mini|UKW-Sendeantennen eines Rundfunksenders (Gruppe von Schmetterlingsantennen) mini|Typische UKW-Empfangsantennen (Yagi-Antennen)
Als Ultrakurzwellen (UKW) bezeichnet man elektromagnetische Wellen in einem Frequenzbereich von 30 MHz bis 300 MHz, entsprechend Wellenlängen zwischen zehn Metern und einem Meter. Sie werden entsprechend auch als Meterwellen bezeichnet und liegen zwischen den Kurzwellen (die länger sind als Ultrakurzwellen) und den Dezimeterwellen (die kürzer sind).
Begriff Im englischen Sprachraum wird für Ultrakurzwelle der Begriff VHF (very high frequency – sehr hohe Frequenz) verwendet.
Bei Radios wird FM (für Frequenzmodulation) oft als Synonym für UKW verwendet, da analoger Hörfunk auf UKW nur frequenzmoduliert ausgestrahlt wird (im Gegensatz zur Amplitudenmodulation/AM) und umgekehrt frequenzmodulierte Radioausstrahlungen nur auf UKW erfolgen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff UKW häufig eingeschränkt für UKW-Rundfunk im Bereich 87,5 bis 108 MHz des VHF-Bandes II verwendet. Zu den Ultrakurzwellen gehören jedoch auch die für Fernsehsender verwendeten Frequenzen der Rundfunkbänder I und III sowie die unteren und oberen Sonderkanäle des Kabelfernsehens, insbesondere auch die für den Digitalen Hörfunk umgewidmeten Fernsehkanäle 5(A)-12(D).
Das Hyperband (erweiterter Sonderkanalbereich) und die Rundfunkbänder IV und V gehören dagegen zu den Dezimeterwellen (UHF).
Weiterhin ist der Begriff UKW auch im Bereich des Sprechfunks gebräuchlich. Es handelt sich dabei vor allem um das 4-m-Band (also die Frequenzen unterhalb des UKW-Rundfunks), die Bereiche des Flugfunks mit Frequenzen oberhalb 108 MHz sowie das 2-m-Band im Bereich von 140 bis 174 MHz, wo sich viele verschiedene professionelle Funkdienste sowie ein Amateurfunkband befinden.
Reichweite Die Reichweite der Ultrakurzwellen ist durch den Horizont der elektromagnetischen Wellenausbreitung beschränkt. Dieser entspricht nicht dem optischen Horizont für das sichtbare Licht, da der Brechungsindex der Erdatmosphäre für den UKW-Frequenzbereich mit der Höhe über Grund abnimmt.Recommendation ITU-R P.453-9: The radio refractive index: its formula and refractivity data, ITU 2003. Daher erscheint die Erdkrümmung für die Ultrakurzwellen flacher als für das sichtbare Licht. Der sogenannte Radiohorizont ist somit weiter entfernt als der optische Horizont. Anders als beim Lang-, Mittel- und Kurzwellenrundfunk werden ultrakurze Radiowellen, abgesehen von den im Sommer sporadisch auftretenden Überreichweiten (Sporadic-E), nicht an der Ionosphäre reflektiert, so dass ihre terrestrische Reichweite deutlich geringer ist. Bei bestimmten Inversionwetterlagen kann es allerdings zu Überreichweiten kommen. Abhängig vom Sender- und Empfängerstandort, der Sendeleistung und der Empfangsausrüstung liegt die Reichweite eines UKW-Senders zwischen einigen 10 und rund 200 km. Daher besteht ein UKW-Sendernetz aus recht vielen Sendern, die in geringen Abständen, meist auf Anhöhen, aufgebaut sind. In gebirgigen Gebieten setzt man häufig Füllsender ein.
Situation in Deutschland Der erste UKW-Sender in Deutschland startete am 28. Februar 1949 um 16:30 Uhr auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann. Er war zugleich der erste UKW-Sender Europas.
In Deutschland war im Telekommunikationsgesetz in der Fassung vom 22. Juni 2004 vorgesehen, bis spätestens 2015 den UKW-Hörfunk durch Widerruf bestehender Frequenzzuteilungen zu beenden.siehe Abs. 5 TKG 2004 Dieser Plan wurde jedoch im Jahr 2011 aufgegeben. Der aktuelle Frequenzplan wurde im März 2019 verabschiedet.Frequenzplan auf der Website der Bundesnetzagentur, abgerufen am 24. März 2019.
Obgleich das digitale DAB+ Zuwächse hat, gab es auch noch 2021 in Deutschland kein festgelegtes Ende des UKW-Sendebetriebs.tagesschau.de: 21. Dezember 2020. Im Februar 2024 wurde aufgrund einer UKW-Nutzung beim Radioempfang von über 53 % (DAB+ 13 %) durch die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) die Finanzierung bis 2032 verlängert.
Situation in der Schweiz Das Schweizer Radio SRG hatte ab 1931 auf Mittelwelle gesendet, dazu kamen die Hörer des Telefonrundspruchs. Ab den 1950er-Jahren war ein UKW-Netz aufgebaut worden und 1978 wurde eine Kampagne gestartet, um die verbleibenden Mittelwelle-Hörer auf UKW einzustimmen. Das Radio-Monopol begann kurz darauf im Jahr 1979 zu wanken, als Roger Schawinski den damals stärksten UKW-Sender der Welt auf dem Pizzo Groppera installierte, um von Italien aus den Raum Zürich mit – in der Schweiz illegalem – Privatradio zu versorgen. Aus Schweizer Sicht ein „Piratensender“, da gesetzlich erlaubte Privatradios gab es in der Schweiz ab 1983. Ab 1999 investierte die SRG auch in die DAB-Technologie, Ende 2024 schaltete sie ihre rund 850 UKW-Antennen ab. Der Privatradio-Pionier Schawinski sagte dem öffentlich-rechtlichen Radio einen Shit-Storm voraus. Insbesondere warf er dem SRF vor, falsche Zahlen zu verbreiten; die von SRF angegebenen 10 Prozent «reiner» UKW-Hörer sei nicht relevant, da gemischt gehört werde, und diese gemischte Nutzung betreffe 33 Prozent der Bevölkerung. Schawinski werde seinen Sender Radio 1 bis 2026 auf UKW verbreiten. Die UKW-Funkkonzessionen für die Radiobranche hatte die Schweizer Regierung im Oktober 2023 vorerst ein letztes Mal bis Ende 2026 verlängert. Im September 2025 stimmte jedoch der Nationalrat einer Motion der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF-N) zu, die verlangt, auf die Ende 2026 geplante Einstellung des UKW-Rundfunks zu verzichten und stattdessen die aktuellen UKW-Funkkonzessionen zu verlängern oder ein neues Ausschreibungsverfahren für die Zeit ab 2027 durchzuführen. Am 9. Dezember 2025 hat der Ständerat beschlossen, dass Radios auch über 2026 hinaus auf UKW senden dürfen. Da damit die Übereinkunft der Radiobranche von 2014 hinfällig wurde, also nach dem Vorangehen von SRF nicht das Nachziehen der Privaten erfolgte, plante SRF nach dem Parlamentsentscheid, die Aussendung von UKW wieder aufzunehmen.SRG plant nach Parlamentsentscheid UKW-Comeback, SRF, 11. Dezember 2025 Der Parlamentsentscheid war speziell auch dank Stimmen aus dem Tessin und der Romandie zustande gekommen, denjenigen Regionen, in welchen der Empfang ausländischer UKW-Programme problemlos möglich ist.Anja Burri: SRG-Generaldirektorin prüft Rückkehr zu UKW-Sendern, Tages-Anzeiger, 5. November 2025, S. 5
Verwendung des UKW-Frequenzspektrums mini|upright|Beispiel für eine Beschilderung, am Ufer eines Kanal in Nordfrankreich. VHF 22 > 157.1 bis 161.7 MHz + Zuweisung an Funkdienste Frequenzbereich Bundesrepublik Deutschland Nutzung Bemerkung 30,005–30,1 MHz Weltraumfernwirkfunkdienst, Mobilfunkdienst, Weltraumforschungsfunkdienst, Fester Funkdienstziv, mil 30,01–34,35 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienstziv, mildrahtlose Mikrofone 34,35–36,55 MHz Mobilfunkdienst, Fester FunkdienstzivilModellfernsteuerung, drahtlose Mikrofone, Betriebsfunk, Funkanwendungen BOS 36,55–37,75 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienstziv, mildrahtlose Mikrofone, Führungsfunkanlagen, Fernwirkanlagen 37,75–38,25 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienst, Radioastronomieziv, mildrahtlose Mikrofone, Führungsfunkanlagen, Fernwirkanlagen 38,25–38,45 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienstziv, mil 38,45–39,85 MHz Mobilfunkdienst, Fester FunkdienstzivilFunkanwendungen BOS 39,85–41 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienstziv, milPersonenrufanlagen, Fernwirkanlagen, Modellfernsteuerung, ISM-Anwendungen 41–47 MHz Mobilfunkdienst, Fester Funkdienstmilitärisch 47–68 MHz Rundfunkdienst, Mobiler Landfunkdienst, Amateurfunkdienstziv, milin definierten geographischen Bereichen Fernsehrundfunk (Band I) 68–70 MHz Mobiler LandfunkdienstzivilBetriebsfunk, Funkanwendungen der Eisenbahn 70–74,2 MHz Fester Funkdienst, Mobilfunkdienst außer mobiler Flugfunkdienstmilitärisch 74,2–74,8 MHz Mobiler LandfunkdienstzivilFunkanwendungen BOS 74,8–75,2 MHz Flugnavigationsfunkdienstziv, milMarkierungsfunkfeuer der Flugsicherung 75,2–78,7 MHz Mobiler Landfunkdienstzivil Funkanwendungen der Eisenbahn, Betriebsfunk, Funkanwendungen BOS 78,7–84 MHz Mobilfunkdienst außer mobiler Flugfunkdienst, fester Funkdienst(militärisch) 84–87,5 MHz Mobiler Landfunkdienstzivil Funkanwendungen BOS, Funkrufdienst Eurosignal 87,5–108 MHz Rundfunkdienstzivil Hörfunk via UKW-Rundfunk (VHF-Band II, auch als FM bekannt) 108–117,975 MHz Flugnavigationsfunkdienstziv, milUKW-Drehfunkfeuer (VOR) und Landekurssender (ILS) der Flugsicherung117,975–137 MHz Mobiler Flugfunkdienst (R)ziv, milSprechfunk für Flugsicherungszwecke137–138 MHz Weltraumfernwirkfunkdienst, Wetterfunkdienst über Satelliten, Weltraumforschungsfunkdienst, Mobilfunkdienst über SatellitenzivilWettersatelliten138–144 MHz Mobiler Flugfunkdienst (OR), Mobiler Landfunkdienst, WeltraumforschungsfunkdienstmilitärischFlugfunk144–146 MHzAmateurfunkdienst, Amateurfunkdienst über Satellitenzivil 146–148 MHz Mobiler LandfunkdienstzivilBetriebsfunk, Funkanwendungen der Eisenbahn148–149,9 MHz Mobilfunkdienst, Mobilfunkdienst über SatellitenzivilBetriebsfunk149,9–150,05 MHz Navigationsfunkdienst über Satelliten, Mobiler Landfunkdienst über SatellitenzivilZigada, Transit150,05– 156,7625 MHz Mobilfunkdienst außer mobiler FlugfunkdienstzivilBetriebsfunk, Binnenwasserfunk, Seefunkdienst156,7625– 156,8375 MHz Mobiler Seefunkdienst (Notfall und Anruf)ziv, mil156,025– 162,025 MHz Binnenschifffahrtsfunkziv156,8375– 174 MHz Mobilfunkdienst außer mobiler FlugfunkdienstzivilBetriebsfunk, Funkrufdienst ERMES, Seefunkdienst, BOS-Funk, Funkanwendungen der Eisenbahn, Fernwirkfunkanlagen174–223 MHz RundfunkdienstzivilHörfunk via DAB (VHF-Band III, früher Fernsehkanäle 5–11), Reportagefunk 223–230 MHz Rundfunkdienst, Mobiler Landfunkdienstziv, milDAB (noch VHF-Band III, früher Fernsehkanal 12) 230–235 MHz Mobilfunkdienst, Fester FunkdienstmilitärischFlugfunk, Richtfunk 235–272 MHz Mobilfunkdienst, Fester FunkdienstmilitärischFlugfunk, Richtfunk 272–273 MHz Mobilfunkdienst, Weltraumfernwirkfunkdienst, Fester FunkdienstmilitärischFlugfunk, Richtfunk 273–312 MHz Mobilfunkdienst, fester Funkdienst(militärisch)Flugfunk, Richtfunk Anmerkung zur Schreibweise: in Fettbuchstaben: Primärfunkdienst in Normalschrift: Sekundärfunkdienst
Weblinks Technikgeschichte 75 Jahre UKW, vdi-Nachrichten Februar 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Funkfrequenz