Die Piefke-Saga ist ein vierteiliger österreichischer Fernsehfilm aus den Jahren 1990 (Teil 1–3) und 1993 (Teil 4). Das Drehbuch stammt von dem Schriftsteller und Dramatiker Felix Mitterer. Regie führten Wilfried Dotzel und Werner Masten. Die Serie entstand als Gemeinschaftsproduktion des NDR und des ORF. Die Serie hatte zunächst nur drei Teile; der vierte Teil wurde 1993, drei Jahre nach den ersten drei Teilen, gedreht. Das Skript wurde 1991 im Haymon Verlag veröffentlicht,Im Vorwort beschreibt Mitterer, wie es zur Idee des Fernsehfilms kam. es war während Mitterers Aufenthalt bei seinem Entdecker und Förderer Wolfgang Pfaundler in Oetz entstanden.

Inhalt In dem Film wird auf satirische und tragikomische Weise das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern beleuchtet, und zwar vor allem das Verhältnis zwischen deutschen Touristen aus Berlin und einheimischen Tirolern. Hauptfiguren der Serie sind die Mitglieder der Berliner Unternehmerfamilie Sattmann, die seit Jahren im fiktiven Ort Lahnenberg (gedreht wurde in Mayrhofen, später für den vierten Teil auch in Alpbach) im Tiroler Zillertal ihren Urlaub verbringt. Der Film greift damit ein Hauptmotiv zahlreicher Heimatfilme aus den 1950er und 1960er Jahren auf: Preußen mit finanziellem Einfluss sind auf Sommerfrische in Österreich, wobei es zu sprachlichen und amourösen Missverständnissen und Verwicklungen kommt.

Mit beißendem Sarkasmus werden sowohl Eigenheiten bundesdeutscher Touristen wie auch die Verhaltensweisen der Einheimischen entlarvt, wobei keine Partei sonderlich gut wegkommt. Die teilweise massive gesellschaftskritische Implikation der Filmserie führte zu heftigen Diskussionen.

Die Geschichte fängt mit einer Ausgabe der Fernsehshow Auf Los geht’s los von 1982 an, bei der Showmaster Joachim Fuchsberger unter anderem neun „Geschworenen“ aus dem Publikum Fragen stellt und die Kandidaten die Antworten der Geschworenen erraten müssen. In einer in Wien produzierten Sendung mit österreichischem Publikum stellt er die verhängnisvolle Frage: „Wie viele der neun Geschworenen nennen die Deutschen prinzipiell Piefke?“ Sechs der neun Geschworenen (darunter der damalige Direktor der Berliner Verkehrsbetriebe Joachim Piefke) antworten mit ja. Von Fuchsberger befragt, erklären sie, die Piefkes seien die eingebildeten Deutschen, die mit ihrer Mark um sich schmissen und glaubten, sie seien etwas Besseres. Diese Fernsehshow gab es tatsächlich; im Film werden reale Ausschnitte aus der Show verwendet.

Ein weiteres reales Ereignis, das in der Serie verarbeitet wurde, war eine Titelschlagzeile des Wiener Magazins Wochenpresse (im Film als fiktives Wochenmagazin Die Woche dargestellt) vom 12. Juli 1983: „Wer braucht die Piefkes? Österreich im Ausverkauf“. Im Film macht der Zeitungsfotograph das Titelfoto eines Klischeedeutschen aus Zeitmangel gleich mit dem Redaktionsboten (der Mrkwitschka heißt und somit alles andere als ein Piefke ist).

Diese – realen – Ereignisse sind der Aufhänger für die fiktionale Geschichte der Hassliebe zwischen der Tiroler Hoteliersfamilie Wechselberger und der Bauernfamilie Krimbacher vom Rotterhof auf der einen Seite und der Berliner Unternehmerfamilie Sattmann auf der anderen. Diese Geschichte wird über mehrere Jahre hinweg erzählt,Dass die fiktive Handlung des Sommerurlaubs in Teil 1 frühestens im September 1984 angesetzt ist, ergibt sich aus dem Veröffentlichungsdatum des Iron-Maiden-Albums Powerslave, von dem im ersten Teil zwei Titel (Aces High, Losfer Words) über eine Motorrad-Stereoanlage laufen. Der Teil 3 spielt rund um den 24. Oktober 1989, das Vertragsdatum des im Mittelpunkt der Handlung stehenden Grundstücksgeschäfts. wobei sich die Familien immer mehr miteinander verstricken.

Dabei glaubt Sattmann von sich selbst, tolerant und verständnisvoll zu sein; zu Beginn des ersten Teils feuert er einen Mitarbeiter, der mit ausländischen Geschäftspartnern schlecht verhandelt hat, und nennt ihn einen „blöden bornierten Deutschen“.

Der vierte Teil, der in der nahen Zukunft spielt (und drei Jahre nach der ursprünglichen Miniserie gedreht wurde), überhöht die Satire ins Absurde und beinhaltet einige befremdliche bis verstörende Begebenheiten. Tirol wird als urwüchsiges Land dargestellt, in dem alles friedlich und schön zu sein scheint, während in Deutschland Gewalt und Kriminalität herrschen. Doch wie sich immer deutlicher zeigt, ist dieses Tirol eine durch und durch künstlich geschaffene Welt.

Aus nicht abschließend geklärten Gründen wurde dieser vierte Teil bis 2005 in TV-Wiederholungen der Miniserie ausgelassen. Maßgeblich hierfür waren offenbar Szenen mit überdurchschnittlichem Provokationspotential wie Waffengewalt, Andeutung von Pornographie sowie die Darstellung terroristischer Aktionen im Allgemeinen. Erst im August 2005 (und später auch 2018, 2021 und 2022) wurde der vierte Teil vom ORF wieder gezeigt, nachdem 2005 ursprünglich wiederum nur die ersten drei Teile auf dem Programm gestanden hatten.

Die wichtigsten Personen der Handlung Die Berliner Unternehmerfamilie Sattmann: Karl-Friedrich Sattmann (Dietrich Mattausch) Elsa, seine Frau (Brigitte Grothum) Sabine, seine Tochter (Sabine Cruso) Gunnar, sein Sohn (Ralf Komorr) Heinrich, sein Vater (Ferdinand Dux) Asta, dessen deutsche Schäferhündin

Die Tiroler Familie Wechselberger: Franz Wechselberger, Hotelier, Taxiunternehmer und Bürgermeister (Kurt Weinzierl) Christl, seine Frau (Veronika Faber) Stefan, sein Sohn (Gregor Bloéb) Hans Wechselberger, sein Bruder, Lehrer später Landesbeamter (Hans Richter)

Die Tiroler Bauernfamilie Krimbacher vom Rotterhof: Andreas, Großvater (Peter Kluibenschädl) Olga, Bäuerin (Doris Goldner) Thomas, Hoferbe (Ludwig Dornauer) Maria, seine Frau (Barbara Weber) Anna, seine Schwester (Brigitte Jaufenthaler) Josef, genannt „Joe“, sein Bruder (Tobias Moretti) Peter, Josef, Leni, Erwin: Kinder von Thomas und Maria

Andere: Max Niederwieser, Chef des Tourismusverbands (Josef KudernaEhemaliger „ORF Tirol“-Chefredakteur Josef Kuderna gestorben In: derStandard.at) Manfred Hollescheck, Journalist Die Woche (Sascha Scholl) Chefredakteur der Woche (Heinz Petters) Gendarm bzw. Postenkommandant der Gendarmerie (Josef Griesser) Kantner-Lena (Else Anderka) Österreichischer Handelsminister (Jaromír Borek) Tiroler Landeshauptmann (Helmut Haidacher)

Die vier Teile der Piefke-Saga Teil 1: Der Skandal In Berlin und in Tirol wird gleichzeitig die oben erwähnte Eurovisions-Sendung gesehen, worauf die Sattmanns empört mit Bürgermeister Wechselberger telefonieren. Der Hotelier kann seinen Dauergast beruhigen („Das sind nur die Wiener“), und man freut sich auf das baldige Wiedersehen in Tirol. Dort eingetroffen erfahren die Sattmanns von dem oben genannten Artikel in der Woche und verlassen aus Empörung das Hotel. Sie quartieren sich stattdessen anfänglich sogar ziemlich aufdringlich bei der einheimischen Familie Krimbacher auf deren einfachem, nicht auf Touristen eingestellten Bergbauernhof ein, von dem sie dank Anna Krimbacher erfahren haben, die bei den Wechselbergers als Kellnerin arbeitet: dem Rotterhof. Von dort aus organisieren sie Protestaktionen, um die anderen deutschen Gäste zu mobilisieren, was der Bürgermeister/Hotelier und der Tourismusobmann/Souvenirverkäufer/Gemeindesekretär mit Gegenaktionen zu unterbinden versuchen. Es kommt zur Versöhnung, aber der Wiener Journalist, der den Artikel geschrieben hat, und Hans Wechselberger, der Bruder des Bürgermeisters, der ihn inspiriert hatte, werden von der „gesamten männlichen“ Dorfbevölkerung krankenhausreif geprügelt. Der Chefredakteur, der zuvor auf ein reißerisches Titelbild gedrängt hatte, will aber nun wegen des Skandals nichts mehr von der Geschichte wissen.

Teil 2: Die Animation Der zweite Teil handelt hauptsächlich von den verschiedenen Aktivitäten der (deutschen) Urlauber in Lahnenberg, an denen sich auch die Familie Sattmann beteiligt, zuerst in der Winter-, dann in der Sommersaison: Skisport (wobei zu Beginn der Folge Karl-Friedrich Sattmann auf dem Sessellift vergessen wird), Wandern, aber auch Massage und Melkwettbewerbe. Das bedeutet für die vom Tourismus lebende Dorfbevölkerung viel Arbeit, denn freundliche Bedienung muss rund um die Uhr gewährleistet sein, auch auf Kosten der eigenen Gesundheit. So erfährt man von Frau Wechselberger, die ihren Stress mit Alkohol bekämpft, dass sie drei Kinder abtreiben ließ, da die Geburten in die Hochsaison gefallen wären. Insbesondere Joe Krimbacher ist als Animateur für die Betreuung der Gäste zuständig, inklusive Urlaubsflirt mit deutschen Touristinnen. Der Sommerhit ist ein Wanderpass, bei dem die Urlauber in verschiedenen Berggasthöfen Stempel sammeln müssen. Karl-Friedrich setzt sich in den Kopf, die Silberne Leistungsnadel am Band zu erhalten, schafft aber letztlich nur die Silberne Wandernadel (im Tourismusbüro wird er für seine außergewöhnliche Leistung gelobt, während man hinter dem Tresen eine bis oben hin gefüllte Kiste mit Wandernadeln sieht). Andere deutsche Urlauber sind der biedere Herr Körner oder die durchtrainierte Jutta Karge, mit der Karl-Friedrich einen Urlaubsflirt hat. Dass die Einheimischen die deutschen Touristen nicht besonders mögen, erkennt man daran, dass der Gendarm den geliebten Hund Asta von Herrn Sattmann sen. erschießt, weil er ohne Leine im Wald herumlief. Die Familien Krimbacher und Sattmann kommen einander näher: Sabine und Joe waren schon im 1. Teil der Serie liiert, im 2. Teil bekommt Anna ein Kind von Gunnar, der im Kontakt mit der urwüchsigen Bergwelt sein Auftreten als Punker allmählich ablegt. Die Sattmanns nehmen das Kind zu sich nach Berlin, weil auch das Jugendamt findet, dass es dem Kind dort besser geht als bei einer ledigen Kellnerin. Gunnar wird kurzfristig festgenommen, weil er zusammen mit Stefan auf dessen Hanfplantage erwischt wird. Am Ende lässt sich Karl-Friedrich von Thomas Krimbacher mit Seil und Pickel auf einen hohen Gipfel führen, der ihn besonders anspricht, und trifft nach den großen Strapazen oben auf seine Familie, die mit der Seilbahn hinaufgefahren ist.

Teil 3: Das Geschäft