mini|hochkant|Wappen der Grafen von Bogen, ab 1242 der bayerischen Herzöge aus dem Hause Wittelsbach (um 1300) mini|hochkant|Geviertes Wappen Bayern-Pfalz, Scheiblersches Wappenbuch 1450–1480 mini|hochkant|Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein von Otto Hupp im Münchener Kalender von 1903 mini|hochkant|Wappen Baiern, Zürcher Wappenrolle, ca. 1340 mini|hochkant|Wappen der Herzöge von Bayern im Armorial Gelre, 1369–1414
Das Haus Wittelsbach ist eines der ältesten deutschen Hochadelsgeschlechter. Es ist nach seinem Stammsitz im 12. Jahrhundert, der Burg Wittelsbach, benannt.Die Familienbezeichnung Wittelsbacher stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern wurde später geprägt. Vgl. Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert (Rheinisches Archiv, Veröffentlichungen des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande der Universität Bonn 149), Köln/Weimar/Wien, 2004 (zugleich Diss. Bonn 2001/02), S. 751 Fn. 1; Franz Fuchs: Das »Haus Bayern« im 15. Jahrhundert. Formen und Strategien einer dynastischen »Integration«. In: Werner Maleczek (Hrsg.): Fragen der politischen Integration im mittelalterlichen Europa. (Vorträge und Forschungen 63), Ostfildern 2005, S. 303–324, S. 323 f. Aus ihm gingen jahrhundertelang die Pfalzgrafen, die späteren Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern (1180–1918) hervor, ebenso wie die Pfalzgrafen bei Rhein (1214–1803 und 1816–1918), die als Herrscher der Kurpfalz Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs waren.
Zwei Wittelsbacher, Ludwig IV. und Karl VII., waren Römisch-deutsche Kaiser (Kaiserkrönungen 1328 und 1742); ein weiterer, Ruprecht, wurde 1400 zum Römisch-deutschen König gewählt. Weitere Territorien des Heiligen Römischen Reichs, die zeitweilig von Mitgliedern des Hauses Wittelsbach regiert wurden, waren das Kurfürstentum Köln (1583–1761), das Herzogtum Jülich-Berg (1614–1794/1806), das Hochstift Lüttich (1581–1688, 1694–1723 und 1744–1763), die Mark Brandenburg (1323–1373), die Grafschaften Tirol (1342–1363/1369), Holland, Hennegau und Seeland (1345–1432) sowie das Herzogtum Bremen-Verden (1654–1719). Zweimal, 1619 und 1742, waren Wittelsbacher Gegenkönige in Böhmen.
Als eine der bedeutendsten Dynastien Europas stellten sie zeitweilig auch die Könige von Ungarn (1305), Schweden (1441–1448 und 1654–1720), Dänemark und Norwegen (1440) sowie von Griechenland (1832–1862). Die Wittelsbacherin Sophie von der Pfalz, mütterlicherseits eine Stuart, wurde durch den Act of Settlement von 1701 Erbin des englischen, ab 1707 britischen Throns.
Die meisten der zahlreichen Linien der Wittelsbacher sind heute erloschen. Die heute lebenden Familienmitglieder entstammen der Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld.
Herkunft Meistbeachtete Theorie Die genaue Herkunft der Wittelsbacher ist ungeklärt. Die auch von Mitgliedern der Familie Wittelsbach und vielen Wissenschaftlern heute meistbeachtete Theorie beruht auf der 1931 in Österreich veröffentlichten Genealogie Otto Freiherr von Dungerns, bei dem die Geschichte der Familie um das Jahr 1000 mit einem Grafen Otto I. von Scheyern beginnt, der in Urkunden als „Otto comes de Skyrum“ genannt wird. Ausgehend von seinem Sohn, Otto II. von Scheyern, beginnt die gesicherte Geschichte und Stammlinie der Wittelsbacher.
These von den Luitpoldingern als Ursprung der Wittelsbacher Zahlreiche Legenden und Thesen ranken sich um den Ursprung der Wittelsbacher. Höfische Autoren der Renaissancezeit schufen, wie auch bei anderen Dynastien, gern sagenhafte Ursprünge, die meist auf Karl den Großen oder auf Helden aus dem antiken Troja Homers zurückgriffen.
Eine eher spekulative These des Historikers Karl Bosl besagt, die Wittelsbacher entstammten einer Seitenlinie der Luitpoldinger, benannt nach Markgraf Luitpold von Bayern († 907). Der Sohn Luitpolds, Arnulf der Böse, wurde 919 zum deutschen (Gegen-)König gewählt, unterwarf sich aber schließlich Heinrich von Sachsen und begnügte sich mit dem Herzogtum Bayern. Nach Arnulfs Tod 937 wurde dessen ältester Sohn Eberhard 938 durch König Otto I., den Großen, abgesetzt und Arnulfs Bruder Berthold zum Herzog ernannt. Arnulfs jüngerer Sohn, Arnulf II., erhielt das für ihn neu geschaffene Amt eines Pfalzgrafen von Bayern, eine Stellung, die dem Herzog untergeordnet war. Kaiser Otto I. verheiratete seinen Bruder Heinrich mit Arnulfs Tochter Judith, was es ermöglichte, dass Heinrich nach Bertholds Tod 947 diesem als Herzog von Bayern nachfolgte, wobei Bertholds Sohn übergangen wurde. Damit hatten die Liudolfinger (auch Ottonen genannt) die Luitpoldinger verdrängt.
Nach Bosl soll der Pfalzgraf Arnulf II. 940 die Burg Scheyern erbaut haben, was allerdings nicht nachzuweisen ist. Er hatte einen Sohn Berthold von Reisensburg, von dem aber keine direkte Linie zu den späteren Grafen von Scheyern führt. Der 1045 erstmals erscheinende Otto I. von Scheyern, der bald Vogt des Bistums Freising wurde, ist der älteste eindeutig belegbare Vorfahr der Wittelsbacher. Erst sein Enkel Otto V. von Scheyern erhielt 1116 das Pfalzgrafamt in Bayern. Die Vertreter der Luitpoldinger-These füllen die Lücke von etwa 150 Jahren, die sich zwischen der Geburt Bertholds von Reisensburg und Ottos I. von Scheyern ergibt, teilweise mit dem Markgrafen Berthold von Schweinfurt und dessen Sohn Heinrich, wobei der Ursprung der Schweinfurter ebenfalls ungeklärt ist. Berthold wird als naher Verwandter der Babenberger gesehen; sein Sohn Heinrich von Schweinfurt soll ein Cousin des österreichischen Markgrafen Luitpold I. gewesen sein und einen jüngeren Sohn Heinrich I., Graf an der Pegnitz und von Weissenburg († 1043), gehabt haben, der nach dieser These wiederum der Vater Ottos I. von Scheyern gewesen sein soll.
Die frühen Wittelsbacher bis 1253 Die Grafen von Scheyern, Pfalzgrafen von Bayern und ersten Herzöge von Bayern mit ihren Nebenlinien mini|hochkant|Der Scheyerer Zickzackbalken ist das von 1216 bis um 1230 in herzoglichen Siegeln nachweisbare Allodzeichen der Grafschaft Scheyern, das später in verschiedenen Farben in den Wappen landesherrlicher Hausklöster auftaucht. Die Bayerische Raute wurde erst 1242 mit dem Erbe der Grafen von Bogen, einem Zweig der Babenberger, von den Wittelsbachern für ihr Herzogtum Bayern übernommen. (Die Kombination beider Symbole zeigt heute das Wappen des Landkreises Dachau.)
Die Grafen von Scheyern waren:
Die in der Zählung der Scheyerner Grafen fehlenden Träger des Namens Otto entfallen auf die Seitenlinien der Grafen von Scheyern-Valley und von Scheyern-Dachau: → Konrad I. von Valley und Konrad I. von Dachau
Herzöge von Meranien (1153–1180/82) Konrad II. von Scheyern-Dachau, ein Sohn Graf Konrads I. aus der Dachauer Linie der Wittelsbacher, wurde 1153 als Konrad I. Herzog von Meranien. Er war der erste aus der Ahnenreihe der Wittelsbacher, dem ein Herzogsamt zufiel. 1159 folgte ihm noch sein Sohn Konrad II. Konrad I. Herzog von Meranien 1152/53–1159 Konrad II. Herzog von Meranien 1159–1180/82
Herzöge von Bayern (1180–1253) mini|Sammelsarkophag der frühen Wittelsbacher im Kloster Scheyern 1180–1183: Herzog Otto I. von Wittelsbach (um 1117–1183), Sohn von Otto V. von Scheyern 1183–1231: Ludwig I. der Kelheimer (1173–1231), Sohn von Otto I. 1231–1253: Otto II. (1206–1253) der Erlauchte, Sohn von Ludwig I.
Otto VI. von Scheyern-Wittelsbach, Pfalzgraf von Bayern, der sich auf Friedrich I. Barbarossas Italienzügen ausgezeichnet hatte, erhielt nach der Absetzung des welfischen Herzogs Heinrich des Löwen 1180 das Herzogtum Bayern, worauf er sich fortan Otto I. von Wittelsbach, Herzog von Bayern, nannte.
Ihm folgte dessen Sohn Ludwig der Kelheimer. Nachdem Ende des 12. Jahrhunderts die Burg Wartenberg abgebrannt war, verlegte Ludwig seinen Hauptsitz ab 1204 auf seine neu erbaute Burg Trausnitz in Landshut. Durch seine 1204 geschlossene Ehe mit Ludmilla, Witwe des Grafen Albert III. von Bogen, gingen nach dem Erlöschen der Bogener 1242 die Grafschaft sowie deren weiß-blaues Rautenwappen an die Wittelsbacher über. Ludwig I. gehörte zu den treuen Unterstützern der Stauferkönige Heinrich VI. und Philipp von Schwaben. Durch kluge Politik und geschickte Einfädelung von Heiraten erweiterte er kontinuierlich seine Machtgrundlagen und begründete damit den Aufstieg der Wittelsbacher als eines der bedeutendsten Fürstengeschlechter im Reich. Seinen Sohn Otto II. verlobte er 1212 als 6-Jährigen mit der Welfin Agnes, der Nichte Kaiser Ottos IV. und Tochter des Pfalzgrafen Heinrich des Langen. Zwar wurde die Ehe erst später, vor 1224, geschlossen, aber bereits 1214, nach dem Tod von Agnes’ Bruder, ließ sich Ludwig der Kelheimer durch den Stauferkönig Friedrich II. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnen. Dadurch kam auch das Wappensymbol der Pfalzgrafen, der Goldene Löwe auf schwarzem Grund, in das Bayerische Staatswappen. Sowohl im Herzogtum Bayern als auch in der Kurpfalz waren damit die Wittelsbacher den Welfen nachgefolgt; seither beherrschten sie bis 1918 beide Gebiete.
Ein Neffe Ottos I., Pfalzgraf Otto VIII. von Wittelsbach, wurde durch die Ermordung des Römisch-deutschen Stauferkönigs Philipp von Schwaben 1208 berüchtigt; er wurde geächtet und 1209 erschlagen; da ihm die Stammburg Wittelsbach gehört hatte, ließ Herzog Ludwig I., der Kelheimer, den namensgebenden Stammsitz seiner Familie selbst schleifen. Zur Festigung seines Herzogtums gründete er zahlreiche Städte wie Landshut, Straubing, Cham und Landau an der Isar als Verwaltungssitze und Handelszentren mit Stadtrechten. Es gelang ihm allerdings nicht, Regensburg, die alte Hauptstadt des früheren Stammesherzogtum Baiern, aus der Herrschaft von König und Bischof an sich zu bringen. Dafür erbaute er neue Herzogssitze wie die Burg Trausnitz in Landshut und den Alten Hof in München. 1231 wurde er auf der Donaubrücke in Kelheim ermordet, was ihm posthum seinen Beinamen eintrug. Sein Sohn und Nachfolger, Herzog Otto II. der Strenge, berief 1240 erstmals einen Landtag nach München ein. Von 1251 bis zu seinem Tod 1253 amtierte er zugleich als Reichsgubernator für den nach Sizilien gezogenen Staufer Konrad IV. Er und seine Nachfolger setzten die Städtegründungspolitik fort. Nach dem Tod Ottos II. entstanden 1255 in der Erbteilung zwischen seinen Söhnen das Herzogtum Niederbayern und das Herzogtum Oberbayern mit der Pfalz; beide trugen aber weiterhin den Titel Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein. Im 14. Jahrhundert wurden die beiden Teilherzogtümer weiter aufgeteilt und die Familie bildete etliche Linien und Zweige aus.
Dreimal gelang es in der Folge Wittelsbachern, zu Römisch-deutschen Königen bzw. Kaisern gewählt zu werden: Ludwig IV. von 1314 bis 1347, Ruprecht III. von der Pfalz von 1400 bis 1410 und Karl VII. von 1742 bis 1745. In ihrer Stellung als weltliche Kurfürsten von der Pfalz und von Bayern stellten sie während der Sedisvakanzen vielfach die Reichsvikare. Die Wittelsbacher Erzbischöfe von Köln krönten eine Reihe von Kaisern. Durch Heiraten verbanden sich die Wittelsbacher mit allen großen europäischen Dynastien und kamen dadurch zeitweise auch außerhalb ihrer Stammlande auf verschiedene Throne.
Pfalzgrafen bei Rhein (1214–1253) 1214–1231: Ludwig I. der Kelheimer (1173–1231), Sohn von Otto I. 1231–1253: Otto II. der Erlauchte (1206–1253), Sohn von Ludwig I.
Zwei Jahre nach Ottos Tod erfolgte 1255 die erste Landesteilung unter seinen Söhnen Ludwig und Heinrich.
Niederbayerische Linie 1253–1340 Herzöge von Niederbayern (1255–1340) 1253–1290: Heinrich XIII. = Heinrich I. von Niederbayern (1255–1290) 1290–1312: Otto III. (1261–1312), 1305–1308 auch König von Ungarn bis 1296: gemeinsam mit Ludwig III. bis 1310: gemeinsam mit Stephan I. 1310–1312: gemeinsam mit Otto IV. und Heinrich XIV. (den Söhnen Stephan I.) 1312–1339: Heinrich XIV. = Heinrich II. von Niederbayern gemeinsam/teilweise geteilt mit Otto IV. (bis 1334) und Heinrich XV. (Sohn Ottos III.) (bis 1333) = Heinrich III. von Niederbayern (= der Natternberger) 1339–1340: Johann I. (Sohn Heinrichs XIV.)