mini|Kitesurfer in Varberg, Schweden mini|Kitesurfer in der Columbia River Gorge mini|Kurzer Film über das Kitesurfen am Strand von Katwijk, Niederlande mini|Kitesurfer am Strand von Tel Aviv, Israel Kitesurfen, auch Kiteboarden, ist ein Wassersport bei dem der Sportler auf einem Board steht, das Ähnlichkeit mit einem kleinen Surfbrett oder Wakeboard aufweist. Dabei wird er von einem Lenkdrachen (engl. „kite“) gezogen. Wellen und der Zug des Drachen können für Sprünge genutzt werden.

Geschichte mini|links|Der von Pocock konstruierte „Charvolant“, eine drachengezogene Kutsche mini|hochkant|Man-lifter War Kite, ein von Samuel Franklin Cody konstruierter Kite für Kriegszwecke.

Ursprünge der Sportart In den 1820er-Jahren experimentierte der englische Lehrer George Pocock mit großen Lenkdrachen, um damit Kutschen und kleine Boote anzutreiben. Zum Steuern verwendete er ein 4-Leinen-System, welches dem heutzutage beim Kitesurfen verwendeten sehr nahekam. Sowohl die Kutschen als auch die Schiffe konnten damit nach Lee fahren, dazu parallel und kleine Sprünge absolvieren.Jakob Jelling: Kitesurfingnow.com, abgerufen am 26. Mai 2019. Pococks Absicht war es, das von ihm „Charvolant“ genannte System als echte Alternative zu Pferden zu etablieren, um die zu seiner Zeit übliche „Pferdesteuer“ zu umgehen.Peter Lynn: Aquilandia.com, abgerufen am 26. Mai 2019. Sein Konzept konnte sich aber nicht durchsetzen, so dass es bis Ende des Jahrhunderts fast komplett in Vergessenheit geriet. 1903 entwickelte der Luftfahrtpionier Samuel Franklin Cody den Man-lifting Kite, verband diesen mit einem kleinen Segelboot und überquerte damit den Ärmelkanal.Samuel Franklin Codys Man-Lifting Kite, www.design-technology.org, abgerufen am 25. August 2010

Die Entwicklung von Aramid- und hochfesten Polyethylenfasern in den späten 1970er-Jahren machten den Siegeszug der Kites erst möglich. Mit diesen Materialien war es möglich, stabilere, reißfestere und effektivere Tücher für die Kites herzustellen. Mit dem aus Aramid- und Polyethylen hergestellten FlexiFoil-Lenkdrachen gelang es Ian Day, mit rund 40 km/h mit seinem Katamaran über das Wasser zu fahren.

In den 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre entwickelte der Deutsche Dieter Strasilla ein Segelsystem, mit dem sowohl auf Land als auch im Wasser und auf Schnee gesegelt werden kann. Mit dem zusammen mit seinem Bruder Udo entwickelten und patentierten „Skywing“-System wurde dann auch das Springen und Fliegen oder Gleiten möglich.http://www.skywing.de/. Strasilla und ein Freund von ihm, der Schweizer Andrea Kuhn, kombinierten das System mit Skiern, Snowboards, Grasskiern sowie selbstgebauten Buggys. In einem seiner Patente geht Strasilla auch kurz auf die Idee ein, aufblasbare Kites zum Kitesurfen zu verwenden.Patent DE2933050, strasilla.de, abgerufen am 25. August 2010.

In den 1980er-Jahren fanden unter anderem in Schweden Versuche statt, Kanus, Schlittschuhläufer, Skifahrer,Mark Harris , July 2002. Wasserski- und Rollschuhfahrer mit Lenkdrachen anzutreiben.

Die Brüder Bruno und Dominique Legaignoux entwickelten Anfang der 1980er aufblasbare Lenkdrachen zum Kitesurfen und ließen sich diese Idee im November 1984 patentieren.Geschichte der Kiteentwicklung der Legaignoux Brüder, inflatablekite.com, abgerufen am 25. August 2010. Dieser sah bereits fast genauso aus wie ein heutiger Tubekite und diente als Ausgangsmodell für alle weiteren Entwicklungen.

1990 wurde durch den Neuseeländer Peter Lynn das Buggykiting entwickelt und im Ashburtoner Argyle Park erstmals angewandt. Dazu kombinierte er den Drachen mit einem dreirädrigen Buggy, ähnlich einem Kettcar. Das Buggykiting wurde daraufhin zum ersten weit verbreiteten Kitesport, so dass bis 1999 rund 14.000 Kitebuggys weltweit verkauft wurden.

Ähnlich der Idee der Legaignoux-Brüder entwickelten Anfang der 1990er der amerikanische Boeing-Aerodynamiker Bill Roeseler und sein Sohn Corey das KiteSki-System. Die Idee war es, einen Wasserski mit einem zweileinigen deltaförmigen Tubekite zu ziehen. Gesteuert werden konnte der Kite mit einer Bar (Stange). Nachdem sie sich den KiteSki patentieren ließen, ging dieser 1994 auf den Markt. Durch seine Luftschläuche konnte der Kite auch nach einer Wasserlandung wieder gestartet werden. Ende der 1990er verwendete Corey Roesler dann erstmals ein Brett, ähnlich einem Surfboard, anstatt Wasserskiern.

Laird Hamilton und Emmanuel Bertin demonstrierten das Kitesurfen 1996 der Öffentlichkeit an der Küste Mauis auf Hawaii und halfen dadurch, den Sport populärer zu machen.

Auch die Brüder Legaignoux hielten an ihrer Idee fest, entwickelten diese weiter und brachten schließlich 1997 den Wipika-Tubekite auf den Markt. Dieser hatte eine Bow-Kite-Form mit breiteren Enden als die bisherigen Kites und ermöglichte dadurch einen leichteren Wasserstart. Im selben Jahr entwickelten die Franzosen Raphaël Salles und Laurent Ness ein spezielles Kitesurfboard, was einen Beitrag zur weltweiten Verbreitung des Kitesurfens ab 1998 leistete. Erste Surfschulen lehrten nun das Kitesurfen. Der erste Wettbewerb fand im September 1998 statt, Sieger war der Amerikaner Flash Austin.Flash Austin Profil, windfinder.com, abgerufen am 25. August 2010.

Im Jahr 2000 wurde auf Maui ein neuer Freestyle-Wettbewerb ins Leben gerufen, der von Red Bull gesponsert wurde. Bei diesem Wettbewerb, der den Namen Red Bull King of the Air trug, wurden die Fahrer nach Höhe, Vielseitigkeit und Stil beurteilt. Der Wettbewerb findet noch immer jährlich in Kapstadt, Südafrika, statt.Red Bull King of the Air: Learn more about the history and legends

Kitesurfen wurde bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen 2018 in Buenos Aires zur offiziellen Disziplin ernannt.Kiteboarding coming to 2018 Youth Olympics

Mixed Kite - Formula Kite wurde von World Sailing für die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2024 ausgewählt.Windfoiling included for 2024 Paris OlympicsFormula Kite: the official foiling equipment for the Olympic Games

Ausrüstung mini|Ausrüstung

Die Ausrüstung besteht mindestens aus Board, Kite, Bar mit Leinen, Trapez und der Safety Leash, bei Tubekites außerdem einer Möglichkeit, den Kite aufzupumpen. Meist wird hier eine Pumpe eingesetzt.

Die größten Unterschiede bei den Ausrüstungsbestandteilen in Bauart und Größe gibt es beim Brett, der Bar und dem Drachen. Hier kann die Ausrüstung an Körpergewicht und Könnensstand des Sportlers sowie an unterschiedliche Wetterbedingungen, hier hauptsächlich die Windstärke, angepasst werden.

Das Board Bis etwa 2001 waren die den Windsurfbrettern ähnlichen Directional-Boards der dominierende Typ von Brett beim Kitesurfen. Ab dann wurden die den Wakeboards ähnlichen Twin Tips populärer.

Es wird zwischen verschiedenen Arten von Boards unterschieden: Derzeit hauptsächlich Twin Tips (TT; seltener Bidirectionals, kurz Bidies, genannt) und Directional-Boards und Foilboards. Alle Boardvarianten haben im Gegensatz zu Surfbrettern beim Surfen einen geringeren Auftrieb. Dieser entsteht erst hydrodynamisch durch die Fahrt über das Wasser. Dadurch erklären sich auch die kleineren Maße der Boards, die in Abhängigkeit von Könnensstand, Windstärke, Körpergewicht und Kitegröße zwischen 120 und 165 cm in der Länge und etwa 26 bis 52 cm in der Breite variieren. Seit Beginn des Kitesports gab es große Entwicklungssprünge. Mittlerweile sind Twin Tips am Markt verbreitet und werden von vielen Kitesurfern und den meisten Kitesurfschulen genutzt.

Die Kraftübertragung der Steuerbewegung der Füße auf das Brett erfolgt bei Twin Tips im Normalfall über Fußschlaufen. Es werden aber auch feste Bindungen eingesetzt. Andere Bretter wie Directional-Boards werden auch ohne Bindung oder Schlaufen gefahren.

Es lassen sich auch andere Merkmale unterscheiden wie Rocker ähnlich zu den Rocker Ski und das sogenannte Unterwasserschiff mit unterschiedlichen Formen, die ein unterschiedliches Verhalten bei Kabbelwasser bedeuten.

Directional mini|Kiter mit Directional Board im Sprung

Das Directional oder Directional Board, von manchen Herstellern auch Surfboard oder Waveboard genannt, wurde aus dem Wellenreiten übernommen. Anders als bei den anderen Boardtypen ist die Bauweise bei den Directionals etwas höher und der Auftrieb etwas größer. Aufgrund fehlender Finnen am Bug und der spitz zulaufenden Form ist es nur in eine Richtung fahrbar, so dass bei einem Richtungswechsel auch ein Fußwechsel erfolgen muss.

Aufgrund seines besonderen Fahrgefühls sowohl beim Fahren in größeren Wellen als auch bei relativ ruhiger See ist es vor allem eine spaßbringende Alternative zum Twin Tip. Es eignet sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene.

Twin Tip mini|Kleines Twin Tip Board

Das Twin Tip, auch Twintip (von engl. twin tip bi-directional), wurde ursprünglich aus dem Wakeboarden adaptiert und lässt sich in beide Richtungen also bidirektional fahren. Von einigen Herstellern werden diese im Gegensatz zu den Surfboards als Kiteboards geführt. Es weist durch die flachere Bauweise im Unterschied zu einem Surfbrett schärfere Kanten auf. Charakteristisch ist die Symmetrie hinsichtlich „Outline“ (Umriss), „Shape“ (Form) und Anordnung der Fußschlaufen. Bei diesem Brett findet kein Fußwechsel statt.

Anhand des Umrisses lassen sich die Bretter nochmals weiter unterscheiden. Die meisten Twin Tips sind auf beiden Längsseiten konvex gefertigt. Manche großen Twin Tips, besitzen hier eine konkave Form, wobei die Grenzen fließend sind.

Die Twin Tips eignen sich sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Sportler, wobei bei fortgeschrittenem Könnensstand die Boardgröße meist abnimmt, da zu Beginn durch das leichtere Angleiten meist auf größere Bretter zurückgegriffen wird.

Mutant-Board Die Mutants sind eine Mischung aus Twin Tip und Directional Board. Die Form ähnelt der eines Directionals mit einer klaren Unterscheidung zwischen Bug und Heck. Prinzipiell für das Fahren in eine Richtung konzipiert, kann es aber aufgrund von Finnen am Bug leichter bidirektional gefahren werden. Wie bei einem Twin Tip gibt es meist zwei Fußschlaufen.

Raceboard Raceboards zeichnen sich sowohl durch ihr größeres Volumen als auch durch längere Finnen aus. Sie eignen sich wegen ihrer Bauweise eher zum sehr schnellen Fahren auf glattem Wasser.

Foilboard Ein Foilboard (auch Hydrofoil) ist ein Brett, an dessen Unterseite sich eine schwertähnliche Verlängerung mit Tragflächen (Front- und Backwing) befindet. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit heben die Tragflächen das Brett durch dynamischen Auftrieb aus dem Wasser. Die Größe dieser Komponenten ist von Gewicht, Segelgröße, Könnensstufe und Windstärke abhängig.

Für Zuschauer vermittelt ein Foilboard den Eindruck, als würde der Surfer wie beim Wingfoilen über dem Wasser schweben. Foilboards sind wegen ihres in diesem Fahrmodus geringen Wasserwiderstandes besonders für Leichtwind geeignet.

Bar, Steuerungs- und Sicherheitsleinen mini|5-Leiner Bar mit Clamcleat Adjuster

Die „Kitebar“ oder einfach nur „Bar“ verbindet den Sportler über 20–30 m lange Steuerungs- und Sicherheitsleinen mit dem Kite und ermöglicht dessen Steuerung hinsichtlich der Richtung und der Kraftentwicklung. Inzwischen verfügen fast alle Modelle über mehrere Sicherheitsmechanismen zum teilweisen oder vollständigen Trennen vom Schirm im Falle von Gefahr und/oder Kontrollverlust über den Schirm. Meist sind diese Sicherheitsauslösungen ein „Quickrelease“ am „Chickenloop“ (eine schnell trennbare Verbindung an der Schlaufe, an der das Trapez eingehängt wird) und eine sogenannte „Safetyleash“. Beim Auslösen des Quickreleases stürzt der Kite auf das Wasser und wird in der Regel drucklos, bleibt aber noch, mit einer Leine, mit dem Trapez verbunden, damit der Kite nicht verlorengeht, während beim Auslösen der Safetyleash der Sportler vollständig vom Kite getrennt wird.

Unterschieden werden drei Bar-Systeme mit einer unterschiedlichen Anzahl von Leinen: