__NOMEDIAVIEWERCAROUSEL__ mini|Die bislang größte für Raumfahrtmissionen eingesetzte Trägerrakete, die amerikanische Saturn V
Eine Trägerrakete ist eine Rakete, die für den Transport von Nutzlasten verwendet wird. Wenn das Transportziel der Weltraum ist, dient die Rakete zum Betrieb von Raumfahrt. Sollen darüber hinaus Erdumlaufbahnen oder Fluchtbahnen erreicht werden, so spricht man von einer orbitalen Trägerrakete oder Orbitalrakete.
Alle bisher eingesetzten Orbitalraketen bestehen bzw. bestanden aus mehreren Stufen. Je nach Antriebsart der ersten Stufe wird zwischen Feststoff-, Flüssigtreibstoff- und Hybridraketen unterschieden. Die Nutzlast befindet sich meist unter einer Nutzlastverkleidung, die sie vor und während des Starts vor äußeren Einflüssen schützt. Die Raketen werden von einem Weltraumbahnhof, einem Flugzeug oder einem Schiff aus gestartet.
Verbreitung mini|Raumfahrtnationen (blau), ESA-Mitglieder (grün, orange) und Länder mit Raketen-Entwicklungsprojekten (gelb)
Die erste in eine Erdumlaufbahn gestartete Trägerrakete war die Sputnik, welche 1957 den gleichnamigen Satelliten ins All beförderte.
Heute gibt es elf Raumfahrtnationen, in denen orbitale Trägerraketen entwickelt und gefertigt werden und von lokalen Weltraumbahnhöfen starten: China, Frankreich (mit Beteiligung weiterer europäischer Länder, Start in Französisch-Guyana), Indien, Iran, Israel, Japan, Neuseeland, Nordkorea, Russland, Südkorea und die USA. Darüber hinaus sind auch italienische Orbitalraketen im Einsatz und deutsche und australische in Erprobung (Vega, Spectrum und Eris). Alle drei starten jedoch von ausländischen Weltraumbahnhöfen. Die mit Abstand größte Zahl von Trägerraketenstarts erfolgt in den USA, die zweitgrößte in China.
Mit den amerikanischen Orbitalraketen Atlas, Titan, Saturn, SLS und Falcon 9 sowie der sowjetischen bzw. russischen Wostok, Woschod und Sojus und der chinesischen Langer Marsch 2 wurden und werden auch Menschen in den Weltraum befördert. Auch das ausschließlich bemannt startende amerikanische Space Transportation System, bestehend aus Space Shuttle, Tank und Boostern, war eine Trägerrakete.
Die stärkste je gebaute Trägerrakete ist das US-amerikanische Starship, das bislang nur suborbitale Testflüge absolvierte. Die stärkste je eingesetzte Trägerrakete war die Saturn V. Die stärkste heute im Einsatz stehende Trägerrakete ist das im Auftrag der NASA gebaute SLS, das 2022 erstmals startete. Die stärkste im Einsatz stehende europäische Trägerrakete ist die Ariane 6, die stärkste chinesische Trägerrakete die Langer Marsch 5 und die stärkste russische Rakete die Angara A5 (siehe auch: höchste Trägerraketennutzlasten).
Übersicht heutiger Orbitalraketen Diese Tabelle enthält alle im Einsatz stehenden orbitalen Trägerraketen. Sonstige Raketenprojekte sind im Abschnitt Orbitalraketenprojekte aufgeführt. Die Raketen innerhalb eines Tabellenfeldes sind jeweils in der Reihenfolge ihrer Inbetriebnahme aufgelistet. Bei Raketen mit verschiedenen Varianten sind auch solche Varianten berücksichtigt, die noch nicht gestartet sind (Vulcan VC0 und VC6).
Die Einteilung in Gewichtsklassen orientiert sich an der Definition der NASA. Bei bis zu 0,5 t LEO-Höchstnutzlast spricht man auch von „Microlaunchern“,DLR showcases space innovations at Space Tech Expo 2024 in Bremen. DLR, 18. November 2024.Small and micro launchers in the NewSpace era: New missile proliferation risks or more of the same? Stockholm International Peace Research Institute, 1. Dezember 2023. bei über 50 t von „Superschwerlastraketen“.
Stand: August 2026
LEO-Nutzlastkapazität (Low Earth Orbit, 200 km Höhe) leichte Raketen mittelschwere Raketen Schwerlastraketen bis 0,5 t > 0,5 bis 2 t > 2 bis 8 t > 8 bis 20 t > 20 bis 50 t > 50 t VR China Kuaizhou‑1A, Hyperbola‑1, Jielong‑1, Ceres‑1 CZ‑6, CZ‑11, Lijian‑1, Kuaizhou‑11, Tianlong‑2 CZ‑2C/D, CZ‑4, CZ‑6A/C, Jielong‑3, Zhuque 2, Yinli‑1 CZ‑2F, CZ‑7, CZ‑8, CZ‑12, Zhuque 3, Lijian‑2, CZ‑10B CZ‑5B Europa Spectrum Vega‑C Ariane 62 Ariane 64 Indien Vikram I SSLV PSLV, GSLV 2 LVM3 Iran Simorgh, Ghased, Ghaem 100 Israel Shavit Japan Epsilon H3-30 H3-22/24 Neuseeland Electron Nordkorea Chŏllima-1 Südkorea Mireu Nuri Russland Sojus‑2.1a, Angara 1.2 Sojus‑2.1b Proton‑M, Angara A5 USA Pegasus, Electron Minotaur I, Minotaur IV, Minotaur‑C, Firefly Alpha Atlas V, Falcon 9, Vulcan VC0/2 Falcon 9, Falcon Heavy, New Glenn, Vulcan VC4/6 Falcon Heavy, SLS GTO-Nutzlastkapazität (Geotransferorbit) bis 0,5 t > 0,5 bis 2 t > 2 bis 4 t > 4 bis 10 t > 10 bis 20 t > 20 t VR China CZ‑4 CZ‑3A/C, CZ‑8 CZ‑3B, CZ‑7A CZ‑5 Europa Ariane 62 Ariane 64 Indien PSLV GSLV 2, LVM3 Japan H3-30 H3-22/24 Neuseeland ElectronRussland Sojus‑2.1 Proton‑M, Angara A5 Südkorea Nuri USA Electron Minotaur V Vulcan VC0 Falcon 9, Vulcan VC2 Falcon Heavy, New Glenn, Vulcan VC4/6 Falcon Heavy, SLS
Kommerzielle Anbieter von Trägerraketenstarts Antrix, Vermarkter der indischen Trägerraketen SSLV, PSLV, GSLV und LVM3 Arianespace, Vermarkter und Betreiber der Trägerrakete Ariane 6 Avio, Entwicklung und Betrieb der Vega-C CAS Space, Entwicklung und Betrieb der Feststoffrakete Lijian-1 China Great Wall Industry Corporation, Vermarkter der Trägerraketen der China Aerospace Science and Technology Corporation ExPace, Entwicklung und Betrieb von Feststoffraketen der Kuaizhou-Serie Firefly Aerospace, Entwicklung und Betrieb der Alpha Galactic Energy, Entwicklung und Betrieb der Feststoffrakete Ceres-1 International Launch Services, Vermarkter der Trägerraketen Proton und Angara LandSpace, Entwicklung und Betrieb der methangetriebenen Zhuque 2 Mitsubishi Heavy Industries, Hersteller und Vermarkter der Trägerrakete H3 Northrop Grumman Space Systems, Hersteller und Vermarkter der Trägerraketen Pegasus und Antares Orienspace, Hersteller und Betreiber der Yinli-1 Rocket Lab, Entwicklung und Betrieb der Trägerrakete Electron Space Pioneer, Entwicklung und Betrieb der Tianlong-2 SpaceX, Entwicklung und Betrieb der Falcon 9 und Falcon Heavy sowie des Starship United Launch Alliance, Vermarktung und Betrieb der Vulcan
Wiederverwendbarkeit
Die meisten heute gebauten Trägerraketen können nur einmal gestartet werden. Man bezeichnet sie deshalb auch als Wegwerfrakete oder Einwegrakete.Beleg für das Stichwort Einwegrakete in einer Presseerklärung der ESA Die Raketenstufen werden nach dem Ausbrennen abgetrennt und fallen zurück zur Erde. Oberstufen verbleiben oft für längere Zeit als Weltraummüll im Erdorbit.
Eine Ausnahme war das Space-Shuttle-System, bei dem die Feststoffbooster und der Orbiter an Fallschirmen beziehungsweise im Gleitflug landeten, um wiederaufbereitet und mehrfach verwendet zu werden. Lediglich der Außentank ging verloren. Die Booster der sowjetischen Energija-Rakete waren ebenfalls dafür ausgelegt, an Fallschirmen zu landen, allerdings wurde das Programm eingestellt, bevor dies getestet werden konnte.
mini|Landung von zwei Falcon-Heavy-Boostern Einen anderen Ansatz verfolgt das Unternehmen SpaceX mit den Trägerraketen Falcon 9 und Falcon Heavy. Hier erfolgt die Stufentrennung, bevor die Erststufe ausgebrannt ist. Sie landet anschließend auf einer schwimmenden Plattform im Ozean oder fliegt zurück zu einem Landeplatz an Land. Letzteres gelang erstmals beim Falcon-9-Flug 20 im Dezember 2015. Die Wiederverwendbarkeit wurde im März 2017 unter Beweis gestellt, als erstmals eine gebrauchte Raketenstufe erneut startete. 2025 gelangen SpaceX und dem Konkurrenten Blue Origin auch Erststufenlandungen mit den Raketen Starship beziehungsweise New Glenn. Beim Starship wird erstmals auch eine Wiederverwendung der Zweitstufe angestrebt.
Mittlerweile sind viele weitere wiederverwendbare Raketenstufen in Entwicklung, die meisten davon in China. Am weitesten fortgeschritten sind die chinesischen Projekte CZ-12A und Zhuque 3.
Einsatzstatistik Quelle: Skyrocket.deChronology of Space Launches oder Listen der orbitalen Raketenstarts
Starts nach Jahr
750px|links
Im ersten Halbjahr 2026 starteten 154 Orbitalraketen (davon 77 SpaceX), gegenüber 146 im Vorjahr (davon 81 SpaceX).
Jahr Startversuche Erfolge Teilerfolge Fehlschläge Erfolgsquote ca. 1990 121 113 3 5 95 % 1991 91 86 2 3 96 % 1992 97 93 2 2 97 % 1993 83 78 2 3 95 % 1994 93 88 1 4 95 % 1995 80 72 3 5 92 % 1996 77 69 4 4 92 % 1997 89 83 3 3 95 % 1998 82 75 2 5 93 % 1999 78 70 3 5 92 % 2000 85 81 1 4 96 % 2001 59 57 1 1 97 % 2002 65 60 2 3 94 % 2003 63 61 0 2 97 % 2004 54 50 3 1 95 % 2005 55 51 1 3 94 % 2006 66 62 0 4 94 % 2007 68 63 2 3 94 % 2008 68 66 0 1 97 % 2009 78 73 2 3 95 % 2010 74 70 0 4 95 % 2011 84 78 0 6 93 % 2012 76 72 2 2 96 % 2013 81 78 0 3 96 % 2014 92 87 2 3 96 % 2015 87 82 1 4 95 % 2016 85 82 1 2 97 % 2017 90 83 2 5 93 % 2018 114 111 1 2 98 % 2019 103 95 2 6 93 % 2020 114 103 2 9 91 % 2021 145 134 0 11 93 % 2022 186 178 1 8 96 % 2023 221 208 3 8 95 % 2024 259 251 1 7 97 % 2025 324 313 0 9 97 %
Teilerfolge sind jeweils als halber Erfolg gewertet. Die relativ geringe Erfolgsquote im Jahr 2020 erklärt sich durch eine relativ hohe Zahl von Erstflügen neuer Raketenmodelle. Die Häufigkeit von Fehlschlägen ist dabei um ein Vielfaches größer als bei erprobten Raketentypen.
Die Starts verteilten sich wie folgt auf Länder, Trägerraketen und Startplätze:
Starts nach Ländern Aus Platzgründen sind die Jahreszahlen zweistellig abgekürzt; 07 steht beispielsweise für 2007.
Land 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 USA 20 15 24 15 18 13 19 23 20 22 29 31 21 37 45 78 107 141 176 China 9 11 6 15 19 19 15 16 19 22 18 39 34 39 56 61 67 68 93 Russland und Ukraine, einschließlich Sojus-Starts vom CSG 26 26 30 31 33 26 33 36 29 19 21 20 25 17 25 22 19 17 17 Neuseeland (Starts vom Rocket Lab LC-1) 1 3 6 7 6 9 7 13 17 Europa (Ariane und Vega) 6 6 7 6 5 8 5 7 9 9 9 8 6 5 6 5 3 3 7 Indien 3 3 2 3 3 2 3 4 5 7 5 7 6 2 2 4 7 5 5 Japan 2 1 3 2 3 2 3 4 4 4 7 6 2 4 3 1 3 7 4 Südkorea 1 1 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 1 1 2 0 2 Israel 1 0 0 1 0 0 0 1 0 1 0 0 0 1 0 0 1 0 1 Deutschland 1 Australien 1 Iran 1 0 1 1 0 0 1 0 0 0 2 2 2 1 2 4 0 Nordkorea 1 0 0 2 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 3 1 0 International (Sea Launch) 1 6 3 0 2 3 2 1 Summe 68 68 78 74 84 76 81 92 87 85 90 114 102 114 145 186 221 259 324
Starts nach Raketenmodell Aus Platzgründen sind die Jahreszahlen zweistellig abgekürzt; 07 steht beispielsweise für 2007. Die grau hinterlegten Raketen wurden vor 2026 ausgemustert.