mini|Blick auf das moderne Geschäftszentrum von Almaty

Almaty ( und , ; bis 1993 Alma-Ata) ist mit rund zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt Kasachstans. Sie liegt im Südosten des zentralasiatischen Staates unweit der Grenze zu Kirgisistan, war von 1936 bis 1991 Hauptstadt der Kasachischen SSR und nach dem Zerfall der Sowjetunion bis 1997 von Kasachstan.

Almaty ist neben der Hauptstadt Astana noch immer das kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zentrum des Landes mit Universitäten und zahlreichen Sakralbauten, Museen und Theatern. Zu den bekanntesten Sakralbauten gehören die Christi-Himmelfahrt- und die Nikolaus-Kathedrale. Der 1983 fertiggestellte 371,5 Meter hohe Fernsehturm Almaty auf dem Berg Kök-Töbe gehört zu den höchsten Bauwerken der Welt. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts sind auch einige Wolkenkratzer in der Stadt entstanden. Die Stadt verfügt über zwei Bahnhöfe und zwei Flughäfen. Die am 1. Dezember 2011 eröffnete Metro Almaty sowie Oberleitungsbusse sorgen für den innerstädtischen Personentransport.

Geographie Geographische Lage mini|Blick über die Stadt auf das Tian-Shan-Gebirge Almaty befindet sich im Südosten von Kasachstan; nach Süden sind es vom Stadtzentrum etwa 25 km bis zur Grenze mit Kirgisistan und nach Osten etwa 300 km zur Grenze mit China (jeweils Luftlinie).

Die Stadt liegt am Nordfuß des nördlichsten Gebirgszugs des Tian Shan, des Transili-Alatau (; ), dessen nur schwer überwindliche Bergketten mit Gletschern vom Pik Talgar (), der in der Stadt von fast überall zu sehen ist, gekrönt werden. Der größte Berg innerhalb des Stadtterritoriums heißt Kök-Töbe und ist hoch. Zudem befinden sich in der Umgebung von Almaty etwa 300 Gletscher, von denen der Korschenewski- und Tujuksu-Gletscher die größten sind.

Nördlich von Almaty liegt ein Gebiet mit Steppen und Halbwüsten, das in die Wüste Mujunkum (; ) übergeht.

Seismische Aktivitäten Durch die Lage nördlich des Tian-Shan-Gebirges, eines Intraplatten-Orogens mit hoher Topografie, starken Horizontalverschiebungen und einer starken Seismizität ist die Region um Almaty häufig von Erdbeben betroffen, wodurch die Stadt in den letzten 250 Jahren mehrfach zerstört wurde (1770, 1807, 1865, 1887, 1889 und 1911). 1887 wurde die Stadt Werny komplett zerstört und wieder an derselben Stelle aufgebaut. Das Kebin-Erdbeben von 1911 forderte mehr als 700 Menschenleben. Die Stadt wurde schnell wieder aufgebaut. 1974 wurden zur Verbesserung der Analyse der seismischen Gefährdung vier Erdbebenwarten eingerichtet. Der Fernsehturm Almaty auf dem Berg Kök-Töbe ist erdbebensicher aus einer Stahlrohrkonstruktion hergestellt; auf Beton wurde verzichtet.

Stadtgliederung mini|Stadtbezirke von Almaty

Die Stadt ist heute in acht autonome Bezirke (Awtonomnyj(-e) Okrug(-a)) unterteilt: Alatau, Almaly, Äuesow, Bostandyq, Schetyssu, Medeu, Nauryzbai und Türksib. Der bevölkerungsreichste Bezirk ist Bostandyk mit rund 350.000 Einwohnern, Nauryzbai ist mit 150.000 der bevölkerungsärmste der Bezirke. Die ersten Verwaltungsbezirke der Stadt wurden 1936 gebildet. Damals unterteilte man das Stadtgebiet in die vier Stadtteile Proletarski (russ. Пролетарский), Leninski (russ. Ленинский), Stalinski (russ. Сталинский) und Frunsenski (russ. Фрунзенский). Im Jahr 1966 kam mit dem Bezirk Kalininski (russ. Калининский) ein weiterer und 1972 mit dem Bezirk Auesowski (russ. Ауэзовский) nochmals ein Stadtteil hinzu. Nachdem die Bevölkerung Almatys Anfang der 1980er Jahre bereits auf mehr als eine Million angewachsen war, kamen auf Beschluss der sowjetischen Behörden am 17. Oktober 1980 zwei weitere Stadtbezirke hinzu: Alatauski (russ. Алатауский) und Moskowski (russ. Московский). 2014 entstand mit Nauryzbaiski (russ. Наурызбайский) der bisher letzte Stadtbezirk.

Verwaltungsbezirk Kasachischer Name Russischer Name Einwohner Fläche [km²] Alatau Алатау ауданы Алатауский район 104,1 Almaly Алмалы ауданы Алмалинский район 18,4 Äuesow Әуезов ауданы Ауэзовский район 23,6 Bostandyq Бостандық ауданы Бостандыкский район 99,4 Schetissu Жетісу ауданы Жетысуский район 39,5 Medeu Медеу ауданы Медеуский район 253,4 Nauryzbai Наурызбай ауданы Наурызбайский район 69,7 Türksib Түрксіб ауданы Турксибский район 75,4 Almaty 682 Stand:

Wasserressourcen Südlich von Almaty, in Kirgisistan, liegt in den Tian-Shan-Bergen der große Yssykköl. Dieser See ist das beliebteste Ausflugsziel der Stadtbewohner. 70 km nördlich der Stadt befindet sich die Qapschaghai-Talsperre, die 1970 am Fluss Ili errichtet wurde. Mit einer Stauseefläche von 1847 km² dient sie als Hauptreservoir für die Versorgung der Metropole mit Trinkwasser.

In den nahen Bergen des Transili-Alataus entspringen zahlreiche Flüsschen, die das Stadtgebiet durchqueren, darunter Ülken Almaty und Kitschi Almaty.

Flora und Fauna mini|Landsat-Aufnahme von Almaty und Umgebung Die Stadt umgeben zahlreiche blühende Gärten (vor allem natürliche Apfelbaumgärten), Obst-, Getreide-, Tabak- und Melonenplantagen sowie Weinberge. Im Gebirgsvorland finden sich Haine mit Aprikosen, Weißdorn und Wildapfel. Etwas höher beginnen stammdichte Nadelwälder, Alpenwiesen und schließlich die schneebedeckten Eisgipfel. In den Parks und Gärten der Stadt wurden von Beginn an Pflanzen und Bäume aus allen Ecken der Welt angepflanzt und so gedeihen in Almaty und Umgebung bis heute Arten aus Nordamerika, der Krim, dem Kaukasus und aus Fernost.

Auch das Tierreich um Almaty ist artenreich. Außer den üblichen Nagetieren leben in den Bergwäldern Bären und große Katzen wie Luchse sowie das Wappentier der Stadt, der Schneeleopard. Den Tian-Shan bewohnen zudem Bergziegen und -schafe (Arhare). In den Steppenregionen trifft man auf Wölfe, Rot- und Steppenfüchse. Wechselkröten (Bufotes viridis, wiss. nicht mehr gültig Bufo viridis) besiedeln hier sowohl die Steppe als auch Gärten und Parkbezirke um Almaty.Helmut Hemmer: Beobachtungen an mittelasiatischen Wechselkröten (Bufo viridis ssp.). Salamandra Band 12, Frankfurt am Main, 1976, S. 140–158.

Um die außergewöhnliche Flora und Fauna des Transili-Alataus (Zalij-Alatau) zu bewahren, wurde 1935 das „Naturschutzgebiet von Almaty“ gegründet.

Klima Almaty hat ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit großen Tagestemperaturschwankungen. Da die einzelnen Bezirke sich hinsichtlich ihrer Höhenlage erheblich unterscheiden, liegen sie in verschiedenen Klimazonen. So kann an verschiedenen Enden der Stadt am selben Tag ein völlig anderes Wetter herrschen.

Trotz des Kontinentalklimas ist das Klima von Almaty wesentlich milder als das in Nord- oder Zentralkasachstan. Die sommerliche Hitze wird durch die recht hohe Lage der Stadt (650–950 m über NN) abgemildert. Auch in Sommernächten kann es daher ziemlich kühl werden.

Die Winter sind in der Regel schneereich, wobei die Kälte wiederum aufgrund von warmen Luftströmungen aus den Wüsten Zentralasiens gedämpft wird.

Die in der Stadt ständig sichtbaren Berge sind – auch in den Sommermonaten – stets mit Eis und Schnee bedeckt. Wenn im Frühjahr das Tauwetter einsetzt, fließen große Mengen Schmelzwasser von den Bergen in die Stadt, weswegen Almaty für seine vielen kleinen Flüsse und Bäche bekannt ist. Das Wasser wird in zahlreichen Gräben entlang beinahe jeder Straße abgeleitet, wodurch das Stadtklima im Sommer angenehm beeinflusst wird.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 656 mm; der Temperaturdurchschnitt im Juli liegt bei 23,7 °C, im Januar bei −5,4 °C; der Jahresdurchschnitt beträgt 9,4 °C. Die höchste je gemessene Temperatur betrug 41,7 °C (im Juli 1997), die niedrigste −37,7 °C (im Februar 1951).

Geschichte Almatu Entwicklung des Ortsnamens Wernoje 1854–1867 Werny 1867–1921 Alma-Ata 1921–1993 Almaty seit 1993 Schon im 10. Jahrhundert v. Chr. gab es auf dem Territorium von Almaty Siedlungen von Menschen, wie die Funde diverser Bronzen von Ausgrabungsgebieten nördlich des Orts belegen. Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. finden sich kulturelle Spuren von Saken und Wusun. Das bekannteste und interessanteste Zeugnis der sakischen Kultur ist der „Altyn Adam“ der „Goldene Mensch“ von Issyk-Kurgan bei der Stadt Issyk, 48 km von Almaty entfernt. Hierbei handelt es sich um eine vollständig erhaltene, reich verzierte Rüstung aus Gold, die einem jungen sakischen Fürsten gehörte.

Die Ausgrabungen belegen, dass es auf dem Territorium von Almaty spätestens seit dem 10. Jahrhundert n. Chr. vier größere Siedlungen gab, von denen drei nach etwa zwei Jahrhunderten zur Stadt Almatu zusammenwuchsen. Dieser Name wird zum ersten Mal auf einem silbernen Dirham aus dem Jahr 684 (nach unserer Zeitrechnung 1285/86) erwähnt. Solche Münzen wurden in der Vorgängerstadt des heutigen Almaty während der mongolischen Herrschaft (Khanat Tschagatai) geprägt. Der Name Almatu erscheint außerdem in einigen arabischen Quellen und in Reisenotizen eines chinesischen Mönchs.

Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt durch Mongolen (wahrscheinlich im Zuge der Unterdrückung einer Rebellion) fast vollständig zerstört. Da der Handel an der Seidenstraße – die Existenzgrundlage der Stadt – ebenfalls zum Erliegen kam, verkümmerten die Reste von Almatu im 16. Jahrhundert. Ihre Ruinen waren noch Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen, die Russen benutzten sie als Steingrube für die Stadt Werny.

Werny mini|Kasaner Kathedrale im alten Werny Bei der Erschließung Zentralasiens errichtete das Russische Reich mehrere Vorposten in der Region, um das Territorium zu sichern. Es war außerdem vertraglich zum Schutz der Kasachen gegen die Dschungaren verpflichtet.

Am 4. Februar 1854 gründete die Truppe unter dem Kommando von Major Michail Peremyschelski (russ. Михаил Дмитриевич Перемышельский) die Festung Wernoje („Die Treue“) als militärische Befestigungsanlage am Fuße des Transili-Alatau. Die Konstruktion der Anlage wurde bereits im Herbst des Jahres abgeschlossen; sie bestand aus einem fünfeckigen Bereich, der mit einem Holzzaun umgrenzt war und an dessen zentralem Platz sich die Trainingseinrichtungen befanden. Die Besatzung umfasste zu dieser Zeit 470 Offiziere und Soldaten. Am 1. Juli 1855 trafen in Wernoje die ersten vertriebenen Kasachen ein und wenig später wurde auch russischen Bauern gestattet, sich im Ort niederzulassen. Dies führte dazu, dass sich auch im nahen Umland der Festung Menschen niederließen: Die russischen Zuwanderer gründeten unweit der Festung die Staniza (Kosakensiedlung) Bolschaja Almatinskaja und unter dem Zuzug von tatarischen Handwerkern und Kaufleuten wurden die Siedlungen Malaja Almatinskaja and Tatarskaja (Taschkentskaja) sloboda errichtet. Im Mai 1859 erreichte die Einwohnerzahl bereits eine Größenordnung von 5000 Personen.

Am 11. April 1867 wurde der Festung und der umliegenden Bebauung das Stadtrecht verliehen. Gleichzeitig wurde sie in Almatinsk umbenannt, was in der Bevölkerung auf Ablehnung stieß und kurze Zeit später wieder rückgängig gemacht wurde. Die Stadt Werny (die Endung wurde entsprechend der russischen Grammatik geändert), deren Bevölkerung mittlerweile die Zahl von 10.000 übertraf, wurde zur Hauptstadt des Gebietes von Semiretschje (Siebenstromland), das das heutige Südost-Kasachstan und Teile Kirgisistans umfasste. Man teilte die Stadt in verschiedene Wohnbereiche auf, die wiederum den zwei neu geschaffenen Stadtbezirken zugeordnet wurden. Im Stadtzentrum befanden sich ein- und zweistöckige Gebäude, am Stadtpark (heute der Park der 28 Panfilowzy) wurden Verwaltungsgebäude und öffentliche Einrichtungen errichtet.