Kraichtal ist eine Stadt im Nordosten des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg, die 1971 aus der Vereinigung von neun kleineren Städten und Gemeinden entstand. Die nächsten größeren Städte sind im Süden Bretten, im Osten Eppingen im Landkreis Heilbronn und im Westen Bruchsal. Die nächsten Großstädte sind Karlsruhe, Pforzheim und Heilbronn.
Geographie Lage Die Stadt Kraichtal liegt im westlichen Kraichgau, einer Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Odenwald, sowie der Oberrheinischen Tiefebene und dem Neckar (bei Heilbronn). Das Stadtgebiet wird vom Kraichbach, gelegentlich auch „die Kraich“ genannt, durchflossen, der bei Sternenfels im Enzkreis entspringt, nach Eintritt in das Gebiet des Landkreises Karlsruhe zunächst Unterderdingen und Flehingen durchfließt, anschließend die Kraichtaler Stadtteile Gochsheim, Münzesheim, Oberöwisheim und Unteröwisheim und dann mehrere Gemeinden des nördlichen Landkreises Karlsruhe und des südlichen Rhein-Neckar-Kreises und schließlich bei Ketsch in den Rhein mündet.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Kraichtal, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Eppingen (Landkreis Heilbronn) sowie Zaisenhausen, Oberderdingen, Bretten, Bruchsal, Ubstadt-Weiher und Östringen (alle Landkreis Karlsruhe).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Kraichtals besteht aus neun Stadtteilen Bahnbrücken, Gochsheim, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim. Zum Stadtteil Gochsheim gehört die Stadt Gochsheim. Zum Stadtteil Menzingen gehören das Dorf Menzingen und das Haus Waldmühle. Zu den anderen Stadtteilen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.
Im Stadtteil Gochsheim liegen die Wüstungen Giegelberg und Pfaffenbrunnen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 96–100 +Einwohner in den StadtteilenStadtteilEinwohner 30.09.2023Bahnbrücken648Gochsheim1.663Landshausen947Menzingen2.092Münzesheim2.845Neuenbürg485Oberacker689Oberöwisheim2.039Unteröwisheim3.483
Schutzgebiete
Insgesamt liegen sieben Naturschutzgebiete mit insgesamt 296 Hektar auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal. Von Norden nach Süden sind dies die Gebiete Kleiner Kraichbach Kraichbachniederung Kraichbach- und Weiherbachaue Beim Reutwald Im oberen Haubruch Tongrube Gochsheim Ritterbruch
Darüber hinaus sind etwa 50 % des Stadtgebiets als Landschaftsschutzgebiet Kraichgau ausgewiesen. Vom FFH-Gebiet Mittlerer Kraichgau befinden sich acht Teilgebiete auf Kraichtaler Gebiet.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Die Stadt Kraichtal entstand am 1. September 1971 durch die Vereinigung der Städte Gochsheim und Unteröwisheim sowie den Gemeinden Bahnbrücken, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker und Oberöwisheim, die außer Landshausen damals alle zum Landkreis Bruchsal gehörten. Landshausen gehörte seinerzeit zum Landkreis Sinsheim und wurde somit am 1. September 1971 in den Landkreis Bruchsal umgegliedert. Namensgeber der neuen Kommune wurde der Kraichbach, daher wurde anfangs auch der Name Kraichbachtal in Erwägung gezogen. Die Stadt Kraichtal hatte bei ihrer Gründung ca. 12.600 Einwohner. Sie erhielt die neue Postleitzahl 7527. Durch die Stadtrechte von Gochsheim und Unteröwisheim wurde die Bezeichnung „Stadt“ auf die neue Kommune übertragen, so dass eine Neuverleihung der Bezeichnung „Stadt“ nicht erforderlich war. Der Stadtgründung vorausgegangen war die Vertragsunterzeichnung der neun Bürgermeister der ehemals selbstständigen Gemeinden am 14. Juli 1971 in der Turnhalle in Münzesheim.
Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 kam die Stadt Kraichtal mit dem gesamten Landkreis Bruchsal zum Landkreis Karlsruhe.
Im Januar 1977 wurde das neu erbaute Rathaus der Stadt Kraichtal in Münzesheim bezogen. Zuvor waren die städtischen Ämter in den Rathäusern der früheren Gemeinden untergebracht.
Religionen Die Bevölkerung Kraichtals ist mehrheitlich evangelisch, da die meisten Stadtteile früher zu Württemberg gehörten und von dort ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Seit 1806 gehören die Orte zum Großherzogtum, später Freistaat Baden und kamen mit diesem 1952 zu Baden-Württemberg. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehören die evangelischen Kirchengemeinden zum Kirchenbezirk Bretten (heute: Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal) der Evangelischen Landeskirche in Baden. Es waren dies die Kirchengemeinden Bahnbrücken, Gochsheim (Baden), Menzingen (Baden), Münzesheim, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim, die sich zum 1. Januar 2026 zur Evangelischen Kirchengemeinde Kraichtal zusammenschlossen.
Daneben gibt es auch Bewohner, die Glieder einer Freikirche sind. Hierzu gehören die Evangelisch-methodistische Kirche (mit der Elim-Kirche in Menzingen, der Friedenskirche in Münzesheim und der Kirche Eben-Ezer in Unteröwisheim) und die Christliche Gemeinschaft Gochsheim, die zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) gehört. Ferner ist auch die Liebenzeller Gemeinschaft in Oberöwisheim und Unteröwisheim ansässig. Auch die Neuapostolische Kirche ist im Stadtteil Unteröwisheim vertreten.
Römisch-katholische Pfarreien gab es in den ehemals zum Fürstbistum Speyer, seit 1803/06 zum Großherzogtum Baden und somit zur späteren Erzdiözese Freiburg gehörigen Orten Landshausen (später mit Filiale Menzingen), Neuenbürg (Baden) und Oberöwisheim sowie in Münzesheim, wobei die letztgenannte Kirchengemeinde relativ jung ist. Sie alle bildeten zuletzt (bis 2025) zusammen mit der Kirchengemeinde Elsenz (Stadt Eppingen) die Katholische Seelsorgeeinheit Heilig Geist Kraichtal-Elsenz. Diese ist seit 1. Januar 2026 Teil der neu gebildeten Römisch-katholischen Kirchengemeinde Edith Stein Bruchsal.
Politik mini|Rathaus von Kraichtal im Stadtteil Münzesheim Die Stadt Kraichtal wird wie alle Kommunen in Baden-Württemberg von einem Gemeinderat und einem Bürgermeister verwaltet. Der Gemeinderat wird von der Bevölkerung auf fünf Jahre, der Bürgermeister auf acht Jahre gewählt.
Bürgermeister Der erste Bürgermeister der jungen Stadt war Berthold Zimmermann. Dieser wurde am 12. Dezember 1971 im 2. Wahlgang gewählt und trat sein neues Amt am 14. Februar 1972 an. Nach 16 Amtsjahren verzichtete Zimmermann auf eine weitere Kandidatur. Am 13. Dezember 1987 wurde Horst Kochendörfer (1947–2004) als neuer Bürgermeister gewählt. Er trat am 13. Februar 1988 sein Amt an und wurde zweimal wiedergewählt. Während seiner dritten Amtszeit starb Kochendörfer am 27. November 2004 völlig unerwartet nach kurzer Krankheit. 2005 wurde Ulrich Hintermayer, bis dato Bürgermeister von Illingen (Württemberg), zum neuen Bürgermeister gewählt. Am 3. Februar 2013 konnte er das Amt mit einem Stimmenanteil von 54,8 % erfolgreich verteidigen. Am 28. März 2021 wurde Tobias Borho (SPD) in der Stichwahl zum neuen Bürgermeister gewählt.
Gemeinderat Der Gemeinderat hat normalerweise 22 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat.Stadt Kraichtal: ; abgerufen am 11. Juli 2019. Die Zahl der Gemeinderäte kann sich durch Ausgleichssitze erhöhen (gesamt 2024: 22 Sitze; 2019: 30). Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Durch die Unechte Teilortswahl ist den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen garantiert: Aus Unteröwisheim kommen mindestens fünf, aus Münzesheim mindestens vier Ratsmitglieder, Gochsheim, Menzingen und Oberöwisheim stellen jeweils mindestens drei, Landshausen mindestens zwei Gemeinderäte, Bahnbrücken, Neuenbürg und Oberacker haben jeweils mindestens einen Sitz im Gemeinderat.Stadt Kraichtal: ; abgerufen am 11. Juli 2019.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahl 2024, Stadt Kraichtal; abgerufen am 15. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 aus Kraichtal. In: bnn.de, abgerufen am 15. Juni 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 22,4 % (−14,2) 5 (−6) Gemeinsam für Kraichtal 21,0 % (+21,0) 5 (+5) Freie Wähler 16,5 % (−5,9) 4 (−3) SPD 14,9 % (−7,2) 3 (−4) AfD 12,6 % (+11,1) 3 (+3) Grüne 10,3 % (−7,1) 2 (−3) Wahlbeteiligung: 66,7 % (+5,9)
Wappen mini|250x250px|Banner der Stadt Kraichtal. Das Wappen der Stadt Kraichtal zeigt in Gold einen rotbewehrten und rot bezungten schwarzen Doppeladler, belegt mit einem silbernen Brustschild, darin eine neunblättrige, grünbesaumte rote Rose mit grünen Kelchblättern. Die Stadtflagge ist Rot – Weiß. Das Wappen wurde der Stadt am 12. Januar 1973 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.
Der Kraichgau war einst die am meisten von kleineren ritterschaftlichen Adelsherrschaften bestimmte Landschaft. Die Reichsritterschaft des Kraichgaus war seit dem Ende des Mittelalters im Ritterkanton Kraichgau zusammengeschlossen. Dieser Kanton führte den doppelköpfigen Reichsadler mit einem Brustschild, der einen Esel als Zeichen der mittelalterlichen Turniergesellschaft „Mit dem Esel“ enthält. Dieses Wappen diente als Grundlage für das neue Wappen der Stadt Kraichtal. An die Stelle des Esels wurde die ebersteinische Rose gesetzt. Die Grafen von Eberstein, eine der bedeutendsten Familien im mittelbadischen Raum, hatten im hohen Mittelalter Besitz, Rechte oder die Lehnshoheit in sieben der heute zur Stadt Kraichtal gehörenden Orte.
Die Stadtteile Gochsheim und Oberacker führten bereits die Rose in ihren Wappen. Im Hinblick auf die Zahl der Stadtteile wurde die eigentlich fünfblättrige Rose in eine neunblättrige Rose umgewandelt. Die Stadtfarben Rot-Weiß leiten sich aus dem Brustschild ab, Bild (rote Rose) vor Feld (silber = weiß).
Städtepartnerschaften Die Stadt hat keine offiziellen Städtepartnerschaften, jedoch bestehen freundschaftliche Beziehungen zur etwa 4300 Einwohner zählenden Gemeinde Menzingen im Kanton Zug in der Schweiz.
Die Feuerwehr von Neuenbürg unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Murakeresztúr in Ungarn.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Innenhof des Graf-Eberstein-Schlosses mini|Schloss Unteröwisheim Sehenswürdigkeiten Das Graf-Eberstein-Schloss in Gochsheim ist die ehemalige Sommerresidenz der Grafen von Eberstein. Das Wasserschloss Menzingen war ein Hauptsitz der Herren von Mentzingen im Stil der Renaissance und galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als eine der authentischsten Wasserschlösser im Kraichgau, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und ist lediglich als Ruine erhalten. Die Schwanenburg in Menzingen ist ein weiterer Herrensitz im Stadtteil Menzingen. Das Schloss Unteröwisheim, ehemaliger Pfleghof des Klosters Maulbronn, ist heute Lebenshaus des CVJM. In mehreren Stadtteilen gibt es einen reichen Bestand an historischen Fachwerkhäusern, vor allem in Gochsheim, Münzesheim (Alte Schmiede) sowie in Menzingen im Bereich von Oberer und Unterer Schloßstraße. Außerdem gibt es zahlreiche historische und zeitgenössische Ortsbrunnen.
Museen mini|Badisches Bäckereimuseum Badisches Bäckerei- und Deutsches Zuckerbäckermuseum im Stadtteil Gochsheim Museum der Stadt Kraichtal im Graf-Eberstein-Schloss im Stadtteil Gochsheim. Das Graf-Eberstein-Schloss präsentiert rund 100 Werke des 1979 verstorbenen Karlsruher Künstlers Karl Hubbuch. Im Obergeschoss lässt sich die mit 1300 Exemplaren weltgrößte Bügeleisenausstellung des Sammlers Heinrich Sommer betrachten. Hier befindet sich auch die Krieger-Stiftung mit Werken des Theologen, Volkskundlers und Malers Dr. Carl Krieger sowie zahlreichen Rohrfederzeichnungen der Künstlerin Margarethe Krieger. Abgerundet wird das Museum durch die Präsentation der Küfer- und Schmiedewerkstätten.
Gedenkstätten