Werden (Waddisch Platt Wadden) ist heute ein Stadtteil im Süden der Stadt Essen. Als ehemalige selbständige Abtei-Stadt besitzt Werden bis heute eine historische Altstadt und viele Baudenkmäler. Den Stadtteil prägen lockere Wohnbebauung mit Handel und Gewerbe sowie Gebiete zur Naherholung im Ruhrtal. Historisch befand sich Werden, zusammen mit Kettwig und Mülheim an der Ruhr, an der Nordgrenze des bergischen Landes.
Geschichte mini|hochkant=1.5|Werden, 1581 (Braun-Hogenberg-Brachel)
Stift Werden Die Entstehung Werdens, der Name weist auf Furt oder Fähre hin, geht auf das Wirken des Hl. Liudger zurück, der am Ende des 8. Jahrhunderts (um 799) das Benediktinerkloster Werden gründete. Seitdem siedelten sich Menschen um das Kloster an. Im Jahre 1317 erhielt Werden die Stadtrechte, eigene Mauern und Tore.
In der Kellerei des Stiftes Werden ist im Heberegister Ende des 14. Jahrhunderts von der Flur under der Levendaell die Rede. Nach dieser Flurbezeichnung erhielt schließlich 1934 die alte Bahnhofstraße ihren Namen Im Löwental. Weitere Schreibweisen waren Leyendall, Lyevendaell oder Lewendaill. Ebenfalls ist hier ein Levenkotten und der Familienname Leve bzw. Leven bezeugt.Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, Essener Straßen, vom 5. Juli 2008
Im Jahr 1498 brannte fast die gesamte Stadt Werden nieder.
Die Stadtherren waren die Äbte von Werden. Das Kloster hatte ursprünglich eine große Zahl an Besitzungen, zu denen die heutigen Essener Stadtteile Bredeney, Heisingen, Schuir, Kettwig, Fischlaken, Heidhausen, Kupferdreh und Byfang sowie Hetterscheid im heutigen Heiligenhaus, auch als Werdener Land bezeichnet, gehörten. Im Jahre 1803 jedoch war es mit der Herrschaft der Äbte vorbei: Die Abtei wurde wie viele andere Klöster im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses säkularisiert.
Die Gebäude dienten von 1811 bis 1928 zunächst unter französischer, dann unter preußischer Verwaltung als Strafanstalt. Nach 1949 wurde die bereits 1927 gegründete heutige Folkwang Universität der Künste (Kunsthochschule für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft) darin untergebracht.
Bürgermeisterei In den Jahren 1879 bis 1880 entstand das Werdener Rathaus der damals noch selbständigen Stadt Werden. Es wurde nach Plänen des Kupferdreher Baumeisters Wilhelm Bovensiepen auf dem Grund des ersten Postwärteramts von Werden errichtet. Durch Umbau und Erweiterung der Essener Architekten Grosskopf und Kunz nahm das Rathaus in den Jahren 1912 und 1913 die heutige Form an. Für das neue Post- und Telegrafengebäude in der Straße Wesselswerth 11 wurde am 15. Februar 1879 der Grundstein gelegt.Essener Volkszeitung vom 16. Februar 1879 Es wurde damit gegenüber dem ebenfalls 1879 errichteten Amtsgerichtsgebäudes gebaut, das Wilhelm Bovensiepen entwarf. Heute befindet sich darin ein Bürger- und Jugendzentrum. Am 13. November 1881 wurde das Kriegerdenkmal auf dem Rathausvorplatz eingeweiht, geschaffen vom Werdener Künstler Wilhelm Albermann. Es erinnerte an die Gefallenen der Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 und entwickelte sich zum zentralen Schauplatz patriotischer Festlichkeiten. Nach der Eingemeindung von Werden zur Stadt Essen ist das Alte Rathaus bis heute die Verwaltungsstelle Essen-Werden. Gewohnt hat der Bürgermeister im sogenannten Bürgermeisterhaus in der Heckstraße 105, einer klassizistischen Villa, die 1833 von dem Industriellen F. Vogelsang erbaut und 2004 grundlegend renoviert wurde. Seit 1985 dient das Haus auch als Kulturstätte, beispielsweise für Lesungen und Kammerkonzerte.www.essen.de Bürgermeisterhaus Werden; zuletzt gesichtet am 31. Mai 2011
Werdener Bürgermeister: 1808–1811: Benedict Ludger Hiegemann 1811–1819: Alexander Heinrich von dem Bottlenberg gen. von Schirp (sen.) 1819–1843: Theodor Märcker 1851–1886: Alexander Heinrich von dem Bottlenberg gen. von Schirp (jr.) 1886–1895: Ludwig Soldan 1896–1904: Johann Emil Trapp 1904–1929: Joseph Breuer
Werden bekam Mitte des 19. Jahrhunderts Öllaternen, 1860 dann Gaslaternen, da eine Gasanstalt errichtet wurde. Ebenfalls in dieser Zeit erschien erstmals eine Zeitung, das Werden-Kettwiger Wochenblatt. 1887 wurde die Stadt kanalisiert, wie schon Kettwig zwei Jahre zuvor.
Ruhraufstand und Ruhrbesetzung Im Rahmen des Ruhraufstandes entwaffneten Arbeiter am 15. März 1920 Teile der Einwohnerwehr. Das am nächsten Tag von der Wehr zur Unterstützung gerufene Freikorps Schultz schoss vor dem Rathaus in eine friedliche Demonstration. Vier Demonstranten wurden getötet.Lucas, Erhard – Märzrevolution im Ruhrgebiet. März bis April 1920. März Verlag, Frankfurt a. M., 1970, S. 275
Im Jahr 1923 besetzten französische Truppen Werden. Dort führte ein französisches Militärgericht vom 4. bis zum 8. Mai 1923 den Aufsehen erregenden Prozess gegen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach sowie Direktoren und Mitarbeiter des Krupp-Konzern, denen die Franzosen vorwarfen, zum Widerstand am Essener Blutsamstag aufgewiegelt zu haben. Das Militärgericht verurteilte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach zu einer Haftstrafe von 15 Jahren und zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Millionen Mark.Aus dem Urteil gegen Direktoren der Krupp-Werke vom 8. Mai 1923. In: Herbert Michaelis, Ernst Schraepler (Hrsg.): Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, Bd. 5: Die Weimarer Republik. Das kritische Jahr 1923, Berlin 1961, Nr. 1045, S. 132–133.
Seit der Eingemeindung zu Essen Werden wurde mit mehreren anderen Orten rund um Essen am 1. August 1929 eingemeindet.
In den Jahren 1931 bis 1933 entstand in Werden ein Ruhrstauwehr und mit diesem auch der Baldeneysee, heute ein Naherholungsgebiet. Vor der Aufstauung des Baldeneysees, Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, diente die alte Schleuse Neukirchen der Ruhrschifffahrt.
In den 1960er Jahren wurde auch die historische Altstadt Werdens von der „Sanierung“ durch die Stadt Essen erfasst. Es wurden aber nur wenige historische Bauwerke zerstört, bevor sich die Einsicht durchsetzte, besser durch Renovierung zu sanieren und nicht durch Abriss.
Wappen mini|hochkant|Briefsiegel der Stadt Werden, 17. Jahrhundert (moderne Nachzeichnung) Blasonierung: Auf rotem Grund ein silbernes (weißes) mit vier roten Kugeln besetztes Pallium.
Auf einem Briefsiegel des 17. Jahrhunderts ist das Wappen belegt: Vor der Figur des heiligen Ludgerus ist ein Wappen mit dem Pallium zu sehen.Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile, Essen 2009, S. 108 ff.
Bevölkerung Am 31. März 2025 lebten 9.666 Einwohner im Stadtteil Werden.Bevölkerungszahlen der Stadtteile
Strukturdaten der Bevölkerung in Werden (Stand: 31. März 2025):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 13,3 % (Essener Durchschnitt: 16,9 %)Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 30,2 % (Essener Durchschnitt: 21,7 %)Anteil der Bevölkerung von 65 Jahren und älter Ausländeranteil: 12,3 % (Essener Durchschnitt: 20,6 %)Ausländeranteil in den Stadtteilen
Mundart Waddisch Platt ist der lokale bergische Dialekt, der in Werden gesprochen wird. Werdener Platt ist eine typische Übergangsmundart, die Ähnlichkeiten zum Kleverländischen und zu den benachbarten südniederfränkischen und westfälischen Dialekten aufweist. Es existiert ein aktiver Heimatverein, der sich für den Erhalt der Mundart einsetzt.Komm Omend: Der Waddisch-Club aus Essen-WerdenWestdeutsche Allgemeine Zeitung - Gruppe für Waddisch Platt ist neu im Werdener Heimatverein
Kirchen Die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus
mini|Basilika Sankt Ludgerus Die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus wurde um 799 zusammen mit dem Kloster Werden erbaut. Nach einigen größeren Bränden konnte sie schließlich im Jahre 1275 wieder eingeweiht werden. Sie gilt als eine der schönsten Kirchen des Rheinlandes und als Paradebeispiel des rheinischen Übergangsstils.Abteikirche St. Ludgerus . Essen-Werden abgerufen am 30. August 2014 Sie besitzt einen barocken Hochaltar und Gemälde des Werdener Malers Theodor Mintrop. Der Bau diente nach der Säkularisation als Pfarrkirche. Am 6. Juli 1993 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche mit dem Apostolische Schreiben Merito quidem zur Basilica minor. In der Krypta liegen die Gebeine des Hl. Liudger, Begründer des Klosters Werden und des Bistums Münster, begraben. In der angeschlossenen Schatzkammer befindet sich mit dem Helmstedter Kreuz ein bedeutendes Kunstwerk des Übergangs von der ottonischen zur romanischen Plastik sowie mit dem Liudgerus-Schrein einer der wenigen barocken Reliquienschreine.
Die St.-Lucius-Kirche Die St.-Lucius-Kirche geht auf eine Gründung im 10. Jahrhundert zurück: Baubeginn war demnach 995 unter Abt Werinbert. Nach der Säkularisation 1803 wurde die Kirche 150 Jahre als Stall genutzt, anschließend diente sie als Wohnraum für Flüchtlinge. Im Jahr 1965 wurde sie rekonstruiert und wieder geweiht.
Die Evangelische Kirche Essen-Werden Die Evangelische Kirche Essen-Werden wurde am 24. Juni 1900 geweiht. Sie besitzt wertvolle Jugendstil-Malereien, die vor einiger Zeit wieder freigelegt wurden. Gestiftet wurde sie unter anderem von der Familie Krupp sowie von der in Werden ansässigen Familie Huffmann.
Bildung Städtische Grundschulen Die Heckerschule ist nach dem in Werden geborenen Theologen und Begründer der praxisorientierten Realschule Johann Julius Hecker benannt.
Die nach dem heiligen Liudger benannte Ludgerus-Grundschule bietet Ganztagsbetreuung für etwa 100 Schülerinnen und Schüler an.
Gymnasien Das Gymnasium Essen-Werden ist ein städtisches Gymnasium, dessen Ursprünge in der Lateinschule des Klosters Werden (um 800) liegen. Bekannt ist es für seine Musik- und Tanzabteilungen. Im Jahr 2006 feierte die Schule das hundertjährige Bestehen als städtisches Gymnasium in einer Festwoche.
Das Mariengymnasium war bis zum Schuljahr 2009/2010 ein reines Mädchengymnasium des Bistums Essen. Gegründet im Jahr 1858 von den Töchtern des heiligen Kreuzes, war es für die Töchter der oberen Schicht bestimmt. Heute steht es Mädchen aus allen Schichten offen, und seit dem Schuljahr 2010/2011 werden in getrennten Klassen auch Jungen aufgenommen. Das Gebäude an der Dudenstraße 14 wurde 1912 erbaut, der Neubau an der Brückstraße im Februar 2007 bezogen.
Folkwang-Hochschule Die Folkwang-Hochschule für Musik, Theater und Tanz hat ihren Hauptsitz in den früheren Abteigebäuden Werdens. Studierende und Lehrende aus aller Welt machen die Kunsthochschule zu einem inspirierenden Ort, an dem der Folkwang-Gedanke – die Einheit der Künste – seit 1927 lebendig ist. Außerdem ist ein Teil in der Weißen Mühle an der Schleuse Neukirchen untergebracht.
Verkehr mini|Verkehrsknotenpunkt in Werden: Die Gustav-Heinemann-Brücke der B224 über die Ruhr mini|Quartierbus im Bahnhof Essen-Werden. mini|Erinnerungstafel zum Straßenbahnunglück in Werden von 1912 auf dem Friedhof II in Essen-Werden
Die Bundesstraße 224 führt mitten durch das Zentrum des Stadtteils. In Richtung Bredeney und Zentrum Essens schließt sie an die A 52 Richtung Dreieck Essen-Ost mit Übergang in die A 40 Richtung Bochum und Dortmund an. In Richtung Velbert führt die B 224 direkt zum Autobahndreieck Velbert-Nord mit der A 44 in Richtung Heiligenhaus (und langfristig auch weiter in Richtung Landeshauptstadt Düsseldorf, deren Flughafen sowie Krefeld und Mönchengladbach44 Lückenschluss A 44 bei deges.de) und der A 535 in Richtung Wuppertal. Die A 52 in Richtung Düsseldorf erreicht man auf dem kürzesten Weg über den Schuirweg, der Essen-Werden direkt mit der in Schuir befindlichen Anschlussstelle Essen-Kettwig verbindet. Da der Schuirweg für Fahrzeuge über 3,5 t gesperrt ist, erreichen sie Essen-Werden über die Anschlussstelle Essen-Haarzopf, von welcher aus die Hatzper Straße direkt zur B 224 in Bredeney führt.
Am Bahnhof Essen-Werden, westlich der Ruhr, hält die Linie S 6.