mini|Ursprungs-Aldi in der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, 2006, 2020 geschlossen mini|Albrecht-Filiale, Essen 1958 Unter der Bezeichnung Aldi (Eigenschreibweise: ALDI) werden insgesamt über 13.000 Lebensmitteleinzelhandelsfilialen in Europa sowie in Australien, China und den USA betrieben.
Aldi ist ein Akronym für ALbrecht DIskont,100 Jahre Kaufmannstradition. Aus Albrecht wird ALDI. In: aldi-nord.de. das seit 1962 verwendet wird.
Synonym verwendet werden auch die Marken Hofer (633 Filialen) und Aldi Suisse (246 Filialen). Daneben werden in den USA neben Aldi auch die Bezeichnungen Trader Joe’s (608 Filialen), Winn-Dixie und Harveys Supermarket (zusammen ca. 220 Filialen) verwendet. Die Gesamtzahl erhöht sich dadurch auf ca. 13.650 Filialen. Nach Umsatz und Anzahl der Filialen ist Aldi damit der größte Discounter-Konzern der Welt, vor Lidl.
Die beiden Unternehmensgruppen Aldi-Nord und Aldi-Süd sind rechtlich vollkommen selbständige Konzerne, haben jedoch eine gemeinsame Vergangenheit zwischen 1913 und 1961. Das Ursprungsunternehmen Albrecht KG ist durch Realteilung in die beiden Unternehmungen Aldi-Nord und Aldi-Süd geteilt worden.
Aldi zählt zu den zehn größten Einzelhandelsgruppen weltweit.Rangliste der weltweit größten Lebensmittelhändler nach Deloitte in: supermarkt-inside.de, 17. Januar 2018, aufgerufen am 29. Dezember 2019.
Geschichte Anfänge 1913–1945 Karl Albrecht sen. (1886–1943), der Vater von Karl (1920–2014) und Theo Albrecht (1922–2010), war ein gelernter Bäcker, bis er aus gesundheitlichen Gründen (Bäckerasthma) diese Arbeit aufgeben musste. Im Frühjahr 1913 machte er sich als Brothändler selbstständig, und seine Frau Anna Albrecht (geb. Siepmann) eröffnete unter dem Namen ihres Mannes am 10. April 1913 einen Tante-Emma-Laden in Essen-Schonnebeck in der Huestraße 87. Im Frühjahr 1919 verlegten die Albrechts ihr Geschäft in das von ihnen gekaufte benachbarte Wohn- und Geschäftshaus in der Huestraße 89. Den neuen Laden nannten sie „Kaufhaus für Lebensmittel Karl Albrecht“. In demselben Haus sind auch die Söhne Karl und Theo geboren und aufgewachsen. Der Laden bestand als Aldi-Filiale bis zum 28. November 2020 und wurde wegen zu geringer Ladenfläche geschlossen. Wein wurde in den Anfangsjahren aus Fässern in Flaschen abgefüllt, Zucker und Mehl gab es aus Säcken. Die Kunden wurden noch persönlich von Verkäuferinnen bedient. Selbstbedienung war zu dieser Zeit noch vollkommen unüblich.
Nachkriegszeit 1945–1961 1945 übernahmen Karl und Theo den elterlichen Familienbetrieb, den Anna Albrecht in den letzten beiden Kriegsjahren nach dem Tod ihres Ehemanns ab 1943 alleine geführt hatte. Nach der Währungsreform 1948 stellten die Albrecht-Brüder den Tante-Emma-Laden ihrer Mutter mit einem neuen Konzept um. Das Konzept sah vor, die Lebensmittelgrundversorgung mit einem minimalen Sortiment und niedrigen Preisen sicherzustellen. Im Jahr 1954 eröffnete die erste Filiale außerhalb der Stadt Essen. In diesem Jahr wurde auch das Stammgeschäft auf der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck zum ersten Selbstbedienungsladen umgestaltet. 1955 hatte die damalige Albrecht KG ein Filialnetz mit 100 Standorten in Nordrhein-Westfalen, und die Albrecht-Brüder waren zu diesem Zeitpunkt schon Vermögensmillionäre. Die erste Discount-Filiale unter dem Namen Aldi öffnete 1962 in Dortmund.
Aufteilung in Nord und Süd 1961 mini|Albrecht-Filiale in Memmingen, ca. 1968 1961 beschlossen die Gebrüder Albrecht, fortan getrennte Wege zu gehen. Sie teilten das Unternehmen Albrecht KG in Aldi Nord und Aldi Süd auf. Die nördlichen Filialen übernahm Theo Albrecht, die südlichen Karl Albrecht. 1960 (im Jahr vor der Aufteilung) betrieben Karl und Theo Albrecht schon 300 Läden in West-Deutschland mit einem Bruttoumsatz von ungefähr 90 Millionen Mark. Im Jahr 1961 existierten bereits zwei getrennte Verwaltungen und Regionallager (von Theo Albrecht in Herten, von Karl Albrecht in Mülheim an der Ruhr), im selben Jahr schied Anna Albrecht, die Mutter der Gebrüder Albrecht, als Gesellschafterin aus. Als Grund für die Trennung wurde verschiedentlich berichtet, die Brüder könnten sich über den Verkauf von Zigaretten nicht einigen (erst seit 2003 gibt es Zigaretten bei Aldi Süd zu kaufen). Der Journalist Martin Kuhna führt an, Zigaretten seien schon vor 1961 verkauft worden und könnten daher nicht der Grund sein. Vielmehr vermutet er, die Gründe lägen im unterschiedlichen Führungsstil. Theo Albrecht neigte zu Mikromanagement, während sein Bruder Karl früh Verantwortung delegierte. In einem Interview bestätigte der langjährige Aldi-Süd-Manager Ulrich Wolters, dass unterschiedliche Ansichten über Führung und Bezahlung der Mitarbeiter zur Trennung führten.
Expansion als reine Discounter ab 1962 Durch die in Westdeutschland aufkommende Selbstbedienung im Lebensmitteleinzelhandel stagnierten Anfang der 1960er Jahre bei den Albrecht-Brüdern die Umsätze in den etwa 300 sehr kleinen Bedienungsläden (auch Stubenläden genannt). Dieser Vertriebstyp hatte keine Zukunft mehr und verlor Umsätze an die großen Supermarktketten wie Edeka und Rewe. Karl und Theo Albrecht wandten sich ab 1960 ebenfalls dem Vertriebstyp Supermarkt zu und experimentierten mit etwa 20 bis 30 Albrecht-Supermärkten. Die Läden hatten eine Verkaufsfläche von etwa 150 bis 200 m² und führten neben einem mittelgroßen Sortiment von Trockenwaren auch Frischwaren wie Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Wurstwaren und Frischfleisch (bei Frischfleisch stützten sich die Albrecht-Brüder auf die Großfleischerei RUOS aus Essen als Partner). Der Test mit diesen Albrecht-Supermärkten scheiterte, da er weder in den Ladengrößen noch in der Sortimentsvielfalt der inzwischen davongeeilten Vollsortimenter-Konkurrenz ebenbürtig war. Diese noch unter dem roten Albrecht-Logo getesteten Märkte wurden bald wieder geschlossen bzw. konnten kurze Zeit später nach Umgestaltung auf Aldi-Discount genutzt werden.
Unter dem Zwang einer totalen Neuorientierung entwickelten Karl und Theo Albrecht die Idee Lebensmittel-Discount; sie gaben ihren Läden dieser für Europa völlig neuen Vertriebsform den Namen „ALDI“ (AL-brecht DI-scount).
Der betriebswirtschaftliche Grundgedanke zu diesem neuen Vertriebstyp wurde vom früheren Aldi-Nord-Geschäftsführer Dieter Brandes mit dem Satz „Discount ist die Kunst des Weglassens“ umschrieben. Im Vergleich zu den damals marktführenden Supermärkten ließen die Brüder Albrecht eine ganze Reihe der damals üblichen Dienstleistungs-Funktionen der Einzelhandels-Distribution einfach weg. Aldi-Fazit: Keine breiten und tiefgestaffelten Sortimente (nur schnelldrehende Grundnahrungsmittel, keine Doubletten), keine leicht verderblichen Frischwaren (damit keine kostenintensive Warenpflege, keine Bedienung, keine teuren Kühlmöbel, geringer Energieverbrauch), kein Preisetikett auf jedem Artikel (die Kassierer hatten die Preise, zusammengefasst in relativ wenigen Preisgruppen, auswendig zu lernen, später über PLU-Nummern aufzurufen), kein Auspacken der Ware (verkauft wurde aus den aufgeschnittenen Versandkartons), keine teure Ladeneinrichtung (verkauft wurde von Paletten oder selbst gefertigten Holzregalen), keine Ladendekoration und Werbung, kein Kreditverkauf, keine damals üblichen Rabattmarken. Das knapp bemessene Filial-Personal wurde für alle anfallenden Arbeiten ausgebildet, so dass es bei hoher Arbeitsdichte ständig ausgelastet war. Dadurch entstanden große Kostenvorteile gegenüber der Supermarkt-Konkurrenz.
Diese Kostenvorteile ermöglichten es Aldi, trotz eines von Anfang an gut kalkulierten Gewinns den Verbrauchern große Preisvorteile zu bieten. Die ersten Versuche mit solchen Discount-Läden fanden 1961 im Aldi-Nord-Gebiet in Dortmund, später im Raum Dortmund und Bochum statt. In Serie ging der Vertriebstyp „Discount“ bei Aldi Süd mit dem ersten Markt in Mülheim unter der Leitung von Horst Steinfeld. Die Organisation der Eröffnungen und die Führung dieser ersten Aldi-Filialen verantwortete Walter Vieth (damals Leiter des Bezirks westliches Ruhrgebiet/Niederrhein). Unter Verwertung ehemaliger Albrecht-Supermärkte wurden ab 1962 im Wochenrhythmus und in dieser Reihenfolge die ersten ALDI-Discountmärkte eröffnet: Dinslaken (Neustraße), Walsum (Friedrich-Ebert-Straße), Bocholt (Nordstraße) und Wesel (Hohe Straße).
Die Umsatzleistung pro Mitarbeiter war fast zehnmal höher als in den Albrecht-Supermärkten. Die Umsatz- und Renditewerte der ersten Serienmärkte und die schnelle Akzeptanz dieser Läden bei den Verbrauchern waren so überzeugend, dass die Albrecht-Brüder wenige Monate nach Eröffnung dieser ersten Märkte in die überregionale Multiplikation gehen konnten. Das für diese wohl einmalige Expansion notwendige Kapital erwirtschaftete das Discount-System selbst. Durch den raschen Warenumschlag (circa zehn Tage – „Schnelldreher“), die Barzahlung in den Läden und das übliche Zahlungsziel bei den Herstellern (30 Tage) war stets genügend Liquidität vorhanden, die Expansion ohne Bankkredite zu finanzieren. Die Einführung einer neuen Logistikstruktur zur schnellen Versorgung der Märkte mit einem großen Lager in Eichenau förderte die Entwicklung.akw: Geld für Auslandsexpansion. Aldi Süd verkauft Filialen und Logistikzentrum Eichenau. In: logistik-heute.de, 2. September 2010, aufgerufen am 20. September 2017. Die Zentrale in Eichenau wurde dann auch Sitz der Familienstiftungen.
Filialen-Umbau seit 2016 mini|Obst- und Gemüse-Stand bei Aldi Süd nach Modernisierung, 2017 alt=Obst- und Gemüse-Abteilung in Aldi-Süd-Filiale im aktuellsten Design (am 18. März 2021 neu eröffnete Filiale)|mini|Obst- und Gemüse-Abteilung in Aldi-Süd-Filiale im aktuellen Design (am 18. März 2021 neu eröffnete Filiale) alt=Obst- und Gemüse-Abteilung in Aldi-Süd-Filiale im aktuellsten Design (am 18. März 2021 neu eröffnete Filiale)|mini|Obst- und Gemüse-Abteilung in Aldi-Süd-Filiale im aktuellen Design (am 18. März 2021 neu eröffnete Filiale) Ab den 2000er Jahren hatten alle großen Discounter in Deutschland „massiv in eine Verbesserung des Angebots investiert.“Florian Kolf: Aldi, Lidl und Co. Die Discounter schlagen zurück. In: Wirtschaftswoche, 9. Januar 2018. „Das einst von den Aldi-Brüdern entwickelte Discount-Konzept – Märkte mit kleinem Sortiment und gutem Preis-Leistungsverhältnis –“ wurde von der Konkurrenz weiterentwickelt. „Rewe und Edeka bieten viele Produkte genauso billig an wie Aldi, ergänzen das Sortiment aber mit Produkten aus der Feinkost-Kategorie.“Frank-Thomas Wenzel: Machtkampf bei Aldi. Bei Aldi übernimmt der Enkel. In: Frankfurter Rundschau, 22. Juli 2014. „Discount funktioniert heute nicht mehr so wie vor 30 Jahren. […] Gute Preise allein reichen nicht mehr aus“, so der Aldi-Marketing-Geschäftsführer Kay Rüschoff.Henryk Hielscher: Großbaustelle Discounter: Ist das noch Aldi? In: Wirtschaftswoche, 21. November 2017. Die Kunden würden heute (2017) mehr Frische, mehr Auswahl und „auch mal etwas Besonderes“ erwarten.
Um an die Konkurrenz der Discounter und Supermärkte wieder aufzuschließen, haben nach einer zweijährigen TestphaseKirsten Geß (Pressemitteilung): Der Discounter von morgen: Aldi Süd präsentiert die Filiale der Zukunft. In: Aldi Süd, 11. Mai 2016: „Seit 2014 hat Aldi Süd für die Filiale der Zukunft in Testfilialen unterschiedliche Einrichtungskonzepte getestet.“ Aldi Süd (seit Mai 2016) und Aldi Nord (seit Herbst 2017) mit dem jeweils „größten Investitionsprogramm der Firmengeschichte“ begonnen. Formal erhalten die Läden eine neue Gestaltung und inhaltlich wird das Angebot verbessert.
Umbau Aldi Süd Aldi Süd plante, bis 2021Kirsten Geß (Pressemitteilung): Aldi Süd macht neu: 1000 Filialen im modernen Design. In: Aldi Süd, 30. Mai 2018. in Deutschland rund 3,5 Milliarden Euro zu investieren, um seine knapp 1900 Filialen zu „modernisieren“.dpa: . In: Handelsblatt, 3. November 2017.