mini|300px|Blick vom Hohentwiel über Singen bis zum Untersee mini|300px|Scheffelstraße

Singen (Hohentwiel) () ist eine Stadt im Süden Baden-Württembergs, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Konstanz und 20 Kilometer nordöstlich von Schaffhausen in der Schweiz. Singen ist nach der Kreisstadt Konstanz die zweitgrößte Stadt des Landkreises Konstanz und bildet das Mittelzentrum für die umliegenden Hegau-Gemeinden. Seit dem 1. April 1956 ist Singen eine Große Kreisstadt.

Geographie Geographische Lage mini|Blick auf den Hohentwiel

Singen liegt im Hegau, nordwestlich des Bodensees am Fuß des Hohentwiels, eines Phonolithkegels (Vulkankegel), der zu den Hegaubergen gehört. Johannes Baier & Armin Scherzinger (2024): Der Phonolithdom Hohentwiel im Hegau. Aufschluss, Jg. 75, H. 4, S. 253–262. Zwischen der Stadt und dem Hohentwiel fließt die Radolfzeller Aach, welche in der Gemeinde Aach nördlich von Singen entspringt – das Wasser stammt größtenteils von der zwischen Immendingen und Möhringen und bei Fridingen versinkenden Donau – und nach Verlassen des Stadtgebiets westlich von Radolfzell in den Bodensee mündet. Im Südwesten des Gemeindegebiets verläuft die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.

Klima mini|Weinbau am Olgaberg des Hohentwiel, oberhalb des Hegau-Klinikums Singen

Im Jahr 2008 war gemäß der Wetterbilanz des Wetterdienstes Meteomedia der Singen um 250 Meter überragende Hausberg Hohentwiel mit 2057 Sonnenstunden Viertplatzierter im Ranking zum sonnenreichsten Ort in Deutschland.Spiegel Online: Wetterbilanz 2008, Tabelle Sonnenscheindauer vom 2. Januar 2009, abgerufen am 4. Januar 2009. Im Vorjahr hatte Singen mit 2142 auf dem Hohentwiel gemessenen Sonnenstunden den zweiten Platz in Deutschland erreicht.. In: Stuttgarter Zeitung online Neben der Wetterstation von Meteomedia auf dem Hohentwiel befindet sich in rund zwei Kilometer Entfernung die von Meteomedia genutzte Hegauer Wetterstation (Wetterstation Singen; ; ) eines anderen Netzes. Aufgrund der vielen Sonnenstunden auf dem Hohentwiel und des günstigen Vulkanverwitterungsgesteins ist am Hohentwiel Weinbau möglich. Der Hohentwiel ist mit über 500 m NN die höchste Weinlage Deutschlands.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Singen (Hohentwiel): Hilzingen, Mühlhausen-Ehingen, Volkertshausen, Steißlingen, Radolfzell am Bodensee, Moos, Öhningen und Rielasingen-Worblingen, die alle im Landkreis Konstanz liegen, und – mit einer Grenzlänge von ca. 180 m in einem Waldstück – Hemishofen in der Schweiz.

Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in die Kernstadt (40.925 Einwohner, 31. Dez. 2023) und die im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre hinzugekommenen ehemals selbstständigen Gemeinden Beuren an der Aach (1.513 Einwohner, 31. Dez. 2023) Bohlingen (1.957 Einwohner, 31. Dez. 2023) Friedingen (1.527 Einwohner, 31. Dez. 2023) Hausen an der Aach (890 Einwohner, 31. Dez. 2023) Schlatt unter Krähen (1.076 Einwohner, 31. Dez. 2023) Überlingen am Ried (1.817 Einwohner, 31. Dez. 2023).

Die Angaben der Einwohnerzahlen sind der Einwohnerstatistik der Stadt Singen entnommen.Einwohner Singen Statistiken

Zu einigen Stadtteilen gehören teilweise räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben. Ferner gibt es auch Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen: zur Kernstadt: Bruderhof, Am Duchtlinger Berg, Heinrich-Weber-Siedlung, Hohentwiel, Remishof, Waldheim zu Bohlingen: Ziegelhof zu Friedingen: Burg Hohenfriedingen, Leprosenhaus, Neuhaus, Riedmühle, Schlosshof zu Hausen an der Aach: Dornermühle zu Überlingen am Ried: Gaisenrain

Raumplanung Singen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Hochrhein-Bodensee, zu dessen Mittelbereich die Städte und Gemeinden Aach (Hegau), Büsingen am Hochrhein, Engen, Gailingen am Hochrhein, Gottmadingen, Hilzingen, Mühlhausen-Ehingen, Rielasingen-Worblingen, Steißlingen, Tengen und Volkertshausen des Landkreises Konstanz gehören. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit den Kantonen Schaffhausen und Thurgau in der Schweiz.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte In den 1950er Jahren wurde ein großes frühbronzezeitliches Gräberfeld entdeckt. Diese Entdeckung war namensgebend für die sogenannte Singener Gruppe. Sie ist etwa von 2300 bis 2000 v. Chr. nachweisbar und war in dem Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und dem Bodensee sowie im württembergischen Schwaben und in Bayerisch-Schwaben verbreitet. Sieben römische Fundmünzen datieren in eine Nachlimeszeit zwischen 341 und 354 n. Chr.Liste 3: Enddatierung der nachlimeszeitlichen Münzen in Südwestdeutschland. S. 423–430, hier S. 428. in: Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alamannia: Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. Verlag Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-017866-4. Auf der Gemarkung Bohlingen konnte ein römischer Gutshof nachgewiesen werden.Jürgen Hald: Von der Steinzeit bis zu den Alamannen – archäologische Funde in Radolfzell und den Ortsteilen. In: Stadt Radolfzell am Bodensee, Abteilung Stadtgeschichte (Hildegard Bibby, Katharina Maier) (Hrsg.): Radolfzell am Bodensee – Die Chronik. Stadler, Konstanz 2017, ISBN 978-3-7977-0723-9. S. 12–26.

Bis zum 19. Jahrhundert Singen wurde 787 als Sisinga erstmals urkundlich erwähnt.StiASG, Urk. I 95. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020. Besitzungen hatte unter anderem das Kloster St. Gallen. Ab dem 11. Jahrhundert waren Edelfreie erwähnt, die sich ab 1170/80 nach ihrer neu erbauten Stammburg, der Burg Hohenfriedingen, als Herren von Friedingen bezeichneten und bis 1461 die Herren über Singen blieben. 1466 gelangte der Ort an die Familie von Fulach, 1518 an die von Klingenberg, am 28. November 1530 an die Herren von Bodman, von denen es schließlich an Österreich verkauft wurde. 1571 waren wieder die Herren von Bodman die Ortsherren, dann ab 1607 die Herren von Reischach und schließlich 1632 wieder Österreich. Diese gaben Singen 1655 an Johann Gaudenz von Rost, der die Herrschaft Singen-Mühlhausen bildete. Diese gelangte durch Heirat an die Grafen von Enzenberg, die im 18. Jahrhundert in Singen ein Schloss errichteten. Als Teil der Grafschaft Nellenburg gehörten Dorf und Herrschaft Singen von 1465 bis 1805 zu Österreich.Herbert Berner (Hrsg.): Singener Stadtgeschichte. Band 2. Verlag des Südkurier, Konstanz 1990, ISBN 3-87799-090-8, S. 200 f. Mit dem Friedensschluss von Preßburg kam Singen 1805 an das zuerst württembergische Oberamt Stockach und 1810 im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden an das Großherzogtum Baden. Zunächst war Singen eine Gemeinde im Bezirksamt Radolfzell. Bei dessen Auflösung 1872 kam Singen zum Bezirksamt Konstanz.

Seit der Eröffnung des Bahnhofs 1863 mit dem Anschluss an das badische Eisenbahnnetz entwickelte sich Singen zu einer Industriegemeinde, die sich vor allem nach der Ansiedlung der Maggi-Gesellschaft Alimentana 1887 stark vergrößerte. Daher wurde durch Erlass des Innenministeriums des Großherzogtum Baden vom 11. September 1899 der Gemeinde Singen die Stadtrechte verliehen.

Anfang bis Mitte 20. Jahrhundert mini|Gewindeschneiderei, Georg Fischer Werk Singen (1904)

Zu Beginn der NS-Diktatur wurde im März 1933 die Herausgabe der SPD-Zeitung „Volkswille“, die im Verlagshaus Thurgauer/Ekkehardstraße hergestellt wurde, verboten. Das Gewerkschaftshaus in der Schwarzwaldstraße wurde mit dem Verbot der Gewerkschaften beschlagnahmt und die Arbeitersport-Vereine aufgelöst, die sich auf dem Schnaidholz-Sportplatz betätigt hatten. Diese und andere Vorgänge der Verfolgung und des Widerstandes werden seit 1989 in einem „Geschichtspfad“ nacherlebbar gemacht.

Singener Fluchtroute Die Singener Fluchtroute („The Singen Route“) in die Schweiz wurde vom holländischen Marineleutnant Hans Larive im Jahre 1940 bei seinem ersten Fluchtversuch aus dem Oflag VI-A in Soest entdeckt. Larive wurde in der Nähe von Singen nahe der Schweizer Grenze gefangen. Der ihn verhörende Gestapo-Offizier war so zuversichtlich, dass Deutschland bald den Krieg gewinnen würde, dass er Larive einen sicheren Weg über die Grenze beschrieb. Larive merkte sich diesen, und viele Gefangene entkamen später über diesen Weg. Dazu gehörten Larive selbst, Francis Steinmetz, Anthony Luteyn, Airey Neave, Pat Reid, und Howard Wardle, die alle aus Colditz geflohen waren.E.H. Larive: The Man who Came in from Colditz, ISBN 0-7091-4816-X.

Zwangsarbeiter mini|Stolperstein „August Ruf“

Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehrere tausend Frauen, Kinder und Männer nach Singen verschleppt und in der örtlichen Industrie, den Unternehmen Maggi, Aluminiumwerk Singen, der Georg Fischer AG und anderen Firmen zur Zwangsarbeit genötigt. Gegen Ende des Kriegs war jeder sechste Bewohner Singens ein Bürger der Sowjetunion. Sie lebten in 17 verschiedenen Lagern, eines davon auf einem Gelände in der Fittingstraße, auf dem heute die St. Theresienkapelle steht, unter der noch heute ein Strafbunker existiert. Ein „Ausländerehrenmal“ auf dem Waldfriedhof erinnert an fast 50 Opfer der Zwangsarbeit.

Zu den humanitären Helfern für zahlreiche verfolgte Hitler-Gegner und Juden über die Schweizer Grenze gehörten der römisch-katholische Pfarrer August Ruf und sein früherer Vikar Eugen Weiler. Nach der Entdeckung wurde Ruf verhaftet und starb 1944 an den Folgen der Haft, während Weiler das KZ Dachau überlebte. An Ruf erinnern ein Straßenname, eine Gedenktafel und ein Stolperstein.Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 83 f.

Bombardierung Am 17. Oktober und am 9. November 1944 gab es die ersten Bombardierungen. Der schwerste Angriff war am 25. Dezember 1944. Dabei flogen 38 zweimotorige US-Bomber vom Typ Martin B-25 Marauder der 320th Bombardment Group von Dijon aus einen Angriff auf Singen, bei dem 37 Menschen starben und fast 60 verletzt wurden. In der Endphase des Kriegs, am 22. und 23. Februar 1945, wurde bei der Operation Clarion auch Singen wieder bombardiert. Selbst am 21. April 1945, unmittelbar vor Kriegsende, gab es noch eine Bombardierung.Matthias Biehler: Erinnerung an eine Bescherung, die keiner wollte. In: Südkurier, 30. Dezember 2019, S. 21.

Man geht heute davon aus, dass die Singener Rüstungsunternehmen Maggi, Georg Fischer und die Aluminium-Walzwerke von Angriffen verschont blieben, weil diese Unternehmen schweizerischen Eigentümern gehörten. Die Innenstadt wurde umso schwerer zerstört.Alexander Michel: Welche Städte in Südbaden im Zweiten Weltkrieg bombardiert wurden In: Südkurier, 28. März 2019.

Nachkriegszeit Bei der Verwaltungsreform 1939 kam Singen zum Landkreis Konstanz und nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Stadt zum Land (Süd-)Baden, bzw. ab 1952 zum Regierungsbezirk Südbaden. In jener Zeit überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 20.000. Daher wurde Singen bereits mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 zur Großen Kreisstadt erklärt. Bei der Gemeinde- und Kreisreform Anfang der 1970er Jahre erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung.

Am 3. Mai 1977 wurden nach einer Personenkontrolle und anschließenden Schusswechseln die Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) Verena Becker und Günter Sonnenberg in Singen festgenommen.

Hohentwiel