Die SŽD-Baureihe ЧС4 (deutsche Transkription TschS4) der Sowjetischen Eisenbahnen (SŽD) sind von der S699.001 abgeleitete elektrische Lokomotiven. Sie wurden ab 1963 von Škoda in Plzeň gefertigt und ist mit einem Lokomotivkasten aus glasfaserverstärktem Kunststoff ausgerüstet. Im Betriebsdienst besitzen die Lokomotiven die Spitznamen Laminatka, Aquarium oder Seifenschale.
Geschichte mini|links|S 699.001 im technischen Museum Techmania in Plzeň (2011) Die Lokomotive besitzt ebenso wie ihr Prototyp einen Lokkasten aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Diese Entwicklungsrichtung wurde damals bestritten, um den Werkstoff für den metallenen Lokkasten durch einen wartungsfreien, farblich nicht behandelbaren zu ersetzen, bei dem lediglich eine Grundfarbe aufgetragen wurde. Dadurch ergab sich ein völlig neues Design für die Lokomotive, für das hauptsächlich die Designer Miloš Frančewww.prototypy.cz,Entwicklung und Otakar Diblík verantwortlich waren. Das Ziel wurde nicht vollständig erreicht; darüber hinaus mussten Laminatharze und zusätzliche Farbpigmente mit Devisen von den kapitalistischen Staaten eingeführt werden.
1962 begann nach dem Auftrag der Volkswirtschaft der damaligen UdSSR die Lokfabrik Škoda in Plzeň mit der Projektierung der ersten Versuchslokomotive ЧС4 001, die bis Ende 1963 gebaut wurde. Die Lokomotive war für das Lichtraumprofil der SŽD mit den Abmessungen 3400mm × 5330mm gefertigt worden. Selbstverständlich war die Lokomotive auch für die Verwendung mit der SA3-Mittelpufferkupplung vorgesehen. Für Versuchsfahrten auf Gleisen der ČSD war es möglich, auch Radsätze in Normalspur sowie Schraubenkupplung nachzurüsten.
Technische Beschreibung mini|links|Fahrpult Gegenüber den Konstruktionen der in der damaligen UdSSR hergestellten Lokomotiven besaßen die ЧС4 große Unterschiede. Gegenüber dem Prototyp unterschieden sich die ЧС4 äußerlich durch die Form des Kastens. Die Schlussleuchten waren bei der ЧС4 mehr hervorgehoben, der Scheinwerfer besaß ebenfalls eine andere Form. Die Frontverglasung bestand aus mehreren Segmenten. Außerdem war eine dreifachunterteilte Seitenverglasung des Führerstandes angebracht, wo diese auch geöffnet werden konnte. Der Hauptluftbehälter saß auf dem Dach. Ursprünglich befanden sich in den Seitenwänden zehn kleine ovale Fenster. Ab den Serienlokomotiven wurden sechs größere Fenster verwendet. Die Lokomotiven besaßen ursprünglich den großen Bahnräumer, wie ihn auch der Prototyp besaß. Bei der später auf dem Versuchsring Velim eingesetzten ЧС4.001 wurde dieser entfernt und durch zwei einfache mit einfachen Blechen und Versteifungen ersetzt. Auf dem hinteren Führerstand bestand die Möglichkeit, über eine Leiter durch eine Sicherheitstür das Dach der Lokomotive zu betreten. Waren die Lüftergitter in den Seitenwänden bei der ersten Maschine noch schräg angeordnet, wurden sie bei den Serienlokomotiven gerade mit Versteifungskonsolen ausgeführt. Sehr elegant wirkte auch die farbliche Gestaltung der Lokomotiven, wie sie bei der museal erhaltenen ЧС4.012 zu sehen ist. Original war der Rahmen grau, der untere Teil des Lokkastens dunkelrot, der obere Teil des Kastens zinnoberrot und das Dach silberfarben. An der Stirnwand des Designs befanden sich gelbe Streifen. Im Laufe ihres Einsatzes wurde die Färbung mehrfach geändert. mini|links|Hilfsbetriebseinrichtungen
Im Wesentlichen bestand die mechanische und die elektrische Einrichtung aus den Elementen der S 699.0, mit Ausnahme der Fahrmotoren und der erneuerten Drehgestelle. Eine Besonderheit war die elektrische Bremse. Deren Masse betrug 4t und war eine der Ursachen, dass die Probelokomotive später mit 131t deutlich zu schwer ausgefallen war. Da sie sich als nicht effektiv erwies, wurde sie bei den Serienlokomotiven bis auf die der zehnten Serie weggelassen. Beim Versuchsbetrieb war die Höchstgeschwindigkeit der Probelokomotive auf Grund der Überlast auf 100km/h beschränkt.
Versuchsbetrieb mini|links|ЧС4.226 1964 wurde die erste Lokomotive ЧС4.001 zunächst der Betriebserprobung auf dem Streckenabschnitt Plzeň–Horažďovice mit Konstrukteuren von Škoda unterzogen. Der Versuchsring Velim war damals noch nicht elektrifiziert, so dass man diesen nicht nutzen konnte. Nach der Absolvierung wurde sie 1965 zur Betriebserprobung in die damalige UdSSR überführt. Diese Erprobungen waren mit einigen Schwierigkeiten verbunden, die dazu führten, dass die Lokomotive 1966 als Garantiefall an den Hersteller zurückgegeben werden musste. Obwohl die Lokomotive im Abschnitt Chanskaja–Maikop eine Geschwindigkeit von 145km/h erreichte, erwies sich ihr Antrieb in gebirgigen Regionen als den Anforderungen nicht gewachsen. Die Lokomotive erwies sich als nicht hinreichend ausgereift, einige Komponenten entsprachen nicht ihrer Leistung von 4800kW.
Nach der Rückkehr aus der UdSSR wurde die ЧС4.001 zunächst nach den Erkenntnissen des Versuchsbetriebes umgebaut. Die Lokomotive wurde daraufhin nicht wieder in die UdSSR zurückgegeben, sondern nach der Rekonstruktion erhielt der Versuchsring Velim die auf Regelspur und Schraubenkupplungen umgerüstete Maschine. Die Höchstgeschwindigkeit der Lokomotive war mit 160km/h festgelegt worden. Die Lokomotive erhielt hier die Bezeichnung S 699.1001, ab 1988 260 601-0, und wurde hier 1990 ausgemustert. 1991 wurde die Lokomotive in Beroun verschrottet.
Im Laufe des Jahres 1965 wurde auf der Grundlage der Erkenntnisse mit den beiden Prototypen S 699.001 und ЧС4.001 die Konstruktion zunächst vervollständigt, insbesondere im Bereich der Drehgestelle. Es wurden zunächst zehn Lokomotiven der Nullserie bei Škoda hergestellt (ЧС4.002 – ЧС4.011), die zur Erprobung in das Lokomotivdepot Kawkasskaja gebracht wurden. Dabei wurden an den Lokomotiven verschiedene Prüfungen durchgeführt, und zwar bei ЧС4.002 1966 Standversuche, ЧС4.003 Kraft- und Energieversuche, ЧС4.004 Laufversuche sowie Verhalten der Lokomotive im Gleis.
Diese Prüfungen waren erfolgreich und gaben die Grundlage für die Großserienproduktion der Lokomotiven mit einigen Modifikationen.
Einsatz der Lokomotiven mini|links|ЧС4.029 mini|ЧС4.179 mit neuem Lokkasten 1965–1972 wurden insgesamt 230 Fahrzeuge der Baureihe bei Škoda hergestellt. Sie trugen die Ordnungsnummern 001–160 und 162–231. Ursprünglich waren die Fahrzeuge für den Betrieb in den Depots Kawkasskaja und Brjansk2 vorgesehen. Später erhielten auch die Depots Kiew P, Kirow, Balaschow und Rossosch die Lokomotiven, nach der Elektrifizierung des Abschnittes Saratow–Rtischtschewo auch das Depot Saratow. Ihr Einsatzgebiet war der schwere Schnellzugdienst. Nach 1970 erschien die Nachfolgeversion ЧС4т in 230 Exemplaren. Ihre Hauptmerkmale waren neue Lokkästen in Ganzstahlausführung und eine neue elektrische Bremse.
Während ihres Betriebseinsatzes wurden Modernisierungen durchgeführt, die sich im Wesentlichen auf die Einführung einer automatischen Geschwindigkeitsregulierung bezogen. Größere Ausbesserungen wurden im Werk Saporischschja in der südlichen Ukraine durchgeführt. In den Jahren 1999–2013 wurde in diesem Werk eine Generalreparatur mit einer Verlängerung der Frist bei 105 Lokomotiven durchgeführt. Dabei erhielten die Maschinen neue Lokkästen in Ganzstahlbauart analog dem der ЧС7, abgenutzte Baugruppen wurden getauscht, ersetzt wurden die Räder und die Drehgestelle. Im Wesentlichen handelte es sich um die ukrainischen Lokomotiven 017, 018, 019, 026, 036, 037, 039, 040–044, 046–050, 052, 054, 055, 058–061, 063–065, 067, 069, 075–078, 080, 082–086, 088, 091, 094–097, 099, 100, 102, 105–111, 113, 117, 119, 122, 125, 128, 130˜–132, 136, 138, 141–142, 144, 146, 149, 153, 154, 156, 158, 159, 169, 173, 174, 178, 179, 183, 185–193, 195–201, 204, 205 und 207–211. Grundlage des Tausches der Lokkästen war die Beschwerde von Lokführern, dass die Sicht auf die Strecke nur im Bereich ab 50 bis 70m bestand. Grund dafür waren der Abstand des Lokführerstuhles vom Fahrpult und seine Höhe.
2014 wurden alle Lokomotiven im Depot Kiew P zusammengezogen. In den Depots Kirow und Balaschow wurden sie durch ЧС4т, in Saratow durch ЭП1 ersetzt.
Lokomotiven in Museen 2004 wurden aus dem Depot Saratow vier Lokomotiven in Museen des Eisenbahntransportes übergeben: ЧС4.012 in Sankt Petersburg, ЧС4.025 in Moskau, ЧС4.029 in Rostow am Don und die ЧС4.023 in Nowosibirsk.
2012 wurde aus dem Depot Kiew P die ЧС4.072 an das Museum des dortigen Bahnhofes übergeben. Auch die ЧС4.226 ist erhalten.
Siehe auch Liste russischer und sowjetischer Triebfahrzeuge
Einzelnachweise
Weblinks
Webseite zur Baureihe S 699.1 auf prototypy.cz (tschechisch) Prototyp der ЧС4 im digitalen Eisenbahnfotoarchiv Die besonders gut gepflegte ЧС4.083 im Bahnhof sherchenka, auf Bahnbilder.de
TschS4 Kategorie:Elektrolokomotive für Wechselstrom 25 kV 50 Hz Kategorie:Schienenfahrzeug (Škoda)