Weiach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Dielsdorf, Kanton Zürich, Schweiz. Von den Einheimischen wird sie Weyach oder Weych genannt (ey bzw. [] wird als Diphthong mit Betonung auf dem e ausgesprochen); nach zürichdeutscher Rechtschreibung: Weich.

Die Gemeinde liegt etwa 25 km Luftlinie nördlich des Stadtzentrums von Zürich. Sie ist seit 1962 vor allem durch die Weiacher Kies AG bekannt, das erste Unternehmen in der Schweiz, welches den Kiesabbau mit industriellen Verfahren betreibt. Die Ausbeutung des einzigen in nennenswerten Quantitäten vorhandenen Bodenschatzes der Schweiz liess die Gemeinde zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihre Finanzprobleme vergessen. 1995 machte Weiach als steuergünstigste Gemeinde des Kantons Schlagzeilen.Hillmar Höber: Weiach erhält tiefsten Steuerfuss im Kanton. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 292, 15. Dezember 1995, S. 55.

Seit dem 1. Januar 2022 ist Weiach eine sogenannte Einheitsgemeinde. Auf diesen Zeitpunkt wurden die politische Gemeinde und die Primarschulgemeinde fusioniert.

Geographie Die Gemeinde liegt in der nordwestlichen Ecke des Zürcher Unterlandes, an der Kantonsgrenze Zürich-Aargau. Der Rhein, der einige hundert Meter nördlich des Dorfes vorbeiströmt und die natürliche Grenzlinie zur Bundesrepublik Deutschland bildet, markiert den tiefsten Punkt im Kanton Zürich (). Den höchsten Punkt auf Gemeindegebiet bildet das Plateau des Haggenbergs (Bezeichnung des Stadlerbergs auf Weiacher Seite) mit

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen: Fisibach und Zurzach (Exklave Kaiserstuhl; seit 2022) im Kanton Aargau, Hohentengen am Hochrhein im Landkreis Waldshut (Bundesrepublik Deutschland) sowie Glattfelden, Stadel (Ortschaften Windlach und Raat) und Bachs im Kanton Zürich.

Zur Gemeinde gehören die Kernsiedlung im Zentrum des Territoriums, einige Einzelhöfe (u. a. Höbrig am Sanzenberg, Felsenhof an der Strasse nach Raat, Ofen an der Hauptstrasse 7 nach Glattfelden und Rheinhof am Flussufer) sowie zwei Industrie- und Gewerbegebiete im Bereich des alten Bahnhofs und des Kieswerks. Seit 2015 hinzugekommen sind die Neubaugebiete (mehrheitlich Mehrfamilienhäuser mit Flachdächern) westlich der Swissgrid-Hochspannungsleitung zwischen Bedmen und Altem Bahnhof, auch bekannt als Neu-Weiach.

Die Kernsiedlung liegt geschützt zwischen bewaldeten Hügelzügen, in eine noch bis vor wenigen Jahren dicht mit Obstbäumen bestandenen Geländekammer eingebettet, die sich nach Norden gegen den Rhein hin öffnet. Waldungen im Umfang von 466 ha bedecken rund die Hälfte des gesamten Gemeindebanns. Grosse Teile des Waldes gehören der politischen Gemeinde.

Im Jahr 2018 waren von der Gemeindefläche 32,5 % landwirtschaftlich genutzt (inklusive temporär für Kiesabbau genutzte Flächen), 50,7 % waren mit Wald bestockt, die Verkehrsflächen betrugen 2,9 %, die Gewässer umfassten 2,1 %, und die Siedlungsfläche betrug 10,0 %. 1,8 % waren unproduktive Flächen.Gemeindeporträts. Weiach. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.

Die Ebene im nordöstlichen Gemeindegebiet gehört zu den im Vorland des würmeiszeitlichen Rheingletschers abgelagerten Schotterterrassen des Rafzerfeldes, die seit Anfang der 1960er-Jahre im industriellen Massstab ausgebeutet werden (siehe Abschnitt Industrie).

Wappen und Logo mini|120px|Abb. 1: Wappen der Gemeinde Weiach von 1931 Blasonierung: Schräggeteilt von Silber und Blau, mit achtstrahligem Stern in verwechselten Farben Der Stern steht in keinem bestimmten Verhältnis zum Zürcherschild (schrägrechts von Silber und Blau geteilt) mini|120px|Abb. 2: Logo der politischen Gemeinde Weiach Das im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts entstandene Dekanatsbuch des Kapitels RegensbergActen- und Decanats-Buch eines Ehrwürd. Regensberger Capituls (auf das Jahr 1719 erstellt); Signatur: StAZH E IV 5.16. belegt erstmals ein Gemeindewappen. Dieses zeigt den Herrschaftsanspruch der Stadt Zürich und eine Verbindung zum einzigen ehaften (das heisst obrigkeitlich konzessionierten) Gasthof mit Beherbergungsrecht in der Gemeinde, der alten Taverne «zum Sternen». Unklar ist, ob Name und Schild des Gasthofs von einem älteren Zeichen der Gemeinde übernommen wurden oder umgekehrt der Stern als Wirtshauszeichen später auf die Gemeinde überging. Die heraldisch ungünstige Blasonierung des Belegs im Dekanatsbuch: goldener, facettierter Stern auf dem in blau und silber geteilten Zürcherschild wurde im 20. Jahrhundert durch die Gemeindewappenkommission verworfen.

Im 19. Jahrhundert war auch ein sechsstrahliger goldener Stern auf blauem Grund gebräuchlich (ähnlich dem heutigen Wappen von Dietlikon). Der Stern könnte sich vom Wappen der Schaffhauser Patrizierfamilie Heggenzer ableiten, die bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm im Jahre 1587 Mitbesitzer der Niederen Gerichtsbarkeit war.

In seiner heutigen Form mit dem achtstrahligen Stern in gewechselten Farben wurde das Weiacher Wappen mit der Wappentafel von Johannes Krauer populär und wurde auf Empfehlung der Wappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich vom Gemeinderat Ende November 1931 offiziell anerkannt.Vgl. Ulrich Brandenberger: Dorfzeichen, Wappen und Logo. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam. Teil 1 (= Weiacher Geschichte(n). Nr. 84). In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach. November 2006 (PDF; 214 kB). Sowie ders.: 75 Jahre offiziell anerkanntes Wappen. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam. Teil 2 (= Weiacher Geschichte(n). Nr. 85). In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach. Dezember 2006 (PDF; 642 kB).

Das seit dem 1. Mai 2000 auf Gemeindedrucksachen und dem Internetauftritt gebräuchliche Logo zeigt in stilisierter Form das Gemeindegebiet mit Rhein und Waldbestockung, wie es sich aus grosser Höhe auf Satellitenfotos ausnimmt.

Geschichte mini|250px|Abb. 3: Weiach im Siegfriedatlas von 1880

Ur- und Frühgeschichte Zahlreiche archäologische Fundstellen machen deutlich, dass das Territorium der heutigen Gemeinde Weiach wegen seiner Lage am Rhein und seiner Topographie seit dem Ende der letzten Eiszeit ein bedeutendes Siedlungsgebiet war.

An den Rheinterrassen wurden an verschiedenen Orten Inventare von Feuersteinsplittern entdeckt, welche auf die Mittel- bis Jungsteinzeit datiert werden. Zu den Einzelfunden auf Gemeindegebiet gehört auch ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Mögliche neolithische Höhensiedlungen werden auf den Plateaus des Steins und des Stadlerbergs vermutet. Grosse Wallanlagen (Refugien), die auf Grund der Fundlage schon seit prähistorischer Zeit bestehen müssen, können auf einem Felssporn des Wörndels (genannt: Leuechopf) und im Ebnet oberhalb der Fasnachtflue festgestellt werden: grossflächige Aufschüttungen mit fast ebenem Bereich, umgeben von Wällen und Gräben. Private Prospektionen auf dem Leuechopf brachten 1935 ausserdem Hinweise auf die Fundamente eines Rundturmes. Im Bereich des gesamten Hügelzugs befinden sich mögliche vorgeschichtliche Siedlungsplätze, die noch zu erforschen sind.

Zu den archäologischen Funden gehören weiter Grabbeigaben wie Bronzespangen und -nadeln sowie ein Dolch aus der Mittelbronzezeit (ca. 1500–1300 v. Chr.). Sie stammen aus mehreren frühbronzezeitlichen Grabhügeln, die in der Ebene des Hard liegen. Sieben von ihnen wurden 1855 erstmals inventarisiert und drei im Jahre 1866 durch Ferdinand Keller, den Präsidenten der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, untersucht. Im Verlaufe des Kiesabbaus wurde im Frühjahr 2001 bei Rettungsgrabungen durch die Kantonsarchäologie im Gebiet Winkelwiesen am nordöstlichen Dorfausgang eine bronzezeitliche Siedlung entdeckt. Neben einem Urnengrab, grossen Mengen an Keramik und verschiedenen Hausgrundrissen (bis 5 × 14 m) fand man auch einen gepflästerten Weg (Dorfstrasse aus Bollensteinen), welcher auf die Spätbronzezeit (ca. 1300–800 v. Chr.) datiert wird.

Im Rahmen von Explorationsarbeiten vor der Kiesausbeutung im Gebiet Hasli fand die Kantonsarchäologie im Oktober 2020 am Sanzenberg einen keltischen Silberschatz, bestehend aus 62 Silberstatern und einer Potinmünze.

An die Römerzeit erinnern zwei Wachtturmfundamente (im Hard gut erhalten und 1969 konserviert (WT Nr. 36, KGS-Nr. 11679), im Gebiet Leebern/Heidenbuck stark zerfallen (WT Nr. 35, KGS-Nr. 11678); vgl. die Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung). Die Türme wurden unter dem weströmischen Kaiser Valentinian I. ab 369 n. Chr. entlang des Hochrheins zwischen dem Bodensee und dem Rheinknie bei Basel als Teil eines Abwehrsystems (Donau-Iller-Rhein-Limes) gegen die von Norden her vordringenden Alamannen errichtet. Neben mehreren Mammutzähnen förderten der Bau einer Flabstellung 1944/45 sowie der Kiesabbau im Jahre 1979 auch ein frühmittelalterliches Gräberfeld zutage. Als Grabbeigabe fand man 1979 einen Skramasax (Langversion eines Kurzschwerts) aus dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts.

Während der heutige Dorfkern in den Bachtälern am südlichen Rand der Rheinebene liegt, sind die seit längerem bekannten bronzezeitlichen Gräber mitten in der Ebene zu finden. Die 2001 ausgegrabene bronzezeitliche Siedlung im südwestlichen Abbaugebiet der Weiacher Kies AG war zudem in unmittelbarer Nähe des Dorfbaches angelegt. Sie lag damit angrenzend an die früher als Viehweide begehrten Sumpfwiesen, die bis Ende des 19. Jahrhunderts bewirtschaftet und danach drainiert wurden.

Ortsnamenkunde Aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (dendrodatiert auf die Jahre um 1240) ist ein Kellergeschoss im heutigen Ortskern erhalten.Isabell Hermann: Die Bauernhäuser des Kantons Zürich. Bd. 3. Basel 1997, S. 274. Auf das Jahr 1271 ist die älteste noch erhaltene schriftliche Erwähnung des Ortes datiert: in Wiâch.Ulrich Brandenberger: Weiach 1271. Der Schatten einer Urkunde. In: WeiachBlog Nr. 1379, 2. November 2018. Über die Herkunft und Bedeutung des Namens bestehen unterschiedliche Auffassungen. Das Zürcher Siedlungsnamenbuch geht davon aus, man könne sie «auf Basis der überlieferten Belege nicht sicher bestimmen». Im 19. Jahrhundert vermutete man noch einen Zusammenhang mit dem alemannischen Wortstamm wey als Bezeichnung für die Weihe, einen kleinen Greifvogel, mit dem zweiten Bestandteil aha (für: Bach, Fluss, siehe: Aa). Die jüngere Forschung rechnet mit einem in römischer Zeit gebildeten Namen eines hier befindlichen Gutshofes: dieses nicht bezeugte *Veiacus oder *Veiacum (ergänze: fundus oder praedium, d. h. Landgut) enthält den Namen des ersten Besitzers (Veius) und das im gallorömischen Siedlungsbereich übliche besitzeranzeigende Suffix -acus/-acum; Veiacus (fundus) bzw. Veiacum (praedium) bedeutet also Landgut des Veius. Überreste eines solchen antiken Gutshofes wurden bis heute zwar keine gefunden, doch fügt sich der Name in eine ganze Reihe von im Norden des Kantons Zürich bestehenden Ortsnamen ein, die alle auch aus Gutshofbezeichnungen entstanden sein dürften (vgl. Windlach, Bülach, Flaach und Neerach) und die zur Versorgung römischer Ansiedlungen wie des vicus Vitudurum (Oberwinterthur) bzw. des Legionslagers Vindonissa (Windisch) gegründet worden waren.

Politische Zugehörigkeit 1295 verkaufte der Minnesänger Jakob von Wart seinen Anteil an den niederen Gerichten seines Meierhofs in Wiach sowie des Dorfes Wiach an den Bischof von Konstanz. 1605 gelang es dem Fürstbischof, auch die andere Hälfte des Niedergerichts zu kaufen, die dem Hochstift dann bis zu seiner faktischen Entmachtung mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 exklusiv zustand.Ulrich Brandenberger: «Omne ius michi competens» – Hinweis auf geteiltes Niedergericht. In: WeiachBlog Nr. 2300, 30. Oktober 2025.