Das Karwendel ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen. Es liegt zum größeren Teil (rund 80 %) in Tirol, zum kleineren in Bayern; die Grenze verläuft über die Nördliche Karwendelkette und durch das Vorkarwendel. Vier große Gebirgsketten ziehen sich von West nach Ost; hinzu kommen zahlreiche Seitenketten und -gruppen und nach Norden ein weitläufiges Vorgebirge. Seinen Namen trägt das Karwendel laut Karl Finsterwalder nach dem altdeutschen oder germanischen Personennamen Gerwentil, der erstmals 1260 indirekt als Bewohner der Gerwendelaur in Erscheinung trat. Die Deutung Finsterwalders gilt heute in Fachkreisen als unbestritten. Ursprünglich beschränkte sich die Bezeichnung auf das Karwendeltal bei Scharnitz. Hermann von Barth dehnte den Begriff im Zuge der Alpenerschließung im 19. Jahrhundert auf das gesamte Gebiet aus.

Umgrenzung und Ausdehnung Im Westen wird das Karwendel durch den Seefelder Sattel und einen Teil des Isartals begrenzt, im Norden durch den Isarwinkel mit dem Sylvensteinspeicher und das untere Achental, im Osten durch das obere Achental mit dem Achensee und im Süden durch das Inntal. Bedeutende Orte sind im Westen Seefeld in Tirol und Mittenwald, im Osten Pertisau und im Süden Innsbruck. Von Ost nach West hat das Gebirge eine Ausdehnung von etwa 45, von Nord nach Süd von knapp 30 Kilometern.Alpenvereinskarten 5/1, 5/2 und 5/3, Alpenvereinskartographie, Innsbruck 2005 und 2008

Gliederung Hermann von Barth, der Erschließer des Karwendels, begründete die Tradition der Benennung der Ketten nach den Tälern, die sie im Süden begrenzen: Karwendeltal, Hinterautal und Vomper Loch, Gleirschtal und Halltal, Inntal: Nördliche Karwendelkette Hinterautal-Vomper-Kette (auch Karwendelhauptkette) Gleirsch-Halltal-Kette Inntalkette (die südlichste Karwendelkette, aus Innsbrucker Sicht und im allgemeinen Sprachgebrauch nur Nordkette genannt) Seitengruppen sind: Erlspitzgruppe, Soierngruppe, Vorkarwendel, Falken-, Gamsjoch- und Sonnjochgruppe sowie die Rauer Knöll-Verzweigung im Südosten des Karwendels.

Einteilung nach SOIUSA Das Karwendel wird nach SOIUSA in zwei Obergruppen und acht Gruppen aufgeteilt.

Karwendelmassiv (A) Erlspitzgruppe (A.1) Inntalkette (A.2) Gleirsch-Halltal-Kette (A.3) Hinterautal-Vomper-Kette (A.4) Karwendelkette (A.5) Falken-Gamsjoch-Sonnjoch-Massiv (A.6) Falkengruppe (A.6.a) Gamsjochgruppe (A.6.b) Sonnjoch Gruppe (A.6.c) Rauer-Knöll-Verzweigung (A.7) Risser Berge (B) Soierngruppe (B.8) Vorkarwendel (B.9) Montschein-Schafreuter-Kette (B.9.a) Schrecken-Juifen-Kette (B.9.b)

Gipfel Es gibt im Karwendel 125 Gipfel, die eine Höhe von über erreichen. Hier ein Auszug der wichtigsten Gipfel: Birkkarspitze (), (höchster Gipfel der) Hinterautal-Vomper-Kette Mittlere Ödkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Kaltwasserkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Großer Bettelwurf (), (höchster Gipfel der) Gleirsch-Halltal-Kette Großer Lafatscher (), Gleirsch-Halltal-Kette Große Seekarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Roßkopf (), Gleirsch-Halltal-Kette Hintere Bachofenspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Südliche Sonnenspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Grubenkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Vordere Bachofenspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Nördliche Sonnenspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Westliche Praxmarerkarspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Kleiner Solstein (), (höchster Gipfel der) Nordkette Östliche Praxmarerkarspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Kleiner Lafatscher (), Gleirsch-Halltal-Kette Speckkarspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Rauhkarlspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Jägerkarspitzen (), Gleirsch-Halltal-Kette Dreizinkenspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Gamskarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Hintere Brandjochspitze (), Nordkette Hohe Warte (), Nordkette Bockkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Breitgrieskarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Laliderer Spitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Kaskarspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Sonntagkarspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Pleisenspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Vordere Brandjochspitze (), Nordkette Hochnissl (), Hinterautal-Vomper-Kette Stempeljochspitze (), Gleirsch-Halltal-Kette Larchetkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Großer Solstein (), Nordkette Östliche Karwendelspitze (), (höchster Gipfel der) Nördliche Karwendelkette Moserkarspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Vogelkarspitze (), Nördliche Karwendelkette Lamsenspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Hoher Gleirsch (), Gleirsch-Halltal-Kette Hochkarspitze (), Nördliche Karwendelkette Wörner (), Nördliche Karwendelkette Grabenkarspitze (), Nördliche Karwendelkette Kühkarlspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Sonnjoch (), (höchster Gipfel der) Sonnjochgruppe Gamsjoch (), (höchster Gipfel der) Gamsjochgruppe Laliderer Falk (), (höchster Gipfel der) Falkengruppe Lackenkarkopf (), Nördliche Karwendelkette Risser Falk (), Falkengruppe Erlspitze (), (höchster Gipfel der) Erlspitzgruppe Kuhkopf (), Nördliche Karwendelkette Westliche Karwendelspitze (), Nördliche Karwendelkette Steinfalk (), Falkengruppe Hafelekarspitze (), Nordkette Freiungspitzen, Westgipfel (), Erlspitzgruppe Rotwandlspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Sunntigerspitze (), Hinterautal-Vomper-Kette Schaufelspitze (), Sonnjochgruppe Rauer Knöll (), (höchster Gipfel der) Rauer Knöll-Verzweigung Frau Hitt (), Nordkette Bettlerkarspitze (), Sonnjochgruppe Soiernspitze (), (höchster Gipfel der) Soierngruppe Hundskopf (), Gleirsch-Halltal-Kette Rappenspitze (), Rauer Knöll-Verzweigung Reither Spitze (), Erlspitzgruppe Hochalmkreuz (), Hinterautal-Vomper-Kette Brunnensteinspitze (), Nördliche Karwendelkette Krapfenkarspitze (), Soierngruppe Montscheinspitze (), (höchster Gipfel des) Vorkarwendel Schafreuter (), Vorkarwendel Mahnkopf (), Falkengruppe Viererspitze (), Nördliche Karwendelkette Fleischbank (), Vorkarwendel Grasberg (), Vorkarwendel Torkopf (), Nördliche Karwendelkette Hölzelstaljoch (), Vorkarwendel Kompar (), Vorkarwendel Bärenkopf (), Rauer Knöll-Verzweigung Juifen (), Vorkarwendel Demeljoch (), Vorkarwendel

Benachbarte Gebirgsgruppen Das Karwendel grenzt an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

Bayerische Voralpen (im Norden) Brandenberger Alpen (im Osten) Tuxer Alpen (im Süden) Stubaier Alpen (im Südwesten) Mieminger Gebirge (im Westen) Wettersteingebirge (im Westen)

Geologie Das Karwendel besteht aus Wettersteinkalk und Dolomit (letzterer insbesondere in der Erlspitzgruppe). Die vier Hauptketten sind aus mächtigen Kalkbänken aufgebaut, die durch die geologische Auffaltung nach Süden geneigt sind. Der charakteristische Bau des Karwendels ist in den Laliderer Wänden in der mittleren Hinterautal-Vomper-Kette besonders gut zu erkennen. Die Bruchkanten der Auffaltung bilden senkrechte bis zu 1.000 Meter hohe Wände auf der Nordseite, aus der sanfteren Südseite haben die Gletscher der vergangenen Glaziale weite Kare ausgefräst, die durch mächtige Grate voneinander getrennt werden.

Gewässer Der einzige, sehr kleine Gletscher im Karwendel befindet sich in der Hinterautal-Vomper-Kette nördlich unterhalb der Eiskarlspitze in den Eiskarln.

Das Karwendelgebiet wird mit Ausnahme seiner Außenseiten nach Westen und Norden entwässert. Im Hinterautal zwischen der Hinterautal-Vomper-Kette und der Gleirsch-Halltal-Kette entspringt die Isar, in den benachbarten Paralleltälern deren Zuflüsse Gleirschbach (links) und Karwendelbach (rechts). Auch die beiden nächstgrößten Gewässer im Karwendel münden in die Isar: Das Einzugsgebiet des Rißbachs, dessen Wasser auf der bayerischen Seite durch den rund sieben Kilometer langen Rißbachstollen dem Kraftwerk Niedernach zugeführt und dann in den Walchensee geleitet wird, umfasst vor allem die Nordseite des Hauptmassivs und die Soierngruppe. Nordöstlich davon entwässert die Dürrach das Vorkarwendel. Die Bäche auf der Ostseite des Gebirges fließen in den Achensee (Pletzach mit dem Falzthurnbach und der Oberaubach) und dessen natürlichen Ablauf, den Isarzufluss Seeache (Unteraubach, Dollmannsbach). Der einzige nennenswerte natürliche Innzufluss ist der Vomper Bach im Südosten.

Insgesamt weist das Isar-Flusssystem, insbesondere auf der Tiroler Seite im Naturpark Karwendel, für mitteleuropäische Verhältnisse einen sehr hohen Natürlichkeitsgrad auf. Naturkundlich besonders interessant sind der Rißbach von den Hagelhütten bis zur Staatsgrenze und die Obere Isar im Hinterautal. Dort finden sich auch die typischen Tier- und Pflanzenarten wie die Deutsche Tamariske, die Gefleckte Schnarrschrecke oder der Flussuferläufer. Der zweite typische Kiesbankbrüter, der Flussregenpfeifer, kommt nur zwischen Wallgau und Sylvensteinspeicher vor.

Tier- und Pflanzenwelt Im Karwendel finden sich die üblichen Tierarten der Nördlichen Kalkalpen; insbesondere kann man in den hohen Karen oft große Gamsrudel beobachten. Im Sonnjochgebiet und auf der Nordkette wurden Steinböcke angesiedelt, die sich gut eingelebt haben. Aus Sicht der Vogelfauna ist das Karwendel ein Gebiet von europäischer Bedeutung. Allein auf österreichischer Seite wurden im Rahmen einer mehrjährigen, umfassenden Vogelkartierung 96 Brutvogelarten nachgewiesen, was circa 2/3 des Tiroler Vogelfauna entspricht.Unsere Natur- und Artenschutzprojekte, auf karwendel.org Gerade bei den Felsenbrütern und zahlreichen Waldvögeln wie Spechten und Eulen beherbergt das Karwendel europaweit bedeutende Bestände. Unter den Lurchen ist der Alpensalamander zu nennen, der oberhalb der Soiernseen bei feuchter Witterung recht häufig anzutreffen ist.

Siedlungen Die einzige Dauersiedlung innerhalb des Karwendelgebirges ist die Enklave Hinterriß, welche zur Marktgemeinde Vomp und der Achenseegemeinde Eben gehört. Von den zahlreichen Almen liegen einige in Tälern, darunter als die wohl bekannteste die Eng. Über dem Inntal und im Vorkarwendel gibt es aber auch Hochalmen. Im östlichen Vorkarwendel wird im Bereich der Tiefenbachalm am Osthang des Rether Horns () Ölschiefer abgebaut, allerdings nur zur Kosmetikaproduktion sowie zur Herstellung des sogenannten Tiroler Steinöls und daher in relativ geringen Mengen.

Naturschutz Sowohl der Tiroler als auch der bayerische Teil des Karwendels stehen unter Naturschutz. Der Tiroler Anteil am Naturpark Karwendel besitzt eine Größe von 727 km² und bildet somit eines der größten Naturschutzgebiete der Ostalpen. Das direkt angrenzende bayerische Naturschutzgebiet Karwendel und Karwendelvorgebirge misst weitere 190 km². Diese Schutzgebiete sind grenzübergreifend mit Bayern als Natura-2000-Gebiet (sowohl nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie/FFH als auch nach Vogelschutzrichtlinie) ausgewiesen.Site code: AT3304000 Karwendel. Natura 2000 Data Form (PDF; 108 kB).

Das Gebiet zeichnet sich besonders durch die große Steinadlerpopulation, die hohe Natürlichkeit des Waldes und des Wildflusssystems Isar aus. Des Weiteren befindet sich dort mit dem Großen Ahornboden für den Alpenraum das größte Vorkommen der sog. „Bergahornweiden“. Im Naturschutzgebiet sind insbesondere Zelten, Feuermachen, die Störung von Wildtieren und das Pflücken von Pflanzen(teilen) verboten.

Naturpark Karwendel

Der Naturpark KarwendelNaturpark Karwendel. auf karwendel.org. geht auf eines der ältesten Schutzgebiete der Ostalpen (Banngebiet von 1928) zurück. Mit einer Fläche von 727 km² ist er als GanzesFläche für Naturpark mit 72.741,16 ha, für Natura 2000 mit 72.740,57 ha (Quelle: tiris), bzw. 73 km² (Quelle Site code: AT3309000 Tiroler Lech. Natura 2000 Data Form, pdf) angegeben, Flächenangaben u. U. je nach Maßstab der Aufnahme abweichend auch Natura-2000-Gebiet (Sitecode AT3309000). Der Naturpark bildet sich aus 3 Naturschutz-, 2 Ruhe- und 6 Landschaftsschutzgebieten, und wurde 2009 von der Tiroler Landesregierung zum Naturpark erklärt (LGBl. 26/2009): (pdf, tirol.gv.at) Naturschutzgebiet Karwendel Naturschutzgebiet Martinswand Naturschutzgebiet Fragenstein Ruhegebiet Eppzirl