Valletta (maltesisch auch il-Belt Valletta, il-Belt Valetta, Valetta oder il-Belt – italienisch auch La Valletta) ist die Hauptstadt der Republik Malta. Sie ist sowohl nach Fläche als auch nach Einwohnerzahl die kleinste Hauptstadt eines EU-Staates. Auch innerhalb Maltas zählt Valletta nicht zu den großen Städten; es steht nach Einwohnerzahl an 33. Stelle. Aufgrund ihres kulturellen Reichtums wurde Valletta 1980 als Gesamtmonument in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Im Jahr 2018 war Valletta gemeinsam mit Leeuwarden (Niederlande) Kulturhauptstadt Europas.
Valletta gilt als eine der historisch am besten gesicherten Städte der Welt, denn sie wird von einem Ring aus Bastionen umgeben. Der südliche Eingang durch das einstige Stadttor wird vom St.-James- und St.-Johns-Kavalier gedeckt. Im Uhrzeigersinn folgen die nach Heiligen benannten, nur nach außen wirkenden Bastionen Michael, Andrew, Salvatore, Sebastion, Gregor, das Fort St. Elmo, Lazarus, Barbara, Anthony und James. Zur Zeit der Ritterherrschaft auf der Insel war jeweils eine der sogenannten Zungen des Malteserordens für deren Verteidigung zuständig. Die entsprechenden Mauerabschnitte sind daher auch nach den jeweiligen Zungen bezeichnet (z. B. Arragon-Curtain). Dass es auch einen Lazarus-Curtain gibt, lässt die Vermutung zu, dass hier der Lazarus-Orden, ein weiterer Ritterorden mit nahezu gleicher Geschichte wie der Malteserorden, zuständig war. Der offizielle Sitz des Lazarus-Ordens ist das Castello Lanzun in San Ġwann auf der Insel Malta.
Geografie Lage Valletta liegt an der Nordostküste der Insel und befindet sich auf der Landzunge Monte Sciberras, die von den beiden größten Naturhäfen des Mittelmeers Grand Harbour und Marsamxett Harbour umschlossen ist. Valletta grenzt im Südwesten an die Nachbarstadt Floriana. In Längsrichtung (Nordost-Südwest) sind die Republic Street (früher Queen’s Street) und die parallel verlaufende Merchants Street von alters her die Hauptgeschäftsstraßen.
Klima In Valletta herrscht Mittelmeerklima. Es gibt warme, trockene Sommer mit Temperaturen um die 30 °C und feuchte, milde Winter, in denen die Werte auf etwa 15 °C fallen. Wegen der Insellage sind die täglichen Temperaturunterschiede meist sehr gering (5 bis 10 °C). Es fallen circa 519 Millimeter Niederschlag pro Jahr, wobei sich 81 % davon auf die Zeit von Oktober bis März verteilen. Es überwiegen aride Monate.
Herkunft des Namens Der offizielle Name, den der Malteserorden der Stadt einst gab, war Humilissima Civitas Vallettae (Höchst bescheidene Stadt von Valletta) nach Jean Parisot de la Valette, dem damaligen Großmeister des Ordens. Als Stadt der mächtigen Bastionen und der barocken Gebäude sowie der Prachtentfaltung der späten Großmeister erhielt sie als Superbissima den Ruf, die prunkvollste aller europäischen Städte zu sein. Im Maltesischen wird Valletta umgangssprachlich auch als il-Belt bezeichnet, was ganz einfach die Stadt bedeutet. Die Einwohner heißen Beltin.
Geschichte mini|hochkant|Denkmal für Jean de la Valette in Valletta
Nachdem die Belagerung durch die Osmanen im Jahr 1565 mit einem militärischen Erfolg für die Verteidiger der Insel zu Ende gegangen war, entschlossen sich die Ritter des Malteserordens, auf der Landzunge des Monte Sciberras hinter dem zuvor hart umkämpften und bei der türkischen Belagerung komplett zerstörten Fort St. Elmo eine Festungsstadt nach den neuesten Erkenntnissen der Militärarchitektur und den zeitgenössischen Idealstadt-Theorien zu errichten. Die Halbinsel bot eine strategisch hervorragende Position, um die beiden großen natürlichen Häfen auf jeder Seite zu kontrollieren. mini|hochkant=0.9|links|Valletta im 17. Jahrhundert
Der Grundstein für diese Stadt wurde am 28. März 1566 durch den Großmeister des Ordens, Jean de la Valette gelegt. Die Planungen für die geometrische Anlage der Befestigungsmauern und des rechtwinkligen Straßennetzes stammten von dem italienischen Architekten und Festungsbaumeister Francesco Laparelli. Der Entwurf und die Fertigstellung der einzelnen Festungselemente wurden weitgehend dem maltesischen Assistenten Laparellis, Gerolamo Cassar, überlassen.
Als Laparelli die Insel 1568 noch vor Abschluss der Bauarbeiten wieder verließ, übernahm sein Assistent Cassar die Gesamtleitung des Vorhabens. Am 18. März 1571 wurde der Ordenssitz mit einer feierlichen Zeremonie offiziell von Birgu in die neue Stadt verlegt. La Valette, der am 21. August 1568 in Birgu verstarb, konnte das Ende seines Projekts nicht mehr miterleben. Ihm zu Ehren erhielt die Stadt seinen Namen. Sein Nachfolger als Großmeister wurde Pierre de Monte, der den Ausbau von Valletta weiter vorantrieb. mini|Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800 Ursprünglich planten die Ritter zur See, an der Nordflanke der Stadt ein Hafenbecken für ihre Ordensflotte anzulegen, das von der Festungsumfassung geschützt sein sollte. Der Aushub der als Manderaggio bezeichneten Anlage (im Maltesischen il-Mandraġġ) sollte als Baumaterial für die Häuser Vallettas dienen. Als dieses Vorhaben aufgegeben wurde, entwickelte sich die Baustelle zu einer Art Slum, der von Obdachlosen unter bedenklichen sanitären Bedingungen bewohnt wurde. Das Areal des geplanten Manderaggio, das sich heute als Irregularität im orthogonalen Rasterplan der Stadt abzeichnet, wurde in den 1950er Jahren mit einer Wohnsiedlung bebaut.
Die Errichtung der Stadt dauerte insgesamt 20 Jahre und konnte erst durch die finanzielle Unterstützung von Papst Pius V. und dem spanischen König Philipp II. verwirklicht werden. Nach Fertigstellung beherbergte Valletta 4000 Einwohner und Ordensritter aus verschiedensten Regionen Europas.
Mit der Pestepidemie 1676, die 10.000 Todesopfer forderte, erlebte das junge Valletta seine erste Krise, jedoch expandierte das Bevölkerungsvolumen Maltas und auch die Einwohnerzahl der Hauptstadt danach wieder.
In Bezug auf die Motive der Stadtentwicklung gab es erst im 17. und 18. Jahrhundert einen Wandel. In dieser Zeit begannen militärische Interessen in den Hintergrund zu rücken, sodass verschiedene Bauten für die Verwaltung oder Gewerbe und Handel entstanden. Daraufhin „erblühte die Stadt und wurde eine monumentale Barockstadt“, welche, wenn auch viel kleiner, mit Städten wie St. Petersburg, Prag oder Wien zu vergleichen war. Dadurch versuchte der Johanniterorden seinen Status und sein Ansehen europaweit zu demonstrieren.
Bis zur Kapitulation der Malteserritter unter ihrem Großmeister von Hompesch vor Napoleons Flotte im Jahr 1798, bei der kein Schuss abgegeben wurde, blieb Valletta uneingenommen und unzerstört.
1869 stieg mit der Eröffnung des Suez-Kanals die Bedeutung Vallettas als Hafenstadt. Diese Funktion wurde durch die britische Flotte besonders im Ersten Weltkrieg genutzt.
Erst im Zweiten Weltkrieg wurde es durch deutsche und italienische Luftangriffe teilweise verwüstet, während die mächtigen Befestigungsmauern dem Bombenhagel trotzten (siehe Hauptartikel Belagerung von Malta (Zweiter Weltkrieg)). Der Archipel wurde dabei zeitweise mit nur drei Flugzeugen verteidigt. Der britische König verlieh dem maltesischen Volk im Jahr 1942 daraufhin das George Cross für besonderes Heldentum.
Seit 1980 befindet sich fast die gesamte Stadt Valletta auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Wirtschaft mini|City Gate mini|Typischer Straßenzug in Valletta mini|Blick auf Valletta von den Upper Barrakka Gardens Von der 173.858 starken Erwerbsbevölkerung auf Malta im Jahr 2009 entfielen 85.498 Angestellte und Arbeiter auf Valletta samt Ballungsraum. Eurostat schätzt die Erwerbsbevölkerung im Jahr 2015 für den Großraum Valletta auf ca. 91.000 Personen. Für die ganze Insel wird diese auf ca. 193.000 Personen geschätzt. Dies entspricht einem Anteil von knapp 50 Prozent. Somit ist die Hauptstadt ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Insel. Dieser Ballungsraum umschließt die Ortschaften Sliema, Birkirkara, San Gwann, Paola und Zabar. Die Beschäftigungsquote in Valletta konnte in der letzten Dekade bei den 20–64-Jährigen um knapp zehn Prozentpunkte gesteigert werden. Lag diese 2005 bei 57,4 Prozent, wurde 2011 und 2014 eine Beschäftigungsquote von 61,6 bzw. 66,7 Prozent in dieser Altersklasse erreicht. Die Arbeitslosenquote lag in dieser Gruppe in den Jahren 2011 und 2012 bei 5,5 Prozent. Nach einem marginalen Anstieg auf 5,7 Prozent im Jahr 2013 sank diese wiederum im Jahr 2014 auf 5,2 Prozent.
Tourismus Wie auf ganz Malta ist auch hier der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die bedeutendste Tourismuszone ist der Ballungsraum um den Grand Harbour. Dieser urbane Raum hat eine außerordentlich abwechslungsreiche touristische Infrastruktur. In diesem Gebiet herrscht eine hohe Dichte an Souvenirläden, Boutiquen und Einkaufszentren. Ebenso haben sich viele Restaurants und Gaststätten in und um Valletta angesiedelt. Im Jahr 2015 besuchten knapp 1,8 Mio. Touristen Malta. Dies entspricht einem Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ferner besuchen fast alle Touristen auf Malta mindestens einmal Valletta. Allerdings beträgt die Verweildauer eines Touristen nur wenige Stunden. Diese kurze Verweildauer in Valletta hat zur Folge, dass der touristische Einfluss auf die städtische Wirtschaft gering ist. Die Touristen geben pro Kopf täglich knapp 34 €, somit insgesamt 36 Mio. € für Essen, Eintrittsgelder für Sehenswürdigkeiten und Souvenirs im Jahr aus. Diese Ausgaben von Touristen sind zwar doppelt so hoch wie im Rest von Malta, jedoch sehen Politiker das große Potenzial Vallettas, um die Ausgaben der Touristen und so die Einnahmen der Wirtschaft zu erhöhen. mini|381x381px|La Valletta Kreuzfahrthafen
Kreuzfahrttourismus Ein weiterer Wirtschaftszweig in der Stadt ist die Kreuzfahrttourismus. Dieser hat sich vor allem in den 1960er, 1980er und 1990er Jahren weltweit stark entwickelt. Alleine im Mittelmeerraum wuchs der Kreuzfahrtmarkt von 1992 bis 2001 jährlich um 11–12 Prozent. Um von diesem wachsenden Markt zu profitieren, wurde nach mehreren Jahren der Planung im Jahr 2002 damit begonnen, im Grand Harbour das Valletta Waterfront Project, ein Kreuzfahrtterminal, zu bauen. Dieses Projekt hat eine Größe von 30.000 m² und ein Investitionsvolumen zwischen 22 und 32 Mio. €. Ebenfalls wurde geschätzt, dass mit diesem Projekt dauerhaft 400 neue Arbeitsstellen entstehen.
Dies führt von Jahr zu Jahr zu steigenden Passagierzahlen. So kamen allein im Jahr 2015 600.000 Passagiere in Valletta an. Dies ist ein Plus von 27 Prozent zum Vorjahr. Im Jahr 2019 wurde mit 902.425 Passagieren ein weiterer Rekord erzielt. Bedingt durch die COVID-19-Pandemie kamen Kreuzfahrten in den Jahren 2020 (69.180 Passagiere) und 2021 (147.132 Passagiere) zeitweise zum Erliegen. In den Jahren 2022 (529.247 Passagiere) und 2023 (889.336 Passagiere) erholte sich der Kreuzfahrttourismus und konnte wieder an die Zahlen von 2019 anschließen. Mit 940.915 Passagieren wurde im Jahr 2024 ein neuer Rekord erzielt.
Jedoch ist der wirtschaftliche Einfluss der Kreuzfahrtindustrie nur schwer einzuschätzen, da dieser von der Anzahl der Passagiere abhängig ist.
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