Der Westbahnhof in Wien bildet als Kopfbahnhof den Ausgangspunkt der Westbahn. Der Bahnhof wurde am 15. Dezember 1858 anlässlich der Inbetriebnahme der „k.k. priv. Kaiserin Elisabeth-Bahn“ von Wien Westbahnhof über Linz Hauptbahnhof nach Linz Südbahnhof feierlich eröffnet. Die 1951 eröffnete Bahnhofshalle steht unter Denkmalschutz und wurde am 21. Dezember 2010 nach zwei Jahren Renovierung wieder zugänglich. Darunter wurde im Herbst 2011 ein unterirdisches Einkaufszentrum fertiggestellt, das sich BahnhofCity Wien West nennt. Die Halle ist zu beiden Seiten von höheren neuen Gebäuden umgeben, in denen u. a. ein Hotel untergebracht ist. 2012 und 2013 gewann der Bahnhof die Wahl zum schönsten Bahnhof Österreichs, 2023 wurde er beim VCÖ-Bahnhof-Test am besten bewertet.
Zwischen 13. Dezember 2015 und dem 14. Dezember 2024 verkehrten alle Fernzüge der ÖBB ab Wien Hauptbahnhof bzw. Wien Meidling. Ab dem Fahrplan 2024/25 verkehrten wieder vermehrt Fernverkehrszüge der ÖBB, wie zum Beispiel ein tägliches D-Zugpaar als D 1018/1019 auf der Weststrecke mit Halten in Wien Hütteldorf, St. Pölten Hbf., Linz Hbf. und Attnang-Puchheim über die Salzkammergutbahn nach Stainach-Irdning und zurück. Am Westbahnhof enden zudem alle Fernzüge des Unternehmens „Westbahn“ nach Salzburg Hbf, Innsbruck Hbf, Bregenz, Lindau (Bodensee) Insel, Saalfelden, München Hbf und Stuttgart Hbf, darüber hinaus der Regionalverkehr nach Niederösterreich, sowie an Wochenenden durch den Nationalpark Gesäuse über Waidhofen an der Ybbs nach Selzthal sowie des Öfteren nach St. Valentin. Außerdem gibt es ab dem 27. Juni 2025, also mit dem „kleinen“ Fahrplanwechsel, eine zusätzliche EuroNight-Verbindung (EN) von Warschau nach Rijeka. Dieser Zug hält auch am Wiener Hauptbahnhof und in Graz , wobei allein die Fahrt vom Westbahnhof zur kroatischen Hafenstadt Rijeka an die elf Stunden dauert. Das ist die erste Nachtzugverbindung mit Schlafmöglichkeit seit Dezember 2015. Ab dem Fahrplan 2025/26 verkehren wieder ÖBB-Fernverkehrszüge nahezu im Stundentakt, vor allem in Richtung Osteuropa und auf einigen innerösterreichischen Verbindungen. Zu erwähnen sind hierbei die Verbindungen nach Budapest (Keleti pályaudvar), welche oft weiter nach Niregyháza und in die ukrainische Stadt Uschgorod geführt werden. Des Weiteren fahren Fernzüge ab Wien Westbahnhof auch nach Bohumin, Warschau, bald nach Pressburg (Bratislava hlavná stanica), Linz, Stainach-Irdning, Selzthal, Bischofshofen, Salzburg Süd und Wörgl.
Lage Der Westbahnhof liegt im 15. Wiener Gemeindebezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus, an der innerstädtischen, sechs- bis achtspurigen Verkehrsachse Gürtel (Neubaugürtel) und ist mit zwei U-Bahn-Linien (U3, U6) und den Straßenbahnlinien 5, 6, 9, 18, 52 und 60 erreichbar. Die nahe der Südseite des Gebäudes in West-Ost-Richtung verlaufende Mariahilfer Straße stellt wie die U3 eine direkte Verbindung ins Stadtzentrum her.
Linien, welche ab Wien Westbahnhof verkehren Linie Verlauf Wien Westbahnhof – Wien Penzing – Wien Hütteldorf – Tullnerbach-Pressbaum – Rekawinkel – St. Pölten Hbf Wien Westbahnhof – Wien Hütteldorf – Tullnerfeld – St. Pölten Hbf – Pöchlarn – Amstetten (via Wienerwaldtunnel) - Selzthal Wien Westbahnhof – Wien Hütteldorf – St. Pölten Hbf – Amstetten – Linz Hbf – Wels Hbf – Attnang-Puchheim – Vöcklabruck – Salzburg Hbf (– Rosenheim – München Ost – München Hbf – Augsburg – Ulm – Stuttgart / – Kufstein – Wörgl Hbf – Innsbruck Hbf – Bregenz – Lindau / – Salzburg Süd – Puch Urstein – Hallein – Golling-Abtenau – Werfen – Bischofshofen – Saalfelden)ÖBB ECWien Westbahnhof – Budapest (EC 141, 145, 147, 341, 343), Warschau (EC 106, 102), Uzhorod (EC 143), Krakau (EC 204, 202), Katowice (EC 100), Nyiregyhaza (EC 149)ÖBB ICWien Westbahnhof – Selzthal (IC 1114), Bischofshofen (IC 1112, IC 1110), Wörgl (IC 1142), Stainach-Irdning (IC 1118) ÖBB DWien Westbahnhof – Bukarest (D 347), Uzhorod (D 50347), Wörgl (D 1140) Praterstern – Friedensbrücke – Franz-Josefs-Bahnhof – Lazarettgasse, Allgemeines Krankenhaus – Lerchenfelder Straße – Westbahnhof Burggasse-Stadthalle – Westbahnhof – Gumpendorfer Straße – Margaretengürtel – Matzleinsdorfer Platz – Favoritenstraße – Geiereckstraße Wallrißstraße – Gersthof – Elterleinplatz – J.-Nepomuk-Berger-Platz – Schweglerstraße – Urban-Loritz-Platz – Westbahnhof Burggasse-Stadthalle – Westbahnhof – Gumpendorfer Straße – Margaretengürtel – Matzleinsdorfer Platz – Hauptbahnhof – Quartier Belvedere – St. Marx – Schlachthausgasse Westbahnhof – Mariahilfer Straße – Diesterweggasse, Penzing – Baumgarten Westbahnhof – Mariahilfer Straße – Penzinger Straße – Schloss Schönbrunn – Hietzing – Mauer – Rodaun Westbahnhof – Gumpendorfer Straße – Matzleinsdorfer Platz – Favoritenstraße – Geiselbergstraße – Enkplatz/Grillgasse Alterlaa – Hetzendorf – Bahnhof Meidling – Längenfeldgasse – Westbahnhof – Gürtel – Währinger Straße-Volksoper – Gürtel – Handelskai Hütteldorf, Bujattigasse – Baumgarten – Hütteldorfer Straße – Johnstraße – Schweglerstraße – Westbahnhof – Volkstheater – Kärntner Ring, Oper Westbahnhof – Ober St. Veit Wien Westbahnhof – Wien Hauptbahnhof – Flughafen Wien Weiters verkehren einzelne Züge nach Waidhofen an der Ybbs, Kleinreifling, St. Valentin, Hieflau, und Weißenbach-St. Gallen.
Bedeutung miniatur|240px|Gleisplan des Bahnhofs mit den U-Bahn-Linien Bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 war der Westbahnhof Ausgangspunkt des Bahnfernverkehrs nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und Belgien und Verladestelle der Autoreisezüge nach Salzburg Hbf, Schwarzach-St. Veit, Innsbruck Hbf, Feldkirch, Düsseldorf Hbf, Hamburg-Altona und Berlin-Wannsee. Da über die Verbindungsbahn Anschluss an die Bahnen nach Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien und Rumänien im Süden, Osten und Südosten besteht, wurden auch legendäre Fernzüge wie der Orient-Express einst über Wien Westbahnhof geführt. Da der Westbahnhof ein Kopfbahnhof ist, mussten alle Züge für die Weiterfahrt den Bahnhof entgegen der Einfahrtsrichtung verlassen. Heute bedienen beinahe alle Fernzüge der ÖBB stattdessen die Bahnhöfe Wien Meidling und Wien Hauptbahnhof.
Das private Eisenbahnunternehmen „Westbahn“ bietet seit Dezember 2011 einen Taktverkehr vom Wiener Westbahnhof nach Salzburg an. Im April 2022 wurden sechs Zugpaare pro Tag nach München Hbf verlängert. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 wurden drei weitere Zugpaare pro Tag nach Innsbruck Hbf verlängert. Nach einigen Fahrplanänderungen verkehren Stand September 2023 nun täglich jeweils fünf Zugpaare nach München und Innsbruck.
Für die ÖBB ist der Westbahnhof weiterhin Ausgangspunkt von im Verkehrsverbund Ost-Region eingebundenen regionalen Verbindungen nach Niederösterreich.
Im Sommer 2019 bestand mit dem Zugpaar REX 5914/5927 (Radtramper Donau) von Wien Westbahnhof nach Passau Hbf (D) und retour eine tägliche direkte Auslandsverbindung.
Mit dem Fahrplanwechsel 2024/25 bekam der InterCity „Salzkammergut“ (Wien Hauptbahnhof > Stainach-Irdning Bahnhof) eine neue Streckenführung zum Wiener Westbahnhof. Außerdem wurde die erste Klasse entfernt, sodass er jetzt zur Kategorie „Schnellzug“ gehört. Seitdem fährt das Zugpaar als D1018/1019 auf dieser Strecke und ist damit die einzige ÖBB Ferverkehrsverbindung am Westbahnhof und bindet die Salzkammergutbahn an die Weststrecke an.
Mit dem Fahrplanwechsel 2025/2026 wurden die bislang im Hauptbahnhof aus Osteuropa (Ungarn, Polen, Rumänien) endenden Fernzüge über Meidling bis zum Westbahnhof verlängert.
2020 / 2021 wurde unmittelbar neben dem Bahnhof, an der äußeren Mariahilfer Straße, ein Einrichtungshaus des schwedischen Konzerns IKEA erbaut.https://www.ikea.com/at/de/stores/wien-westbahnhof/ Der Konzern nützt dort auf fünf Etagen rund 18.000 Quadratmeter. Außerdem ist im Gebäude ein Kettenhotel untergebracht. Im Unterschied zu anderen Ikea-Verkaufsstellen ist diese nicht auf Autofahrer ausgerichtet; auf der Fassade des Neubaus sollen bis zu 150 Bäume wachsen.Monika Graf: Ikea am Westbahnhof nimmt Form an, Bericht in der Tageszeitung Salzburger Nachrichten, 27. Februar 2020, S. 16
Geschichte 1858 bis 1949 mini|Abfahrtsseite des Bahnhofes (1860) Der mit der Westbahn – ursprünglich: k.k. privilegierte Kaiserin Elisabeth-Bahn – im Jahr 1858 eröffnete Kaiserin-Elisabeth-Bahnhof wurde vom Bahnarchitekten Moritz Löhr entworfen. Bei seiner Eröffnung lag der Westbahnhof außerhalb der Stadt Wien und des sie umgebenden Linienwalls. Ab 1873 wurde die Gürtelstraße, bald nur Gürtel genannt, parallel zur Stirnseite des Bahnhofs gebaut; der damalige Bahnhof zeigte vom Gürtel aus nur seine Schmalseite. Das repräsentative Eingangsportal lag an der Südseite des Bahnhofs, zur heutigen Mariahilfer Straße hin, also zu der Straße, die den Wohn- und den Arbeitsort des Kaisers (Schloss Schönbrunn und die Hofburg) miteinander verband. 1892 wurden die so genannten Vororte, unter anderem das Bahnhofsareal, eingemeindet. Ab 1894 wurde der Linienwall abgetragen. Seit 1897 verkehrt die erste elektrische Straßenbahnlinie Wiens, seit 1907 (bis heute) Linie 5 oder 5er genannt, vom Westbahnhof zum Nordbahnhof, dem damals wichtigsten Bahnhof Wiens.
Der Bahnhof umfasste vier in historisierendem Baustil errichtete Bauteile. Die Bahnhofshalle war ursprünglich 104 m lang und 27,2 m breit. Sie wurde durch ein eisernes Zeltdach mit Trägern gedeckt und bot Platz für vier Gleise. Ausgeprägte Zungenbahnsteige waren zunächst nicht vorhanden. Die Ausfahrt aus der Halle war von zwei Türmen flankiert. Im Osten schloss ein zweistöckiges Verwaltungsgebäude die Gleisanlage gegen den Gürtel hin ab. mini|Die Bahnsteighalle (1860) Die Seitentrakte nahmen die Einrichtungen für Ab- und Anreise auf. Die nach Süden gelegene Abfahrtsseite bestand aus einem repräsentativen Portal mit Freitreppe und drei großen, von Säulen getragenen Bögen, die von Statuen gekrönt waren; Verbindungstrakte rechts und links davon stellten eine Verbindung zu je zwei zweistöckigen Bürogebäuden her. Durch das Portal erreichte man die Kassenhalle und den Bahnsteig für die Abfahrt. Auf leicht erhöhtem Terrain gelegen, bot die Abfahrtsseite von Südosten her die eindrucksvollste Ansicht des Bahnhofs. An der im Norden gelegenen Ankunftsseite wiederholte sich diese Gliederung; bedingt durch das Gelände entfiel hier aber der Gebäudesockel und das Portal war weniger hoch ausgeführt, dafür boten Arkaden Passagieren, die auf Fiaker oder Fuhrwerke warteten, Schutz vor der Witterung.
Um dem gestiegenen Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen, wurden bei einem von 1910 bis 1912 vorgenommenen Umbau die beiden Türme, welche die Ausfahrt der Bahnhofshalle flankierten, entfernt. Die Dachkonstruktion wurde geändert und Platz für ein fünftes Gleis geschaffen. Zusätzlich wurden im Vorfeld der Hallengleise weitere überdachte Bahnsteige und Abfahrtsgleise angelegt.
mini|hochkant|Denkmal „Für das Kind“ Vom 10. Dezember 1938 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 fuhren vom Westbahnhof 43 Kindertransporte ab, mit denen mehr als 3000 jüdische Kinder und Jugendliche vor den Verfolgungen durch das Naziregime in verschiedene westeuropäische Länder in Sicherheit gebracht wurden, die meisten davon nach Großbritannien. An die Kindertransporte erinnert das von Flor Kent geschaffene Denkmal „Für das Kind – Wien“, das im März 2008 in der Kassenhalle aufgestellt wurde. Entsprechende Denkmäler befinden sich auch am Hauptbahnhof Prag und am Bahnhof Liverpool Street in London.
Im April 1945 wurde der Bahnhof im Zuge der Kampfhandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs von Bomben getroffen und brannte aus; das Dach der Halle stürzte ein. Nach Kriegsende wurden die Gebäude für den Bahnbetrieb zunächst notdürftig adaptiert, man entschloss sich jedoch zu einem völligen Neubau, sodass der Bahnhof ab 1949 abgerissen wurde.