Der Südafrikanische Seebär (Arctocephalus pusillus) ist eine Art der Südlichen Seebären. Die Tiere kommen an der Küste des südlichen Afrika vom Süden Angolas über Namibia bis nach Südafrika sowie – trotz des irreführenden Trivialnamens – in den Küstenregionen des südöstlichen Australiens und den vorgelagerten Inseln um Tasmanien vor. Es handelt sich um die größte Art der Gattung und wie andere Seebären bilden sie zur Fortpflanzungszeit große Kolonien. Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen und sie sind polygyn, wobei die dominanten Männchen jeweils mehrere Weibchen begatten und gegenüber Konkurrenten verteidigen.

Die Tiere ernähren sich von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, zudem attackieren und erbeuten sie auch vereinzelt Pinguine und andere Meeresvögel. Zu ihren Fressfeinden gehören vor allem der Weiße Hai und der Schwertwal, Jungtiere an Land werden zudem von Schakalen und Hyänen erbeutet.

Merkmale Mit einer Länge von 200 bis 250 Zentimetern bei den Männchen und 120 bis 160 Zentimetern bei den Weibchen ist der Südafrikanische Seebär die größte Art der Gattung; der lateinische Artname pusillus bedeutet allerdings „winzig“, so dass sich auch der angesichts der Größe widersinnige Name „Zwergseebär“ für diese Art eingebürgert hat. Es gibt einen ausgeprägten Sexualdimorphismus, und die Männchen werden deutlich größer und schwerer als die Weibchen mit dem 3,5 bis 4,5-fachen Gewicht, sie können durchschnittlich 275 Kilogramm mit einem Maximum von 360 Kilogramm erreichen. Die Weibchen wiegen durchschnittlich etwa 60 Kilogramm und erzielen ein Maximalgewicht von 110 Kilogramm. Die beiden Unterarten entsprechen sich weitgehend in ihrem Körperbau, die Tiere der australischen Unterart sind im Schnitt etwas schwerer.

mini|links|Schädel eines Südafrikanischen Seebären

Die Färbung ist oberseits grau-braun mit sandbrauner Fleckung, zur Bauchseite wird sie mehr rötlich braun; die australischen Tiere sind in der Regel etwas dunkler als die afrikanischen. Bei den Weibchen und nicht ausgewachsenen Männchen ist das Brusthaar häufig blasser grau als bei den erwachsenen Männchen. Der Kopf der Tiere ist kräftig und rund, er besitzt eine vergleichsweise lange Schnauze und eine Nase, die vor dem Kiefer sitzt. Die Stirn ist bei den Männchen rund, bei den Weibchen mehr abgeflacht. Die Ohren sind deutlich erkennbar, die Schnurrhaare bei ausgewachsenen Tieren sind mittellang und weiß, sie können bis zu den Ohren reichen. Die Männchen haben kräftige Schultern und eine gut ausgebildete Mähne, die vom Nacken bis zur Brust reicht. Die Flossen besitzen ein kurzes borstiges Fell, das sich über die Gelenke und Knöchel bis auf die Oberseite erstreckt, die ansonsten von einer schwarzen ledrigen Haut überzogen ist.

Das Gebiss des Südafrikanischen Seebären besitzt auf jeder Seite drei obere und zwei untere Schneidezähne. Die ersten beiden oberen Schneidezähne sind vergleichsweise klein und zapfenförmig mit gut ausgeprägter Kerbe, der dritte ist kräftiger und eckzahnartig mit rundem oder ovalem Querschnitt. Dahinter liegt je ein gut ausgebildeter Eckzahn, der vor allem bei den Männchen sehr kräftig ist. Die nachfolgenden Zähne sind kleiner und homodont, also gleichgeformt. Dabei handelt es sich um je vier obere und untere kegelförmige Vormahlzähne und im Oberkiefer pro Seite je drei und im Unterkiefer je ein Backenzahn. Die Jungtiere werden mit einem Milchgebiss geboren, das in der Regel in den ersten Monaten ausgetauscht wird.

Verbreitung mini|295px|VerbreitungsgebietDunkelblau: Kolonien. Hellblau: wandernde Einzeltiere. Der Südafrikanische Seebär ist in zwei Unterarten zum einen entlang der südwestlichen und südlichen Küste Afrikas und zum anderen in den südöstlichen australischen Gewässern beheimatet. Die Verbreitungsgebiete beider Unterarten dehnen sich aus, wobei einige neue Kolonien erst in den 2000er Jahren gegründet wurden.

Tiere der Unterart A. p. pusillus gründen Kolonien an den Atlantikküsten Namibias (z. B. am Kreuzkap) und Südafrikas bis zur Algoa Bay. Außerhalb der Paarungszeit wandern Einzeltiere auch die Küsten bis zur Ilha dos Tigres in Angola hinauf und finden sich auf der subantarktischen Marion Island ein.

Die australische Unterart A. p. doriferus kommt an den Küsten Tasmaniens, New South Wales und Victorias bis nach Südaustralien vor, die Paarungsgebiete befinden sich traditionell auf den Inseln in der Bass-Straße. Außerhalb der Paarungszeit verstreuen sich die Robben an andere australische und tasmanische Küsten und einzelne Tiere können bis zu Kangaroo Island und der North Casuarina Island in der Großen Australischen Bucht vor Südaustralien gefunden werden. Für letztere konnten seit 2008 auch Jungtiere nachgewiesen werden, die hier geboren wurden.

Lebensweise mini|Männlicher Seebär an der Ostküste von Tasmanien mini|Kolonie Südafrikanischer Seebären Die Südafrikanischen Seebären leben in den flacheren bis tieferen Küstengewässern des Kontinentalschelfs sowie der vorgelagerten Meeresgebiete. Ihre Fortpflanzung findet an der Küste des Festlands und der Inseln des Verbreitungsgebietes statt. Sie bevorzugen dabei felsige Küstenregionen. Die Tiere unternehmen keine regelmäßigen saisonalen Wanderungen, in beiden Verbreitungsregionen verbleiben die Tiere meist im Bereich ihrer angestammten Lebensbereiche auf dem Schelf. Einzelne Tiere aus Südafrika wurden allerdings bis zu 220 Kilometer im freien Wasser von der Küste entfernt gesichtet und australische Seebären bis zu 160 Kilometer weit im offenen Ozean. Von der südafrikanischen Population nutzten 2004 etwa 75 % die drei Felsküsten des Kreuzkap, der Region Atlas Bay, Wolf Bay und Long Islands sowie Kleinzee zur Fortpflanzung, die australischen Tiere finden sich zu etwa 50 % auf Lady Julia Percy Island und Seal Rocks ein.

Im Wasser schwimmen die Tiere in der Regel allein oder in kleinen Gemeinschaften, während sie sich nur im Bereich der Kolonien zu größeren Gruppen zusammenfinden. Sie sind in der Lage, sehr schnell zu schwimmen und ähnlich wie Delfine in flachen Bögen aus dem Wasser zu springen. Die maximalen Tauchtiefen der australischen Tiere liegen bei etwa 165 Metern, die Tauchgänge können acht bis neun Minuten dauern. Milchgebende (laktierende) Weibchen tauchen bei der Nahrungssuche in der Regel in Tiefen von 65 bis 85 Metern und bleiben zwei bis vier Minuten unter Wasser, bevor sie zum Luftholen an die Oberfläche kommen. In Südafrika tauchen die laktierenden Weibchen meist in Tiefen von 40 bis 50 Metern, maximale Tauchtiefen liegen bei bis zu 200 Metern.

Ernährung Die Tiere ernähren sich wie alle Seebären karnivor von Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, die sie im Meereswasser jagen und erbeuten. Die an der südafrikanischen Küste lebenden Tiere jagen vor allem nach Beutetieren im Freiwasser, darunter Kap-Seehechte (Merluccius capensis), Makrelen, Snoek (Thyrsites atun), Sufflogobius bibarbatus, Sardinen und andere Schwarmfische, Kalmare und Krebse. Zudem bejagen sie Brillenpinguine (Spheniscus demersus) und andere Meeresvögel und es gibt mindestens einen dokumentierten Fall, in dem auch Blauhaie (Prionace glauca) von Seebären vor Südafrika erbeutet wurden.

Die australische Population ernährt sich dagegen zu einem großen Teil von benthischen Kraken und Tintenfischen neben Snoek oder Tiefseedorschen wie dem Pseudophycis bachus. Zudem wurde dokumentiert, wie Seebären einen Ornament-Teppichhai (Orectolobus ornatus) attackierten.

Die Nahrungssuche findet vor allem am Tag statt, nachts gehen die Tiere selten auf Jagd.

Fortpflanzung und Entwicklung Das Fortpflanzungsverhalten der Südafrikanischen Seebären entspricht dem anderer Seebären. Dabei erreichen die Männchen die Kolonien vor den Weibchen und bilden Territorien, einzelne dominante Männchen verpaaren sich später mit mehreren Weibchen (Polygynie) und überwachen und verteidigen diese gegen andere Männchen an den Fortpflanzungsstränden. Die Territorien an der Küste sind durchschnittlich etwa 62 Quadratmeter groß mit durchschnittlich neun Weibchen.

mini|Schlafendes Jungtier Die Paarungszeit reicht von Oktober bis Januar, in der Zeit werden die Jungtiere geboren und es kommt zu neuen Verpaarungen der Tiere. Die Tragzeit beträgt etwa 51 Wochen, sodass die im Vorjahr gezeugten Tiere nach etwa einem Jahr geboren werden. Dabei kommt es zu einer verzögerten Nidation der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut von etwa drei Monaten, um die Tragzeit zu verlängern. Etwa 70 % der geschlechtsreifen Weibchen sind pro Jahr nach der Paarungszeit trächtig. Die Tiere werden etwa 1,5 bis zwei Tage nach der Ankunft auf den Paarungsstränden geboren, wobei die meisten Geburten Anfang Dezember stattfinden. Bereits etwa neun Tage nach der Geburt sind die Weibchen wieder im Östrus und paarungsbereit.

Die Weibchen müssen nach der Geburt und während der Jungenaufzucht regelmäßig Nahrung aufnehmen und verlassen die Brutstrände entsprechend für Jagdzüge, die in der Regel 3,5 bis 7 Tage dauern. Danach bleiben sie einen bis sieben Tagen bei den Jungtieren und säugen diese. Die Jungtiere sind bei der Geburt 60 bis 80 Zentimeter lang bei einem Gewicht von fünf bis maximal zwölf Kilogramm. Sie werden meistens etwa ein Jahr gesäugt, in Ausnahmefällen jedoch auch bis sie zwei bis drei Jahre alt sind. Die Jungtiere sind nach der Geburt schwarz mit einem helleren Bauch. Sie verlieren ihr Geburtsfell nach einigen Monaten und werden grau-braun; nach etwa einem Jahr haben sie ihr normales Fell, das sich nur bei den Männchen weiter verändert. Die Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife nach etwa drei bis sechs Jahren, die Männchen nach sechs bis zwölf Jahren. Die Lebensdauer der Tiere wird auf maximal etwa 25 Jahre geschätzt, ein in Gefangenschaft gehaltenes Weibchen wurde 19 Jahre alt.

Fressfeinde und Krankheiten mini|Schabrackenschakale an einem Kadaver am Kreuzkap Zu den Fressfeinden der Seebären gehören vor allem große Haie wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) sowie Schwertwale (Orcinus orca). Angriffe von Weißen Haien auf Seebären erfolgen nach Analysen von mehr als 2500 dokumentierten Fällen nahe Seal Island, Südafrika, hauptsächlich in den Wintermonaten von Juni bis August. Die Häufigkeit der Angriffe nahm bei Nordwinden, bei Flut und in einem Umkreis von 400 Metern um die Insel deutlich zu, doch nahm die Erfolgsrate der Angriffe mit zunehmender Nähe zur Insel ab. Die Angriffe erfolgten in einem Tiefenbereich von fünf bis etwa 30 Metern, vor allem zwischen 25 und 30 Metern. Die Angriffshäufigkeit und die Erfolgsrate nahmen zudem bei geringer Beleuchtung signifikant zu. Um Angriffen durch Weiße Haie zu entgehen, vermeiden Robben vor Südafrika Aktivitäten zu Zeiten, in denen sie besonders leicht von den Haien entdeckt werden können. So fanden nach Untersuchungen in der Mossel Bay Schwimmaktivitäten im Winter vor allem nachts statt, wenn die Robben weniger gut gesichtet werden können. In Mondnächten schließen sie sich zudem zu größeren Gruppen zusammen, da die Haie dann wahrscheinlich besser sehen können und die Tiere durch die Gruppe besser geschützt sind.

Mit dem Rückgang der Weißen Haie als Hauptprädatoren kommt es vor Südafrika auch zu Angriffen anderer großer Haie auf die Seebären und insbesondere eine Zunahme der Attacken durch den Breitnasen-Siebenkiemerhai (Notorynchus cepedianus) ist dokumentiert. Andererseits passen sich die Seebären an die reduzierte Anzahl Weißer Haie und den damit einhergehenden reduzierten Jagdstress sowohl physiologisch wie auch in ihrem Verhalten an.