mini|Traditionell bewirtschafteter Karpfenteich im niederösterreichischen Waldviertel mini|Karpfenteich im Warren Mill Farm Park in Großbritannien mini|Ein Schuppenkarpfen mini|Schuppenkarpfen (oben) und Spiegelkarpfen mini|Ansicht der Kopfpartie mini|Karpfen als Nahrungsmittel mini|Traditioneller Silvesterkarpfen
Die Karpfenproduktion, die Vermehrung, Haltung und Mast von Cyprinus carpio, gehört neben der Regenbogenforellenproduktion zu den weltweit wichtigsten Zweigen der Aquakultur. In Europa gilt die Oberlausitzer Teichwirtschaft (Landkreis Görlitz) als größter Produktionsstandort.
Geschichte Der Karpfen stammt ursprünglich aus Asien beziehungsweise Kleinasien und hat sein Genzentrum von China über Zentralasien bis zum Schwarzen Meer.Karpfen, ein Sonderheft der Zeitschrift BLINKER, Alexander Jahr Verlag Heute findet man Wildkarpfen im Schwarzen Meer, Asowschen Meer und in der Kaspischen See. Außerdem in den Unterläufen der Ströme Dnepr, Wolga und Don. Die Fischart verbreitete sich in mehreren Stufen während der Eiszeit bzw. Zwischeneiszeit nach Europa. Für seine Ausbreitung nach Westen waren veränderte klimatische Bedingungen und damit verbunden höhere Wassertemperaturen Voraussetzung. Dabei kann zwischen natürlicher Verbreitung und anthropogener Einschleppung in fremde Gewässer nicht mehr eindeutig unterschieden werden. Die Expansion des Karpfens nahm in Europa ihren Ausgang aus dem Donauraum.Werner Steffens: Der Karpfen: Cyprinus carpio, Westarp Wissenschaften, 2008, ISBN 978-3-89432-649-4
Die Karpfenhaltung begann bereits in der Antike bei den Griechen und Römern und im Jahr 500 v. Chr. in China, wo der Ursprung seiner Domestikation gesehen werden kann. In dieser Zeit wurde der Karpfen zum Haustier beziehungsweise Nutztier. Durch die Teichhaltung der Mönche, die das Karpfenfleisch als FastenspeiseDer Karpfen half den Mönchen über die Fastenzeit hinweg nutzten, dehnte sich das Verbreitungsgebiet im Mittelalter (13. bis 15. JahrhundertSchülerlexikon Fischzucht) weiter aus. Man nimmt an, dass es v. a. in Nordbayern eine drei- bis viermal größere Anzahl an Karpfenteichen als heute gegeben hat. Die erste namentliche Erwähnung findet man aus der Zeit Karls des Großen.Patrick Götz: Karpfen in Franken im Mittelalter, eine wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung, Zulassungsarbeit, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Geschichte, 2009 () Auch in anderen Regionen Deutschlands deuten einige Namen noch auf diesen Ursprung hin.Kreis Stormarn: Mönchsteich: Hier züchteten Mönche einst Karpfen, Hamburger Morgenpost, von Nina Gessner
Im klimatisch begünstigten Niederschlesien, der Oberlausitz, Böhmen und Mähren wurden traditionell Karpfen erzeugt. Heute sind die Kerngebiete der Karpfenhaltung im europäischen Raum Russland, Ukraine, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Schweiz, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Niederlande, Deutschland und die Türkei. Traditionell konzentrieren sich die Teichwirtschaften im Bereich der Donau, Theiß, Drave und Save in Ungarn und im ehemaligen Jugoslawien.
Im Jahr 1514 führte Leonard Mascalwww.cipro.de, Karpfen den Karpfen in England ein und von dort aus in die USA (1831), Australien (1876), Kanada (1880), Südafrika (1897), Ägypten (1934) und Indien (1939). Aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit dieser Fischart konnte sich die Karpfenzucht weltweit verbreiten.
Wirtschaftlichkeit Weltweit werden nach Angaben der FAO 3,47 Millionen Tonnen Karpfenfleisch erzeugt.Gert Füllner, Matthias Pfeifer, Norbert Langner: Karpfenteichwirtschaft, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Freistaat Sachsen, 2007, ISBN 978-3-00-020931-4. (Digitalisat) Damit belegt der Karpfen nach dem Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) mit 3,99 Millionen Tonnen und Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) mit 3,91 Millionen Tonnen die Nummer drei in der globalen Aquakulturstatistik. Die Wachstumsrate in der Karpfenproduktion beträgt jährlich etwa 11 %.
In Asien hat die Züchtung von Cypriniden traditionell die größte Bedeutung. Weltweit größter Karpfenproduzent ist China mit 2,0 Mill. Tonnen, gefolgt von Indien. In neuster Zeit hat sich auch in Israel eine bedeutende Karpfenerzeugung entwickelt. Bedingt durch das Bevölkerungswachstum, die erhöhte Nachfrage nach Fischeiweiß, begrenzt jedoch durch den Wassermangel des Landes, was zu einer hochintensiven Nutzung geführt hat. Israelische Karpfenhalter erwirtschaften einen Flächenertrag von etwa 4.400 Kilogramm/Hektar.
In Europa ist derzeit Polen (Schlesien) mit 60.000 Hektar Teichfläche und einer Jahresproduktion von 20.000 Tonnen führend. Außerdem die Tschechische Republik (Rosenberger Teiche), Belarus, Rumänien und Kroatien. In Holland ist die Karpfenteichwirtschaft wegen starken Kormoranaufkommens nicht mehr möglich. Obwohl auch hier ein Rückgang (in Russland seit 1990 Reduktion der Karpfenteichwirtschaften um −75 %) zu verzeichnen ist, ist der Karpfen als Speisefisch in slawischen Staaten noch relativ beliebt, während der Konsum in Westeuropa rückläufig ist. International spielt der Karpfen nur in Asien und Europa eine größere Rolle, während er in Australien und Nordamerika als fremde, invasive Art betrachtet wird.
In Deutschland konzentriert sich die kleinbäuerliche Teichwirtschaft mit Karpfen im mittelfränkischen Aischgrund,Homepage der Teichgenossenschaft Aischgrund namentlich in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt und Neustadt-Bad Windsheim, wo in etwa 3.300 Teichen 25 % der Deutschen Speisekarpfen erzeugt werden. Grund für die Konzentration von Karpfenteichen sind die hohen Jahrestemperaturen in dieser Zone und das damit verbundene Wachstum der Karpfen. Außer in Bayern hat die Speisekarpfenproduktion in den Bundesländern Sachsen (Moritzburger Teiche, Oberlausitz) und Brandenburg eine größere Bedeutung. Dort herrscht im Gegensatz zu Süddeutschland zumeist die Betriebsform des Großbetriebes im Haupterwerb vor. In modernen Betrieben werden die betriebswirtschaftlichen Daten zur Karpfenproduktion wie z. B. Abfischungsdatum, Altersklassen, Stückzahl der Fische, Fischmasse in kg, und Verwendung wie Verkauf ab Teich, Verkauf ab Hälter im Jahresverlauf dokumentiert.
Speisekarpfen als regionale Marke Im Rahmen der Produktdifferenzierung werden auf dem Markt verschiedene Marken angeboten. Unter dem Oberbegriff der Marke Speisekarpfen haben sich diverse regionale Marken wie die österreichische Qualitätsmarke „Waldviertler Karpfen“, der „Aischgründer Karpfen“ oder der „Holsteiner Karpfen“ (800 Jahre Tradition in der Karpfenzucht) mit dem Zentrum in Reinfeld als Gütezeichen von Schleswig-Holstein etabliert.Holsteiner Karpfen, eine Delikatesse mit Tradition
Die Züchtung von Holsteiner Karpfen im Zisterzienserkloster in Reinfeld wurde erstmals im Jahr 1196 erwähnt.Der Karpfen ist jetzt eine Marke, TAZ, 29. August 2009 Seit 2007 war die Bezeichnung Holsteiner Karpfen – nach Förderung durch die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) – ebenso wie andere Spezialitäten der Region (Holsteiner Katenschinken, Kieler Sprotten etc.) als geographisch geschützte Angabe (g. g. A.) gesetzlich geschützt. Im Februar 2022 wurde die Eintragung jedoch auf Antrag des Verbandes der Binnenfischerei und Teichwirte Schleswig-Holstein e. V. mit der Begründung gelöscht, dass die wirtschaftliche Karpfenerzeugung aufgrund verschlechterter Rahmenbedingungen nicht mehr sichergestellt werden könne und erzeugende Betriebe ihren Eigenbedarf an Speisekarpfen nicht mehr selbst decken können. Gemäß der g. g. A. war bei Holsteiner Karpfen das Speisefischgewicht auf 1,5 Kilogramm bei einem Mindestalter von drei Jahren festgelegt. Auch für die Qualität des Fleisches existierten definierte Vorgaben an Farbe, Konsistenz und Fettgehalt. Entscheidend für die Herkunftsbezeichnung Holsteiner Karpfen war, dass die Fische in ihrem letzten Lebensjahr die Schlachtreife (Gewichtssteigerung um das Drei- bis Fünffache) in einem Schleswig-Holsteiner Gewässer (ca. 200 Familienbetriebe in Haupt- und Nebenerwerb auf einer Teichfläche von 2.000 Hektarorganisiert im Verband der Binnenfischer und Teichwirte Schleswig-Holstein e.V., Kiel) erreicht haben. Die Fütterung musste sich auf Getreide- und Sojaprodukte beschränken.
Produktionsverfahren Karpfen lassen sich bevorzugt in Gewässern mit höheren Wassertemperaturen, Schlamm- oder Sandgrund und Wasserpflanzen halten. Dabei ist von Vorteil, dass der Fisch auch geringere Sauerstoffgehalte (bis 4 mg/l) als beispielsweise Forellen toleriert. Das physiologische Optimum bei Karpfen liegt bei einer Wassertemperatur von 20 °C bis 28 °C, einem Sauerstoffgehalt von 5,0 bis 30 mg O2/l und einem pH-Wert von 7,0 bis 8,3.
Grundsätzlich wird zwischen extensiver und intensiver Bewirtschaftung unterschieden. Bei der extensiven Teichwirtschaft sind nährstoffreiche Gewässer ideal, da die Karpfen ihre Nahrung am Gewässerboden suchen. Durch das Gründeln der Karpfen am Boden wird viel Sediment im Wasser aufgewirbelt, was häufig zu einer Eintrübung des Gewässers führt. Der Nährstoffgehalt wird durch gezielte Düngung beeinflusst. Das Kalken der Teiche soll einer Übersäuerung vorbeugen. In stark sauren Gewässern wie in Torfstichen von Hochmooren ist die Karpfenhaltung nicht möglich.
Karpfenteiche sind natürliche oder künstliche Teiche, Weiher oder Seen kleiner bis mittlerer Größe, mit einer Mindesttiefe von 70 Zentimetern (flache Teiche ermöglichen bereits im Frühjahr eine schnelle Gewässererwärmung und Biomasseproduktion). Werden die Teiche im Winter nicht abgelassen, so ist eine Mindesttiefe von stellenweise 100 Zentimetern und mehr zu gewährleisten, um ein Absterben des Karpfenbestandes bei durchgehendem Frost und damit auftretenden Sauerstoffmangel zu verhindern; tiefe Teiche von über 150 Zentimetern Wassertiefe erwärmen sich im Frühjahr dementsprechend langsamer, haben dafür jedoch eine höhere Wärmespeicherkapazität, die im Herbst zum Abfischen der Speisekarpfen abgelassen werden können.
Hinsichtlich ihrer Wasserversorgung spricht man von Quellteichen (von Grundwasserquellen gespeist, meist Kaltwasser – Salmonidenteiche – und daher in der Regel für die Karpfenhaltung ungeeignet), Himmelsteichen (nur Niederschläge) oder Zuleiterteichen (Wasserzuführung aus Gräben). Bei der Anlage von Karpfenteichen sind zahlreiche gesetzliche Bestimmungen wie Wasserrecht, Naturschutzrecht, Fischereirecht, Tierschutzrecht, Veterinärrecht und Lebensmittelrecht zu beachten.
Innerhalb des Produktionsverfahrens werden Karpfenteiche nach Produktionsstufe in Laichteiche, Vorstreckteiche, Abwachsteicheauch Mastteiche Hälter und nicht abgelassene Winterteiche unterteilt. Karpfen tragen in ihrem ersten Jahr die Bezeichnung K0 (fressfähige Brut), im Frühjahr in den Monaten Mai/Juni Kv (vorgestreckte Brut) und im Sommer nach der Entwicklung in den Monaten Juli bis September K1 (einsömmrige Brut), im zweiten Jahr, in dem die Wachstumsperiode von April bis September dauert, K2 (zweisömmrige Setzlinge) und im dritten Jahr K3 (Speisekarpfen). Die Altersklassen der Fische werden aufgrund ihrer Nahrungskonkurrenz untereinander in der Praxis meist getrennt voneinander gehalten. Als Faustregel gilt: auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern lassen sich mit 10.000 Jungkarpfen nach Abzug der Verluste 1.000 Kilogramm Karpfenfleisch erzeugen.Tierpark, Karpfenzucht ist heute eine Wissenschaft
Mit der Wahl der Besatzdichte wird der Flächenzuwachs bestimmt. Stückzuwachs und Flächenzuwachs, beeinflusst durch Gewässerdüngungindirekte Düngung, da der Aufwuchs der organischen Masse im Karpfenteich gesteuert wird, wovon die Karpfen indirekt profitieren (hauptsächlich wachstumsbegrenzende Faktoren wie Stickstoff und Phosphor) als Intensivierungsmaßnahme, Fütterung und Wetterereignisse (Kalt- und Wärmeperioden) sind umgekehrt zueinander korreliert.
Fütterung