mini|300px|Porträt Klébers als Nationalgardist, vermutlich als Sous-lieutenant um 1790, gemalt von Jean-Baptiste Paulin Guérin (1783–1855). Klébers Unterschrift: rahmenlos|zentriert|100px
Jean-Baptiste Kléber (* 9. März 1753 in Straßburg; † 14. Juni 1800 in Kairo) war ein General der französischen Revolutionsarmeen. Er diente bei der Niederschlagung des Aufstands der Vendée, im ersten Koalitionskrieg gegen Österreich und Preußen und der Expedition Bonapartes nach Ägypten und Syrien.
Leben Kléber wurde von Zeitgenossen als auffallend gut aussehender Mann beschrieben: « […] d’une haute stature, d’une figure martiale, d’une bravoure brillante, donnait l’idée du dieu de la guerre […] » („von hoher Statur, markantem Gesicht, hervorragender Tapferkeit sah er aus wie der Kriegsgott selbst“). Sein markanter elsässischer Akzent mit oft verwendeten „Germanismen“ („des phrases souvent imprégnées de germanismes“) „gaben seiner Sprache einen besonders energischen Ausdruck“. (Marschall Marmont 1774–1852).Übers. aus A. Pigeard: Les étoiles …, S. 422. Sein Charakter wird unterschiedlich beurteilt: Sprunghaft und rebellisch gegenüber Autoritäten in jungen Jahren, oftmals hochmütig und eitel, das „gute Leben liebend“ – bei aller militärischen Genialität – von seinen Truppen für seine republikanische Überzeugung und Unerschrockenheit bewundert. „Simple et modeste, il méprisa les richesses et les dignités et eut l’honneur de mourir pauvre après avoir manié des trésors.“A. Pigeard zitiert General M.A. de Reiset (1775–1836) in Les étoiles …, S. 423. („Einfach und bescheiden, schätzte er Reichtümer und Würden gering und hatte die Ehre, arm zu sterben, nachdem er ganze Schätze besessen hatte.“)
Selten erwähnt wird sein mehrjähriger Dienst in einem österreichischen Regiment ab 1776, mit dem er im Bayerischen Erbfolgekrieg in den habsburgischen Niederlanden an der Nordgrenze Frankreichs stationiert war.
Kléber fiel 1800 in Kairo einem Attentat zum Opfer. Seine sterblichen Überreste ruhen seit 1838 in einer Gruft unter seinem Denkmal auf der Place Kléber in Straßburg. Folgt man seinen Biographien, hinterließ er keine Ehefrau oder direkte Nachkommen.
Auffallend an seiner Militärkarriere ist die häufig wechselnde Verwendung in fast allen Revolutionsarmeen von 1792 bis 1800. Er hatte nur wenige Male ein Oberkommando über eine ganze Armee, einige lehnte er sogar ab. Er sah vermutlich seine Stärke in der militärischen Aktion und nicht in der Administration oder der Ausführung von Regierungsanweisungen und der Abstimmung mit den Kriegskommissaren und Volksrepräsentanten. Der britische Militärhistoriker Chandler beschreibt Kléber als einen brillanten, aber erstaunlicherweise oft an sich selbst zweifelnden (surprisingly self-doubting) Kommandeur der Revolution.David G. Chandler: Dictionary of the Napoleonic Wars. London 1979, S. 226.
Jugend und Arbeit als Architekt mini|200px|links|Klébers Geburtshaus in Straßburg
Jean-Baptiste Kléber wurde in Straßburg als Sohn des Steinmetzen Jean-Nicolas Kléber und dessen Frau Reine Bogart geboren. Einer Quelle zufolge stand sein Vater im Dienst des Kardinals Rohan, des Erzbischofs von Straßburg. Als Jean-Baptiste drei Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter heiratete darauf den wohlhabenden Straßburger Bauunternehmer Jean-Martin Burger, zu dem Kléber kein gutes Verhältnis gehabt haben soll. Man gab ihn zur Erziehung zu einem Pfarrer. Mit 16 Jahren verpflichtete er sich zum Dienst in einem Husarenregiment, wurde aber von seiner Mutter zurückgeholt, um eine Ausbildung an der Straßburger École de dessin pour les arts et métiers zu machen. Möglicherweise fand Kléber durch die Arbeiten seines Stiefvaters Gefallen an der Architektur und begann 1772 in Paris eine Ausbildung unter der Leitung des berühmten Architekten Jean-François Chalgrin. 1774 kehrte er auf Wunsch seiner Eltern – angeblich auch wegen eines zu lockeren Lebenswandels in Paris – nach Straßburg und zur Arbeit im Betrieb des Stiefvaters zurück.
Eine nächste Gelegenheit zur Veränderung gab es 1777, als er bei einem „Wirtshausstreit“ zwischen einheimischen Elsässern und zwei Bayern Partei für letztere ergriff und diese ihm zum Dank ein Stipendium als Kadett an der bayrischen Militärakademie in München verschafften. Nach acht Monaten trat er auf Empfehlung seiner Ausbilder in das österreichische Regiment Kaunitz ein. Zuletzt als Lieutenant diente er von 1779 bis 1783 in den habsburgischen Niederlanden in den Garnisonen von Luxemburg, Mechelen und Mons. Er soll seinen Dienst bei den Österreichern quittiert haben, weil er als Bürgerlicher keine Aufstiegschancen in dieser royalen Armee sah. An anderer Stelle werden ihm Spielschulden und die Gesellschaft zweifelhafter Freunde nachgesagt.
Zurück im Elsass arbeitete er als Architekt und Inspektor für die öffentlichen Bauten des Oberelsass. Sechs Jahre lebte er in Belfort und zeichnete als Architekt der Stadt unter anderem für ein Hospital und Rathaus in Thann (Département Haut-Rhin), das Domherrenhaus (le chapitre) des Klosters von Lure (Département Haute-Saône) und das Schloss Grandvillars verantwortlich.Hippolyte Maze: Les généraux de la République. Kléber, Hoche, Marceau, Paris 1889, Online , S. 16 ff.Archives Nationales de la France: In: Les papiers du général J.-B. Kléber. (PDF, französisch).
Französische Revolution, Vendée-Aufstand und Erster Koalitionskrieg Klébers habsburgische Militärausbildung halfen ihm sicher, Grenadier in der Nationalgarde von Belfort zu werden. Nachdem 1792 der Krieg ausbrach, trat er in ein Freiwilligenbataillon des Départements Haut-Rhin ein und stieg dort in kurzer Zeit – er war mit 39 Jahren ein Senior unter den zumeist jugendlichen Revolutionären – zum „adjutant-major“ auf. 1793 gehörte Kléber in der Armée de Mayence unter Général de brigade d’Oyré und dem Représentant en mission Merlin de Thionville zu den Verteidigern der Festung Mainz. Bei Ausfällen wird ihm die Eroberung eines preußischen, umfangreichen Verpflegungstransports und eine „Fastgefangennahme“ des Königs Friedrich Wilhelm II. zugeschrieben.H. Maze: Les Généraux … S. 21. Mit seinen Erfahrungen als Architekt konnte er den Zustand der veralteten Festungsanlagen verbessern, was aber die Kapitulation nicht verhindern konnte.
Die Besatzung von Mainz war drei Monate später ausgehungert, ohne Munition und musste am 22. Juli 1793 aufgeben. Général de brigade Kléber führte seine Truppen – entsprechend den Kapitulationsvereinbarungen „mit ihren Waffen und Ehrenzeichen und Verpflichtung, binnen eines Jahres gegen die Truppen der Koalition nicht zu dienen“,Belagerung von Mainz (1793) nach Frankreich zurück. Dort wurden sie als die „Feiglinge von Mainz“ (les lâches de Mayence) verhöhnt, und die Offiziere hatten sich vor dem Nationalkonvent zu verantworten.
Mit der Verteidigung durch den Représentant en mission Merlin de Thionville wurde die „provisorische Armee von Mainz“ rehabilitiert und bekämpfte den royalistisch-katholischen Aufstand der Vendée im Westen Frankreichs auch gegen die Katholische und königliche Armee der Vendée. Sie war in Herbst und Winter 1793 an den Schlachten bei Cholet, der Schlacht bei Le Mans und Schlacht bei Savenay beteiligt, die die Royalisten nachhaltig schwächten und den Aufstand vorübergehend niederschlugen. Klébers Einsatz wurden diese Erfolge zugeschrieben. In dieser Zeit entwickelte sich eine enge Freundschaft zu dem jüngeren Général de division Marceau, der auf Klébers Vorschlag hin das Oberkommando über die Armeen des Westens erhalten hatte. Ein Plan Klébers zur Vierteilung des Aufstandsgebietes und der Besetzung ausschließlich mit disziplinierten Linientruppen wurde nicht angenommen. Das Oberkommando über die Armée de l’Ouest (vereinigte Armeen von La Rochelle, Brest und von Mainz) wurde an General Turreau zurückgegeben, von dessen terroristischer Kriegsführung gegen die Aufständischen und die Zivilbevölkerung Kléber und Marceau sich distanziert haben sollen.
Im April 1794 beorderte der Nationalkonvent Kléber zum Krieg in die Österreichischen Niederlande zur Armée du Nord unter General Pichegru, die im Juli mit der Armée du Rhin zur Armée de Sambre-et-Meuse unter General Jourdan formiert wurde. Kléber war bei der Belagerung und Eroberung der Festung Charleroi, bei Nivelles und Fleurus am 16. und 26. Juni 1794 eingesetzt. Er befehligte den linken Flügel mit drei Divisionen und der Reserve.Laut Ordre de la bataille de Fleurus. In: Antoine de Jomini, Histoire critique et militaire des guerres de la révolution, Paris 1820. Kléber hatte durch den taktisch klugen Einsatz seiner Artillerie und der Reservedivision einen wichtigen Anteil am Sieg des zweiten Tages über die Truppen des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld.
mini|Brand des Residenzschlosses der Stadt Düsseldorf am 6. Oktober 1794
Bis zum Herbstende gewannen Klébers Divisionen die Flussübergänge der Maas und der Rur, die Städte und Festungen Aldenhoven, Aachen, Jülich und viele andere gegen die flüchtenden kaiserlichen Verbände. Anfang Oktober erreichte er den Rhein gegenüber von Düsseldorf, der damaligen Hauptstadt des kurpfälzischen Herzogtums Berg. Er ließ sie von seiner Artillerie eine Nacht lang bombardieren und in Brand schießen. Am 4. November 1794 war er zurück an der Maas, um die Blockade der Festung Maastricht zu beenden. Der Kommandant, Prinz Friedrich von Hessen-Kassel, kapitulierte mit 8.000 Mann Besatzung. Kléber soll 300 Kanonen, 20.000 Gewehre, immens viele Vorräte und 16 Regimentsfahnen erbeutet haben.H. Maze: Les généraux …, S. 34.
Im Dezember desselben Jahres ordnete der Konvent die Rückeroberung der Festung Mainz an und gab hierfür Kléber ein Kommando über mehrere Divisionen der Armée du Rhin des Generals Michaud. Die desolate Versorgungslage, fehlende Artilleriemunition und winterliche Witterungsbedingungen machten eine Eroberung unmöglich. Der erkrankte Kléber erholte sich im heimatlichen Straßburg.
Im März 1795 kehrte er zur Sambre-Maas-Armee zurück, übernahm die Divisionen des Zentrums mit den Kommandanten Bernadotte, Championnet, Grenier und Tilly. Im September ging Kléber bei Uerdingen über den Rhein und stieß über die Lahn bis an den Untermain vor. Ziel war die Blockade der Festung Ehrenbreitstein von Koblenz und von Mainz auf der rechten Rheinseite. Das Unternehmen misslang wegen des Widerstands der österreichischen Truppen unter Generalfeldzeugmeister Clerfait am unteren Main (Preußen hatte inzwischen seine Truppen aus der Koalition entfernt). Ein Korps unter General Championnet wurde bei Kostheim vor Mainz geschlagen und Kléber wurde der Rückzug auf die linke Rheinseite befohlen.