Die Nibelungenfestspiele Worms (gebräuchliche Schreibweise: Nibelungen-Festspiele) sind ein Theaterfestival, das seit seiner Wiederbegründung 2002 alljährlich meist im Juli oder August im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz stattfindet. Aufführungsort ist eine Freiluftbühne direkt vor dem Wormser Dom. Als Gründungsintendant wurde Klaus Naseband eingesetzt. Von 2003 bis zur Inszenierung 2014 ist Dieter Wedel Intendant gewesen. Seit 2015 hat Produzent Nico Hofmann die Intendanz der Nibelungen-Festspiele inne.

Geschichte Während des „Dritten Reichs“ 1937 begründet, stand auf dem Spielplan der bis 1939 veranstalteten Nibelungenfestspiele ausschließlich Hebbels dreiteiliges Drama Die Nibelungen von 1861. Im Gründungsjahr hatte Joseph Goebbels die Schirmherrschaft übernommen, und Richard Weichert hatte Hebbels’ Werk in zwei Teile zusammengezogen.

1938 fanden die Festspiele vom 24. Juni bis 4. Juli statt. Es traten Agnes Straub als Kriemhild, Maria Koppenhöfer als Brunhilde, Jochen Poelzig (Sohn von Hans Poelzig) als Siegfried, Karl Zistig als Hagen sowie Max Nemetz als Etzel auf. Zu diesem Zeitpunkt war unklar, ob die Veranstaltung auch künftig im Jahresrhythmus stattfinden könnte. Gauleiter Jakob Sprenger von Hessen-Nassau erklärte sich jedoch zu dauerhafter finanzieller Förderung bereit.

1939 fand die Veranstaltung in der letzten Juniwoche unter der Gesamtleitung von Intendant Franz Everth statt. Wie in den Vorjahren war das Hessische Landestheater Darmstadt für die Durchführung verantwortlich. Regie hatte erneut Richard Weichert. Das ausdrückliche Ziel der NS-Propaganda lautete: „Der Stil der Aufführungen soll, stärker noch als bisher, die Treue als Absolutes in den Mittelpunkt stellen. Demgemäß wird der Darstellungsstil der Künstler noch mehr als es in den letzten Jahren geschah, ins Heroische gesteigert werden.“

Ein Wiederaufnahmeversuch der Festspiele im Jahr 1956 blieb ohne dauerhaften Erfolg.

Im Jahre 2002 gab es die erste Neuinszenierung der Nibelungenfestspiele, um Worms wieder als Festspielstadt zu etablieren. Theater- und Filmgrößen wie unter anderen Dieter Wedel, Mario Adorf und Maria Schrader wurden engagiert, um bundesweit Aufsehen zu erregen. In der Fassung von Moritz Rinke fanden am Südportal des Wormser Domes dann die ersten Festspiele statt. Im Sommer 2010 wurde aus finanziellen Gründen in einem kleineren Rahmen eine improvisierte Version der Festspiele „Teufel, Gott und Kaiser – Improvisationen über eine Zeit, in der das Nibelungenlied entstand“ auf dem Platz der Partnerschaft gespielt und das Ambiente in der Nähe des Kaiserdomes einbezogen. Im Jahre 2011, als die Nibelungenfestspiele ihr 10-jähriges Jubiläum feierten, gab es wieder eine große Aufführung vor dem Wormser Kaiserdom unter freiem Himmel. Dabei entfernte sich der Intendant und Regisseur erstmals von dem ursprünglichen Stoff der Nibelungen. Inszeniert wurde Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß.

Seit 2018 verleihen die Stadt Worms und die Nibelungenfestspiele den nach Mario Adorf benannten Mario-Adorf-Preis. Er wird an Schauspieler, Bühnenbilder, Regisseure oder andere Mitglieder der Nibelungenfestspiele verliehen, die sich durch außergewöhnliche künstlerische Leistung hervorheben. Adorf selbst gehört zum Kuratorium der Festspiele und sitzt in der Jury. Er initiierte 2002 unter anderem die Festspiele und wirkte selbst 2002 und 2003 als Schauspieler mit. Der Preis ist eine gläserne Stele mit einem Drachenmotiv des Illustrators Hendrik Dorgathen, außerdem ist er mit 10.000 Euro dotiert.

Inszenierungen Die Rinke-Inszenierung mini|Puls, Krol, Lindow (2004) Die beiden ersten Aufführungen 2002 und 2003 wurden von Dieter Wedel nach der Fassung von Moritz Rinke aufgeführt. Rinke wurde von der Stadt Worms beauftragt, das Hebbel-Stück zu dramatisieren, und schuf eine Neuinterpretation, ohne wirklich neu zu interpretieren. Die Begründung Rinkes und seiner Auftraggeber lautet: Er vermeide Patriotismus und schwäche verhängnisvolles Ehrgefühl ab, um so den bitteren Beigeschmack des von den Nationalsozialisten missbrauchten germanischen Mythos zu vermeiden. Das „nationalsozialistische Vorurteil gegenüber der Nibelungensage“ abzulegen, war eines seiner Ziele.

Anstoß erregte unter anderem die Schlussszene, in der Hildebrand sagt: „Noch niemals standen Männer Zusammen wie die Nibelungen hier Und was sie auch verbrochen haben mögen Sie habens gut gemacht durch diesen Mut Und diese Treue, die sie doppelt ehrt.“

Kritisiert wurde, dass Rinke die blinde Gefolgschaftstreue und übertriebenes Ehrgefühl, wie man sie vom Original und von anderen Fassungen her kannte, einfach wegließ, somit die unvermeidbaren Konsequenzen nicht klar als solche erkennen lässt und dass das Stück sich in dieser Form von der Intentionen des Dichters unterscheidet.

Dieter Wedel arbeitete 2002 eng mit Rinke zusammen. Die Fassung wurde insgesamt von über 50.000 Freispielgästen gesehen. Am 17. August, dem Tag der Theaterpremiere, übertrug 3sat mit einer ca. 30-minütigen Verzögerung in voller Länge die Live-on-tape-Aufzeichnung. Eine bearbeitete Fernsehfassung war am 29. September 2002 im ZDF zu sehen.Die Nibelungen: Das Theater-Event des Jahres 2002 in voller Länge auf 3sat.de

Die Hebbel-Inszenierung

In den Jahren 2004 und 2005 wurde die Inszenierung von Friedrich Hebbel aus dem Jahre 1861 aufgeführt. Hebbel brachte die 2379 vierzeiligen Aventiuren auf 5456 Zeilen Dialog. Durch die Dramaform wurde der Stoff gerafft. Einige Szenen und Details sind daher nur gekürzt vorhanden. Unter der Regie von Karin Beier wurden nun die Rollen der beiden Königinnen Brunhild und Kriemhild hervorgehoben. Sie wurden als Opfer der von Männern dominierten Politik dargestellt.

Neue Rinke-Inszenierung Von 2006 bis 2008 wurde eine neue Fassung der Nibelungensage, wiederum geschrieben von Moritz Rinke, gezeigt. Jedoch wurde jetzt das Stück in zwei Teilen aufgeführt. Im Jahr 2006 wurden Siegfrieds Frauen dargestellt. Das Stück endete mit Siegfrieds Tod. Im darauf folgenden Jahr 2007 konnten die Zuschauer Die letzten Tage von Burgund erleben. 2008 folgte eine Zusammenschau beider Teile im täglichen Wechsel. Erneut führte in allen Jahren Dieter Wedel Regie.

John von Düffels Komödie 2009 wurde erstmals eine komödiantische Bearbeitung des Nibelungenstoffs gegeben, Das Leben des Siegfried von John von Düffel. Regie führte Gil Mehmert. Zum zweiten Mal nach 2002 übertrug 3sat die Premiere im Fernsehen mit einer ca. 30-minütigen Verzögerung im Live-on-tape-Verfahren.ZDF-Theaterkanal und 3sat übertragen Nibelungen-Festspiele in Worms Wormser Zeitung vom 22. Juli 2009

Besetzungen 2002: Die Nibelungen {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Fassung: || Moritz Rinke

|Intendant: || Klaus Naseband

|Siegfried: || Götz Schubert

|Hagen: || Mario Adorf

|Kriemhild: || Maria Schrader

|Brunhild: || Judith Rosmair

|Giselher: || André Eisermann

|Gunter: || Wolfgang Pregler

|Gernot: || Josef Ostendorf

|Etzel und Burgwächter: || Hans Diehl

|Ute: || Susanne Tremper

|Dietrich v. Bern: || Uwe Friedrichsen

|Hunold: || Siegfried Kernen

|Ort: || Südportal des Doms

2003: Die Nibelungen {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Fassung: || Moritz Rinke

|Intendant: || Dieter Wedel

|Siegfried: || Götz Schubert

|Hagen: || Manfred Zapatka

|Kriemhild: || Maria Schrader

|Brunhild: || Wiebke Puls

|Etzel und Burgwächter: || Hans Diehl

|Giselher: || André Eisermann

|Gernot: || Josef Ostendorf

|Ortwin v. Metz: || Joachim Nimtz

|Ute: || Susanne Tremper

|Sindold: || Christoph Grunert

|Hunold: || Siegfried Kernen

|Sprecher Prolog: || Mario Adorf

|Ort: || Südportal des Doms

2004: Die Nibelungen – Ein deutsches Trauerspiel

{| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Karin Beier

|Fassung: || Friedrich Hebbel

|Intendant: || Dieter Wedel

|Siegfried: || Martin Lindow

|Hagen: || Manfred Zapatka

|König Etzel: || Itzhak Fintzi

|Rüdiger: || Michael Wittenborn

|Kriemhild: || Maria Schrader

|Brunhild: || Wiebke Puls

|Giselher: || André Eisermann

|Gunther: || Joachim Król

|Ort: || Nordportal des Doms

2005: Die Nibelungen – Ein deutsches Trauerspiel {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Karin Beier

|Fassung: || Friedrich Hebbel

|Intendant: || Dieter Wedel

|Siegfried: || Götz Schubert

|Hagen: || Manfred Zapatka

|Kriemhild: || Maria Schrader

|Brunhild: || Wiebke Puls

|Giselher: || André Eisermann

|Gunther: || Joachim Król

|Gernot: || Sebastian Hufschmidt

|Ort: || Nordportal des Doms

2006: Die Nibelungen – Siegfrieds Frauen {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Fassung: || Moritz Rinke

|Intendant: || Dieter Wedel

|Siegfried: || Robert Dölle

|Hagen: || Wolfgang Pregler

|Kriemhild: || Jasmin Tabatabai

|Brunhild: || Annika Pages

|Giselher: || Christian Nickel

|Gunther: || Roland Renner

|Gernot: || Robert Joseph Bartl

|Isolde: || Sonja Kirchberger

|Burgwächter/Erzähler || André Eisermann

|Ort: || Südportal des Doms

2007: Die Nibelungen – Die letzten Tage von Burgund {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Fassung: || Moritz Rinke

|Intendant: || Dieter Wedel

|Kriemhild: || Jasmin Tabatabai

|Brünhild: || Annika Pages

|Hagen: || Dieter Mann

|Giselher: || André Eisermann

|Gunther: || Roland Renner

|Gernot: || Sven Walser

|Sindold: || Tilo Keiner

|Ortwin von Metz: || Frank Röth

|Hans, der Bote: || Andreas Bisowski

|Rüdiger: || Ilja Richter

|Dietlinde, Rüdigers Tochter: || Dominique Voland

|Dietrich von Bern: || Jörg Pleva

|König Etzel: || Dieter Laser

|Sylva: || Anouschka Renzi

|Magd: || Laina Schwarz

|Der Junge Hauptmann: || Mark Hinkel

|Ort: || Nordportal des Doms

2008: Die neuen Nibelungen – „Siegfrieds Frauen“ und „Die letzten Tage von Burgund“ {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Fassung: || Moritz Rinke

|Siegfried: || Robert Dölle

|Kriemhild: || Annett Renneberg

|Brünhild: || Meret Becker

|Ute: || Susanne Tremper

| Hagen: || Uwe Bohm

|Volker v. Alzey: || Walter Plathe

|Giselher: || André Eisermann

|Gunther: || Roland Renner

|Gernot: || Sven Walser

|Sindold: || Tilo Keiner

|Hans, der Bote: || Andreas Bisowski

|Rüdiger: || Ilja Richter

|Dietlinde, Rüdigers Tochter: || Dominique Voland

|Dietrich von Bern: || Jörg Pleva

|König Etzel: || Dieter Laser

|Sylva: || Anouschka Renzi

|Magd: || Laina Schwarz

|Der Junge Hauptmann: || Mark Hinkel

|Ort: || Nordportal des Doms

2009: Das Leben des Siegfried {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Intendant: || Dieter Wedel

|Regie: || Gil Mehmert

|Fassung: || John von Düffel

| Hagen: || Christoph Maria Herbst

| Siegfried: || André Eisermann

| Seefred: || Mathias Schlung

| Kriemhild: || Susanne Bormann

| Brünhild: || Nina Petri

| Frigga: || Inga Busch

| Gunther: || Gustav Peter Wöhler

| Tuborg: || Gennadi Vengerov

|Ort: || Westchor des Doms – Platz der Partnerschaft

2010: „Teufel, Gott und Kaiser“ – Improvisationen über eine Zeit, in der das Nibelungenlied entstand {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Gesamtleitung:  |Dieter Wedel |- valign="top" | Schauspieler: |Meret Becker, Roland Renner, Peter Striebeck, Heinz Hoenig, Dirk Bach, Steffi Plattner, Tilo Keiner, Dominique Voland, Anouschka Renzi, Alexandra Kamp, Joern Hinkel

|Musik: || Ludwig Auwald

|Ort: |Westchor des Doms – Platz der Partnerschaft

2011: Uraufführung „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ {| border="0" cellspacing="1" cellpadding="1" |Regie: || Dieter Wedel

|Autor: || Joshua Sobol

|Intendant: || Dieter Wedel

|Musik: || Ludwig Auwald

|Joseph Süß Oppenheimer: || Rufus Beck

|Isaak Landauer: || Peter Striebeck

|Herzog Karl Alexander: || Jürgen Tarrach