mini|Lage von Angeln nördlich der Halbinsel Schwansen und südlich der Halbinsel Sundewitt mini|Der Leuchtturm Falshöft an der Angelner Ostseeküste mini|Strand bei Pottloch in Ostangeln

Angeln (, )Stephen Harris: Race and Ethnicity in Anglo-Saxon LiteratureNew York 2005, S. 140 sowie: Johann Hübner: Allgemeine Geographie aller vier Welt-Theile. Dresden 1773, Band 2. S. 66. ist eine deutsche Halbinsel in der Ostsee auf der Kimbrischen Halbinsel. Sie ist von der Flensburger Förde und der Schlei umgeben und liegt nördlich der Halbinsel Schwansen und südlich der Halbinsel Sundewitt (dänisch: Sundeved) im Gebiet des Kreises Schleswig-Flensburg im Nordosten Schleswig-Holstein. Angeln stellte in historischer Zeit niemals eine politische Einheit dar. Dennoch nennen sich die Menschen dort Angelner oder Angeliter (angelboer) und pflegen eine damit verbundene Identität.

Das Volk der Angeln wurde um 98 n. Chr. von Tacitus in seiner Ethnographie Germania als Anglii erstmals erwähnt. Ab dem 5. Jahrhundert wanderten zahlreiche Angeln nach Britannien aus, wo sie zunächst wohl als foederati dienten und schließlich die Herrschaft an sich rissen (siehe Angelsachsen). Sie nahmen dabei den Namen ihrer Heimatregion mit, so dass sowohl England als auch die englische Sprache ihre Namen letztlich auf die Halbinsel Angeln zurückführen. Auch der Name der englischen Region East Anglia geht auf die Angeln zurück.

Name Der Landschaftsname Angeln (germanisch vermutlich Angulaz, altenglisch: Ongel, dänisch: Angel) wird bereits im 8. Jahrhundert im Widsith verwendet und bezeichnete entweder etwas Hakenförmiges (vgl. Angel) oder war eher die ursprüngliche Benennung der Schlei (zu germ. angwa ‚eng‘). In den ältesten Formen war vermutlich nicht allein die heutige (enger gefasste) Landschaft, sondern generell das Siedlungsgebiet der Angeln gemeint.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 127.Hans Kuhn: Angeln. I. Sprachliches, § 1. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Zweite Auflage. Band 1: Aachen – Bajuwaren. Walter de Gruyter, Bern / New York 1973, S. 285 f. mini|links|Die Schlei

Lage Die Halbinsel Angeln ist ein Teil des Schleswig-Holsteinischen Hügellandes und geht im Westen in die Schleswigsche Geest über. Die Grenze zur Geest folgt dem historischen Ochsenweg (dänisch: Hærvejen, Sakservejen oder Adelvejen; niederdeutsch: Ossenpadd), heute weitgehend identisch mit der Bundesautobahn 7. Der westliche Grenzbereich Angelns wird auch Luusangeln genannt. Grob veranschaulicht wird die Lage Angelns häufig auch über das Städtedreieck Flensburg – Kappeln – Schleswig.

Landschaft mini|Steilküste bei Holnis Das Land wurde von den Grund- und Endmoränen der letzten Eiszeit gebildet, im Wesentlichen durch große Gletscherzungen, die auch die Förden ausschürften. Hier befinden sich auch die meisten abflusslosen Senken zwischen den Kuppen, die im Laufe der Zeit vermoorten, und einige von Bächen durchflossene Seen. Die Hügelkette zwischen Husby und Kappeln stellt die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee dar, östlich fließen kleine Auen in die nahe Ostsee oder eine ihrer Förden, während westlich z. B. die Treene 60 km bis Friedrichstadt und dann über die Eider in die Nordsee fließt. mini|Angelns Landschaft wird durch Knicks geprägt Das Landschaftsbild ist, obwohl stark ackergeprägt, durch das sanfte Relief, die Gewässer und in weiten Bereichen ein gut ausgeprägtes Knicknetz, aufgelockert und harmonisch. Der Waldanteil ist mit 5 % verhältnismäßig gering. Das Angelner Hügelland mit seinen kurvenreichen Straßen wird häufig durch kleinere Buchenwälder unterbrochen, so dass es wie ein natürlicher Landschaftspark wirkt. mini|links|Konik-Herde in der Geltinger Birk Bedingt durch fruchtbare Geschiebelehme wird das Land überwiegend für Ackerbau genutzt. Die Moorböden der Niederungen und Senken sind zwar weitgehend melioriert und ebenfalls unter Ackernutzung genommen worden, doch beträgt der Anteil an Grünländern noch ca. 20 %, Viehzucht ist verbreitet. In Dollerup wird Wein angebaut.

Die Höhen im Östlichen Hügelland erreichen in Angeln 60–70 m ü. NHN. Die höchste Erhebung Angelns ist nicht – wie oft angenommen – der Scheersberg (71 m), auf dessen Kuppe sich wohl eine alte germanische Thingstätte befand und heute der Bismarckturm, der als Aussichtsturm dient, sondern der Höckeberg in Freienwill mit 82 m.

Geschichte mini|Eines der neolithischen Großsteingräber bei Glücksburg Die Halbinsel zwischen Schlei und Flensburger Förde war bereits früh besiedelt, wie insbesondere neolithische Großsteingräber bei Glücksburg, Süderbrarup und Oeversee bezeugen. Aus der vorrömischen Eisenzeit stammt ein Wagengrab bei Husby (2. Jahrhundert v. Chr.). Siedlungsgebiet der Angeln

mini|links|Rekonstruierter Thingplatz in Gulde Der heutige Name der Landschaft geht auf den germanischen Volksstamm der Angeln zurück, der in der Antike in der Landschaft Angeln und den angrenzenden Räumen ansässig war (das damalige Angeln dürfte deutlich größer gewesen sein und reichte im Süden vermutlich bis zur Eider). In Kapitel 40 seiner Germania erwähnt Tacitus die Angeln unter den Stämmen, welche die Erdgottheit (terra mater) Nerthus gemeinsam verehrten. Kultisches Zentrum Angelns scheint das Thorsberger Moor gewesen zu sein – darauf deutet weniger der Name hin, der wohl erst in der Zeit der Wikinger entstand, sondern vor allem zahlreiche archäologische Funde, von denen ein großer Teil aus dem Römischen Reich stammt. Bei Schaalby in Südangeln wurden 2026 seltene Westlandkessel aus der Spätantike entdeckt.NDR: Archäologen bergen seltene rund 1.500 Jahre alte Bronzekessel.

König Offa ist eine der Sagengestalten des Volkes der Angeln. Die wohl bekannteste niedergeschriebene Fassung dieser Sagen stammt von Karl Müllenhoff, der sie 1845 mit anderen Sagen aus Angeln und ganz Schleswig-Holstein veröffentlichte. Von Offas Gemahlin und ihrem Schicksal, III (Nr. 3, bei Neuausgaben Nr. 4), S. 5–7 (digitale-sammlungen.de) Unter den aus Angeln gesammelten Sagen finden auch der sagenhafte König Sceaf und der berühmte Held Beowulf Erwähnung.Vgl. Beowulf, Drittes Buch CCCXLV (Nr. 345, bei Neuausgaben Nr. 406), S. 253–256 (digitale-sammlungen.de) Diese Mythen lebten bei den Angelsachsen fort: Ab etwa 400 n. Chr. wanderte ein Großteil der Angeln u. a. nach Britannien aus und siedelte dort unter anderem in East Anglia. Der Umstand, dass das deutsche Angeln weiterhin ihren Namen trägt, lässt aber vermuten, dass ein Teil des Stammes dort zurückblieb.

Reste von germanischen Flurbegrenzungen aus der Römischen Kaiserzeit sind an über 50 Stellen (z. B. Ausselbeck, Gemeinde Klappholz) in den kleinflächigen Gutswäldern bekannt. Sie bestehen aus Erdwällen von 0,2–0,6 m Höhe und 4–12 m Breite, in Hanglagen auch aus Terrassenkanten (Hochrainen) und entsprechen den in Jütland gefundenen Oldtidsagre. mini|Funde aus dem Thorsberger Moor

Gräber Gräberfelder sind in Sörup (1375 Bestattete), Husby (1360) und Süderbrarup (1234) bekannt. Diese rund 4000 Männergräber sind durch eine geringe Zahl recht bescheidener Beigaben gekennzeichnet. Die Zahl der Frauengräberfelder ist viel geringer. In ihnen wurden jedoch mehr und zudem deutlich wertvollere Beigaben gefunden. Das Besondere am Süderbraruper Gräberfeld ist seine sehr lange Belegungszeit: Um 100 n. Chr. wurden die drei Gräberfelder angelegt; während ab ca. 320 n. Chr. die Belegung der beiden anderen Friedhöfe deutlich abnahm, stieg diese in Süderbrarup an und setzte sich bis ins 6. Jahrhundert fort. Die Siedlungsdichte verringerte sich in Angeln im 5. und 6. Jahrhundert offenbar deutlich; viele Dörfer verfielen, und ein Rückgang der Getreidepollen lässt auf eine Verödung vieler ehemaliger Äcker schließen. Verlassen wurden dabei zunächst Standorte mit schweren, lehmigen Böden. Da an einigen Standorten der Geest zeitgleich mehr Pollen gefunden werden, wird vermutet, dass sich das Klima verändert hatte: Erhöhte Regenmengen könnten dieses Ausweichen auf die sandigen Geestflächen erklären.

Als weiterer Grund für das Verlassen küstennaher Siedlungen werden häufigere Angriffe von der See her vermutet. Dieses zunächst regionale Ausweichen würde auch ein weiteres Phänomen erklären: Es gilt heute als wahrscheinlich, dass zwischen dem Einbruch der Bevölkerungsdichte in der heutigen Landschaft Angeln und dem Eintreffen vieler Angeln in Ost- und Mittelengland und der Sachsen in Südengland (= Angelsachsen) bis zu 100 Jahre vergingen.Michael Gebühr in: Jann Markus Witt, Heiko Vosgerau (Hrsg.): Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart – Eine Landesgeschichte. Hamburg 2002, ISBN 3-934613-39-X. Zunächst wären viele Angeln demnach auf die Geest ausgewichen, bevor sie ihre Heimat ganz verließen.

Besiedlung durch Jüten und Dänen im Frühmittelalter

mini|Karte von Angeln aus dem Jahr 1596. Die Karte ist geostet und zeigt auf diese Weise Angeln als gut erkennbare Halbinsel.

Es wird vermutet, dass die Halbinsel um 550 dann nur noch recht dünn besiedelt war oder die Bevölkerungsanzahl zumindest deutlich zurückgegangen war. Beda Venerabilis schreibt noch um das Jahr 730, mutmaßlich auf Grundlage älterer Vorlagen: „Von den Angeln aber, die nämlich aus dem Land kommen, das Anglia heißt und von jener Zeit bis heute verlassen zwischen den Ländern der Jüten und der Sachsen geblieben sein soll, stammen die Ostangeln ab“ (Beda I,15). Dass der Name Angeln für das Gebiet erhalten blieb, könnte aber, wie gesagt, darauf hinweisen, dass ein Teil der Vorbevölkerung im Land geblieben war und es an einigen Orten durchaus Siedlungskontinuität gab.Hierauf weisen auch vereinzelte Münzfunde hin, darunter eine heute verschollene Kupfermünze der oströmischen Kaiser Justin I. oder Justin II. aus dem 6. Jahrhundert, die bei Maasbüll gefunden wurde. Nach 600 siedelten sich jedenfalls Jüten und Dänen auf der Halbinsel an, was heute noch an vielen Ortsnamen in Angeln und im übrigen Schleswig erkennbar ist; so enden viele Ortsnamen auf -by und -rup, was übersetzt „Dorf“ bzw. „Rodung“ heißt. Südlich der Eider kommen solche nordischen Ortsnamen nur sporadisch vor.

Noch heute bekennen sich zahlreiche Angeliter zur dänischen Minderheit. Allerdings begann sich in Angeln, wie im restlichen südlichen Schleswig, in der Neuzeit zunehmend die (nieder-)deutsche Sprache auszubreiten; im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde auch das Angeldänische vom Deutschen gänzlich abgelöst.

Mittelalter und Neuzeit mini|Die Kirche Neukirchen liegt direkt an der Ostseesteilküste. Vermutlich befand sich in Husby in der Wikingerzeit die Residenz eines Königs; hierauf deuten neben dem Ortsnamen auch Funde wie ein großer Silberhort aus dem 10. Jahrhundert hin.Thorsten Lemm: Husby in Angeln – Ein königlicher Hof der späten Wikingerzeit? In: Prähistorische Zeitschrift, Band 89, 2014, S. 371–389. Angeln war seit dem Mittelalter Teil des Herzogtums Schleswig. Nach dänischem Brauch war Angeln dabei in Harden gegliedert. Im Erdbuch von Waldemar II. von 1231 sind fünf Angeliter Harden aufgeführt, die dem Istathesyssel untergeordnet waren: Husbyharde mit dem Haupt- und Thingort Husby Nieharde mit dem Thingort Sterup Schliesharde mit dem Thingort Boren Struxdorfharde mit dem Thingort Struxdorf Uggelharde, die nur teilweise zu Angeln gehört, mit dem Thingort Oeversee

In späteren Jahrhunderten kamen weitere Harden dazu: Die Munkbrarupharde wurde nach der Reformation aus dem Gebiet des aufgelösten Rüde-Klosters gebildet. Die Satrupharde, die Füsingharde und Mohrkirchharde und die Kappelner Harde entstanden im 18. und 19. Jahrhundert aus aufgelösten Güterbezirken. mini|links|Die St. Johanniskirche Flensburg-Adelby, heute die älteste Kirche Flensburgs, Teil der Husbyharde, wurde vermutlich in der Zeit um 1080 erbaut