mini|Forellenfarm in Wales mini|Forellenfarm in Frankreich mini|Kommerzielle Erzeugung von Regenbogenforellen in Kroatien mini|Fließkanal einer Forellenfarm in Ohio mini|Regenbogenforellen bei der Fütterung mini|Forellen in einem Becken mini|Forellensetzlinge in einem Aufzuchtbecken mini|Zeichnung von Forellenhälterbecken mini|Ablaichen von Regenbogenforellen mini|Verkaufsfähige Regenbogenforellen mini|Portionsforellen Die Forellenproduktion gehört neben der Karpfenproduktion zu den weltweit wichtigsten Zweigen der Aquakultur.

Regenbogenforelle Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss) gehören aufgrund ihrer relativ einfachen Haltung zu den wirtschaftlich wichtigsten Nutzfischen in der Forellenproduktion. Diese Art wird bereits seit über 100 Jahren nach ihrer Einführung aus Nordamerika nach Europa weltweit züchterisch bearbeitet. Die Gründe dafür sind: hohe Stresstoleranz innerhalb der Salmoniden bei geringer Krankheitsanfälligkeit für einen breiten Bereich von Wassertemperaturen angepasst große genetische Variation in einem weltweit gut erhaltenen Genpool großes Potential in Produktvariation wohlschmeckendes Fleisch mit ansprechender Färbung und geringem Fettanteil geringer FCR (feed conversion ratio), also eine gute Futterverwertung relativ hohe Überlebensrate der Forellenbrut und kostengünstige Reproduktion In Meerwasser gehaltene Regenbogenforellen ab ca. drei Kilogramm Gewicht, pigmentiertem Fleisch und einer silbrigen Färbung werden beim Verbraucher zunehmend zu einer Alternative zum Lachs.

Wirtschaftlichkeit Eines der bekanntesten Länder für die Erzeugung von Regenbogenforellen ist Dänemark. Jährlich werden dort auf etwa 275 Forellenfarmen ca. 31.000 Tonnen Fisch im Süßwasser und 9.000 Tonnen im Meereswasser erzeugt. Die Forellenerzeugung an der Aquakultur hat in Dänemark einen Anteil von etwa 20 %. 300 Millionen Forelleneier werden weltweit exportiert. Die Wertschöpfung liegt bei 40 % im gesamten dänischen Fischereisektor und erreicht einen Marktwert von 900 Millionen dänischen Kronen.Alfred Jokumsen und Lars M. Svendsen: Farming of Freshwater Rainbow Trout in Denmark, 2010 Forellenfarmen in Dänemark obliegen der Statuary Order for Fish Farms und sind bestimmten Umweltauflagen unterworfen. In den Jahren 2007–2013 wuchs die Aquakultur in Dänemark auf eine Produktion von 115.000 Tonnen Fisch an, wobei der Nitrateintrag durch die fischereiliche Bewirtschaftung um 40 % je Kilogramm erzeugten Fisch reduziert werden konnte. Die Wirtschaftlichkeit einer Forellenfarm wird maßgeblich von folgenden Faktoren bestimmt: professionell gestaltetes System, Ausrüstung von hoher Qualität, erfahrenes und gut ausgebildetes Personal, Fischfutter von hoher Qualität und die Nähe zum Absatzmarkt. Die Marktnachfrage wird durch Produktdifferenzierung und damit einer Erzielung höherer Marktpreise erreicht. Abnehmer von Forellenfarmen können Verbraucher, fischverarbeitende Betriebe sein, bei Besatzfischen aber auch Angelvereine und Angelteichbetreiber (Put&Take Angelteiche). Die Forellenproduktion in einigen Ländern ist arbeitsteilig organisiert. Forellenzüchter und Forelleneierproduzierende Betriebe (z. B. die Firma AquaSearch ova Aps in Billund, oder Troutex in FredericiaHomepage des dänischen Aquakulturunternehmens Troutex Dänemark) beliefern Mastbetriebe. Das weltgrößte Unternehmen in der Erzeugung von Regenbogenforellen ist die Firma Clear Springs Foods im US-Bundesstaat Idaho.Homepage der Firma Clear Springs Foods

Produktionsverfahren Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen klassischer Teichwirtschaft oder geschlossenen Kreislaufsystemen wie z. B. in Kunststofftanks (z. B. IRAS-Kreislaufanlagen mit „Nitrifikation“ und „Denitrifikation“ im ZuchtbeckenFa. Agintec, Fischzucht-Kreislaufanlagen, Schaubild einer Kreislaufanlage). Moderne Forellenfarmen, vor allem in Dänemark, sind meist nach dem Rezirkulationsprinzip (FREA – Fully Recirculated Aquaculture) aufgebaut.

Fischaufzucht Forellen in dänischen Betrieben sind in der Regel mit drei Jahren geschlechtsreif, Milchner häufig schon im zweiten Lebensjahr. Die Geschlechtsreife ist von erblicher Veranlagung und den Umweltbedingungen (Fütterung, Lichtintensität, Tageslänge, Temperatur etc.) des Forellenzuchtbetriebes abhängig. Unter natürlichen Bedingungen nimmt die Tageslänge von Januar bis Juni auf 18 Stunden Tageslicht und sechs Stunden Dunkelheit zu; bei steigenden Wassertemperaturen von 7 °C auf 15 °C. Aus fischereilicher Perspektive sind Forellen mit verspäteter Reife vorzuziehen, denn reife Fische (v. a. Milchner) zeigen eine erhöhte Aggressivität, bei reduzierter Tageszunahme und abnehmender Fleischqualität. Aus züchterischer Perspektive ist eine verkürzte Reifezeit bevorzugt, da sie das Generationsintervall verkürzt und den gesamten Züchtungsprozess beschleunigt. Die Züchtungsarbeit konzentriert sich auf vererbbare Faktoren, wobei die Umweltbedingungen möglichst gleich gehalten werden. Für die Zucht bedeutsame Elterntiere werden mit PITpassive integrated transponder-Tags markiert. Bei der Fischaufzucht werden sowohl Durchfluss- als auch Wasserzirkulationssysteme verwendet. Das Wasser wird mit Luft angereichert und mit Filtern von Abfallstoffen befreit. Dabei wird die Wassertemperatur auf konstant 7 °C gehalten. Um Krankheitserreger, welche die Fischbrut bedrohen, abzutöten, können Verfahren zur UV-Licht-Sterilisation zur Verwendung kommen. Der Fischlaich wird in Inkubatoren bebrütet. Das Ablaichen wird mechanisch durch die Methode des „Stripping“ stimuliert. Dabei werden die anästhesierten Rogner mit der Hand abgestreift und in einem Behälter zusammen mit der Milch (Sperma) vermischt. Im Bruthaus erfolgt dann die Bebrütung der befruchteten Fischeier. Fischembryonen sind bei 4 – 6 °C Wassertemperatur nach ca. 25 Tagen erkennbar.Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft, Vermehrung und Erbrütung von Forellen Ein Rogner kann ca. 1.500 bis 2.000 Eier pro Kilogramm Lebendgewicht erzeugen, rund 10.000 Eier pro Liter. Um die Ausfallrate (z. B. Pilzbefall „Saprolegnia“) bei den Fischembryonen zu reduzieren, sollte mit Formaldehydlösung desinfiziert werden. Aus den Fischeiern schlüpfen Jungfische, die an der Wasseroberfläche in Schwärmen nach Nahrung suchen. Quell- oder Brunnenwasser ist ideal, um pathogene Bedingungen zu vermeiden. Die Jungfische werden mit kleinen Granulatpellets (ca. 0,5 mm) gefüttert. Die Fingerlinge haben bereits Gewichte von ca. 5 Gramm. Der pH-Wert für die „Fingerlinge“ sollte zwischen 6,5 und 8 liegen. In den unterschiedlichen Produktionsstufen unterscheidet man zwischen befruchteten Fischeiern, Augenausbildung bei Fischeiern, Brut mit Dottersack, schwimmfähiger Brut, Brutfische, Fingerlinge und schlachtreifen Portionsforellen.

Fütterung Bei der Fütterung sind die Forellenhalter bestrebt, den saisonalen Schwankungen des Biomassezuwachses durch geeignete Fütterung entgegenzusteuern. Der höchste Biomassezuwachs ist nach einem Alter von sechs Monaten erreicht, danach sinkt er wieder. In der Forellenfütterung ist die spezifische Wachstumsrate (SGR – specific growth rate) die bestimmende Größe: SGR = (exp ((lnWt – lnW0)/(T1 – T0)) – 1) * 100 W0: Biomasse zu Beginn der Periode; W1: Biomasse am Ende der Periode; T1 – T0: Fütterungstage innerhalb der Periode Die Futterumsatzrate (FCR) wird wie folgt bestimmt: FCR = zugeführtes Futter (kg)/Wachstumszunahme (kg) Nach den dänischen Bestimmungen darf die FCR den Wert von 1,00 nicht übersteigen. Man unterscheidet dabei zwischen kontrollierter Fütterung und Ad-libitum-Fütterung. In der Praxis hat sich die kontrollierte Fütterung durchgesetzt, auch um die Nichtverwertung von Forellenpellets zu reduzieren. Für die Eiweißzunahme gilt: Für ein Gramm Protein werden drei Gramm Wasser gebunden. Heutzutage kontrollieren Futtercomputer die täglich rationierte Futterportion nach Fischgröße, Biomasse, erwarteter Futterverwertung, Wassertemperatur und möglichen Fischkrankheiten. Die Fütterung macht einen großen Teil der Kostenfaktoren in der Forellenproduktion aus. Die Futterzusammensetzung und der Gehalt an Protein, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralien variiert je nach Lebensalter und Größe der Forellen. Das Fehlen von bestimmten Nährstoffen, wie z. B. essentiellen Aminosäuren kann das Wachstum der Fische begrenzen. Kraftfutter-Pellets werden nach dem Verfahren der Extrusion hergestellt. Dabei sollte deren Bruttoenergiegehalt mindestens 5,8 Mcal/kg betragen. Die größte Futteraufnahme wird bei Wassertemperaturen zwischen 7 und 18 °C erreicht. Oberhalb von 18 °C sinkt die Nahrungsaufnahme rapide ab.

Hygienebedingungen und Fischkrankheiten Epidemieartige Fischkrankheiten sind eine große wirtschaftliche Bedrohung für alle intensiv bewirtschafteten Fischfarmen, wo Nutzfische auf engem Raum gehalten werden. Der Transport von Fischeiern und Fischen innerhalb der EU unterliegt bestimmten gesetzlichen Bedingungen zur Fischquarantäne. Dabei wird von Veterinären ein besonderer Augenmerk auf Virosen wie z. B. die Amerikanische Viruskrankheit, IHN (Infectious Haematopoietic Necrosis) oder VHS (Viral Haemorrhagic Septicaemia) gelegt. In der EU werden Gesundheitskategorien von I (krankheitsfrei) über II (in Überwachung) bis V (infiziert) vergeben. Krankheitserreger können Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten sein. Auch in der Forellenhaltung werden Antibiotika und chemische Additive zu deren Bekämpfung eingesetzt. Forellenbrut wird meist prophylaktisch gegen die Redmouth DiseaseRotmund-Krankheit (ERM) vakziniert. In Dänemark sank der Antibiotikaeinsatz von 2.400 Kilogramm (2003) auf 1.400 Kilogramm (2008). Als chemische Additive werden häufig Löschkalk (Calciumhydroxid), Wasserstoffperoxid, Kupfersulfat, Chloramine, Natriumcarbonat und Natriumchlorid verwendet, davon große Mengen an Formaldehyd. Der Einsatz von Formaldehyd als Gefahrstoff und cancerogene Substanz wird zunehmend kritisch gesehen.

Traditionelle Bewirtschaftungssysteme Man unterscheidet dabei zwischen intensiver und extensiver Bewirtschaftung. Bei der traditionellen Bewirtschaftung ist die Produktion vollständig abhängig von äußerlichen Faktoren. Die Forellenteichwirtschaft wird zu den Kaltwasserkulturen gerechnet und ist aufgrund des hohen Sauerstoffbedarfs der Fische häufig in bergigen Regionen angesiedelt.András Woynarovich, György Hoitsy und Thomas Moth-Poulsen: Small Scale Rainbowtrout Farming, FAO Fisheries and Aquaculture Technical Paper, 561 (engl.), Rom, 2011 Forellenteiche werden traditionell nach dem Durchflusssystem angelegt, bei dem die Frischwasserversorgung über ein Gefälle gewährleistet wird, welches aus einem Bach, Fluss oder See gespeist wird. Auch durch Dämme aufgestaute Fließgewässer wurden zur kommerziellen Forellenhaltung genutzt. Die Fischbecken können ebenerdige Teiche im Boden oder Betonbecken (viereckige oder kreisrunde Becken) sein. Auch Fließkanäle (Raceways) finden ihre Anwendung. Ursprünglich fand keinerlei Abwasserklärung statt. Abfallstoffe entstehen durch Fischkot, Ammoniakabgabe durch die Fischkiemen und durch den Abbau von nicht verbrauchtem Futter am Gewässergrund. 1989 erließ der Gesetzgeber neue Regelungen zur Forellenhaltung in Dänemark. So wurde beispielsweise die Ad-libitum-Fütterung stark eingeschränkt, die Futterqualität wurde spezifiziert. Außerdem wurden Nassfutter sowie Weichpellets verboten. Die Forellenhalter wurden außerdem dazu angehalten, dafür Sorge zu tragen, dass keinerlei größeren Nährstoffmengen oder chemische Substanzen in die Umgebung eingebracht wurden. Der Ausstoß an Stickstoff, Phosphor und organischer Substanz muss dokumentiert werden. Auch darf der Sauerstoffgehalt des in das Naturgewässer zurückgeführte Abwasser bestimmte Mindestgehalte nicht unterschreiten. Dies führte zu neuen umweltverträglicheren Technologien und einer effizienteren Nährstoffnutzung.

Moderne Bewirtschaftungssysteme