mini|400px|Auf der Stadtansicht Flensburgs von Braun und Hogenberg, die ungefähr zwischen 1572 und 1618 entstand, sind einige der alten Stadttore zu erkennen.
Die Flensburger Stadtbefestigung war die städtische Befestigungsanlage Flensburgs. Sie ist heute nur noch in wenigen Teilen erhalten. Sie bestand aus einer Stadtmauer, aus Stadttoren und Pforten sowie aus einigen kleinen Burganlagen, die in dieses Verteidigungssystem integriert waren.
Stadtverteidigungssituation Flensburgs zu Beginn mini|Flensburg ungefähr zum Ende des Mittelalters (15. Jahrhundert) Die Halbinsel Angeln war seit ungefähr 500 n. Chr. schrittweise durch den Ausbau des Danewerkes nach Süden hin geschützt worden. Das besagte Wallsystem hatte die Aufgabe, den gesamten nördlichen Teil der Kimbrischen Halbinsel abzusichern.
In einem größeren Abstand zur Flensburger Förde, auf der Halbinsel Angeln gelegen, entstand in einem ersten Schritt die Siedlung Adelby, die weniger bekannte, ursprüngliche Keimzelle von Flensburg. Ungefähr um 1120, nachdem die Überfallgefahr von See zurückgegangen war, bildete sich dann auch eine Siedlung direkt an der Förde, nämlich das Kirchspiel St. Johannis.Vgl. Broder Schwensen: Flensburg – entstanden aus ein paar Lehmhütten, in: Flensburger Tageblatt, 13. Februar 2009; abgerufen am: 17. Juni 2014 sowie Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 279 Von dieser Zeit berichtet die Sage vom Ritter Fleno, der vom Landesherren den Befehl bekam, nach Flensburg zu ziehen, um dort zur Verteidigung der kleinen Siedlung eine Burg zu bauen. Historisch lässt sich die Sage jedoch nicht beweisen. Eine Burg im besagten Gebiet soll zumindest im Dammhofareal gestanden haben, die aber wohl schon im 13. Jahrhundert zerstört wurde. Archäologisch nachgewiesen ist zudem eine Seesperre im Flensburger Hafen, die wohl um 1150 unter König Waldemar I. zur Abwehr der kriegerischen Wenden errichtet wurde. Die Seesperre bestand aus einer Art Schutzwall aus Pfählen, welche unterhalb der Wasseroberfläche lagen und angreifende Schiffe fernhalten sollten.Flensburger Tageblatt: Taucher untersuchen mittelalterliche Seesperre, 1. September 2011; abgerufen am: 16. Juni 2014 1170 kam das Kirchspiel St. Marien zur Siedlung hinzu.Broder Schwensen: Flensburg – entstanden aus ein paar Lehmhütten, in: Flensburger Tageblatt, 13. Februar 2009; abgerufen am: 17. Juni 2014 Ungefähr 1200 folgte das Kirchspiel St. Nikolai. Aus dieser Zeit berichtet eine weitere Sage erneut von Burganlagen, die jedoch gegen die Flensburger gerichtet waren. Fünf Raubritter, von denen der bösartigste der von der Eddeboe gewesen sein soll, sollen gemäß der Sage rundherum um Flensburg in ihren Burgen gelebt haben und eine Zeit lang den Flensburgern geschadet haben. 1285 kam das Kirchspiel St. Gertrud zur Stadt.Beiheft zum Flensburg-Atlas, Flensburg 1986, Seite 17 Im Jahr zuvor (1284) empfingen die Flensburger das Stadtrecht. Erst später begannen Flensburgs Bürger den Bau von Stadtmauer und Stadttoren.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 22
Aufbau der Stadtbefestigung
Zur Mitte des 14. Jahrhunderts beherrschten die Schauenburger Grafen das Herzogtum Schleswig. Um ihre Herrschaft zu sichern, ließen die Brüder Heinrich von Holstein und Nikolaus von Holstein um 1345 die Stadt befestigen.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Niehuus Mauern, Tore und Türme wurden errichtet. Die Flensburger durften oder mussten,Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, Seite 32 nachdem ihnen Graf Nikolaus den Bau der Ringmauer gestatteteSchriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 386, die besagte Mauer errichten. Zeitgleich mit der Stadtmauer wurde die Burg Niehuus gebaut, welche die Stadt zum Norden hin schützen sollte. Das Schloss Glücksburg, das erst zum Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde, lag weit abgelegen von der Stadt Flensburg und übernahm daher keine Verteidigungsfunktion für diese. Glücksburg selbst war nicht durch eine Stadtmauer geschützt, sondern nur durch einen Wildzaun der mit dem Schloss entstand (vgl. Blocksberg (Flensburg)).
Stadtmauer, Gräben und Wallanlage Die seit 1345 errichtete Stadtmauer umschloss die Kirchspiel St. Nikolai und St. Marien. Ob die Stadtmauer hierbei durchgehend am Westufer des Hafens entlang ging, ist nicht ganz sicher. Als sicher gilt, dass der Bereich unterhalb des Holms mit einer Stadtmauer gesichert war. Damals lag das Kirchspiel St. Nikolai auf einer Art Insel. Unterhalb des Holms lag die Förde. Im Süden waren der Mühlenstrom und der Mühlenteich und im Westen vor der Stadtmauer der breite Stadtgraben zu finden. Am nördlichen Ende des Holms lag der Thingplatz, wo die Rutebek vom Stadtgraben kommend zum Hafen hinabfloss.Vgl. Karte: Flensburg in der Mitte des 15. Jahrhunderts in: Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966 Ein ganzes Stück weiter auf der nördlichen Seite der Neuen Straße floss die Glimbek zum Hafen hinab und bildete eine Art Stadtgraben.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 48 Die erwähnte Neue Straße, die entlang der Stadtmauer führte, ist seit 1621 belegt.Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Neue Straße Im Hafenbereich von St. Marien unterhalb der Großen Straße könnte sich eine unbefestigte Lücke befunden haben.Vgl. hierzu beispielsweise; Karte: Flensburg in der Mitte des 15. Jahrhunderts in: Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, sowie: Stadtansicht Flensburgs von Braun und Hogenberg In Süderhofenden (dieser Name, der schon seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts verwendet wird, kommt daher, dass zum dortigen Weg am Wasser die Kaufmannshöfe endeten)Vgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Süderhofenden und Norderhofenden soll sich eine Stadtmauer befunden haben. Im Bereich Norderhofenden ist es strittig, ob dort eine richtige Befestigung vorlag, ähnlich im Bereich Schiffbrücke. Das Johannisviertel und das Gertrudenviertel waren zur Verteidigung nur mit Plankwerk umgeben. Im Süden wurde die Stadtmauer zusätzlich durch die Klostermauer des Franziskanerklosters St. KatharinenVgl. hinsichtlich der Namensbezeichnung des Klosters: Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Katharinenkirche verstärkt.
Auf der Westseite der Stadtmauer befanden sich zwei Gräben, der Südergraben sowie der Nordergraben. Da in diesem Bereich die Stadtmauer mit ihren Gräben unterhalb der dort befindlichen Abhänge verlief, war sie dort weniger gut zu verteidigen.Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Stadtbefestigung Deshalb ließen die Holsteiner Grafen diesen Bereich später verstärkenSchriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 23, indem sie der Stadtmauer eine Landwehr, bestehend aus Wällen und Gräben, vorlagerten, welche oberhalb, auf den AnhöhenDie Landwehr lag ungefähr zwischen der Friesischen Straße und der Selkstraße, wo sich der obere Teil der Straße Nordergraben befindet. (Gemäß: Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Stadtbefestigung sowie Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 23) errichtet wurde.Jakob Röschmann erwähnt noch beiläufig in seinem Buch, dass es westliche der Marienhölzung einen Stadtgrenzwall gebe oder gegeben habe, nahe dem ehemals dort befindlichen Truppenübungsplatz (Siehe: Stiftungsland Schäferhaus). Vgl. Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 185. (Wann dieser Stadtgrenzwall errichtet wurde, erwähnt Röschmann nicht.)
Die Stadtmauer stand auf einem Fundament unbehauener Feldsteine. Sie bestand im Grunde aus zwei Mauern, zwischen denen sich eine dicke Schicht mit Schutt befand. Sie war fast einen Meter breit und war bis zu 4,30 Meter hoch.Vgl. Hans-Friedrich Schütt: Alltag im Mittelalter, 1996 In: Flensburg in Bild und Wort, Von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert, 2003, Seitenindex 8,5stadtgeschichte-flensburg.de:
Pforten und Stadttore
In der Stadtmauer befanden sich Pforten und Tore, von denen heute einige namentlich bekannt sind. Neben den zwei Toren, die die Zeit überdauert haben, Nordertor und Kompagnietor, sind von den anderen die ehemaligen Standorte zumeist nur im Groben bekannt. Größte Bedeutung hatten die Angelburgerpforte (beziehungsweise das Mühlentor), das Rote Tor, das Friesische Tor, das Marientor (beziehungsweise Kuhgangpforte)Die Straße dort hieß ehemals Norderkuhgang und wurde später in Marienstraße umbenannt. Die Heinrichstraße beim Hafermarkt trug früher den Namen Süderkuhgang. Vgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Marienstraße sowie das Neue Tor, die direkt in die eigentliche Stadtmauer eingebaut waren. In den von Plankwerk geschützten Bereich der Stadtbefestigung waren bei St. Johannis im Osten das Johannistor und im Norden des Gertrudenviertels das Nordertor verbaut. Diese Tore lagen alle an wichtigen Hauptstraßen, die aus der Stadt führten. Ein Großteil von ihnen wurde im 19. Jahrhundert abgerissen.