Eddeboe (verkürzt auch: Eddebo) ist der Name einer abgegangenen Burganlage, die in der westlichen Marienhölzung bei Flensburg, auf dem Junkerplatz, gelegen hat sowie einer vermuteten zweiten, welche unweit auf dem sogenannten Brandplatz gelegen haben dürfte, wobei diese zweite Burganlage die ältere sein dürfte. So ist es aufgrund der gleichen Benennung nicht immer gleich klar, welche Eddeboe gemeint ist.

Der Name Eddeboe kann wörtlich mit Burg (= boe) des Geschlechts (= Edde)Duden-Redaktion: Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 5. Auflage. Band 7, Bibliographisches Institut (Dudenverlag), Berlin 2013; Artikel: Adel übersetzt werden. Der Name bedeutet somit Stammburg.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 283 Sie diente jeweils als Adelssitz. Das Burggelände, das in der Vergangenheit nicht direkt zu Flensburg gehörte, gehört heute als Teil der Marienhölzung zum Stadtteil Westliche Höhe.

Die Eddeboe auf dem Brandplatz

Lage und Gestalt Diese Überreste der vermutlich älteren Eddeboe liegen auf einer 45,2 Meter hohen Anhöhe.Karte von Flensburg Süd 1926 sowie Karte Flensburg (Süd) von 1936 Sie hatte offensichtlich eine fast rechteckige Gestalt von ungefähr 45 mal 70 Metern. Auf der nord- bis südöstlichen Seite des Platzes befindet sich eine grabenartige Vertiefung. In dieser Vertiefung fließt ein Bach. Auf der südwestlichen Seite befindet sich ein kleines Feuchtgebiet. Die kleine Burg war vermutlich von fast allen Seiten von Wasser umgeben, so dass es sich offenbar um eine kleine Wasserburg handelte. Der erhaltene Rest der Wehranlage soll Ähnlichkeit zu vielen anderen Wasserburganlagen haben, wie sie im östlichen Kreis Flensburgs vorkommen und welche vom einheimischen Heermannenadel oder auch den später nach Norden vorgedrungenen holsteinischen Rittern stammten.Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 93Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Eddeboe

Sagenstoff um die fünf bösen Burgherren Diese Wasserburg scheint bei den überlieferten Sagen eines besonders wilden Ritters auf Eddeboe gemeint zu sein,Marsch und Förde, Marienhölung; abgerufen am: 13. April 2014 der, wie vermutet wird, vor dem Jahr 1200 lebte.; abgerufen am 14. April 2014Im Flexikon steht implizit die Vermutung „um 1130“. Vgl. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Mühle Der folgende Sagenstoff wird mal kürzer und mal länger erzählt und beschrieben:

Es heißt, dass Flensburg in alten Zeiten, Jahre nach seiner Gründung, um Einwohner zunahm und das Nahrungsangebot sich dank seiner tüchtigen Kaufleute, Handwerker und Schiffer verbesserte.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 281Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg, Husum 1992, Seite 39Georg Claeden: Monumenta Flensburgensia, Flensburg 1766, Seite 233 Durch den Handel seien zwar einige Verluste, aber vielfache Gewinne entstanden. Doch außerhalb der Stadt, rundherum um sie verteilt, hatten fünf Edelleute ihre Burgen. Einer hauste auf dem Kopperbarg, der zweite auf Hoenborg beim Weinberg, wozu Tießlund und der Teich Strucksdamm gehörte, einer bei Blackmöhle, einer auf Eddeboe in der Marienhölzung und ein fünfter zu Flensbeck bei Mordbeck.Stadtgeschichte – Flensburg quer durch die Jahrhunderte, Burgen in Flensburg; abgerufen am: 10. April 2014Otto Beyer: Dissertatio Historica De Originibus Et Incrementis Inclutae Civitatis Flensburgi ad praesentem usque Statum. Jena 1684, Seite 25 Die Edelleute waren neidisch auf den Reichtum der Flensburger und gaben der Begierde nach. Trieben die Flensburger ihr Vieh auf die Weiden außerhalb der Stadt, so raubten die Ritter sie aus. Kamen reisende Kaufleute, um mit den Flensburgern zu handeln, so raubten sie sie aus, nahmen ihnen das Geld, ihre Waren, und selbst die Kleider weg. Nur ganz selten kamen Reisende unbeschadet davon. Doch die schlimmsten Dinge wurden über den wilden Ritter der Eddeboe berichtet. Er raubte die Mädchen, schändete sie und keines kehrte mehr zu den Eltern zurück.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 282sowie: Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg. Husum 1992, Seite 25 Eine ganze Weile litten die Flensburger schon unter diesem Joch, aber das Problem sollte gelöst werden. Dreierlei Behauptungen gibt es aber dazu nun. Zum einen, dass der König mit den fünf Edelleuten verhandelt habe und sie mit 24.000 Mark Feinsilber ausgekauft habe, eine Summe, die die Flensburger selbst nicht hätten aufbringen können.Georg Claeden: Monumenta Flensburgensia, Flensburg 1766, Seite 235 Es wird jedoch auch behauptet, es seien die selbstbewussten Flensburger gewesen, die sich zusammenschlossen und des Nachts die Burgen überfielen, das zuletzt geraubte Vieh zurückholten, die Ritter töteten und die Burgen niederbrannten.Vgl. Georg Claeden: Monumenta Flensburgensia, Flensburg 1766, Seite 235 Zum Ritter der Eddeboe, der es besonders schlimm getrieben hatte, gibt es aber auch die Sage, dass seine Burg in einer dunklen Nacht mit all ihren Bewohnern „versunken“ sei. Nur ein Fräulein, welches sich nichts hatte zu Schulden kommen lassen, sei entkommen. Wie auch immer es genau geschah, mit Billigung des Königs oder ohne,Vgl. Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 93Vgl. Georg Claeden: Monumenta Flensburgensia, Flensburg 1766, Seite 234, Seite 13; abgerufen am: 14. April 2014 die Ritter waren auf die eine oder andere Art verschwunden und die Stadt war dem König auf die eine oder andere Weise etwas schuldig. So musste die Stadt die Wassermühle an der Hafenspitze an den König abgeben und hatte ihm eine jährliche Summe zu zahlen. Das Land der Edelleute hatte aber die Stadt erhalten, weshalb Flensburg danach ein sehr großes, unbebautes Stadtfeld besaß. Wobei zur Marienhölzung auch überliefert ist, dass das Fräulein, welches überlebt hatte, den Wald an die Kirche verschenkte.

mini|Wasserburgrest, ein leichter Wall mit Wassergraben beim Brandplatz Zur Eddeboe wurde aber noch weiter überliefert, dass an der Stelle, wo sie stand ein See, der Jungfernsee, ihren Platz eingenommen habe. In diesem könne man mittags bei Sonnenschein noch die Turmspitzen der Burg erkennen und mehrfach habe man auch Glockentöne aus dem Wasser vernommen. Aber um Mitternacht heißt es, tanzen die Jungfrauen, die vom bösen Ritter einst entführt und entehrt wurden, in langen weißen Gewändern um den See herum. Mit leiser, klagender Stimme singen sie traurige Weisen.

Hintergrund des Sagenstoffes Es wird angenommen, dass der Sagenkomplex vom Kampf der Flensburger Bürger gegen die fünf Edelleute auf alte mündliche Traditionen mit realen geschichtlichen Hintergründen zurückgeht und erst später aufgezeichnet wurde.Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 465, Nachweis zu II B 13 Die Örtlichkeiten der genannten Burgen sind teilweise heute noch feststellbar und im Falle der Eddeboe noch gut erkennbar. Der Kopperbarg, offenbar ein Berg,Vgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Tegelbarg lag, wie man annimmt, im südlichen Jürgensen-Karte von Flensburg und Umgebung 1779 sowie Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 89 St. Johannisfeld, bei Kleintastrup. Jürgensen-Karte von Flensburg und Umgebung 1779 sowie Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 89Paul Phillipsen: Burgen in Flensburg in: Slesvigland Heft 4, S. 122 Die Hoenborg lag vermutlich im St. Nikolaifeld, beim besagten Weinberg, dessen Position heute noch bestimmbar ist. Er lag im Stadtteil Weiche im Stiftungsland Schäferhaus.Vgl. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein, Band 2, Flensburg, Seite 73 Die erwähnten zugehörigen Ländereien Tießlund und der Strucksdamm sind ebenfalls noch bestimmbar, nach ihnen wurde jeweils eine Straße benannt. Tießlund soll in der Nähe des Friedenshügels gelegen haben, auch wenn die Straße Tiesholz, eine Variante des Namens Tießlund, von dort etwas weiter entfernt liegt, nämlich im Stadtteil Südstadt (Rude). Der Name Tieslund, genauso wie Tießholz, bedeutet Wald des Ties.Vgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Thiesholz (vermutlich nicht ganz richtig geschrieben; der Artikel müsste gemäß dem Straßennamen eigentlich Tiesholz heißen) sowie Lundweg und Henningholz; Vgl. auch: Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Artikel: Papiermühle (dort steht ebenfalls etwas zu Henninglund) Beim StrucksdammVgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Strucksdamm handelte es sich im Übrigen um einen Fischteich. „Damm“ bedeutet so auch „aufgestauter Teich“.Vgl. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Am Dammhof Die Lage von Blackmöhle, Möhle steht für Mühle, ist unbekannt.Vgl. Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg, Husum 1992, Seite 39 Vermutet wird, dass es sich bei der Mühle um eine Wassermühle handelte, welche die älteste Mühle der Stadt darstellte.Vgl. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Mühle Die Eddeboe lag, wie beschrieben, im St. Marienfeld. Im 20. Jahrhundert wurde der Brandplatz, mit seiner Lage nahe dem Junkerplatz, von Jakob Röschmann identifiziert. Er stellte auch fest, dass damit zwei Burgen den Namen Eddeboe trugen. Die fünfte Burg zu Flensbeck bei Mordbeck,Beck dürfte hier jeweils Bach bedeuten, vgl. Gewässernamen auf -bach. lag wohl im Ramsharder Feld, wobei die genaue Lage nicht bekannt ist. Sie wird aber bei der Bau'er Landstraße beim Lachsbach (der früher Moorbeck bzw. Moorbach hießFlensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Am Lachsbach) vermutet.

Hinsichtlich des mehr als märchenhaften Jungfernsees ist zu erwähnen, dass unzählige kleine Bäche durch die Marienhölzung fließen. Neben dem schon erwähnten Feuchtgebiet, sind noch weitere Feuchtgebiete, der Schwanenteich und das Wolfsmoor, ein relativ sumpfiger See, in der Marienhölzung zu finden. Der idyllische Schwanenteich wird hierbei offenbar gerne mit dem Jungfernsee verknüpft.Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 283Vgl. Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Schwanenteich