mini|Nelson Mandela (1994)rahmenlos|hochkant
Nelson Rolihlahla Mandela [] (* 18. Juli 1918 in Mvezo, Südafrikanische Union; † 5. Dezember 2013 in Johannesburg), in Südafrika häufig mit dem traditionellen Clannamen Madiba bezeichnet, oft auch Tata genannt (isiXhosa für „Vater“), Initiationsname Dalibunga,Names. In: nelsonmandela.org, abgerufen am 28. Juni 2013 (englisch).Nelson Mandela ist tot. In: tagesanzeiger.ch, 5. Dezember 2013, abgerufen am 5. Dezember 2013. war ein südafrikanischer Aktivist und Politiker im Jahrzehnte andauernden Widerstand gegen die Apartheid und von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident seines Landes. Ab 1944 engagierte er sich im African National Congress (ANC). Aufgrund seiner Aktivitäten gegen die Apartheidpolitik in seiner Heimat musste Mandela von 1963 bis 1990 insgesamt 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft verbringen. Mandela war ein führender und herausragender Vertreter im Freiheitskampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.Große Menschenrechtler – Geschichte der Menschenrechte; In: Planet Wissen. Er war der wichtigste Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Staatswesen in Südafrika. 1993 erhielt er deshalb den Friedensnobelpreis. Bereits zu Lebzeiten wurde Mandela für viele Menschen weltweit zum politischen und moralischen Vorbild. Er gilt als großer afrikanischer Staatsmann im 20. Jahrhundert.
Kindheit und Jugend Eltern und Königshaus der Thembu Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, geboren. Sein Vater, Gadla Henry Mandela, gab ihm den Namen Rolihlahla, was wörtlich „Am Ast eines Baumes ziehen“ bedeutet – gemeint ist damit ein „Unruhestifter“. (englisch), abgerufen am 30. März 2013. Seine Mutter, Nosekeni Fanny, war Gadlas Drittfrau.Nelson Mandela: Long Walk to Freedom Volume I: 1918–1962. Little, Brown and Company, New York City 1994, ISBN 978-0-7540-8723-6, S. 15. Den britischen Namen Nelson erhielt Mandela erst an seinem ersten Schultag. Der junge Rolihlahla, der drei Schwestern und drei Brüder hatte, wurde durch seine Zugehörigkeit zum Königshaus der Thembu geprägt, die zum Volk der Xhosa gehören. Jedoch war er innerhalb der Thembu-Monarchie Angehöriger einer Nebenlinie, so dass sein Vater in erster Linie für die königliche Hofhaltung und die Beratung des Monarchen verantwortlich war, während die Hauptlinie traditionell den König stellte. Mandela hatte eine naturverbundene Kindheit in relativem Wohlstand.
mini|Mandela-Porträt auf einer sowjetischen Briefmarke 1988 („Kämpfer für die Freiheit Südafrikas“)
Nach einem Streit mit der weißen Provinzregierung verlor sein Vater Amt und Vermögen. Daraufhin zog die Mutter mit ihrem Sohn zu Verwandten einige Täler weiter in das Dorf Qunu, unweit von Umtata. Der Junge wurde geformt durch „Sitte, Ritual und Tabu“ der Xhosa. Bereits mit ungefähr fünf Jahren hütete er die Tiere, sammelte Essbares, lernte Fische zu fangen und mit Stöcken zu kämpfen. Während seine Mutter in Qunu Christin wurde, blieb sein Vater zeitlebens den religiösen Traditionen der Xhosa treu. Er ließ seinen Sohn allerdings methodistisch taufen, um ihm eine formale Bildung zu ermöglichen.Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 19 u. 24. Mandela blieb zeitlebens Mitglied dieser Kirche.
Schulausbildung 1925 schickte ihn sein Vater auf die kleine Methodistenschule von Qunu, die er mit einem insgesamt guten Zeugnis bewältigte. Als der Vater 1930 starb, war Mandela 12 Jahre alt. Nach dem Tod seines Vaters wurde er als Waise vom Stammesoberhaupt der Tembu adoptiert und zum Wahlbezirksführer ernannt. Mit 16 wurde er traditionsgemäß mit einem Initiationsritual in die Reihe der Erwachsenen seines Volkes, der Xhosa, aufgenommen. Er erhielt dabei den Namen Dalibunga, deutsch etwa „Gründer des Rates“.Nelson Mandela: Long Walk to Freedom. Little, Brown & Company, New York 1994, ISBN 0-316-54585-6, S. 37 Danach besuchte er das Clarkebury Boarding Institute in Engcobo, eine Internatsschule für Thembu, wo er sein Junior Certificate erhielt.Nelson Mandela Foundation: Biography of Nelson Mandela. auf www.nelsonmandela.org (englisch)
Schon als Kind lernte er, wie er in seiner Autobiografie berichtet, seine „Gegner zu bezwingen, ohne sie zu entehren“Nelson Mandela: Der Lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 20 und später die Methode der einvernehmlichen Beschlussfassung: In den Stammesversammlungen – unter Leitung seines Adoptivvaters – konnte jeder Mann, ob arm oder reich, seine Anliegen, darunter Kritik am Regenten, freimütig vortragen. Der Anführer hörte zunächst kommentarlos zu und bemühte sich anschließend um eine Konsensfindung.Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 35ff
Studium 1937, mit 19 Jahren, kam er an die ungefähr 250 Kilometer von Umtata entfernte methodistische Missionsschule Healdtown Weslean College bei Fort Beaufort. Das College war britisch geprägt. Dort hatte er erstmals freundschaftliche Beziehungen zu einem Nicht-Xhosa und begann langsam ein Bewusstsein als Afrikaner zu entwickeln, unabhängig von traditionellem Stammesbewusstsein. Hier erwarb er sein Matric.Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 58ff
Im Alter von 21 schrieb sich Mandela 1939South African History Online: Nelson Mandela Timeline 1930–1939. auf www.sahistory.org.za (englisch) im University College von Fort Hare in Alice ein, einer höheren Bildungseinrichtung in Regie der Anglikaner. Trotz ihrer nur 150 Studenten war sie von großer Bedeutung für afrikanische Gelehrte aus Süd-, Zentral- und Ostafrika. Hier begegnete Mandela seinem langjährigen politischen Weggefährten Oliver Tambo, einem späteren Präsidenten des African National Congress (ANC). Fort Hare wie auch Healdtown waren Zentren der Opposition gegen die politische Vormachtstellung der Weißen in Südafrika. Neben Mandela und Tambo erhielten hier viele andere Afrikaner ihre akademische Ausbildung, die Jahre später im politischen Widerstand eine führende Rolle spielen sollten. Mit dem Studium der Fächer Englisch, Anthropologie, Politik, „Eingeborenenverwaltung“ und Römisch-Holländisches Recht strebte Mandela nun, abweichend von der vorgesehenen Laufbahn am Thembu-Hof, eine Dolmetscher- oder Beamtenkarriere für das Regierungsministerium für „Eingeborenenangelegenheiten“ an.Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 65ff
In Fort Hare betätigte sich Mandela erstmals politisch und wurde 1940 in den Studentenrat, Student’s Representative Council (SRC), gewählt.Sheila Keeble (Hrsg.), S. P. P. Kutumela, A. Booley: The Black Who’s Who of Southern Africa Today. African Business Publ., Johannesburg 1979, 1. Aufl., S. 171 Als Mandela mit anderen Kommilitonen gegen die schlechte Verpflegung auf dem Campus protestierte, reagierte die College-Leitung mit einem Ultimatum: Er konnte zwischen Einlenken und vorübergehender Suspendierung wählen. Mandela verließ das University College und die Region, nachdem der Regent Jongintaba, der Mandela viele Jahre erzogen hatte, die Verheiratung seines Sohnes Justice und Mandelas mit zwei Thembu-Mädchen arrangiert hatte. Das Lobola, der Brautpreis, war bereits für beide organisiert, so dass die Vermählung nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte.
Die beiden Männer flohen daher nach Johannesburg, das sie im April 1941 erreichten. Anfangs arbeitete Mandela als Wachmann in einem Goldbergwerk am Witwatersrand, wo er die Praxis des Kapitalismus kennenlernte. Er wurde entlassen und nahm im selben Jahr auf Vermittlung von Walter Sisulu bei Lazar Sidelsky in der Anwaltskanzlei Witkin, Sidelsky & Eidelman eine Ausbildungsstelle an, wo er zum ersten Mal freundschaftliche Beziehungen zu einem Weißen, dem jüdischen Kommunisten Nat Bregman, entwickelte.Obit: Nat Bregman, Mandelas first white friend. auf www.jweekly.com (englisch), abgerufen am 31. März 2013 Seinen Wohnsitz hatte Mandela im Stadtteil Alexandra, wo er unter ärmlichen Bedingungen lebte. In Johannesburg war Mandela auch als Schwergewichtsboxer aktiv.Mandela – The Heavy-weight Boxer. auf www.awesomestories.com (englisch), Foto und Zitat, abgerufen am 5. April 2013 Mandela beendete 1943 im Fernstudium an der University of South Africa (UNISA) seinen Bachelor of Arts, worauf er an das University College of Fort Hare zwecks Graduierung zurückkehrte. In Johannesburg ermutigte ihn der ANC-Generalsekretär Walter Sisulu, ein Jurastudium an der Witwatersrand-Universität zu beginnen. Während dieser Zeit lernte Mandela seinen späteren Anwalt Joel Carlson kennen. 1949 musste er die Universität ohne Abschluss verlassen, da er die Abschlussprüfung wegen seiner politischen Karriere mehrmals nicht bestanden hatte.Nelson Mandela: Bekenntnisse. (Übersetzung von Anne Emmert, Hans Freundl, Werner Roller) München, Zürich, 2010, S. 414, 417. ISBN 978-3-492-05416-4
Während der 1960er Jahre nahm Mandela an einem Fernstudienprogramm der Universität London teil. Im Rahmen dieser University of London International Programmes absolvierte er 1963 wichtige Zwischenprüfungen (London Intermediate exams). Doch die zur Anerkennung für externe Hochschulabschlüsse zuständigen Behörden in Südafrika verhinderten mit den von ihnen aufgestellten Bedingungen bis in die 1970er Jahre den erfolgreichen Abschluss seines Jura-Studienganges.University of London: . auf www.londoninternational.ac.uk (englisch)
Erst 1989, zum Ende seiner Haftzeit, konnte Mandela dieses bis dahin unvollendete Studium an der UNISA mit einem Bachelor of Law abschließen.
Politische Aktivität Anfänge Als junger Jurastudent engagierte sich Mandela in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime mit dem Ziel, für die schwarze Mehrheit des Landes gleiche politische, soziale und wirtschaftliche Rechte zu erkämpfen. 1944 trat er dem ANC beiNelson Mandela: I am prepared to die. International Defence and Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 42. und gründete im selben Jahr zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen die ANC Youth League (etwa: „ANC-Jugendliga“). Hintergrund war die Unzufriedenheit mit der wirkungsarmen Politik der damaligen ANC-Führung unter Alfred Bitini Xuma und das Misstrauen gegenüber deren Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei und Vertretern der Inder. Die nationale Befreiung der Afrikaner aller Stämme konnte, so die Auffassung der Liga, nur von Afrikanern erreicht werden, die nicht von ausländischen Ideologien dominiert waren. Bis etwa 1949 neigte er, mehr noch als andere seiner Gefährten, einem konsequenten „afrikanischen Nationalismus“ zu. Er meinte, ein gemeinsamer Kampf sei zu sehr vom kulturellen Hintergrund der Weißen beeinflusst und könnte die schwarzen Minderwertigkeitsgefühle nicht überwinden. Die gesamte Jugendliga wurde mit ihren damaligen Vorstellungen in der ANC-Exekutive überstimmt.Nelson Mandela: I am prepared to die. International Defence & Aid Fund for Southern Africa, London 1979, ISBN 0-904759-29-6, S. 7.Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a. M. 1994 (TB 2013) S. 140ff.