mini|300px|Panorama Richtung Donau auf Teile Deggendorfs

Deggendorf ist eine Große Kreisstadt im niederbayerischen Landkreis Deggendorf. Sie hat Einwohner (Stand: ) und seit 1994 eine Hochschulstadt. Sie wird auch „Donaustadt“ und „Tor zum Bayerischen Wald“ genannt. Die Städte Deggendorf, Plattling und Osterhofen bilden das Oberzentrum Deggendorf. Deggendorf und Plattling sind an zwei Stellen miteinander verwachsen (ein Verflechtungsraum).

Geographie Das Stadtgebiet liegt teilweise im flachen Donautal und erstreckt sich links der Donau auch in Ausläufer des Bayerischen Waldes. Deggendorf liegt mit seinen Stadtteilen rechts der Donau in der Region Gäuboden und den Stadtteilen links der Donau im Naturpark Bayerischer Wald. Die Stadt wird von der Donau durchflossen. Im Gemeindeteil Fischerdorf mündet die Isar an der Stadtgrenze zwischen Deggendorf und der Nachbargemeinde Moos im Stadtgebiet in die Donau. Fischerdorf liegt am rechten Donauufer an der alten Bundesstraße 11. Zwischen Fischerdorf und dem Stadtzentrum Deggendorfs gibt es seit den 1920er Jahren eine Brücke. Die erste Brücke wurde 1999 durch die Maximiliansbrücke ersetzt.

In Deggendorf war der südwestliche Startpunkt des Böhmwegs, eines bedeutenden alten Handelswegs, der die bayerische Donau durch den Bayerischen Wald mit Böhmen verband. Außerdem lag Deggendorf an der römischen Militärgrenze Donaulimes entlang der bayerischen Donau. Das heutige Stadtzentrum liegt nordöstlich der Donau. Der Höhenunterschied im Gemeindegebiet beträgt 806 Meter vom niedrigsten Punkt an der Donau beim Stadtteil Seebach () bis zum Gipfel des Hausbergs „Breitenauriegel“ nahe dem Gemeindeteil Greising mit (). Das führt zu erheblichen klimatischen Unterschieden; während in den niedrigen Lagen oft schon der Frühling eingekehrt ist, herrscht in den bewohnten Höhenlagen wie Greising auf noch Winter. Ein weiterer Hausberg Deggendorfs ist der auf dem Gemeindegebiet von Grafling befindliche Dreitannenriegel ().

Nachbargemeinden Folgende neun Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn an das Stadtgebiet von Deggendorf: Metten, Grafling, Bischofsmais (Landkreis Regen), Schaufling, Hengersberg, Niederalteich, Moos, Plattling und Stephansposching.

Stadtgliederung Gemeindeteile

Es gibt 103 Gemeindeteile:

Gemarkungen Es gibt acht Gemarkungen: Gemarkung Fläche in Hektar GemeindeteilDeggenau 657,06Gemarkung Deggenau Breitenberg, Deggenau, Elmering, Gailberg, Görgen, Goldberg, Gschnaidt, Hub, Leoprechtstein, Mietzing, Reinprechting, Sandweg, Steinriesl, Thanhof, Ucking, Ufersbach, Waldschaid, Weinberg Deggendorf 450,07Gemarkung Deggendorf Deggendorf Fischerdorf 825,49Gemarkung Fischerdorf Fischerdorf Greising 1233,89Gemarkung Greising Frohnreut, Greising, Greisingerhochwald, Hackermühle, Haidhäusl, Irlmoos, Kreut, Mühlberg, Nest, Oberfrohnreut, Oberglasschleife, Parst, Ringelswies, Schellenberg, Tattenberg, Zwieslerbruck Mietraching 953,76Gemarkung Mietraching Baumgarten, Breitenbach, Bruck, Eiberg, Einkind, Großfilling, Großwalding, Hain, Haslach, Hofstetten, Itzling, Kleinfilling, Kleinwalding, Klotzing, Marienthal, Maxhofen, Mietraching, Obergrub, Paußing, Schwemmberg, Untergrub, Weiher Natternberg 1317,65Gemarkung Natternberg Haidhof, Mainkofen, Mettenufer, Natternberg, Rettenbach, Stauffendorf Schaching 1170,29Gemarkung Schaching Aletsberg, Bruckhof, Kobelsberg, Kohlberg, Kohlhof, Lehmberg, Neumühle, Niederkandelbach, Oberdippling, Oberer Mühlbogen, Oberkandelbach, Oberperlasberg, Schalterbach, Scheuering, Schleiberg, Schluttenhof, Simmling, Thannberg, Unterdippling Seebach(nur Gemarkungsteil 0) Bucha, Burgstall, Eichberg, Graben, Grillenberg, Grimming, Halbmeile, Helming, Hintertausch, Hochreut, Kleineichberg, Konseehof, Krösbach, Ledersberg, Oberdorf, Pumpenberg, Scheidham, Seebach, Vordertausch

Klima Durch ihre Lage in Mitteleuropa befindet sich die Stadt Deggendorf in der kühlgemäßigten Klimazone mit Winterhärte 6–7. Dabei liegt die Stadt im Übergangsbereich zwischen feuchtem atlantischen und trockenem Kontinentalklima.

Geschichte Frühgeschichtliche Spuren Die ältesten nachgewiesenen Funde im Raum Deggendorf stammen von alt- und mittelsteinzeitlichen Jägern und Sammlern und sind mindestens 50.000 Jahre alt. Archäologen gehen davon aus, dass auf und um den Natternberg im heutigen gleichnamigen Stadtteil bereits vor 5000 v. Chr. eine jungsteinzeitliche Siedlung der Linearbandkeramik bestand, ähnlich wie sie auch in vielen weiteren Teilen Niederbayerns und besonders im Gäuboden durch Luftbildarchäologie und Bestattungsplätze nachgewiesen werden konnte. Im mittleren und jüngeren Abschnitt der Urnenfelderzeit zwischen dem 10. und 8. Jahrhundert v. Chr. war auf dem rund 70 Meter hohen Natternberg ein dauerhafter Siedlungsschwerpunkt einer Höhensiedlung, dies konnte durch Ausgrabungen von Siedlungsüberresten beim Bau der Bundesautobahn 3 belegt werden. Archäologische Ausgrabungen belegten Siedlungen der Jungsteinzeit (mind. 5. Jahrhundert v. Chr.), der älteren Urnenfelderzeit (10. Jahrhundert v. Chr.) und der späten Hallstattzeit (6.–5. Jahrhundert v. Chr.). Auch im heutigen Stadtteil Fischerdorf wurden ca. 6000 Jahre alte Siedlungsspuren nachgewiesen. Am Ort des heutigen Stadtzentrums wurden Anfang der 1980er Jahre bei Ausgrabungen in der Stadtpfarrkirche keltische Siedlungsreste entdeckt, welche auf die Spätlatènezeit im 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert werden konnten. Es wird angenommen, dass die Kelten die damals für eine Überquerung der Donau günstige Lage nutzten, um den 1029 erstmals urkundlich erwähnten Handelsweg von Süden nach Böhmen zu kontrollieren.

Seit dem 9. Jahrhundert gab es die Goldwäscherei u. a. im späteren Stadtgebiet Deggendorf an der Donau, wo bereits sehr früh an Sand- und Kiesbänken nach Waschgold gesucht wurde. Später kamen auch Suchorte an der Isar im Raum Deggendorf hinzu. Heute wird dies noch als Hobby von Goldwäschern fortgeführt.

Gründung Deggendorfs In einer am 20. November 1002 ausgestellten Urkunde König Heinrichs II. für das Kloster Niedermünster in Regensburg wird Deggendorf erstmals urkundlich erwähnt.

Deggendorf wurde an einem natürlichen Donauübergang gegründet, der die Straße entlang der Isar nach Norden fortsetzte. Für die in Bayern herrschenden Geschlechter war das immer ein Grund, hier präsent zu sein. Im 11. Jahrhundert Techindorf genannt, erschien es um 1212 bereits als Stadt.

Mittelalter Mit dem Aussterben der Babenberger und der Grafen von Bogen (1242) setzten sich die Wittelsbacher in den Besitz der ehemaligen Grafschaft Deggendorf. Die Stadt wurde neu geordnet und geplant angelegt. Im Jahr 1280 wird erstmals eine hölzerne Brücke bei Deggendorf über die Donau erwähnt, sie gehört damit zu einer der ersten Brücken über die Donau. Mit Privilegien und Vergünstigungen wurde Deggendorf gefördert, bis es 1316 und 1320 mit dem Stadtrecht ausgestattet und damit der Prozess der Stadtwerdung auch verfassungsmäßig abgeschlossen wurde. Damit war Deggendorf für das Umland zu einem Anziehungspunkt für Markt und Handel geworden. Unter Herzog Heinrich XV. war Deggendorf kurzzeitig Residenzstadt des selbständigen Herzogtums Niederbayern-Deggendorf (1331–1332), das außer der Hauptstadt die Orte Cham, Dingolfing, Landau und Vilshofen umfasste. Er erhielt den Beinamen „der Natternberger“, da er sich vorzugsweise in Natternberg bei Deggendorf auf der gleichnamigen Burg aufhielt.

Im Jahr 1429 kam Deggendorf zum Herzogtum Bayern-München, 1496 eröffnete die erste Apotheke der Stadt. Im 16. Jahrhundert befand sich in Deggendorf eine der 16 Mautstellen des bayerischen Herzogs an der Donau zwischen Neuburg und Passau. mini|Kleiner Musterweinberg im Stadtwald zur Baierwein-Geschichte

Ab dem 13. Jahrhundert war der heutige Stadtteil Deggenau eines von vielen Weinanbaugebieten im Donautal. Auf dem Weinberg, dem Mühlberg und dem Geiersberg wurde für annähernd 400 Jahre an den Berghängen Wein angebaut. Hierbei handelte es sich um den „Baierwein“. Der erste urkundliche Beleg für einen Weinberg im heutigen Stadtgebiet stammt von 1149 und belegt einen Weinberg auf dem Mühlberg in Deggendorf.

Judenpogrom und Deggendorfer Gnad mini|hochkant|Grabkirche Deggendorf Die Geschichte der Stadt Deggendorf vom Mittelalter bis in die Neuzeit ist auch geprägt von der von Mitte des 14. Jahrhunderts bis Ende des 20. Jahrhunderts gefeierten Deggendorfer Gnad. Ausgangspunkt dieser Tradition war das Judenpogrom von 1338, in dessen Verlauf die jüdische Gemeinde Deggendorfs komplett vernichtet wurde. Den Juden war vorgeworfen worden, Hostien gemartert und in den Stadtbrunnen geworfen zu haben. Hintergrund des Pogroms waren Schuldbriefe und eine übergroße Verschuldung der Deggendorfer bei ihren jüdischen Mitbürgern. Der in Landshut regierende Herzog Heinrich erließ den Bürgern nach dem Pogrom alle ihre Schulden, die sie bei Juden gemacht hatten.Eder, 1992, S. 449. Explizit genannt werden Stadtpfarrer Johannes Satorius (1599–1609) und der Bayerische Herzog Albrecht (1584–1666). Um die den angeblichen Frevel der Juden schadlos überstandenen „Mirakelhostien“ entstand gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Legende vom „Hostienwunder“, wohl um das Judenpogrom nachträglich zu legitimieren. Zur Sühne, wohlgemerkt nicht des Pogroms, sondern der erfundenen frevelhaften Untaten der Juden, und zum Gedächtnis an die wunderbare Errettung der Hostien errichteten die Deggendorfer die Wallfahrtskirche zum Heiligen Grab, die Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul.

Ab 1960 gab es von mehreren Seiten Kritik an der Wallfahrt und der Deggendorfer Gnad, unter anderem veröffentlicht in der antiklerikalen Zeitschrift Werkhefte katholischer Laien. Die Deggendorfer Prozessionen und Veranstaltungen, die den einstigen Judenmord verherrlichten, fanden bis 1968 statt.Die Juden zu Deggendorf: Ein niederbayerisches Volkslied, auf: hagalil.com, 31. März 2009. Die Kritik an der fortbestehenden Wallfahrt ebbte trotz einer inhaltlichen Neuausrichtung nicht ab. Im Herbst 1991 wurde die Hostienfrevellegende, die der Deggendorfer Gnad zugrunde liegt, im Rundbrief der Regensburger Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit als „handfeste religiöse und politische Lüge, die Antijudaismus produzierte“ bezeichnet.Andreas Angerstorfer: Der lange Streit. Die südbayerischen Gesellschaften Augsburg, München, Regensburg und die „Degendorfer Gnad“. In: Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (Hrsg.): 50 Jahre Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. S. 73. Der damalige Bischof Manfred Müller ließ die Wallfahrt im März 1992 einstellen – nach Abschluss der einschlägigen Doktorarbeit des Kirchenhistorikers Manfred Eder an der katholischen Fakultät der Universität Regensburg.

Frühe Neuzeit mini|Ansicht der Stadt von Michael Wening, 1726 Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Bevölkerungsverluste. Zwei Drittel der Einwohner starben 1633/34 an der Pest. Während des Spanischen Erbfolgekriegs wurden Teile der Stadt in Brand gelegt und zerstört. Obwohl diese Ereignisse für Jahrzehnte ihre Spuren hinterließen, erstand Deggendorf als funktionierende Stadt mit Hilfe der Ressourcen des Umlandes schnell wieder.

Ein barockes Zeichen des daraus erwachsenen städtischen Selbstbewusstseins wurde mit dem Bau des Grabkirchenturmes 1722 gesetzt, der von Kunsthistorikern als einer der schönsten Türme in Bayern beschrieben wird und dem Stadtplatz seinen unverwechselbaren Charakter gibt. Während des Österreichischen Erbfolgekrieges brannte 1743 fast die gesamte Stadt nieder.

19. Jahrhundert