mini|Luftaufnahme von Bühlertal mit Blick in die Oberrheinische Tiefebene mini|Gertelbach-Wasserfälle
mini|Blick auf das Weinanbaugebiet Engelsfelsen und Untertal mini|Untertal mit Bosch-Hochhaus, Kirche St. Michael, Weinanbaugebiete Grenisberg (rechts in der Mitte) und Sternenberg (rechts hinten)
Der staatlich anerkannte Luftkurort Bühlertal ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Rastatt.
Geografie Geografische Lage Bühlertal liegt im nördlichen Schwarzwald. Es erstreckt sich mit einer Fläche von 17,67 Quadratkilometer über das Tal des Bühlot-Baches und seine Nebentäler am Westhang des Nordschwarzwalds im Übergang zur Oberrheinischen Tiefebene in 127 bis 1035 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Der Bühlot-Bach wird weiter bachabwärts hinter der Nachbarstadt Bühl „Sandbach“ genannt.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Bühlertal gehören das Dorf Obertal, die Siedlungen Altenberg, Denni (mit Obertal zusammengewachsen), Boosweg (mit Obertal zusammengewachsen), Längenberg, die Weiler Buchkopf, Büchelbach (mit Butschenberg zusammengewachsen), Laube (mit Unter- und Obertal baulich verbunden), Liehenbach (mit Untertal baulich verbunden), Schafhof, Schönbüch (mit Obertal und Buchkopf baulich verbunden), Schwarzwasen, Seßgaß, Steckenhalt, Untertal, Wintereck und Wolfsbrunnen, die Zinken Eichwald, Freihöfen, Haaberg, Hatzenwörth, Hirschbach, Hof, Hungerberg, Klotzberg, Lachmatt, Matthäuser Schmelz und Sickenwald, das Gehöft Butschenberg und Häuser Gertelbach, Grasiweg, Holzmatt, Immenstein, Kohlbergwiese, Mittelberg, Oberer Plättig, Wiedenfelsen und Wolfshügel. Aufgegangen ist die 1492 erwähnte Ortschaft Mistgraben.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 155–157
Geschichte Bühlertal wird erstmals 1301 urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Eberstein. Nachdem die Markgrafen von Baden bereits seit 1536 im Ort begütert waren, fiel Bühlertal 1688 ganz an Baden. Dort gehörte es zum Bezirksamt Bühl, aus dem später der Landkreis Bühl wurde. Als dieser 1973 aufgelöst wurde, kam der Ort zum Landkreis Rastatt.
Kirchen Neben den römisch-katholischen Pfarrkirchen St. Michael im Untertal und Liebfrauen im Obertal gibt es die evangelische Christuskirche in der Gemeinde. mini|Liebfrauen-Kirche im Obertal mini|St. Michaels-Kirche im Untertal
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Bühlertal; abgerufen am 14. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Bühlertal. In: bnn.de, abgerufen am 18. Juni 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Bürgervereinigung (FBV) 34,4 % (−9,0) 6 (−2) CDU 34,1 % (+3,0) 6 (±0) SPD 23,4 % (−2,0) 4 (±0) Wählervereinigung Schwarzwald-Heimat Bühlertal 8,0 % (+8,0) 2 (+2) Wahlbeteiligung: 62,2 % (+0,3)
Bürgermeister
1832–1848: Georg Ziegler 1848–1863: Martin Strahl 1863–1869: Franz Müller 1869–1871: Franz Fritz 1871–1877: Konrad Kern 1877–1880: Franz Xaver Fritz 1880–1904: Reinhard Geiser 1904–1916: Reinhard Kern 1916–1919: Adolf Irth 1919–1921: Albert Bäuerle 1922–1931: Ernst Booz 1931–1945: Karl Fauth April 1945–August 1945: Alois Mildenberger September 1945–1964: Karl Braxmaier 1964–1992: Benno Huber 1992–2005: Jürgen Bäuerle, CDU 2005–2008: Michael Stockenberger 2008–2024: Hans-Peter Braun seit 2024: Urs Kramer
Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Bühlertal, Jürgen Bäuerle, wurde zum Landrat des Landkreises Rastatt gewählt. Dies erforderte Neuwahlen, aus denen im zweiten Wahlgang 2005 Michael Stockenberger, der ehemalige Ortsvorsteher der Reblandgemeinden um Baden-Baden, als Sieger hervorging. 2007 wurde er wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornographie vorläufig suspendiert. Stockenberger bestritt den Vorwurf, trat aber 2008 vom Amt des Bürgermeisters zurück. Bürgermeister war vom 1. September 2008 bis zum 31. August 2024 Hans-Peter Braun, er wurde 2016 wiedergewählt. Bei der Bürgermeisterwahl 2024 trat er nicht erneut an. Am 30. Juni 2024 wurde Urs Kramer mit 84,3 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. September 2024 an.
mini|Wappen der Herren von Windeck (Ortenau)
Wappen Blasonierung: In Blau ein goldener (gelber) Schrägbalken, überdeckt mit einem silbernen (weißen) Herzschild, worin der schwarze lateinische Großbuchstabe B, links oben ein silbernes (weißes) Lichteck. Das Generallandesarchiv Karlsruhe hatte dieses Wappen als Modifizierung des Wappens der Herren von Windeck 1895 vorgeschlagen, die Modifizierung bestand in einem Herzschild mit dem Buchstaben B für Bühlertal.
Partnerschaften Mit dem französischen Faverges ist Bühlertal seit 1990 partnerschaftlich verbunden.
Es finden regelmäßige Ausflüge von Bühlertäler Vereinen und Schulklassen nach Faverges statt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Das Museum Geiserschmiede wurde mit großem ehrenamtlichem Engagement in einer ehemaligen Hammerschmiede eingerichtet. Neben der Ortsgeschichte wird das traditionelle Handwerk des Schmieds in Ausstellung, Vorführung und interaktiven Medien erläutert. Es wurde 2002 vom Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Karlsruhe e.V. als Vorbildliches Heimatmuseum ausgezeichnet.
Sport Aus dem Bühlertäler Karate & Judo Verein Budo Kai kommt die vierfache Karate-Weltmeisterin Britt Grossmann geb. Weingand.
Die englische Fußballnationalmannschaft trainierte während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Bühlertäler Mittelbergstadion und gastierte zu dieser Zeit ganz in der Nähe, im Schlosshotel Bühlerhöhe.
Der Ortsteil Bühlertal-Hundseck ist jährlich im Juli Startort des Hornisgrinde-Marathons, der seit 1973 durchgeführt wird und eine der ältesten Marathonveranstaltungen in Deutschland ist.
Der Internationale Hundseck-Berglauf, bei dem auf einer Strecke von 9,5 km eine Höhendifferenz von 776 m zu bewältigen ist, wird im Mai eines jeden Jahres ausgetragen und findet seit 1977 ununterbrochen statt. Er ist damit einer der ältesten Bergläufe Deutschlands.
2012 war Bühlertal Austragungsort der 12. Senioren-Weltmeisterschaft im Berglauf.
In Bühlertal gibt es den ältesten Hornschlittenclub Europas. Der Hornschlittenclub e.V. Bühlertal-Liehenbach wurde 1938 gegründet. Seither führt er Hornschlitten-Rennen durch. Wegen Schneemangels konnten seit 2010 die Rennen leider nicht mehr jeden Winter stattfinden. Der Verein pflegt jedoch das Brauchtum z. B. durch die Beteiligung der Vereinsmitgliedern in der lokalen Tracht bei regionalen Festen und Umzügen. mini|289x289px|Tracht des Hornschlittenclubs
Vereine Es gibt über 50 Vereine, die Kultur, Musik, Sport, Fastnacht, Brauchtum und soziales Engagement pflegen.Neubürgerbroschüre (PDF), S. 38 ff, auf total-lokal.de, abgerufen am 15. Juli 2024 Der Schwarzwaldverein Hornisgrinde wurde im Jahr 1925 gegründet und widmet sich der Pflege von Natur, Heimat und Wanderkultur in der Region.
Regelmäßige Veranstaltungen In Bühlertal werden das ganze Jahr über viele Feste gefeiert. Weit über die Grenzen der Gemeinde bekannt sind das Bühlotelfeschd und die Heckenfeste, welche vom Musikverein Bühlertal und dem Verkehrsverein veranstaltet werden. Zahlreiche Fastnachtsvereine laden auf unterschiedlichsten Veranstaltungen zum Feiern ein, nicht nur während der Fastnachtszeit.
Am 3. Oktober lädt der Ort im Rahmen und zum Abschluss der fast vierwöchigen Weinwochen zum Wandertag mit Einkehr, Verkostung und kulinarischen Themen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ort des früheren Bühlertalbahn-Bahnhofs Bühlertal-Untertal Bühlertal ist durch den Autobahnzubringer, der sich zum großen Teil auf der früheren Trasse der stillgelegten und zurückgebauten Bühlertalbahn befindet, an die Rheintal-Autobahn A 5 und an die Bundesstraße 3 angebunden. Ganz Bühlertal ist mit Ausnahme der Landesstraße L83 und der Liehenbachstraße eine flächendeckende Tempo-30-Zone.
Wirtschaft Die Gewerbe der Gemeinde waren vor dem Zweiten Weltkrieg fast ausschließlich auf Land- und Forstwirtschaft ausgerichtet. Heute gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe. Die meisten Landwirte arbeiten hauptberuflich in den Industrie- und Gewerbebetrieben der Region und bearbeiten ihre Flächen in ihrer Freizeit. Der Obstanbau wird nach wie vor intensiv gepflegt. Die vorwiegend angebauten Obstarten sind Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren sowie Äpfel und Birnen, Die in unter anderem in Bühlertal angebaute „Bühler Frühzwetschge“ ist überregional bekannt. Für die Landwirtschaft von Bühlertal von größerer Bedeutung ist jedoch der Weinbau (mehr dazu im Unterkapitel „Weinbau“ weiter unten). mini|Haus des Gastes Die ersten Industriebetriebe, die sich im Bühlertal niederließen, waren Sägewerke (z. B. die Firmen von Konrad Kern, Joseph Baumann und Karl Grethel), die das Holz des Schwarzwalds verarbeiteten. Im Laufe der Zeit waren es bis zu acht Stück. Das von ihnen verarbeitete Holz wurde mit Hilfe der von 1896 bis 1959 betriebenen Bühlertalbahn in Richtung Bühl abtransportiert. Die Sägerwerke sind heute alle nicht mehr in Betrieb. Auf den Flächen der drei größten ehemaligen Sägemühlen befinden sich heute das 1983 eröffnete Veranstaltungsgebäude „Haus des Gastes“Ulrich Coenen: Das Haus des Gastes in Bühlertal – Eine Festhalle der Architekten Heinz Gaiser und Bruno Feigenbutz In: Die Ortenau – Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelbaden 89 (2009), S 469–474. Onlineversion auf dem Server der Badischen Landesbibliothek (ehemals „oberes Sägewerk“ Kern), das Freibad (ehemals „unteres“ Sägewerk Kern), sowie ein großer Lebensmittelmarkt im Untertal (ehemals Sägewerk Baumann). mini|Relikt aus der Boom-Zeit der Sägewerke: Villa des Sägerwerks-Besitzers Baumann am Ortseingang des Untertals aus dem Jahr 1902 im Stil des Historismus.
Hinzu kamen zahlreiche Mühlen entlang der Bühlot, die heute alle nicht mehr existieren. Das Wasser der Bühlot trieb auch einige Hammerschmieden an (z. B. die Geiserschmiede), die das Eisen einer lokalen „Eisenschmelz“ verarbeiteten. Ferner gab es von 1906 bis in die 1950er Jahre eine Zigarrenfabrik (Firma August Schweitzer), die Tabak verarbeitete, der im benachbarten Oberrheintal kultiviert wurde.
Der größte Arbeitgeber am Ort entwickelte sich aus der ehemaligen Engelsmühle, welche 1938 vom verstorbenen Ehrenbürger Bühlertals Otto Mühlschlegel erworben wurde. Er baute unter dem Firmennamen Autotechnische Vertriebs- und Organisationsgesellschaft, AVOG ein feinmechanisches Werk auf, das seit 1964 zur Robert Bosch GmbH gehört. In Bühlertal befindet sich heute die Leitung des Bosch-Geschäftsbereiches Electrical Drives (elektrische Antriebe) einschließlich der Entwicklung. mini | rechts | Bosch-Werksgelände Neben der Robert Bosch GmbH und kleineren Handwerksbetrieben ist die Gemeinde heute vom Tourismus geprägt. Förderlich für den Tourismus waren in den letzten Jahren die Gründung des Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord im Jahr 2000 und die Errichtung des Nationalpark Schwarzwald im Jahr 2014. Im Naturpark-Info-Shop im Haus des Gastes kann man sich über Wandermöglichkeiten in Naturpark und Nationalpark informieren.
Weinbau In Bühlertal werden besonders Rebsorten zur Herstellung von Spätburgunder (bzw. Pinot Noir), Riesling, Müller-Thurgau und Traminer angebaut. Seit den 1920er Jahren waren die meisten Bühlertäler Winzer in der Winzergenossenschaft Bühlertal und ab 1970 in der Winzergenossenschaft Neuerweier-Bühlertal organisiert. Diese fusionierte im Jahr 2012 mit der damaligen Winzergenossenschaft Varnhalt. Die neue Genossenschaft nennt sich Affentaler Winzer eG. Sie vertreibt die Weine über das Baden-Badener Weinhaus am Mauerberg.