mini|Bhumibol Adulyadej (2010) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Bhumibol Adulyadej Bhumibol Adulyadej (thailändisch: , RTGS-Umschrift: Phumiphon Adunyadet, Aussprache: [] (); seit 1987 auch Bhumibol Adulyadej der Große; * 5. Dezember 1927 in Cambridge, Massachusetts, USA; † 13. Oktober 2016 in BangkokThailands König Bhumibol ist tot. Meldung vom 13. Oktober 2016 auf Spiegel Online) war vom 9. Juni 1946 bis zu seinem Tod König von Thailand – der neunte aus der Chakri-Dynastie (Rama IX.). Er war seinerzeit das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt und ist der am längsten amtierende Monarch in der Geschichte Thailands.

Geburt und Jugend Bhumibol Adulyadej wurde 1927 in den USA geboren, wo sein Vater, Prinz Mahidol Adulyadej, Fürst von Songkhla, an der Harvard University Medizin studierte. Trotz seines Geburtsortes war er selbst niemals US-Staatsbürger, da das Geburtsortprinzip in den USA nicht auf Abkömmlinge ausländischer Herrscher angewandt wird.Virginia La Torre Jeker: Great Fortune – The Late King of Thailand Is Not an ‘Accidental American’. In: Angloinfo, 15. Oktober 2016. Seine Mutter war die Bürgerliche Mom Sangwal, die später als Königsmutter den Namen Srinagarindra bekam. Sein Großvater war König Chulalongkorn (Rama V.), seine Onkel die Könige Vajiravudh (Rama VI.) und Prajadhipok (Rama VII.). Bhumibol hatte eine ältere Schwester, Prinzessin Galyani Vadhana, und einen älteren Bruder, Prinz Ananda Mahidol. In seiner amerikanischen Geburtsurkunde wurde zunächst nur Baby Songkla eingetragen, weil es nach dynastischer Tradition das Vorrecht des damaligen Königs und Oberhaupts des Hauses Chakri war, einen glückverheißenden Namen zu bestimmen. Prajadhipok wählte den Namen Bhumibala Adulyadeja, was auf Sanskrit „Stärke des Landes, unvergleichliche Kraft“ bedeutet.Grossmann, Faulder: A Life’s Work. 2012, S. 47.

1928 kehrte die Familie nach Bangkok zurück. Dort starb der Vater am 24. September 1929 an Nierenversagen.Grossmann, Faulder: A Life’s Work. 2012, S. 62.

Die Mutter brachte die Kinder 1933 zur Ausbildung in die Schweiz. 1934 wurde Bhumibol seine erste Fotokamera geschenkt. Das löste ein wichtiges, lebenslanges Hobby aus, die Fotografie. Seitdem wurde er zum Fotografen der Familie und trug die Kamera fast ständig bei sich. Nach der Abdankung ihres kinderlosen Onkels Prajadhipok wurde Bhumibols neunjähriger Bruder Ananda 1935 König (Rama VIII.). Sie blieben jedoch in der Schweiz, und Ananda wurde von Regentschaftsräten vertreten. Bhumibol und sein Bruder kehrten 1938 für zwei Monate nach Thailand zurück. 1942 begann sich Bhumibol für Jazzmusik zu begeistern und Saxophon zu lernen, eine Leidenschaft, die er sein Leben lang behielt.Grossmann, Faulder: A Life’s Work. 2012, S. 73–74. Nach dem Ablegen seiner Maturität am Gymnasium in Lausanne nahm er ein Studium der Technischen Wissenschaften auf. Erst 1945 reisten Ananda und er erneut für einige Zeit in ihre Heimat.Der «Waadtländer» Thaikönig Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 14. Juli 2021

Bhumibols Bruder, König Ananda Mahidol, wurde am 9. Juni 1946 erschossen in seinem Zimmer aufgefunden. Es wurde nie zweifelsfrei geklärt, ob er durch Mord, Selbsttötung oder einen Unfall starb. Bhumibol folgte ihm auf dem Thron. Zur Fortsetzung seiner Ausbildung kehrte er im August 1946 nach Lausanne zurück. Sein Onkel Prinz Rangsit Prayurasakdi, Fürst von Chai Nat, nahm als Regent die Amtsgeschäfte für ihn wahr. Um sich auf seine Position als Staatsoberhaupt vorzubereiten, wechselte der eigentlich naturwissenschaftlich interessierte Bhumibol zur Politik- und Rechtswissenschaft.

Bei einem Besuch in Paris traf er 1947 zum ersten Mal Mom Rajawongse Sirikit Kitiyakara, die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich, die durch die gemeinsame Abstammung von König Chulalongkorn entfernt mit ihm verwandt war. Bei einem Autounfall am Genfersee im Oktober 1948 verlor er ein Auge, so dass er seitdem mit einem Glasauge und einer Gesichtslähmung lebte. Während seines Aufenthalts im Krankenhaus wurde er häufig von seiner späteren Frau Sirikit besucht. Eine Verlobung im engsten Familienkreis in Lausanne folgte am 19. Juli 1949. Am 28. April 1950, eine Woche vor seiner Krönung, heirateten sie offiziell im Sra-Pathum-Palast im Bangkoker Bezirk Pathum Wan.

Krönung und Titel Die Krönungszeremonie fand am 5. Mai 1950 im Großen Palast in Bangkok statt. Sein zeremonieller Name war entsprechend den Traditionen:

(Phrabat Somdet Phra Paraminthra (oder Paramin oder Poramin) Maha Phumiphon Adunyadet Mahittalathibet Ramathibodi Chakkrinaruebodin Sayaminthrathirat Borommanat Bophit).ราชบัณฑิตยสภา แจง การออกเสียงพระนาม “ในหลวง รัชกาลที่ 9” ได้ 3 แบบ [Ratchabandittayasapha chaeng kan ok siang phra nam "Nai luang Ratchakan thi kao" dai sam baep; Königliche Gesellschaft erklärt: Der königliche Name von Rama IX. kann auf drei Weisen ausgesprochen werden.] In: Matichon Online, 28. Oktober 2016. () Am selben Tag machte er seine Frau zur Königin, sie erhielt dabei den Titel Somdet Phra Boromma Rachini. Der Tag der Krönung, der 5. Mai, ist seitdem in Thailand ein öffentlicher Feiertag.

Obwohl König Bhumibol im westlichen Ausland Rama IX. genannt wurde, wurde der Name Rama (eine Abkürzung von Ramathibodi) von der thailändischen Bevölkerung selten benutzt. Die Thailänder selber nannten ihn umgangssprachlich „Nai Luang“ () oder „Phra Chaoyuhua“ (: beides bedeutet „König“) oder auch „Rachakan Thi Kao“ (, wörtlich „Die neunte Regierungszeit“). Formell wurde er als Phrabat Somdet Phra Chaoyuhua () angesprochen, in offiziellen Dokumenten sogar als Phrabat Somdet Phra Paraminthara Maha Bhumibol Adulyadej (). Eine formelle Ansprache auf Englisch war „His Majesty King Bhumibol Adulyadej“, also „Seine Majestät König Bhumibol Adulyadej“. Seine Unterschrift lautete (Bhumibol Adulyadej Po Ro, das bedeutet „Bhumibol Adulyadej R[ex]“).

Regierungszeit Auch nach der offiziellen Krönung kehrte Bhumibol noch einmal in die Schweiz zurück, um seine Studien fortzusetzen. Sirikit und er wandten sich dem europäischen Jetset zu, nahmen an Partys und Bällen teil. Infolge des Unfalls fiel es Bhumibol schwer, sich beim Studium zu konzentrieren, und er blieb letztlich ohne Abschluss aus Lausanne. Trotzdem erhielt er später ehrenhalber zahlreiche Titel von Universitäten im In- und Ausland. Im April 1951 brachte Sirikit die erste Tochter des Paares, Prinzessin Ubol Ratana, zur Welt.

Im Dezember 1951 kehrte Bhumibol nach Thailand zurück und übernahm die Regierungsgeschäfte. Drei Tage vor seiner Rückkehr unternahmen die führenden Militärs des Landes einen „stillen Putsch“, indem sie die Verfassung von 1949, die dem Parlament und dem König weitgehende Rechte einräumte, außer Kraft setzten. Sie befürchteten, dass Bhumibol ihnen kritisch gegenüberstehen und eine von Royalisten geführte Regierung einsetzen könnte. Bhumibol hatte ein angespanntes Verhältnis zum damaligen Ministerpräsidenten Feldmarschall Plaek Phibunsongkhram. Dieser hatte eine antiroyalistische Einstellung, versuchte die Rolle des Monarchen auf ein repräsentatives Mindestmaß zu beschränken und hatte stattdessen seit den 1940er-Jahren einen auf seine Person ausgerichteten Führerkult betrieben. Bhumibol fand, dass Phibunsongkhram sich wie ein „zweiter König“ aufführte und zeigte seine kaum verhohlene Abneigung gegenüber dem Regierungschef.Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3, S. 171.

Im Juli 1952 wurde der Thronfolger Prinz Vajiralongkorn geboren. Es folgten noch zwei Töchter, die Prinzessinnen Sirindhorn (1955) und Chulabhorn (1957).

Von Ende Oktober bis Anfang November 1956 lebte Bhumibol – wie für sehr viele männliche Thailänder üblich – 15 Tage lang in einem Kloster als buddhistischer Mönch. Er suchte sich hierzu den Wat Bowonniwet im Bangkoker Stadtteil Banglamphu aus, den Haupttempel des Thammayut-Ordens, in dem sein Urgroßvater, König Mongkut, einst Abt gewesen war. Während jener Zeit übernahm Sirikit als Regentin die Amtsgeschäfte. Ihr wurde daher nachträglich in Anerkennung dieses Amtes der Titel Somdet Phra Borommarachininat („Königin und Regentin“) verliehen.

Wiederkehr des Royalismus 1957 putschte der mit dem Ministerpräsidenten Phibunsongkhram rivalisierende Feldmarschall Sarit Thanarat. Zu dem deutlich royalistischer eingestellten neuen Regierungschef hatte Bhumibol ein ungleich besseres Verhältnis. Während Bhumibol dem Militärherrscher durch seine Gunst Legitimität verlieh, räumte Sarit dem König eine große öffentliche Rolle ein.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 172. Er überließ Bhumibol die Schirmherrnrolle für Projekte zur ländlichen Entwicklung. Sarits Regime propagierte Königstreue als Mittel gegen den drohenden Kommunismus, im Rahmen des inoffiziellen Staatsmottos „Nation, Religion, König“. Der König und der Ministerpräsident teilten ihre Begeisterung für Maßnahmen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, den Ausbau der Infrastruktur und des Bildungssystems.

mini|Bhumibol mit dem deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1960) 1959 wurde die jährliche Kathin-Zeremonie und die königliche Barkenprozession wieder eingeführt. Pin Malakul, ein entferntes Mitglied der Königsfamilie, wurde Bildungsminister. Er ließ Schulbücher überarbeiten, damit sie die Rolle des Königs stärker in den Mittelpunkt rückten.Chris Baker, Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. 2. Auflage. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-76768-2, S. 177. 1960 verlegte Sarit den Nationalfeiertag Thailands vom Jahrestag des Endes der absoluten Monarchie 1932 auf Bhumibols Geburtstag.Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 143. Seit den 1960er-Jahren wird es wieder verlangt, sich vor dem König niederzuwerfen, was Bhumibols Großvater Chulalongkorn 1873 abgeschafft hatte. Für die Beschreibung von Aktivitäten des Königs und seiner Familie sowie Angelegenheiten mit Bezug zu ihnen hat eine besondere Terminologie Wiedereinzug gehalten (ratchasap „Königssprache“), die nach dem Ende des Absolutismus 1932 außer Gebrauch gefallen war.Handley: The King Never Smiles. 2006, S. 151–152.

Im Sommer 1960 unternahm das thailändische Königspaar eine ausgedehnte Reise nach Europa und Nordamerika, einschließlich eines Staatsbesuchs in der Bundesrepublik Deutschland. Der weltgewandt auftretende junge König und die gutaussehende sowie stilbewusste Königin zogen international eine große Aufmerksamkeit auf sich. Das stärkte wiederum ihre Beliebtheit in der Heimat.Grossmann, Faulder: A Life’s Work. 2012, S. 112–113.Maurizio Peleggi: Refashioning Civilization. Dress and Bodily Practice in Thai Nation-Building. In: The Politics of Dress in Asia and the Americas. Sussex Academic Press, Eastbourne 2007, S. 77.Kobkua Suwannathat-Pian: Kings, Country and Constitutions. Thailand’s Political Development, 1932–2000. RoutledgeCurzon, London/New York 2003, ISBN 0-7007-1473-1, S. 193.

Ab 1961 nahm die Zahl der Audienzen Bhumibols für Privatpersonen und Gruppen stark zu. Er baute dadurch Verbindungen zu der entstehenden und an Einfluss zunehmenden Mittelschicht auf. Der König bereiste das Land regelmäßig und besuchte insbesondere die Universitäten, wo er in Austausch mit den Studenten trat. Auch zum Militär hatte Bhumibol ab dieser Zeit ein immer engeres Verhältnis. War er zuvor nur auf dem Papier Oberbefehlshaber, nahm er ab 1963 regelmäßig an Angelegenheiten der Streitkräfte Anteil. Nach dem Tod Sarits 1963 wurde offenbar, wie sehr dieser sich bereichert hatte. Die Nachfolgeregierung, unter Sarits bisherigem Stellvertreter Feldmarschall Thanom Kittikachorn, suchte noch stärker die Nähe des Monarchen. Durch seine Unterstützung hoffte Thanom den aufgedeckten Skandal zu überstehen und die Herrschaft des Militärs zu festigen.Roger Kershaw: Monarchy in South-East Asia. The faces of tradition in transition. Routledge, London/New York 2001, S. 70.

Entwicklungsprojekte