Erfelden (im lokalen Dialekt Erwelle) ist ein Stadtteil von Riedstadt im südhessischen Kreis Groß-Gerau.
Geographie mini|Erfelden auf einer Karte von 1738
Im Norden grenzt Erfelden an Leeheim, im Osten an Goddelau (beides Stadtteile von Riedstadt), im Süden an die Gemeinde Stockstadt am Rhein (Kreis Groß-Gerau) und im Westen an das Naturschutzgebiet Kühkopf, dem größten hessischen Naturschutzgebiet und Europareservat. Erfelden gilt wegen der Brücke (Martin-Roth-Brücke) über den Stockstadt-Erfelder Altrhein als „Tor zum Kühkopf“.
In der Nähe von Erfelden lagen die Wüstungen Elmersbach und Popfenheim, die schon im Mittelalter verschwanden und wahrscheinlich Rheinhochwassern zum Opfer fielen.
Geschichte Ortsgeschichte Im 11. Jahrhundert gehörte Erfelden den Herren von Wolfskehlen, später sowohl den Grafen von Katzenelnbogen als auch den Herren von Wolfskehlen. 1441 verkauften die Herren von Wolfskehlen ihren Anteil an den Grafen Johann IV. von Katzenelnbogen. In der Verwaltungsstruktur der Grafschaft Katzenelnbogen gehörte Erfelden zum Amt Dornberg. 1479 starb das Grafenhaus von Katzenelnbogen im Mannesstamm aus, und Katzenelnbogen fiel an die Landgrafschaft Hessen.
Bei der Teilung der Landgrafschaft Hessen unter den Erben Philipp des Großmütigen 1567 gelangte Erfelden an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Noch deren erster Regent, Georg I., veranlasste, dass die von seinem Kanzler, Johann Kleinschmidt, zusammengestellte Sammlung Landrecht der Obergrafschaft Katzenelnbogen dort rechtsverbindlich wurde. Sie galt in Erfelden als Partikularrecht, subsidiär ergänzt durch das Gemeine Recht, bis ans Ende des 19. Jahrhunderts.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 108f. und beiliegende Karte. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Erfelden:
Verwaltung und Gerichte Amts-System vor 1821 In der frühen Neuzeit waren auf unterster Ebene die Funktionen von Verwaltung und Rechtsprechung im „Amt“ vereinigt, so auch im Amt Dornberg, das bis 1821 bestand.
1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben. Erfelden lag in der Provinz Starkenburg. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 wurden die alten Ämter aufgelöst, für die Verwaltungsaufgaben auf der unteren Ebene wurden Landratsbezirke und für die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichte eingerichtet.
Verwaltung nach 1821 Für die übergeordnete Verwaltung in Erfelden war nun der Landratsbezirk Dornberg zuständig. 1832 wurden die Verwaltungseinheiten im Großherzogtum weiter vergrößert und Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Erfelden in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Erfelden von 1848 bis 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz der Zusammenschluss mit den Nachbargemeinden Crumstadt, Goddelau-Wolfskehlen und Leeheim zur neuen Gemeinde Riedstadt. Seitdem ist Goddelau größter Ortsteil und Sitz der Verwaltung von Riedstadt. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Gerichtsreformen In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen der beiden oberen Instanzen neu organisiert. Die Ämter blieben die erste Instanz der Rechtsprechung in Zivilsachen. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz für Zivilsachen eingerichtet. Zuständig war es erstinstanzlich auch für standesherrliche Familienrechtssachen und Strafsachen. Ihm übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Verwaltungsreform von 1821 wurden im Großherzogtum Hessen auch auf unterster Ebene Gerichte geschaffen, die von der Verwaltung unabhängig waren. Für Erfelden war nun das Landgericht Großgerau örtlich zuständig. Es wurde mit der Reichsjustizreform und Wirkung vom 1. Oktober 1879 vom Amtsgericht Groß-Gerau ersetzt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Erfelden angehört(e)::
11. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Herren von Wolfskehlen vor 1441: Heiliges Römisches Reich, anteilig: Herren von Wolfskehlen und Grafen von Katzenelnbogen ab 1441: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Dornberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau, Gemeinde RiedstadtAm 1. Januar 1977 als Ortsteil zur neue Gemeinde Riedstadt.
Ereignisgeschichte Mittelalter Der älteste erhaltene schriftliche Hinweis auf Erfelden stammt von 779 n. Chr. und steht im Lorscher Codex. Anlass war die Stiftung eines Rutfrid und seiner Gattin Ruotbirn über deren gesamten Besitz in „Erifeldun“ an die Abtei Lorsch.
Übersicht über die historischen Ortsnamen 778/79 Herifelder927–956 Erifeldon1313 Ernelden779 Erifeldon & Erifeldun1002 Herifeldon1314 Erbenelden782 Erifelt1184 Villa Erefeldon1330 Erefelden791 Erifeld1252 Urfelt1358 Ervelden801 Erifelt1255 Erinuelden1493 Erfelden1563 Ehrfelden1601 Eruellenheute Erfelden
Umgangssprachlich wird Erfelden auch als „Erwelle“ bezeichnet.
782 wird, ebenfalls im Besitz des Klosters Lorsch, in einer Urkunde eine villa Bousinesheim erwähnt, der Bensheimer Hof, und 865 eine „villa Camba“, der Kammerhof. Hier wurde 1024 der deutsche König Konrad II. gewählt.Gemeindevorstand / Tischner.
1252 werden der „Hohle Galgen“ oder auch die „Erfelder Cent“ als Gerichts- und Hinrichtungsstätte erstmals erwähnt.
1408 weist das Dorf Erfelden 28 Steuerzahler auf.
Am 14. Mai 1433 wurde mit dem Grafen von Katzenelnbogen ein Abkommen über den Ausbau eines Landdeiches geschlossen. Neben Erfelden und Poppenheim sind auch weitere Dörfer und Höfe einbezogen.
1461 wurde Erfelden Hauptzentort und Gerichtssitz.
Frühe Neuzeit mini|Erfelden, die Schwedensäule und Rheinschleifen auf einer Karte aus dem Jahr 1762
1553 ist Erfelden lutherisch. Die Reformation wurde unter Landgraf Philipp dem Großmütigen neun Jahre zuvor eingeleitet.
1578 erließ Landgraf Georg I. (der Fromme) eine neue Dammordnung für Bau, Verbesserung und Unterhaltung der Schutzwerke gegen Hochwasser. 1595 brach der Damm bei Hochwasser aber erneut.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zogen am 14. September 1620 spanische Truppen unter Führung von Ambrosio Spinola in Oppenheim ein. Zwar fiel 1622 Ernst von Mansfelds in der Region ein und richtet im Ried große Schäden an, aber die spanische Besetzung konnte er nicht brechen. 1631 besetzte der schwedische König Gustav II. Adolf von Schweden die Rieddörfer, setzte am 8. Dezember 1631 im Hahnensand (Auwald) über den Rhein und besiegte die von Oppenheim herannahende spanische Reiterei vernichtend. Die Schwedensäule erinnert an das Ereignis. König Gustav Adolf übernachtete zweimal im Bürgermeisterhaus während seine Truppen hier den Rhein querten.Information auf der Website von Riedstadt.Das Erfelder Heimatmuseum im alten Rathaus bewahrt eine Reihe von Zeugnissen aus der Zeit, die an Truppendurchzüge und Plünderungen erinnern In: riedstadt.de, abgerufen im Dezember 2018.
Noch mehrfach litten die Einwohner in der zweiten Hälfte des 17. und im ganzen 18. Jahrhundert unter Kriegen und Truppendurchzügen.1666–68: lothringische Truppen fallen in der Pfalz ein und dringen bis Erfelden vor. 1671/72: Erfelden wird durch kaiserliche und kurbrandenburgische Truppen verwüstet (Gemeindevorstand / Tischner). 1689 wurde das Dorf im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischem Militär angesteckt und zum Teil zerstört (Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1829, S. 67). 1688–1697: „Raubkriege“ Ludwigs XIV. 1707: Im Spanischen Erbfolgekrieg fliehen die Erfelder erneut aus ihrem Dorf. 1733–36: Einquartierungen und Requisitionen während des Polnischen Thronfolgekrieges. 1742–48: Nochmals Einquartierungen und Requisitionen, diesmal wegen des Österreichischen Erbfolgekrieges. 1756–63 Erfelden erlebt mehrere Truppendurchzüge im Siebenjährigen Krieg. 1792–1815: während der napoleonischen Feldzüge kämpfen wiederholt fremde Truppen am Ufer des Rheins bei Erfelden (Gemeindevorstand / Tischner). 1744 kam es bei Erfelden zu einem Gefecht zwischen Franzosen und Reichstruppen, wobei der Husarengeneral Johann Daniel von Menzel fiel.
Ständige Gefahr drohte durch den über seine Ufer tretenden Rhein. Zwar schlug der Hessen-Darmstädtische Ingenieur Karge bereits im Frühjahr 1741 nach verheerenden Hochwassern vor, den Rhein an der damaligen Insel Geyer mit einem Durchstich zu begradigen. Der Überschwemmungsgefahr Herr wurde aber erst 1828/1829 die Begradigung unter Leitung von Claus Kröncke. 1797 wurde der Erfelder Pegel errichtet. Die täglichen Aufzeichnungen reichen bis zum 1. Juli 1797 zurück. Dieser „Urpegel“ ist der älteste zwischen Mannheim und Bingen und diente als Vorbild für weitere Pegel.Gernsheim und Lampertheim (beide 1803), Ginsheim (1808), Oppenheim und Mainz (1818), Worms (1819) und Bingen (1829).
1754 wurde die Erfelder Kirche um eine Sakristei erweitert und erneuert.
1772–80 leisten die Bauern Erfeldens und der Umgebung Widerstand gegen die „Fürstliche Landkommission“, die die Stallfütterung einführen wollte.
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