mini|hochkant=1.3|Töchterschule Wanne (1912) mini|hochkant=1.3|Gymnasium Wanne von der Stöckstrasse gesehen, Februar 2014 mini|Gymnasium Wanne von der Stöckstrasse gesehen, Februar 2014 mini|hochkant=1.3|Gymnasium Wanne von der Gerichtsstrasse gesehen, Februar 2014 mini|hochkant|Logo des Gymnasiums Wanne, 2014 Das Gymnasium Wanne in Wanne, einem heutigen Ortsteil der Stadt Herne, war bei seiner Gründung 1907 die erste öffentliche höhere Töchterschule auf dem Gebiet der zeitweiligen Großstadt Wanne-Eickel. Sie blieb bis zur Vereinigung der Städte Wanne-Eickel und Herne zur „neuen“ Stadt Herne im Jahr 1976 das einzige Mädchengymnasium der Ruhrgebietsstadt.

Geschichte Das höhere Mädchenschulwesen begann im Bereich der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel im Jahr 1883 in Eickel mit der Bildung einer privaten gehobenen Mädchenschule durch den späteren evangelischen Superintendenten Daniels. 1895 nahm dann der evangelische Pfarrer der Kirchengemeinde Bickern, Eduard Hellweg, mit Genehmigung der Königlich Preußischen Regierung in Arnsberg die ersten Mädchen (6) an seine vierklassige höhere Privatknabenschule auf. Rasch setzte ein Anwachsen der Zahl der Schülerinnen ein. 1902 gelang dann an der Rektoratsschule die Bildung einer Fortbildungsklasse für Mädchen, mit besonderer Ausrichtung auf deutsche Literatur, Französisch und Englisch. Zu Ostern 1900 folgte schließlich unter der Leitung des Kaplans Schmidt die Einrichtung einer privaten katholischen höheren Töchterschule in Wanne. An der zweiklassigen Einrichtung wurden zu Beginn 21 Schülerinnen unterrichtet (Schmidt leitete auch die katholische höhere Privatknabenschule Wanne, die 1904 mit der evangelischen höheren Privatknabenschule des Pfarrers Hellweg zum Realgymnasium Eickel für die Ämter Wanne und Eickel vereinigt wurde). Doch schwanken die Zahlen sehr stark und betrugen in der Spitze 48. Da langwierige Verhandlungen zwischen den Ämtern Wanne und Eickel zur Errichtung einer gemeinsamen Bildungsstätte für die weibliche Jugend scheiterten, wurde zu Ostern 1907 die öffentliche „Paritätische höhere Töchterschule“ der Gemeinde Wanne mit vier Klassen gebildet. Ihr erster Leiter, Adolf Bausenbach, war zuvor Rektor an der Städtischen Rektoratsschule Herdecke, unterrichtete aber bereits von 1891 bis 1896 unter Pfarrer Hellweg. Unter dem, aus den Vorgängerinstituten übernommenen Lehrpersonal, war auch die seit dem 1. Oktober 1905 lehrende spätere stellvertretende Schulleiterin Wilhelmine Steltmann (1881–1956). Der Unterricht erfolgte zu Beginn in zwei Klassen im Evangelischen Gemeindehaus der Christuskirche und in einer Schulbaracke auf dem Feuerwehrplatz. Die 85 Schülerinnen setzen sich aus 58 Protestantinnen, 20 Katholikinnen und sieben Jüdinnen zusammen. Das Kuratorium der Anstalt stand unter dem Vorsitz der jeweiligen Amtmänner, bis 1913 Friedrich Winter und danach Friedrich Weiberg.Friedrich Weiberg (Hrsg.): 50 Jahre Amt Wanne. Selbstverlag, Wanne 1925, S. 109/110. Unter Winter gelang kurz nach Gründung der „Paritätischen“ die Realisierung eines eigenständigen Neubaues (1907/08) an der Stöckstraße 20,bbf.dipf.de der bereits vor dem Ersten Weltkrieg (1913/14) eine umfassende Erweiterung erfuhr. Noch vor Einweihung des Neubaues wurde die Schule zum 30. Juli 1908 direkt der Regierung in Arnsberg unterstellt. Am 4. August 1909 beschloss das Kuratorium den Ausbau der „Paritätischen“, die seit dem 1. Mai 1910 offiziell als Lyzeum firmierte. Mit dem 10, November 1910 konnte dann zwischen den Ämtern Wanne und Eickel eine Vereinbarung über ein enges Verhältnis zu der 1883 gegründeten gehobenen Mädchenschule in Kraft treten. Aus dieser resultierte die Verschmelzung derselben mit dem Lyzeum Wanne zu Ostern 1915. Die Zahl der Schülerinnen entwickelte sich derweil von ca. 140 (in 4 Klassen) im Jahr 1907Mädchen-Gymnasium Wanne-Eickel 1907–1957. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des städtischen neusprachlichen Mädchengymnasiums und der Naturwissenschaftlich-Hauswirtschaftlichen Frauenoberschule Wanne-Eickel. Wanne-Eickel 1957. über 171 (7) 1914 und 424 Schülerinnen 1919 bis auf 448 (15) 1925.

Nachdem zunächst die Preußische Reform vom 21. März 1923 die Lyzeen hinsichtlich ihrer Struktur traf, in dem sie unter anderem ihren siebenstufigen Aufbau dem sechsstufigen höherer Jungenschulen anpassen mussten, erhielt die Wanner Anstalt am 11. Februar 1926 seitens des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Genehmigung zur Einrichtung einer Obersekunda. Nach deren Aufbau ab Ostern 1926 schlossen zu Ostern 1929 die ersten zehn Abiturientinnen mit der Reifeprüfung ab.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich nach 1932 auch die Ausrichtung der Mädchenbildung. Studiendirektor Carl Wigge, der zuvor seit dem 1. Oktober 1913 in fester Anstellung an dem Realgymnasium Eickel unterrichtete, hatte erst zum 1. August 1932 von Karl Rüsewald die Leitung des Oberlyzeums übernommen, wurde aber dann bereits zum 1. Januar 1934 und unter Berufung auf § 5 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in seiner Stellung als Studiendirektor an das staatliche Gymnasium in Dortmund versetzt und dort mit der Übernahme einer Studienratsstelle beauftragt. In: bbf.dipf.de Rüsewald übernahm vorübergehend nochmals die stellvertretende Leitung, bevor zum 1. Oktober 1934 Albrecht Pfeiffer die Leitung übernahm, nachdem er sechs Monate zuvor nach Wanne wechselte. In: bbf.dipf.de Es galt nun das Führerprinzip an der Schule. Die Lehrinhalte und Schulliteratur wandelten sich, hin zu Hauswirtschaft und weg vom Studium nach der Reife. Es wurde Kleidung für das Winterhilfswerk der NSV genäht und bereits 1935 konnte Pfeiffer vermelden, das alle Schülerinnen Mitglied des BDM seien, ein Jahr bevor dies Pflicht wurde. Mit dem Verbot der Unterrichtung jüdischer Kinder gemeinsam mit Ariern mussten auch diese die Schule verlassen, zudem wurden verstärkt die Studier- und Berufsmöglichkeiten von Frauen beschränkt.

Mit der Umsetzung einer Schulreorganisation wurde das Lyzeum dann 1938 in „Städtische Oberschule für Mädchen“ umbenannt, doch beeinträchtigten die zahlreichen während der NS-Zeit über den BDM bzw. dessen Untergruppierung Jungmädelbund stattfindenden bzw. organisierten außerschulischen Aktivitäten zunehmend das schulische Eigenleben. Mit der Zunahme der Luftangriffe Alliierter Bomberverbände während des Zweiten Weltkriegs auf das Ruhrgebiet musste der Schulbetrieb in Wanne eingestellt werden. Die Evakuierung führte die Schülerinnen im April 1941 zunächst nach Piešťany in der Slowakei von dort im August 1943 mit 282 Schülerinnen zuzüglich 180 Familienangehörigen und neun Lehrern nach Reichenberg im Sudetenland und schließlich am 3. März 1945 in die Oberpfalz (Schloss Fuchsmühl und Waldsassen) bevor mit Kriegsende im Juni 1945 die Rückkehr möglich war. Der Unterricht konnte dann im Februar 1946 wieder aufgenommen werden und im Herbst desselben Jahres legten die ersten Kriegsabiturientinnen die Reifeprüfung ab. Von 1946 bis 1949 gestaltete sich der Unterricht beengt und ungewohnt in Gemeinschaft mit dem Jungengymnasium Eickel. 1950 erfolgte dann die Umbenennung in „Städtisches Neusprachliches Mädchengymnasium Wanne-Eickel“. Der 1952 neu geschaffene Zweig „Frauenoberschule“ (Klasse 7 bis 10) wurde 1966 in „Gymnasium für Frauenbildung“ umbenannt, schließlich aber 1971 aufgelöst zu Gunsten des Aufbaues eines „Sozialwissenschaftliches Gymnasium“ (Klasse 11 bis 13). 1975 bis 1977 firmierte die Lehranstalt dann unter „Städtisches Gymnasium an der Gerichtsstraße“, seitdem als „Gymnasium Wanne“. Der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Jungen besteht seit 1976.

Als eine von 30 Schulen mit Ganztagsbetrieb nimmt das Gymnasium Wanne von 2010 bis 2016 an dem durch die Stiftung Mercator, das Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund und das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen initiierte sechsjährige Projekt „Ganz-In“ teil. In diesem wird jeweils ein fünfter Jahrgang bis zum Eintritt in die Oberstufe begleitet und zweimal jährlich der Entwicklungsstand abgefragt.Lernen schmackhaft machen. Gymnasium Wanne beteiligt sich als eines von 30 in Nordrhein-Westfalen an dem Bildungsprojekt „Ganz In“. In: WAZ Ausgabe Herne-Wanne-Eickel vom 16. September 2010. Seit 2020 gehört das Gymnasium Wanne zu den Talentschulen mit dem Profil „kulturelle Bildung“ und legt einen besonderen Wert auf die Förderung von Kreativität, Sozialkompetenz und Sprachbildung.

Entwicklung der Schülerzahlen Die Zahl der Schülerinnen entwickelte sich nach der Zusammenlegung der Ämter Wanne und Eickel im Jahr 1926 zur Stadt Wanne-Eickel zunächst positiv und erreichte 1929 mit 476 ihr Vorkriegshoch. Sie fiel aber dann, in Teilen möglicherweise bedingt durch die Weltwirtschaftskrise 1931 sicher aber auch die unter dem Nationalsozialismus veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen,Ralf Piorr (Hrsg.): Herne und Wanne-Eickel 1933–1945. Ein historischer Stadtführer. adhoc Verlag, Herne 2013, ISBN 978-3-9814087-2-0, S. 123–125. bis 1937 auf 272. Zum 50-jährigen Jubiläum der Schule im Jahr 1957 verzeichnete sie 369 Schülerinnen. Lediglich 5,7 % (21) kamen von außerhalb, doch waren 18,4 % Flüchtlingskinder (68) und 14 % der Mädchen ohne Vater (52; verstorben, vermisst oder gefallen); 219 waren evangelisch, 148 katholisch und nur zwei gehörten anderen Religionen an.

Daten1907Mädchen-Gymnasium Wanne-Eickel 1907–1957. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des städtischen neusprachlichen Mädchengymnasiums und der Naturwissenschaftlich-Hauswirtschaftlichen Frauenoberschule Wanne-Eickel. Wanne-Eickel 1957, S. 10.1914191919251926Oberstadtdirektor Dr. Elbers im Auftrage des Rates der Stadt Wanne-Eickel (Hrsg.): Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel. Wilhelm Schulze-Wittenborg Graphischer Betrieb, Wanne-Eickel 1951, S. 65.192919311936193719411946195019571965Einwohnermeldeamt Wanne-Eickel, Abteilung Statistik (Hrsg.): Wanne-Eickel 1965. Gemessen, Gezählt, Gerechnet. 10 Jahre Großstadt. Statistischer Jahresbericht, Heft 11, Städtische Druckerei, Wanne-Eickel 1965, S. 42.1968Einwohnermeldeamt Wanne-Eickel, Abteilung Statistik (Hrsg.): Wanne-Eickel 1967–1970. Gemessen, Gezählt, Gerechnet. Statistischer Jahresbericht, Heft 13, Städtische Druckerei, Wanne-Eickel 1972, S. 50.19691970Anzahl Schülerinnenca. 140171428448452476398300272285394397369422710732722Anzahl weibliche Lehrkräfte4151291361522 33 32 35Anzahl männliche Lehrkräfte27775376Anzahl der Klassen47151512101091415

Schulleiter 1907–1932: Adolf BausenbachMädchen-Gymnasium Wanne-Eickel 1907–1957. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des städtischen neusprachlichen Mädchengymnasiums und der Naturwissenschaftlich-Hauswirtschaftlichen Frauenoberschule Wanne-Eickel. Wanne-Eickel 1957, S. 21. (* 2. Februar 1870 in Karlsthal (Lindlar); † 17. November 1950 in Bad Salzuflen)biographische Skizze in: Jahresbericht Gymnasium Wanne 1982/83, Seite 52–53 1914/15–1918: Adolf Herting (* 12. Juli 1859 in Schleswig; 1884 Dr. phil., 1906 Charakter als Professor, als Kriegsvertretung für die eingezogenen Schulleiter des Lyzeums in Wanne und des Realgymnasiums in EickelGymnasium Eickel (Hrsg.): 100 Jahre Gymnasium Eickel 1904–2004. Eickel 2004, S. 11.) 1932: Karl Rüsewald (kommissarisch wegen Vakanz der Schulleiterstelle)Kunze 39. Jahrgang, Schuljahr 1932, Seite 460 1932–1933: Carl Wigge (* 11. Juli 1885 in Neheim; zum 1. Januar 1934 als politisch missliebig nach Dortmund zwangsversetzt; † 7. September 1964 in Neheim-Hüsten)biographische Skizze in: Jahresbericht Gymnasium Wanne 1982/83, Seite 54–55 1934: Karl Rüsewald (kommissarisch wegen Vakanz der Schulleiterstelle)Kunze 41.Jahrgang, Schuljahr 1934/35, Seite 451