. 18. März 2015 nach dem Adressbuch der Stadt Limburg von 1896.

Nachdem der ältere Bruder Andreas bereits sehr früh verstorben war, starb auch Michael Keller im Alter von 51 Jahren in Sindlingen durch einen Schlaganfall. „Fern von dem Kreise seiner Familie, die er am Donnerstag Morgen in voller Gesundheit verlassen hatte, wurde er am Abend desselben Tages in Sindlingen, wohin er sich in Geschäften seines Berufes begeben hatte, vom Tod ereilt. Er weilte dort in dem Gasthofe, in dem er übernachten wollte, in Gesellschaft einiger Bekannten. Als man sich gegen 10 Uhr trennen wollte, sank Herr Keller plötzlich, von einem Schlaganfall getroffen, bewusstlos in die Arme seiner Freunde und bald darauf, nachdem ihm noch die hl. Oelung gespendet worden war, war er dahingeschieden.“ Zitiert in: Zeitschrift für Instrumentenbau. Band 14, 1893–94, S. 901; das Todesdatum wird durch das Sterbebuch der kath. Kirchengemeinde Limburg bestätigt, wobei allerdings hier ein Alter von Jahren angegeben wird (vgl. hierzu den Sterbebucheintrag im kath. Kirchenbuch Limburg mit der Signatur Lim K 20, 1894, Nr. 63 – Tod; mitgeteilt durch das Diözesanarchiv in Limburg am 18. März 2015), und auch durch einschlägige Literatur (vgl.: Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925): Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Musikverlag Katzbichler, 2001, ISBN 3-87397-139-9, S. 555. books.google.de und Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 1: A–K. 1975, S. 33, 171; Teil 2: L–Z. 1975, S. 719). Das Urteil über die Leistung Michael Kellers fiel damals eindeutig aus: „Als Vertreter seines Fachs war er wegen seiner vorzüglichen Arbeiten wohlbekannt, auch über die Grenzen seiner Heimath-Provinz Nassau hinaus! (...) Nun hat der unerbittliche Tod dem schaffenseifrigen Wirken des berufsfreudigen Mannes ein jähes Ziel gesetzt.“Zeitschrift für Instrumentenbau. Band 14, 1893–94, S. 901. Nach dem Tod Michael Kellers wohnte die Witwe mit ihrer Familie nach dem Adressbuch der Stadt Limburg von 1896 weiterhin auf dem Areal der (ehem.) Orgelbauwerkstatt.Mitteilung des Stadtarchivs Limburg vom 18. März 2015.

Geschichte der Orgelbauwerkstatt mini|Empfehlung der Orgelbauwerkstatt Keller im Bischöflichen Amtsblatt Limburg 1871 mini|Spielschrank der Keller-Orgel im ehem. Kloster Johannisberg (1894?) mit Firmenschild M. Keller Im Amtsblatt des Bistums Limburg vom November 1871Vgl. dazu Amtsblatt des Bistums Limburg. 1871, Nr. 21, 29. November 1871, S. 119; vgl. Fischer/Wohnhaas, S. 190 (1871 haben sich die Gebrüder Keller selbständig gemacht). werden die Gebrüder Andreas und Michael Keller von offizieller Seite den Pfarrern und Kirchenvorständen für Orgelneubauten sowie für jegliche Wartungsarbeiten an alten Orgeln empfohlen. Zugleich enthält diese Notiz auch einen Hinweis auf die wohl erste Orgel (oder eine der ersten), die die Orgelbauwerkstatt gebaut hat (für das Mutterhaus der Armen Dienstmägde Christi in Dernbach).Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 1: A–K. 1975, S. 114, wäre dementsprechend zu ergänzen. Der ältere der Gebrüder, Andreas Keller, hochbegabt, muss bereits längere Zeit vor Michael Keller gestorben sein, so dass von da an Michael Keller das Geschäft alleine weiterführte.

Das Werkstattgelände lag wahrscheinlich (neben der Wohnung des Orgelbauers) auch „[Im] Schlenkert 11“ (die Bebauung des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist hier wie auch gegenüber nicht mehr vorhanden) und es gibt Anhaltspunkte, die vermuten lassen, dass zumindest einige der Mitarbeiter Kellers (wie z. B. sein Nachfolger in Limburg, Carl Horn) gleich gegenüber der Werkstatt (auf der gegenüberliegenden Straßenseite) wohnten.Vgl. dazu die Mitteilung des Stadtarchivs Limburg vom 18. März 2015 zur Wohnadresse Carl Horns im Jahr 1887 („[Im] Schlenkert Nr. 20“) nach dem entspr. Personenstandsregister (Signatur: StA Limburg II/655).

Andreas und (später nur noch) Michael Keller bauten insgesamt 71Fischer/Kohlhaas, S. 190 sprechen von „rund 70“ Orgeln – hauptsächlich für katholische Gemeinden im Bistum Limburg bzw. im Herzogtum Nassau, aber auch einige Instrumente in Österreich und Rumänien (sic!) waren (laut Nachruf) darunter.Zeitschrift für Instrumentenbau. (ZfI), 14. Jg. 1893–94, S. 901.; vgl. dazu Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 920. Die kleinsten Instrumente (I/P/6) hat Keller für Niederjosbach (1886) und evtl. für Kelkheim-Hornau (1894) gebaut.Vgl. dazu Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 655, und Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: A–K. 1975, S. 486. Der bedeutendste bzw. größte Orgel(neu)bau Kellers (hier allerdings eigentlich mehr ein Umbau) war derjenige für den Limburger Dom (III/P/38, 1872–1877).Vgl. dazu Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 586 f. Die letzte Orgel, die Michael Keller unmittelbar vor seinem Tod fertigstellte, war das 1894 für die St. Antonius-Kirche in Rödelheim (II/P/20, op. 68) erbaute Instrument.Zeitschrift für Instrumentenbau. Band 14, 1893–94, S. 901; vgl. auch: Zeitschrift für Instrumentenbau. Band 25, 1904-05, S. 303.

Als der Werkstattleiter Michael Keller am 6. September 1894 starb, standen noch die drei unvollendeten Orgeln für Dehrn, Schierstein und Wehrheim/Taunus (I/P/7) in der Werkstatt der Firma und für ein weiteres Instrument (Rauenthal) war bisher nur der Vertrag abgeschlossen, aber mit den Konstruktionsarbeiten noch nicht begonnen worden.Vgl. dazu: Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925): Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Musikverlag Katzbichler, 2001, ISBN 3-87397-139-9, S. 555. books.google.de und Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 719. Die Orgelbaufirma Johannes Klais aus Bonn übernahm die Werkstatt, da sich sonst kein Käufer fand, der über das nötige Kapital verfügte, um die eingelagerten Baumaterialien, Werkzeuge usw. kaufen zu können.Zeitschrift für Instrumentenbau. (ZfI), 16. Jg. 1895–96, S. 303; Fischer/Wohnhaas, S. 190. Sie stellte dann im Namen von Michael Keller die drei bereits begonnenen Orgelwerke fertig – das letzte war das für die St. Michaels-Kirche in Wehrheim (I/P/7) als op. 71Zeitschrift für Instrumentenbau. Band 25, 1904-05, S. 303. – und das bisher nur von Keller projektierte bereits wohl unter eigenem Namen.Horst Hodick: Johannes Klais (1852–1925): Ein rheinischer Orgelbauer und sein Schaffen. Musikverlag Katzbichler, 2001, ISBN 3-87397-139-9, S. 555. books.google.de. Der noch für die St. Martinskirche in Bingen mit Michael Keller ausgehandelte Orgelneubauvertrag kam nicht mehr zustande (das Werk baute stattdessen die Firma Schlimbach/Würzburg).Vgl. Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 1, 1967, S. 256. In der Tatsache, dass die Familie des verstorbenen Orgelbaumeisters auf dem Werkstattareal wohnen blieb, unter der Leitung des Orgelbaumeisters Johannes Klais aus Bonn die Restbestände abgearbeitet wurden und schließlich mit der käuflichen Übernahme durch Klais das Geschäft Michael Kellers erloschen warZeitschrift für Instrumentenbau. Band 16, 1895–96, S. 303. könnte die Ursache zu finden sein, warum Carl Horn, der „Nachfolger“ Michael Kellers in Limburg, der evtl. ein Mitarbeiter der Gebrüder gewesen war bzw. zumindest schon im Jahr 1894 Orgelbauaufträge für diese übernommen hatte, nicht im selben Gebäude, wohl aber in der Nähe wenige Zeit später „seine“ eigene Orgelbauwerkstatt eröffnete.

Bauweise der Instrumente Zumindest bei der Orgelbaufirma Klais in Bonn, die den Restbestand der Orgelbauwerkstatt Keller übernommen hatte, sind keine Unterlagen mehr zur generellen Bauweise von Keller erhalten, da sämtliche Akten zusammen mit Eigenbeständen der Firma Klais im Jahr 1944 vernichtet wurden.Nach Mitteilung der Orgelbaufirma Klais in Bonn (Mai 2014). Dasselbe gilt auch für den Aktenbestand, der evtl. an Michael Kellers Nachfolger Carl Horn ging: Auch diese in Limburg gelagerten Bestände wurden im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer vollständig eingeäschert.Vgl. die Mitteilung des Stadtarchivs Limburg aus dem Jahr 2007. Allerdings enthält der Restaurierungsbericht der Orgelbaufirma Oberlinger (Windesheim)vgl. dazu neuerdings (allerdings stark gekürzt): Historische Orgeln – Restaurierungen – Baujahr 1876. auf der Website von Oberlinger gesehen am 1. Juni 2014. für die Keller-Orgel in Kransberg (1876) einige wichtige Informationen wenigstens über die frühen Orgelbauten der Gebrüder Keller.

Orgelgrößen Es war bezüglich der Orgelgrößen bei der Orgelwerkstatt Keller gängige Praxis, Instrumente mit bis zu 11 Registern einmanualig mit Pedal zu bauen und allesamt zumindest mit einem Subbass 16´ im Pedal auszustatten. So bekamen die Orgeln in Niederjosbach und evtl. Hornau 6, die in Wehrheim, Dehrn, Stephanshausen und evtl. Usingen 7, die Orgeln in Hellenhahn und Holzappel 8, die Instrumente in Becheln und Weißkirchen (Taunus) 9 sowie die in Idstein und evtl. Dahlheim 11 Register. Bei zwei Instrumenten (Dahlheim, Laufenselden) ist die ursprüngliche Registeranzahl aufgrund späterer Erweiterungen unsicher. Weit überwiegen auch bei der Orgelbauwerkstatt Keller wie bei deren Nachfolger Carl Horn die zweimanualigen Orgeln mit folgenden Registerzahlen: mini|Keller-Orgel Kransberg: Blick von unten auf die Hängeventillade für die Manuale mini|Keller-Orgel Kransberg: Blick von unten auf die Hängeventillade für das Pedal 12 (Holler, Irmtraud [?], Oberbrechen [?]) 14 (Rauenthal) 15 (Osterspai) 16 (Kransberg, Oberweyer) 17 (Weilbach, Bornheim, Niederhadamar) 19 (Thalheim) 20 (Villmar, Rödelheim) 27 (Montabaur)Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2, Teil 2: L–Z. 1975, S. 920.

System Die Gebrüder Keller bauten ihre Orgeln mit mechanischen Kegelladen.Hans Klotz: Das Buch von der Orgel. Kassel 10/1988, S. 24–26. Zumindest die frühen Orgeln (vgl. z. B. Kransberg 1876) weisen jedoch einige Modifizierungen dieses Orgelsystems auf: