Das Bekenntnis von Westminster () aus dem Jahre 1646 (gedruckt 1647) ist eine in manchen reformierten und presbyterianischen Kirchen noch heute gültige Bekenntnisschrift.John Bower: Neun Dinge, die man über das Westminster Bekenntnis wissen sollte, Website evangelium21.net, 28. August 2021, abgerufen am 12. Juni 2026 In 33 Artikeln bietet es eine systematische Darlegung der evangelischen Lehre und Glaubenspraxis. Hauptsächliche Themen sind die göttliche Inspiration und Autorität der Bibel, die Dreieinigkeit Gottes, die Vorsehung, die Erbsünde, die Rechtfertigung des Menschen allein durch die Gnade Gottes und den Glauben an Jesus Christus, die Bedeutung der Kirche, der Sakramente und des Endgerichts.Unsere Bekenntnisse, Evangelisch-Reformierten Kirche Westminster Bekenntnisses (ERKWB), Website solagratiagu.at, 2025, abgerufen am 12. Juni 2026
Geschichte Verfasst wurde das Bekenntnis zur Zeit des Englischen Bürgerkrieges auf Veranlassung des „Langen Parlamentes“ von der Westminstersynode, einer von 1643 bis 1649 tagenden und aus englischen und schottischen Presbyterianern bestehenden Theologen-Kommission. Bekannte Mitglieder der Westminstersynode waren Alexander Henderson, John Lightfoot, Thomas Goodwin und Samuel Rutherford. Am 1. Juli 1643 trat die Westminster-Synode (englisch: Westminster Assembly of Divines) erstmals in der Jerusalem Chamber, der Wohnung des Deans, zusammen, die eigentlichen Tagungen folgten dann bis am 25. März 1652. An der gemeinsamen Sitzung mit dem Parlament (House of Commons) vom 25. September 1643 wurde ein Bund (Solemn League and Covenant) zwischen der schottischen und englischen Nation geschlossen. Dadurch bekamen die presbyterianischen Grundsätze Schottlands und die Selbständigkeit ihrer Kirche mehr Gewicht, und die vorgesehene Reform der anglikanischen Kirche rückte mehr in den Hintergrund. Die Synode wandelte sich dadurch zu einer zunehmend presbyterianischen Kirchenversammlung.M. Schmidt: Synode und Bekenntnis von Westminster (1643–1649). Das presbyterianische Hauptbekenntnis, Website reformiert-info.de (abgerufen am 15. Juni 2026)
In Zeiten politischer, sozialer und kirchlicher Umbrüche erarbeitete die Westminster Versammlung sechs Dokumente, um den evangelischen Kirchen Klarheit, Halt und Durchschlagskraft zu geben. Das Kernstück dieser Dokumente bildete dabei das Glaubensbekenntnis, worin 4.000 Bibelverse eingearbeitet wurden.John Bower: Neun Dinge, die man über das Westminster Bekenntnis wissen sollte, Website evangelium21.net, 28. August 2021, abgerufen am 12. Juni 2026 Die Westminster Confession von 1644–1647 war geplant als offizielles Glaubensbekenntnis für die Church of England, die Church of Ireland und die Church of Scotland und sollte die Neununddreißig Artikel ersetzen. Doch überzeugte Anglikaner leisteten Widerstand gegen dieses Bekenntnis, so dass die Gegensätze zwischen Anglikanern und Presbyterianern wieder größer und eine Trennung endgültig wurde.M. Schmidt: Synode und Bekenntnis von Westminster (1643–1649). Das presbyterianische Hauptbekenntnis, Website reformiert-info.de (abgerufen am 15. Juni 2026) Bedingt durch die Restauration der englischen Monarchie ab 1660, konnte sich das Westminster Bekenntnis jedoch nur in der Church of Scotland als offizielles Dokument etablieren, und dies bereits ab 1647.
Das Bekenntnis von Westminster gilt zusammen mit dem großen (Westminster Larger Catechism) und dem kleinen (Westminster Shorter Catechism) Katechismus bis heute als das offizielle Glaubensbekenntnis presbyterianischer Kirchen. An die Stelle des Book of Common Prayer trat eine Anordnung (Directory for the Public Worship of God throughout the three Kingdoms of England, Scotland and Ireland, 1645), bei der Schriftlesung und Predigt in den Mittelpunkt des Gottesdienstes rückten. Die Synode revidierte auch die metrische Psalmenübersetzung von Francis Rous für den Gemeindegesang. Im Glaubensbekenntnis erhielten auch die Heilsgeschichte und die Föderaltheologie ihren wichtigen Platz, womit eine calvinistische Prägung stärker sichtbar wurde.M. Schmidt: Synode und Bekenntnis von Westminster (1643–1649). Das presbyterianische Hauptbekenntnis, Website reformiert-info.de (abgerufen am 15. Juni 2026)
Die US-amerikanischen Presbyterianer überarbeiteten das Bekenntnis zweimal. Dabei wurden die Anpassungen der ersten Revision aus Jahr 1789 (Trennung von Kirche und Staat) von den konservativen presbyterianischen Denominationen in den Vereinigten Staaten übernommen, die Überarbeitungen der zweiten Revision von 1903 (Kapitel über den Heiligen Geist, die Liebe Gottes und die Erwählung) jedoch meist abgelehnt.
Das Bekenntnis von Westminster war zudem die Grundlage für verschiedene andere Bekenntnisse, etwa die Savoy Declaration (1658), ein Bekenntnis der kongregationalistischen Kirchen, und die London Baptist Confession (1677), ein Bekenntnis der Baptisten in England.
Kuratoren und Mitglieder des Lehrkörpers des Westminster Theological Seminary (gegründet 1929 in Glenside, Pennsylvania, USA) erklären noch im 21. Jahrhundert jährlich ihre Zustimmung zu diesem Bekenntnis und zu dem großen und dem kleinen Westminster Katechismus.
Inhalt Der erste Teil des Bekenntnisses von Westminster widmet sich den Hauptelementen reformierten Glaubens: Er beginnt mit Gottes Schöpfungswerk, dem Fall des Menschen (Kapitel 1–6), dem Erlösungswerk von Jesus Christus (7–8) und seiner Anwendung durch den Heiligen Geist (9–19). Der zweite Teil, ab Kapitel zwanzig, umschreibt die Verantwortung des Gläubigen, Gott zu antworten und allen Menschen an allen Orten zu dienen. Dabei bleibt die Kirche der erste Ort, wo Gemeinschaft der Heiligen stattfindet, die Sakramente ausgeteilt werden und Gemeindezucht vollzogen wird, um ein heiliges Leben zu führen und Gott gemeinsam zu ehren. So weist sie auf die Auferstehung der Toten, das letzte Gericht und das ewige Leben hin. Das Gewissen des Gläubigen ist frei, um Christus alleine zu dienen. Trotzdem ordnet er sich den von Gott eingesetzten, rechtmäßigen Autoritäten unter.John Bower: Neun Dinge, die man über das Westminster Bekenntnis wissen sollte, Website evangelium21.net, 28. August 2021, abgerufen am 12. Juni 2026
Literatur
William Beveridge: A Short History of the Westminster Assembly, T. & T. Clark, Edinburgh 1904; reprint 2019. Samuel William Carruthers: The Westminster Confession of Faith, 1938 (mit kritischer Textedition). Samuel William Carruthers: The Everyday Work of the Westminster Assembly, Presbyterian Historical Society, Philadelphia 1943. William Carruthers: The Shorter Catechism of the Westminster Divines... with Historical Account and Bibliography, 1897. William Maxwell Hetherington: History of the Westminster Assembly of Divines, 1843 & 1878. Alexander Ferrier Mitchell: The Westminster Assembly, its History and Standards, 1883. Thomas Schirrmacher Hg.: Das Westminster Bekenntnis von 1647 mit den Texten biblischer Belegstellen, in: Der evangelische Glaube kompakt, Verlag für Kultur & Wissenschaft VKW, Bonn 2004 und 2017, ISBN 978-3-86269-145-6. B. B. Warfield: The Westminster Assembly and its Work, Princeton Theological Review, Princeton 1908, S. 177–210 & 353–391. Westminster Bekenntnis von 1647, Folgen Verlag, 2018.
Weblinks Andreas Janssen: Das Westminster Bekenntnis von 1647, Die Online-Dogmatik, Website evangelischer-glaube.de (2026). John Bower: Neun Dinge, die man über das Westminster Bekenntnis wissen sollte, Website evangelium21.net, 28. August 2021. Westminster Bekenntnis von 1647, Website glaubensstimme.de (2026). Westminster Bekenntnis, Evangelische Kirche W. B., Website reformiert.at (als pdf, Übersetzung: K. Vetterli, Lektorat: J. Low & R. Mayer). M. Schmidt: Synode und Bekenntnis von Westminster (1643–1649). Das presbyterianische Hauptbekenntnis, Website reformiert-info.de. Unsere Bekenntnisse, Evangelisch-Reformierten Kirche Westminster Bekenntnisses (ERKWB), Website solagratiagu.at, 2025.
Einzelnachweise
Kategorie:Konzilsdokument Westminster Kategorie:Reformiertentum im Vereinigten Königreich Kategorie:Religion 1646 Kategorie:Presbyterianismus Kategorie:Church of Scotland