mini|Ortsansicht von Murnau (Blick vom Münter-Haus)
Murnau am Staffelsee (amtlich: Murnau a.Staffelsee) ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Der Markt entstand ab dem 12. Jahrhundert um die Burg Murnau. Der Ort ist Teil der Tourismusregion Das Blaue Land.
Geographie Geographische Lage Murnau liegt im Vorland der Bayerischen Alpen etwa 70 km südlich von München. Vom Ort blickt man auf die Gipfel und Grate der Ammergauer Alpen vom Hörnle bis zum Ettaler Mandl im Südwesten, des Wettersteingebirges mit Zugspitze und Alpspitze im Süden sowie des Estergebirges mit dem markanten Kistenkar und der Walchenseeberge mit Heimgarten und Herzogstand im Südosten. Das Gebiet des heutigen Murnau lag während der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) unter einer rund 600 m mächtigen Eisdecke.
Der Staffelsee grenzt direkt an den westlichen Ortsrand. Im Süden schließt sich mit dem Murnauer Moos das größte geschlossene Moorgebiet Mitteleuropas an.
Gemeindegliederung Der Markt Murnau am Staffelsee hat zwölf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Geschichte Antike, Etymologie und Gründungslegenden Der Ortsname „Murnau“ stammt wohl von und . Er weist auf die Lage am Murnauer Moos und dem Loisachtal hin, wo sich schon in römischer Zeit eine Ansiedlung befunden hatte.
Alte Sagen bringen den Ortsnamen mit dem Murnauer Wappentier, dem Lindwurm, in Verbindung. Das erste Siegel mit dessen Darstellung ist aus dem Jahr 1374 erhalten und auch der Flurname „Drachenstich“ in der Nähe des Ramsachkircherls deutet auf eine sehr alte Drachensage in der Region hin. So schrieb Franz Sales Gailler, Murnau habe ursprünglich „Wurmesau“ bzw. „Wurmau“ geheißen und seinen Namen von einem Lindwurm erhalten, der in der Gegend hauste. Da der Name „unfein und etwas schwer auszusprechen war“, ging man später zum weicher klingenden „Murnau“ über.
Nach einer Version der Legende, von der unter anderem Max Dingler und der Kaplan Simon Baumann berichteten, wurde der Lindwurm von Kaiser Ludwig dem Bayern getötet.
Dingler gibt auch eine alternative Version der Legende wieder, in der der Lindwurm auf der Staffelsee-Insel Wörth von einem Schusterbuben überlistet wurde. Der Bub präparierte eine Kalbshaut mit ungelöschtem Kalk und legte sie als Köder aus. Der Lindwurm verschlang die präparierte Haut, trank anschließend aus dem Staffelsee, wodurch der Kalk in seinem Magen reagierte und das Ungeheuer von innen heraus tötete.
Bis zum 11. Jahrhundert Die Gegend um Murnau wurde bereits in vorchristlicher Zeit besiedelt. Ab der Regierungszeit von Septimius Severus gab es im Verlauf der Via Raetia eine Römerstraße über den Brennerpass und Seefelder Sattel durch das obere Isar- und Loisachtal nach Augsburg, die als Reichs- und Handelsstraße Via Imperii bis ins 19. Jahrhundert Bestand hatte. Auf dem mittlerweile abgetragenen Moosberg im Murnauer Moos ließen sich auch Zeichen keltischer und römischer Besiedlung finden. Damals war Murnau nicht mehr als eine mehr oder weniger befestigte Poststation mit dem Namen Murau oder Mureau.
12. bis 16. Jahrhundert Murnau wurde um 1150 das erste Mal urkundlich erwähnt.
Um 1300 wurde die Kirche St. Nikolaus erstmals in einem Schriftstück genannt. Die erste urkundliche Nennung der Burg Murnau erfolgte 1324. Ludwig der Brandenburger bestätigte 1350 dem Markt Murnau den Blutbann, das Niederlagsrecht, den Wochenmarkt am Mittwoch und den Michaelimarkt. Um 1400 erhielt Kloster Ettal für sein Gericht Murnau die bisher vom Landgericht Weilheim ausgeübte Hochgerichtsbarkeit.
Die erste Ortsansicht (das Schloss) von Philipp Apian datiert aus dem Jahre 1560.
17. und 18. Jahrhundert mini|Ansicht des Markts Murnau von Michael Wening, um 1700 1632–1648 erfolgten die Besetzung durch Schweden und Franzosen und Einquartierungen kaiserlicher Truppen während des Dreißigjährigen Krieges. 1634 brach die Pest aus. Die Kirche St. Nikolaus wurde von 1717 bis 1734 neu erbaut. 1722 wurde der Leonhardi- und der Skapuliermarkt bewilligt.
19. Jahrhundert 1803 wurde das Kloster Ettal säkularisiert und das Pflegamt Murnau aufgehoben. Murnau wurde dem Landgericht Weilheim zugeordnet. Während des Tiroler Volksaufstands 1809 fanden bei Murnau mehrere Gefechte zwischen bayerischen und Tiroler Truppen statt, wobei der Ort am 18. Juli kurzzeitig von Tirolern besetzt wurde. Das Rathaus wurde 1842 neu erbaut. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde fast die komplette Bausubstanz Murnaus in einem Stadtbrand zerstört. Der sich anschließende Wiederaufbau führte zu dem sich heute darbietenden geschlossenen Ortsbild. 1868 wurde der Verschönerungsverein Murnau e. V. gegründet. 1879 wurde die Bahnlinie Weilheim–Murnau eröffnet, 1889 die Bahnlinie Murnau–Garmisch. 1900 folgte die Eröffnung der Bahnlinie Murnau–Oberammergau.
20. Jahrhundert mini|Münter-Haus Murnau mini|hochkant|Kottmüller-Allee Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auf Initiative Emanuel von Seidls das Ortsbild verändert.
Die beiden Künstlerpaare Gabriele MünterAnnegret Hoberg: Gabriele Münter in München und Murnau 1901–1914. In: Ausst. Kat: Gabriele Münter 1877–1962, Retrospektive. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1992, S. 27 ff. /Wassily KandinskyAusst. Kat: Kandinsky, Absolut abstrakt. München 2008. und Marianne von WerefkinBernd Fäthke: Marianne Werefkin. München 2001. /Alexej JawlenskyBernd Fäthke: Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht. München 2004. hielten sich 1908 zum ersten Mal in Murnau zum gemeinsamen Malen auf.Brigitte Salmen (Hrsg.), Ausst.-Kat: 1908–2008, Vor 100 Jahren, Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin in Murnau. Murnau 2008. Durch die Gemälde, die sie bis 1914 von dem Ort und seiner Landschaft schufen, wurde Murnau ein bekannter Künstlerort. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hielten sich Mitglieder der Künstlergruppe Blauer Reiter in Murnau auf.Rosel Gollek: Murnau im Altenvorland. In Gerhard Wietek: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte. Verlag Karl Thiemig, München 1976, ISBN 3-521-04061-5, S. 178–187. Ab 1931 wohnten Gabriele Münter und ihr Lebensgefährte, der Kunsthistoriker Johannes Eichner, in dem später als Münter-Haus bekannt gewordenen Gebäude an der Kottmüllerallee 6.
Zu den herausragenden kulturellen Attraktionen Murnaus zählen das 1999 renovierte Münter-Haus („Russenhaus“),Helmut Friedel, Annegret Hoberg: Das Münterhaus in Murnau. München 2000. das Münter 1909 erworben und zeitweise mit Kandinsky bewohnt hatte, sowie das Schloßmuseum mit seiner Kunstsammlung.Brigitte Salmen: Museumsschätze. 15 Jahre Schloßmuseum Murnau. Murnau am Staffelsee 2008.
1923 nahmen zahlreiche Bürger des Ortes am Hitlerputsch in München teil und erhielten dafür nach der Machtergreifung den sogenannten Blutorden. Bei den Reichstagswahlen 1924 erhielten die sonst in Deutschland (Weimarer Republik) damals noch chancenlosen Nationalsozialisten nahezu 33 Prozent der Murnauer Stimmen. Von 1923 bis 1933 lebte und wirkte der Schriftsteller Ödön von Horváth in Murnau. 1924 wurde eine private Höhere Mädchenschule (später Gymnasium) gegründet. Das neue Krankenhaus, gestiftet von James Loeb, wurde 1932 erbaut. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 wählten 55,8 % der Murnauer Wahlberechtigten die NSDAP (Deutsches Reich: 43,9 %, Oberbayern-Schwaben: 40,9 %). Seit 1933 befanden sich bei Murnau mehrere Hitler-Jugend-Hochlandlager.
1953 wurde die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau im Südosten des Ortes eröffnet, die seitdem ständig erweitert wurde. Das Goethe-Institut öffnete 1954 seine Pforten. 1956 und 1971 wurden die Kasernen durch die Bundeswehr wieder belegt, von denen eine (Kemmel-Kaserne) 1994 wieder geschlossen wurde. Zahlreiche Landhäuser, darunter einige Villen und eine Turnhalle, erbaut von Emanuel von Seidl, wurden in den 1960er und 1970er Jahren abgerissen. Das Staffelsee-Gymnasium wurde 1967 zur Vollschule ausgebaut. mini|Das Schloßmuseum Murnau im Murnauer Schloss (2013) Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Murnau am 1. Juli 1972 vom Landkreis Weilheim abgetrennt und dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen zugeteilt. Am 12. März 1979 wurde der Name der Gemeinde Murnau amtlich in Murnau am Staffelsee geändert.
Im Jahr 1970 erfolgte bayernweit die erste Datenfernübertragung an den pharmazeutischen Großhandel über Telefon der Engel-Apotheke des Apothekers Gustav Hell zusammen mit der Firma Siemens.
Im Jahr 1979 wurde ein Jugendzentrum geschaffen, das 2006 ein nach der Stifterin benanntes eigenes Haus bekam, das Erlhaus. Das Murnauer Moos wurde 1980 Naturschutzgebiet. 1993 wurde das Schloßmuseum eröffnet. Von 1998 bis 2000 wurde der historische Ortskern saniert. Das umgestaltete Münterhaus wurde 1999 wiedereröffnet. 2000 wurden Fußgängerzone und Tiefgarage eingeweiht.
21. Jahrhundert mini|Blick auf die Hohe Kisten (1.922 m) über den Untermarkt
2001 wurden der neue Kurpark und der Münter-Platz sowie das neue Staffelsee-Gymnasium eingeweiht.
Murnau erwarb im Jahr 2002 das Gelände der ehemaligen Kemmel-Kaserne. Es wurde in einen Gewerbe- und Wohnpark, den Kemmelpark, umgebaut.
Im Jahr 2006 wurde das Goethe-Institut geschlossen und abgerissen. Im Herbst 2009 wurden an dessen Standort drei Doppelhäuser errichtet.
Seit dem 9. Dezember 2008 trägt die Aula des Staffelsee-Gymnasiums den Namen des Schriftstellers Ödön von Horváth.
2010 wurde die Postfiliale Murnau geschlossen und in den Supermarkt Feneberg verlegt. Das bisherige Postgebäude steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Weindorf eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kamen kleinere Teilgebiete der Gemeinden Riegsee und Seehausen am Staffelsee hinzu. Hechendorf bildete mit seiner Eingemeindung am 1. Mai 1978 den Schlusspunkt.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1970 und 2020 wuchs der Markt von 8.233 auf 12.110 um 3.877 Einwohner bzw. um 47,1 %. Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2011 2015 2020 2024 EinwohnerKommunalstatistik von Murnau, abgerufen am 5. Januar 2011.Einwohnerzahlen Landkreis-Garmisch 1.565 1.735 2.436 3.223 5.189 6.474 7.366 8.233 9.913 10.881 11.239 11.671 12.048 12.262 11.310 12.184 12.110 11.924
Bei den Angaben von 1871 bis zum Jahr 1987 und im Jahr 2011 handelt es sich um Volkszählungsergebnisse.
Politik Marktgemeinderat + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen Partei / Liste Wahl 2026Markt Murnau a. Staffelsee Gemeinderatswahl, Zwischenergebnis (21 von 21 Stimmbezirken), abgerufen am 10. März 2026. Wahl 2020Wahl des Marktgemeinderats 2020, Murnau a.Staffelsee, Gesamtergebnis, abgerufen am 18. Mai 2020. Wahl 2014 Wahl 2008Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung. % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze Christlich-Soziale Union in Bayern 26,0 6 24,45 6 34,12 8 42,9 11 Sozialdemokratische Partei Deutschlands 7,7 2 5,01 1 12,23 3 15,5 4 Freie Wählergemeinschaft e. V. 18,2 4 14,10 3 13,07 3 18,8 4 Ökologisch-Demokratische Partei/Bürgerforum 24,9 6 25,5 6 22,45 6 19,7 5 MEHR BEWEGEN 7,8 2 17,87 4 13,2 3 – – FDP - - - - - - 3,2 – Grüne 15,4 4 15,02 4 4,92 1 – – Gesamt 100 24 100 24 100 24 100 24 Wahlbeteiligung 62,7 % 62,04 % 57,95 % 61,5 %
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Bei der Bürgermeisterwahl am 8. März 2026 wurde er mit 66,7 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 62,7 % und zwei Gegenkandidaten im Amt bestätigt.Markt Murnau a.Staffelsee, Vorläufiges Endergebnis Vorgänger Beutings war Michael Rapp (CSU) von 2002 bis 2014.
+AmtszeitNamePartei1978–1996Werner FrühschützCSU1996–2002Harald KühnCSU2002–2014Michael RappCSU2014–Rolf BeutingÖDP/Bürgerforum
Wappen
Kultur 1980: Gründung des Historischen Vereins e. V. durch Ernst Krönner 1988: Erstes Ödön-von-Horváth-Projekt in Murnau, Leitung Elisabeth Tworek Seit 1994: Jährliches Kulturknall-Festival des Vereins Menschen Helfen e. V. Seit 2000: Jährliches „Weltmusikfestival grenzenlos“