mini|Kreisverkehr in Straßwalchen, Österreich mini|Kreisverkehr in Amman, Jordanien mini|Kreisverkehr im Zentrum von Tel Aviv, Israel

Unter einem Kreisverkehr, auch Verkehrskreisel, Kreisverkehrsplatz (KVP), Kreisel, Teller oder Rondell, versteht man eine bestimmte Bauart eines Knotenpunkts im Straßenverkehr. Ein Kreisverkehr besteht aus der Kreisfahrbahn, die nicht streng kreisförmig sein muss, aber immer eine geschlossene Schleife bildet, und einer Kreisinsel, die von der Kreisfahrbahn umgeben ist und umfahren wird.

Die Kreisfahrbahn ist wie eine Einbahnstraße nur in einer Richtung zu befahren, im Rechtsverkehr entgegen dem Uhrzeigersinn (linksdrehend) und im Linksverkehr im Uhrzeigersinn (rechtsdrehend). Fahrzeuge fahren aus einer Einmündung in die Kreisfahrbahn ein, folgen ihr bis zur gewünschten Ausfahrt und verlassen sie dort wieder. Im Unterschied zu einer normalen Kreuzung kreuzen sich in einem Kreisverkehr mehrere Verkehrsströme. Dabei dient die Kreisfahrbahn als Verteiler, der keinem der Verkehrsströme Vorrechte einräumt. Bei ungleich starkem Verkehrsaufkommen können aber für schwache Ströme Wartezeiten entstehen.

Geschichte mini|Kreisverkehr in Washington (1922) mini|Der älteste nachgewiesene Kreisel der Schweiz in Zollikon, 1935 mini|Kreisverkehr 1951 in Leipzig

Die ersten Kreisverkehre gab es bereits am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So wurde in New York 1904 am Columbus Circle (durch William Phelps Eno) sowie 1907 in Paris rund um den Arc de Triomphe (auf Vorschlag Eugène Hénards) ein Kreisverkehr eingerichtet. Älter ist jedoch der um 1899 errichtete Görlitzer Brautwiesenplatz, der somit der vermutlich erste Kreisverkehr Deutschlands ist.Nach Radio Lausitz und Alles-Lausitz.de

In Deutschland waren in der Nachkriegszeit (große) Kreisverkehre zunächst eine gängige Lösung als Ersatz für Straßenkreuzungen. Infolge der zunehmenden Motorisierung und Technisierung von Verkehrsanlagen wurden im Laufe der Zeit immer mehr Kreisverkehre ersetzt, auch wegen deren Unfallträchtigkeit. Mit der Verabschiedung der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) vom 16. November 1970, die am 1. März 1971 in Kraft trat, wurde das Zeichen 19px|Zeichen Kreisverkehr schließlich entfernt. Um der Gefahr einer Selbstblockade bei stärkerem Verkehrsaufkommen zu begegnen, wurde stattdessen dem Verkehr im Kreis durch Vorfahrtzeichen 19px|Vorfahrt die Vorfahrt gewährt. Die Zufahrten wurden zusätzlich mit Vorfahrt-gewähren-Zeichen 19px|Vorfahrt gewähren versehen. In der DDR wurde das Zeichen mit der StVO von 1977 ungültig, seine Gültigkeit erlosch nach dem 15. Januar 1978.

Aufgrund von Missverständnissen bei den BerechnungsgrundlagenWerner Brilon: Leistungsfähigkeit von Kreisverkehrsplätzen. In: Straßenverkehrstechnik, 5/1988. gerieten Kreisverkehre zunehmend in Vergessenheit. Kreisverkehre wurden in den folgenden Jahren häufig in ampel­geregelte Kreuzungen umgebaut.

In anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Frankreich, Großbritannien und Spanien, wurden Kreisverkehre dagegen weiterhin gebaut. Besonders in Frankreich, das je nach Zählweise zwischen 70.000 und 160.000 Kreisverkehre (ronds-points, giratoires) besitzt, werden diese gern zur Verkehrsregelung benutzt. 1984 wurde in Frankreich für Kreisverkehre die Links-vor-Rechts-Regel eingeführt, also wer im Kreisel ist, hat Vorfahrt gegenüber dem Einfahrenden.

In der Schweiz entstanden seit den 1960er Jahren Großkreisel wie etwa beim Autobahnanschluss in Lausanne-Maladière.Gregor Poletti, Patrick Vögeli, Patrick Meier: Es läuft nicht mehr rund. In: Tages-Anzeiger, 11. Juni 2022, S. 6. Einer der ersten Kreisel entstand 1934 in Zollikon bei Zürich.

Seit Beginn der 1990er Jahre erlebten kompakte Kreisverkehre auch in Deutschland eine Renaissance. In den Jahren 1995 und 1998 führte das Bundesministerium für Verkehr Regelungen für die Anlage von Kreisverkehren an Bundesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften ein.Bundesministerium für Verkehr, Allgemeines Rundschreiben Straßenbau Nr. 23/1998, Bonn 1998.

In Deutschland wurde mit Änderung der StVO vom 11. Dezember 2000 der § 9a neu in die StVO aufgenommen, der das Verhalten im Kreisverkehr regelt und das Kreisverkehrszeichen (Zeichen 215 20px) definiert. Die Regelung des wurde mit der straßenverkehrsrechtlichen Novelle vom 5. August 2009 () in eingegliedert. Das Verbot des Überfahrens der Kreisinsel und das des Haltens im Kreis sind jetzt zu der Beschilderung zu mit Wirkung ab dem 1. September 2009 aufgenommen.

Im Gegensatz dazu sind Kreisverkehre in Österreich durch das Gefahrenzeichen 25px StVZVO Nr. 3a als Kreuzung mit Kreisverkehr gekennzeichnet.

Um die Einfahrgeschwindigkeit noch mehr zu reduzieren, werden oft in der Mitte künstliche Hügel oder Skulpturen aufgebaut, die eine Sicht auf die andere Seite des Kreisverkehrs verhindern. Inseln mit einer durchgehenden Fahrbahn und demontierbaren Sichthindernissen lassen Schwertransporte zu. In Baden-Württemberg werden Skulpturen, Bäume und feste Einbauten auf der Kreisinsel außerorts nicht mehr zugelassen, nachdem es mehrere Unfälle mit schweren Unfallfolgen gegeben hat. Einige Kunstwerke und andere Einbauten mussten daraufhin entfernt werden.

Beurteilung Ob ein Kreisverkehr an einer Kreuzung sinnvoll ist oder nicht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Für Deutschland sind Kriterien abschließend im Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren aufgeführt. Auch die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) geben dazu Hinweise.

Vorteile mini|Kreisverkehr mit vier Ein- und Ausfahrten

Als Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Verkehrsknoten, insbesondere einer Kreuzung, gilt die größere Verkehrssicherheit. Diese wird vor allem durch die in der Regel niedrigere Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge und eher tangentiale Kollisionsgefahren erzielt, wodurch Unfälle seltener geschehen und glimpflicher ablaufen. Die Anzahl der Konfliktpunkte in einem Kreisverkehr für den Fahrzeugverkehr ist weitaus geringer als an einer gewöhnlichen Kreuzung. Gleichzeitig kann dabei, je nach Auslegung, der Verkehrsfluss gesteigert werden. Die Durchlassgeschwindigkeit ist höher als bei einer vorfahrts- oder signalgesteuerten Kreuzung, falls der Verkehr flüssiger laufen kann.

Während eine Kreuzung mit mehr als vier Zufahrten mittels Ampel wesentlich komplexer zu steuern ist, ist bei einem Kreisverkehr die Anzahl der möglichen Einfahrten, bei gegebenem Verkehrsaufkommen, nur von der Größe des Ringes abhängig. Er stellt prinzipbedingt jegliche Verkehrsbeziehung der angeschlossenen Straßen bereit. Unnötige Wartezeiten, wie es bei Ampeln trotz leerer Straßen manchmal der Fall ist, entfallen.

Gut geplante, großflächig angelegte Kreisverkehre können sehr hohe Verkehrsaufkommen mit einem Minimum an Stau sehr effizient bewältigen und bieten als weitere Vorteile eine überschaubarere Verkehrslage, bessere Wirtschaftlichkeit durch die verteilende Wirkung und besseren Umweltschutz durch weniger Abgase und Lärm. Bei echten Kreisverkehren ohne Lichtzeichenanlage kommen geringere Wartungskosten gegenüber einer Ampellösung als Vorteil hinzu.

Nachteile mini|Unterirdischer kreisförmiger Knotenpunkt auf der Fahrzeugebene unterhalb der Bochumer Innenstadt

Wegen ihres gegenüber einer normalen Kreuzung größeren Platzbedarfs an den Außenseiten lassen sich Kreisverkehre im Bestand nicht überall verwirklichen (Ausnahme: Minikreisverkehr). Der freie Platz, der in der Mitte entsteht, kann dabei oft nicht sinnvoll verwendet werden. Dieser Nachteil relativiert sich bei großen Kreuzungen, da der Platzbedarf einer großen Kreuzung mit Ampeln in etwa gleich groß ist.

Die Führung von Fußwegen und Radwegen an Kreisverkehren kann problematisch sein, vor allem, weil in der Regel keine Ampelanlagen vorhanden sind und man so als Fußgänger und auch als Radfahrer besonders vorsichtig sein muss. Zwar sind Fußgänger in der Schweiz stets, in Deutschland gegenüber abbiegenden Fahrzeugen bevorrechtigt, wenn die Fußgänger sich in oder gegen deren Fahrtrichtung bewegen. Je nach Abbiegeradius können die Kfz-Geschwindigkeiten aber hoch sein. Deshalb müssen Kraftfahrzeugführer beim Ein- und Ausfahren in bzw. aus einem Kreisverkehr besonders auf Radfahrer achten, die ebenfalls oft, aber unerlaubt auf den Zebrastreifen, auch entgegen der Kreisrichtung fahren. Zur Vermeidung von Konfliktpunkten und damit zur Steigerung der Verkehrssicherheit führen Radwege oftmals vor dem Kreisverkehr auf die Fahrbahn, so dass Radfahrer dann auf der Kreisfahrbahn mitfahren. Auf regelgerecht gebauten Kreisverkehren wird dies bis zur Kfz-Belastung von etwa 15.000 Kfz pro Tag gut durch Radfahrer akzeptiert und ist dann auch sicher. Ein weiterer Nachteil von Kreisverkehrsanlagen sind Umwege für Fußgänger, wenn diese den Knotenpunkt oder einzelne zuführende Straßen überqueren wollen.

Kreisverkehre mit sehr hohem Verkehrsaufkommen sind problematisch, da die aus Nebenstraßen in den Kreis einfahrenden Fahrzeuge oft sehr lange an der Einfahrt warten müssen und sich Rückstaus bilden. Hochbelastete Kreisverkehre sind unfallträchtiger, da risikoreich auch kleine Lücken zum Einfahren genutzt werden. Dieser Nachteil gilt für Ampelanlagen nur bedingt. Wenn Hauptverkehrsstraßen – im Gegensatz zu einmündenden Straßen geringeren Verkehrsaufkommens – durch eine längere Grünphase bevorzugt werden, wird eine optimale Nutzung der vorhandenen Kapazität erreicht. Zur Regelung des Verkehrs wird bei einigen Kreisverkehrsanlagen die Einfahrt per Ampel geregelt.

Unweit von stark frequentierten Kreisverkehren bestehende Straßenein- und -ausfahrten, aber auch Grundstücksein- und -ausfahrten erfordern von jedem Verkehrsteilnehmer erhöhte Aufmerksamkeit, da oft durch den permanenten Verkehrsfluss im Kreisverkehr sich kaum oder selten eine ausreichende Lücke zum Ein- oder Ausfahren an diesen Stellen bietet.

Arten mini|Minikreisverkehr als Versuch in Wipperfürth, Deutschland.

Man unterscheidet je nach Funktion und Größe zwischen drei Arten von Kreisverkehren: Minikreisverkehre, kleine (auch: kompakte) und große Kreisverkehre. Ihre Anlage ist für Deutschland in den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) und im Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) geregelt. Diese Werke stellen den Stand der Technik dar und sind bei Neu- oder Umbauten zu beachten.

Minikreisverkehre Minikreisverkehre (auch Minikreisel) werden nur innerorts eingesetzt, u. a. wegen ihrer schlechteren Erkennbarkeit. Sie haben einen Durchmesser zwischen 13 und 22 Metern. Da die Kreisinsel von großen Lastwagen oder Bussen wegen deren großem Wendekreis nicht umfahren werden kann, muss sie überfahrbar gestaltet sein. In der Regel ist sie gepflastert und von einem Niederbord eingefasst oder in Ausnahmefällen nur abmarkiert. Sie sind dazu gedacht, innerorts und im Bestand an geeigneten Plätzen bestehende Vorfahrtsregelungen oder Lichtsignalanlagen zu ersetzen. (PDF; 236 kB) Einen Überblick zu vor 2014 bestehenden und untersuchten Minikreiseln, Untersuchungsergebnisse zur Wirkung und Folgerungen für die Gestaltung im Detail gibt Reinhold Baier. Dort ist ab Seite 108 auch eine Liste von damals in Deutschland bestehenden Minikreiseln enthalten, anschließend eine Dokumentation der näher betrachteten Minikreisel. Ein wesentliches Fazit von Baier ist: „Minikreisverkehre haben sich im Ergebnis dieser Untersuchungen – auch im Vergleich mit möglichen ‚konkurrierenden‘ Knotenpunktarten – als sehr sichere Knotenpunktart erwiesen.“ Auch der ARCD bescheinigt den Minikreiseln eine hohe Sicherheit, weil sie „besser überschaubar [seien], wodurch weniger Konfliktsituationen und schwerwiegende Unfälle entstehen“. Aus Gründen der Verkehrssicherheit ist aber zwingend, dass eine bauliche Gestaltung erfolgt, die zu einer langsamen Geschwindigkeit zwingt. Reine Markierungsmaßnahmen sind nicht ausreichend.

Kleine Kreisverkehre