mini|Pfarrkirche St. Martin in Lamerdingen Lamerdingen ist die nördlichste Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu in Bayern.

Geografie Lamerdingen liegt an der Staatsstraße 2035 in Mittelschwaben. Der Ort befindet sich etwa sechs Kilometer nördlich der Stadt Buchloe am Westhang des breit auslaufenden Wertachtales und ist somit das nördlichste Dorf des Landkreises Ostallgäu. Etwa vier Kilometer westlich des Dorfes lag die Kurzwellensendeanlage Wertachtal. Die Gemeinde liegt auf der Lech-Wertach-Ebene zwischen (nördliche Gemeinde- bzw. Landkreisgrenze) und (südlich Dillishausen).

Gemeindeteile Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Dillishausen (Pfarrdorf, Vorwahl 08241) Großkitzighofen (Pfarrdorf) Kleinkitzighofen (Pfarrdorf) Lamerdingen (Pfarrdorf) Nassenwang (Einöde)

Die Einöden Eschenlohmühle und Weiß zählen zum Gemeindeteil Dillishausen, die Einöden Kreuzhof, Nieshof und Schmidhof zählen zum Gemeindeteil Lamerdingen.

Gliederung des Gemeindegebietes Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Lamerdingen, Dillishausen, Großkitzighofen und Kleinkitzighofen mit den gleichnamigen Dörfern.

Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet grenzt im Uhrzeigersinn von Norden aus gesehen an folgende Gemeinden: Gemeinde Langerringen (Landkreis Augsburg) Gemeinde Hurlach (Landkreis Landsberg am Lech) Gemeinde Igling (Landkreis Landsberg am Lech) Stadt Buchloe (Landkreis Ostallgäu) Gemeinde Amberg (Landkreis Unterallgäu) Gemeinde Ettringen (Landkreis Unterallgäu)

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Lamerdingen ist als alemannische Ursiedlung anzusehen. Hierauf weisen der Name „bei den Leuten des Lademout“ und die Lage an einer sehr alten mit auf -ingen endenden Orten besetzten Straße hin (sog. „Hochstraße“ von Augsburg nach Buchloe).

Der Name entwickelte sich allmählich aus Lademutinga, im 11. und 12. Jahrhundert über Lademütingen, -matingen usw., bis er erst im 16. Jahrhundert vereinzelt und ab dem 19. Jahrhundert überwiegend als Lamerdingen vorherrscht. Die Lademutinger waren freie Männer, die das Recht des Waffentragens noch bis in das späte Mittelalter wahrten. Eine größere Zahl von Gütern wurde bei Vorkäufen als frei, unvogtbar und undienstbar bezeichnet. Es lassen sich für das hohe Mittelalter in Lamerdingen Edle aus verschiedenen Stämmen (Balzhausen und Schwabeck, Ursin–Ronsberg sowie Welfen) nachweisen.

Lamerdingen war schon im 11. Jahrhundert eine Pfarrei, deren Einkünfte dem Stift St. Peter in Augsburg zustanden. Die Pfarrkirche St. Martin wurde bereits 1067 genannt; sie dürfte im Kern noch aus dem 12./13. Jahrhundert stammen. Um 1500 erfolgten Erweiterungsarbeiten am Turm, Chor und Langhaus und 1736/38 ein Umbau des Langhauses mit innerer Umgestaltung durch Michael Stiller sowie der Anbau von Sakristei und Vorhalle. Die Kirche inmitten des Friedhofes, an der 1893 und 1939 Restaurierungsarbeiten ausgeführt wurden, mit dem 1968/69 neu erbauten Pfarrhof gibt dem Dorf eine besondere Note. Der Ort Lamerdingen gehörte bis zur Säkularisation (1803) zum Hochstift Augsburg, der Ort Großkitzighofen gehörte zum Domkapitel Augsburg. Seit der Säkularisation und dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Dillishausen, Großkitzighofen und Kleinkitzighofen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung +Jahr19611970198719911995200020032004200520062007200820092010Einwohner16681604158916401718172818441866184518201817179217921795Jahr2011201220132014201520162017201820192020Einwohner1817181618551896191919942014205120352096 Die Gemeinde wuchs zwischen 1988 und 2008 um 179 Einwohner bzw. um ca. 11 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1613 auf 2051 um 438 Einwohner bzw. um 27,2 %.

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf das heutige Gebiet der Gemeinde.

Ehemalige Gemeinden und heutige Gemeindeteile Datum Dillishausen Groß-kitzighofen Klein-kitzighofen Lamerdingen insgesamt 06.06.1961 299 385 314 670 1668 27.05.1970 301 357 286 660 1604 01.01.2005 350 442 310 764 1866 01.03.2008Angaben mit Zweitwohnsitzen 354 446 293 760 1853 01.12.2014Angaben mit Zweitwohnsitzen 390 434 312 771 1931

Geschichte der Gemeindeteile Großkitzighofen Das Haufendorf mit 531 Einwohnern (2018) wurde im Zuge der Gebietsreform nach Lamerdingen eingemeindet. Der Ort liegt 7 km (Luftlinie) nordöstlich von Buchloe am rechten Ufer der Singold. Nördlich grenzen der Landkreis Augsburg und südlich und östlich der Landkreis Landsberg am Lech an die Dorfflur. Südlich von Großkitzighofen und Kleinkitzighofen erstreckt sich das Kitzighofer Moos, ein wertvolles Biotop, das in die Landesbiotopkartierung aufgenommen wurde.

Der Name Kitzighofen entwickelte sich 1067 aus Kuzzenkova, Chuzzinchova, im 13. Jahrhundert Kuzzinchoven, bis ins 16. Jahrhundert zur heutigen Form. Er bedeutet „Höfe der Leute der Chuzzosippe“.

Bis zur Ablösung durch das Domstift Augsburg im 14. Jahrhundert besaßen die Herren von Rohrbach und das Kloster Ottobeuren Rechte und Güter, wobei Ottobeuren als der älteste Inhaber von Großkitzighofen anzusehen ist.

Die Pfarrkirche St. Stephan stammt in ihren Anfängen wohl noch aus dem Hochmittelalter, die Pfarrei ist noch älter (als erster bekannter Pfarrherr wird 1376 Chunrat der Pfarrer zu Kützenkoven genannt). Chor und Kern der heutigen Pfarrkirche wurden erst um 1500 errichtet, das Langhaus 1687 verlängert und 1708 das Turmoktogon aufgesetzt. Aus späteren Arbeiten in der Kirche stammen die Deckengemälde von Johann Baptist Enderle im Jahre 1737. Der weithin sichtbare Turm von St. Stephan, das 50 m hohe Wahrzeichen von Großkitzighofen, ist das höchste Gebäude in der Gemeinde Lamerdingen. Die erste bekannte Turmsanierung wurde im Jahre 1883 durchgeführt.

Kleinkitzighofen Das Haufendorf mit 320 Einwohnern (2018), 1 km westlich von Großkitzighofen gelegen, wurde im Zuge der Gebietsreform nach Lamerdingen eingemeindet. Die Gründung der Siedlung ist vergleichbar mit der Großkitzighofens. Wie dort handelt es sich auch hier um freie unvogtbare, unsteuerbare und undienstbare Güter. Die ältesten Spuren des Ortsgeschlechts führen auf die Hochstiftsvögte, die Edlen von Schwabeck als Lehnsherren der Kitzighofener, hin. Die Nachfolger waren Ritter von Rohrbach, Augsburger Bürger, die Welser und die Rehlinger. Die Rehlinger errichteten 1564 in Kleinkitzighofen eine dauernde Herrschaft durch Ankauf des zersplitterten Grundbesitzes. Ein Pfarrer ist seit 1478 genannt. Im Westteil des Dorfes steht inmitten des Friedhofes die Pfarrkirche Cyprian und Justina, wovon Turmunterbau und Teile von Chor und Langhaus noch in das 14. Jahrhundert zurückgehen. 1479/81 wurde die Kirche vom Maurermeister Pleitenstein aus Landsberg erweitert. Der Chor wurde um 1700 barockisiert, das Langhaus 1733 erneuert und 1766 wurde der Turm aufgesetzt. Der neue Volksaltar der Pfarrkirche St. Cyprian und Justina in Kleinkitzighofen wurde am 21. März 2004 während eines feierlichen Pontifikalamts von Weihbischof Josef Grünwald geweiht. Der neue Steinaltar birgt in einer Glassäule im Inneren Reliquien der Hl. Christina von Bolsena und des Hl. Simpert von Augsburg. Dem Bildhauer Joachim Kraus aus Wertingen ist mit dem schlichten, eleganten Design von Altar, Ambo und Osterleuchter ein Werk von zeitloser Architektur gelungen.

Dillishausen

Das Reihendorf mit 399 Einwohnern (2018) wurde im Zuge der Gebietsreform 1978 nach Lamerdingen eingemeindet. Der Gemeindeteil Dillishausen liegt 2,5 km nördlich von Buchloe an der Staatsstraße 2035. Mitten im Dorf befindet sich die äußerlich schlichte katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die eine qualitätsvolle spätbarocke Innenausstattung besitzt.

Zu Dillishausen, 1,5 km westlich, gehört auch eine 1299 erstmals als „molendinum Eschenloh“ genannte Einöde. Als Schlossberg mit nebenan liegendem Burgstall bezeichnet, dürfte es sich hier um den Sitz des Ortsgeschlechtes und um die Herrschaftsmühle des Schlossherrn handeln. Heute ist die Eschenlohmühle ein großer landwirtschaftlicher Betrieb mit Reitstall, Reit- und Turnierplatz.

Politik und Öffentliche Verwaltung Bürgermeister und Gemeinderat Erster Bürgermeister ist Winfried Kastl (Vier Orte eine Gemeinde). Dieser wurde im Jahr 2026 als Nachfolger von Manuel Fischer gewählt. Zweiter Bürgermeister ist Helmut Herz.

Der Gemeinderat besteht aus 14 ehrenamtlichen Mitgliedern, die seit der Kommunalwahl 2026 von den Wählergemeinschaften Lamerdingen, Großkitzighofen, Kleinkitzighofen und Dillishausen sowie Vier Orte eine Gemeinde besetzt sind.

Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Buchloe.

Wappen

Gemeindepartnerschaft Seit dem 19. April 2006 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit der polnischen Gemeinde Włodowice.Vertrag über eine internationale Gemeindepartnerschaft

Dorferneuerung Bereits Anfang der 1990er Jahre stellte der damalige Gemeinderat bei der Direktion für ländliche Entwicklung in Krumbach einen Antrag auf Aufnahme in ein Dorferneuerungsverfahren. Mitte 2002 setzte der neue Gemeinderat zusammen mit der Direktion für ländliche Entwicklung dieses Verfahren wieder in Gang.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

Pfarrkirche St. Martin in Lamerdingen mini|Kirche Lamerdingen von Südosten Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die katholische Pfarrkirche St. Martin in Lamerdingen, die mit ihrem spätbarocken „Laternenturm“ ein beliebtes Fotomotiv darstellt. Die Freude der Menschen des Barockzeitalters am Guten und Schönen ist im Inneren der Kirche verewigt worden. Der ganze lichtdurchflutete Raum versinnbildlicht Hoffnung, fromme Bewunderung und Zuversicht der Gläubigen, die ihrem Gott damals nicht furchtsam, sondern mit hingebungsvoller Begeisterung gegenübertraten und bereit waren, jedweden Aufwand zu seiner Verherrlichung aufzubringen.

Die Pfarrkirche St. Martin in Lamerdingen wurde um 1500 (Gotik) neben der Vorgängerkirche neu erbaut und in den Jahren 1737–1738 im Stil des Rokoko umgebaut. Aus dieser Zeit stammen die prächtigen Stuckarbeiten im Stil des Frührokoko von Matthias Stiller aus Ettringen und die Fresken des aus der Augsburger Schule stammenden Malers Johann Georg Lederer. Im Altarraum ist im Hauptfeld die „Himmelfahrt Mariens“ dargestellt. Im Langhaus zeigt das große Deckenfresko „den Tod und die Verklärung des Hl. Martin“.

Der Hauptaltar (1694) besitzt neben seinem Rokoko-Tabernakel (1765) ein gutes Altarbild von barocker Kraft und Fülle von Johann Schmidtner (1690), das die Aufnahme des Hl. Martins in den Himmel darstellt.

Die Kirche von Lamerdingen zählt mit ihren Kunstwerken (Bildern, Figuren, Altären, Bänken, Stuck und Fresken) und ihrem einheitlichen barocken Erscheinungsbild zu den qualitätvollsten Landkirchen der Region.

Im Untergeschoss des Turmes, der schon zur Vorgängerkirche gehörte, befinden sich noch Fresken aus frühgotischer Zeit aus dem 13. Jahrhundert. Diese wurden erst 1954 bei Renovierungsarbeiten entdeckt. Der mächtige, um 1230 erbaute gotische Turm wurde im Jahr 1771 im Stil des ausgehenden Rokokos nochmals um ein Stockwerk erhöht. Unter der eigenwilligen Laternenhaube hängt ein prächtiges, klangschönes Geläute, das als eines der schönsten und schwersten im Ostallgäu gilt.