Bettlach (im lokalen Dialekt Bettlä; ) ist eine politische Gemeinde des Kantons Solothurn mit rund 5000 Einwohnern. Sie liegt im Bezirk Lebern zwischen den Städten Grenchen und Solothurn und ist ein Zentrum der Uhren- und Medizinaltechnikindustrie.

Geographie Bettlach liegt auf , 2,5 km östlich des Bezirkshauptortes Grenchen und 8 km westlich von Solothurn (Luftlinie). Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der mäandernden Aare im Süden bis auf die Höhen des Grenchenbergs auf der Antiklinale der ersten Jurakette. Die östliche Grenze verläuft über weite Strecken entlang des Brügglibachs, eines linken Zuflusses der Aare. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 12 % auf Siedlungen, 39 % auf Wald und Gehölze, 47 % auf Landwirtschaft, und etwas mehr als 2 % war unproduktives Land. Von den 12,193 km² Gemeindegebiet entfallen 0,2 km² auf fliessende Gewässer (in erster Linie die Aare) und nur 0,002 km² auf stehende Gewässer (Erlimoosweiher an der Grenze zu Selzach).

Zu Bettlach gehören die Siedlung Allmend (ca. ) am Hang oberhalb des Dorfes sowie verschiedene Einzelhöfe in der Witi.

Besiedelter Teil im Süden Die Fläche des 12,2 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Solothurner Jurasüdhangs. Die südliche Grenze verläuft entlang dem stark gewundenen Flusslauf der Aare (). Von hier erstreckt sich der Gemeindeboden nordwärts über die bis zu 2 km breite und landwirtschaftlich intensiv genutzte Aareniederung (Witi) mit einigen Hofsiedlungen bis an die Jurasüdfusslinie der Schweizerischen Bundesbahnen, die das Gemeindegebiet von Ost nach West durchquert.

Nördlich der Bahnlinie beginnen mit der Unteren Zelg die ersten bewohnten Ortsteile der Gemeinde. Teile der Unteren Zelg sind Mischgebiete mit diversen Industriefirmen wie der Mathys AG. mini|328x328px|Dorfansicht von Bettlach Richtung Norden mit sanft gewölbtem Siedlungsgebiet, stark ansteigender erster Jurakette und der Wandflue im Hintergrund Ab der Hauptstrasse 5 steigt der Jurahang sanft an, die eigentliche Dorfsiedlung beginnt. Am Fuss des Juras befindet sich der Hügel Büelen, an dessen südwestlichem Hang der Bettlacher Ortskern liegt. Dieser Hügel, der sich gegen Solothurn hin fortsetzt, besteht aus Moränenschutt, welcher vom eiszeitlichen Rhonegletscher während einer länger andauernden Stagnation in der Rückzugsphase hier abgelagert wurde. Er ist heute südseitig mit zahlreichen Häusern bebaut.

Nordöstlich der Büelen befindet sich ein sanfter Taleinschnitt mit dem Naturreservat Erlimoos. Dieses liegt im unmittelbaren Grenzgebiet zur Nachbargemeinde Selzach. Es wurde ursprünglich als Schulreservat angelegt und regelmässig unterhalten und hatte einen parkähnlichen Charakter. Das Gebiet ist seit 1972 als kantonales Naturreservat ausgeschieden und wurde 1975/76 nach Norden hin erweitert. Gleichzeitig wurde ein etwas über 10 a grosser und bis 4,5 m tiefer künstlicher Weiher angelegt. Speziell die unterschiedlichen Feuchstandorte und Gewässer stellen einen besonderen Wert in der Region dar. In den Jahren 2010/11 ist das Gebiet von Bibern besiedelt worden. Seither wurden die Eingriffe und die Pflege auf ein Minimum eingeschränkt, wodurch die Zugänglichkeit deutlich verschlechtert und erschwert wurde.

Ab der Büelen steigt der Jurasüdhang stärker an. Er ist weiterhin stark besiedelt und zwischen der Bebauung mit Wiesen bestanden. mini|Früheres Gebäude auf dem Bettlestock, abgerissen durch die Schweizer Armee 2014 (Aufnahme von 2007)

Jura-Waldhang im Norden Oberhalb des Ortsteils Allmend beginnt im Bereich Lauacker auf einer Höhe von etwa der steile Waldhang, der an verschiedenen Orten von Felsen durchzogen ist. Diese Felsen, unter anderem die Gäschlerflue (), die Rotflue () als auch das Heimwehflüeli (), bieten dabei Aussichten in das Aaretal und bis an die Berner Alpen.

Weltnaturerbe Bettlestock (Bettlachstock) Das nördliche Gemeindegebiet von Bettlach wird durch die Erscheinung des Bettlestock (Bettlachstock) geprägt. Mit dem Giglerbach im Westen und dem Brügglibach im Osten haben zwei flankierende Bäche hier über Jahrtausende durch Erosion einen Inselberg geschaffen, auf dem sich eine Vielfalt naturnaher Lebensräume mit einer artenreichen Flora und Fauna entwickeln konnte. Bereits seit 1977 gilt der Bettlachstock national als bedeutsam und schützenswert. Damals wurde er als Teil der Weissensteinkette ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgenommen.

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) betreibt in einer Waldlichtung unterhalb des Gipfels seit 1997 eine Messstation, mit der die Luftbelastung erfasst wird, welcher der Wald ausgesetzt ist. Anfang der 2020er Jahre wurde die Messstation ausgebaut. Des Weiteren ist der Bettlestock eines von rund 50 Waldgebieten in der Schweiz, in denen die Entwicklung vom Nutzwald zum Urwald wissenschaftlich beobachtet und erforscht wird. Dabei werden zahlreiche Daten erhoben, die in wissenschaftlichen Publikationen Platz finden.

Bekannt ist der Bettlestock für seine Buchenwälder, die das zweitgrösste natürliche Buchenwaldreservat der Schweiz bilden. Vorherrschende Baumart am Berg ist die Fagus silvatica (Rotbuche), wobei die ältesten Exemplare auf ein Alter von 170 bis 190 Jahre geschätzt werden. Weitere vorherrschende Baumarten sind Picea abies (Gemeine Fichte), Fraxinus excelsior (Gemeine Esche), Ulmus glabra (Bergulme) als auch die Abies alba (Weisstanne). Während die Eschen und Tannen ebenfalls ein Baumalter der Rotbuchen erreichen, werden die maximalen Baumalter der Fichtenbestände am Bettlestock auf rund 210 Jahre und die der Bergulme auf rund 160 Jahre geschätzt. Modellrechnungen zeigen, dass der Buchenwald aufgrund seiner Höhenlage dem Klimawandel zu trotzen vermag. Gleichzeitig werden aber einige Baumarten ausfallen und neuen wärmeliebenden Baumarten Platz machen.

Die Buchenwälder des Bettlestocks gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe. Sie wurden gemeinsam mit dem Valli di Lodano im Jahre 2021 von der UNESCO als besonders schützenswert anerkannt. Das Bettlacher Schutzgebiet umfasst eine Fläche von rund 195 Hektaren in einer submontanen bis hochmontanen Höhenstufe (800 bis ).

Wandflue

Westlich und hinter dem Bettlestock fällt das Gemeindegebiet zum Bettlachberg hin ab, bevor es entlang der markanten und weitherum sichtbaren Wandflue erneut steil aufsteigt. Auf der Felskante der Wandflue wird schliesslich mit der höchste Punkt des Gemeindegebiets erreicht.

Die Felskante der Wandflue erhielt die Gestalt durch einen grossen Felssturz, welcher sich beim Rückzug des Rhonegletschers am Ende der letzten Eiszeit ereignete, nachdem die hangstabilisierende Wirkung der Eismasse nicht mehr vorhanden war. Am Hangfuss, im westlichen Gemeindeteil, bildete sich ein Schuttkegel, der durch die Erosion des Giglerbachs moduliert wurde.

Nachbargemeinden Bettlach wird im Norden und Westen vom Bezirkshauptort Grenchen, im Osten von Selzach und im Süden von den Berner Gemeinden Arch und Leuzigen begrenzt. Das Siedlungsgebiet von Bettlach ist mittlerweile im Bereich der Diebold-Schilling-Strasse und der Jurastrasse lückenlos mit demjenigen von Grenchen zusammengewachsen.

Klima Klimatisch steht Bettlach unter kontinentaleuropäischem Einfluss. Die Lage der Gemeinde zwischen Aare und erster Jurakette führt zu überdurchschnittlich vielen Nebellagen insbesondere im unteren Bereich des Gemeindegebiets.

Das Klima der bewohnten Flächen des Dorfes entspricht dabei einem Cfb auf dem Köppen-Klimaklassifikationssystem, wobei die Jurahöhen der D-Klimate zugeordnet werden können.

Als Referenz dient hier die Klimatabelle der Wetterstation des nahegelegenen Flughafens Grenchen.

Geschichte mini|Ansicht der Wandflue Richtung Osten

Vergletscherung In der letzten grossen Eiszeit stiess der Rhonegletscher durch das Aaretal bis in die Region Solothurn vor. Der Hügel Büelen ist die letzte Erinnerung an diese Zeit. Die ehemalige Seitenmoräne des Gletschers erhebt sich im Dorfkern östlich des Gemeindehauses.

In der Spätglazialzeit (10'000–9000 v. Chr.) zog sich der Rhonegletscher infolge der Klimaerwärmung langsam zurück. Der Juraerhebung fehlte im Bereich zwischen dem Grenchner Vorberg und dem Bettlestock der stützende Halt des Gletschers. Die Folge: Das unstabile Kalkgestein kam ins Rutschen und bewirkte einen gewaltigen Rutsch. Der Bergsturz, einer der grösseren Bergstürze in der Schweiz, schuf damals mit seiner Abbruchstelle das Wahrzeichen Bettlachs, die Wandfluh. Das Geröll des Sturzes ist die heutige sanfte Wölbung zwischen dem Hofacher und der Aare, entlang welcher auch der Giglerbach sowie das Wyssbächli fliessen. Heute befinden sich die östlichen Siedlungsgebiete der Stadt Grenchen und die westlichen Siedlungsgebiete Bettlachs auf dem Bergsturzmaterial.

Der Durchblick in die Urzeit, verschiedene Informationsstände, verteilt im ganzen Kanton Solothurn, behandelt die Ereignisse dieser Epoche. Zwei dieser Tafeln mit Text und Bild stehen auch auf Bettlacher Gemeindegebiet in der Nähe des Berghofes Bützen (ca. 15 Fussminuten östlich des Restaurants «Untergrenchenberg») und am oberen Eingang zum Engloch, direkt an der Abrisskante der Wandflue (ca. 25 Fussminuten vom Restaurant «Untergrenchenberg» über die Grenchenbergstrasse). Der erstere Informationsstand behandelt die Vergletscherung des Solothurner Aaretals und der letztere das grosse Jurameer, aus dessen Meeresboden sich später das Juragebirge bildete.

Erste Zeugen einer Besiedelung Bettlach wurde schon sehr früh bewohnt. Auf dem Gemeindegebiet fand man Spuren einer Besiedelung, die in die Bronzezeit (1050–750 v. Chr.) gehören. Ungefähr 100 v. Chr. liessen sich in der Region Bettlach, vom süddeutschen Raum kommend, Kelten nieder. Dieser Keltenstamm, genannt Helvetier, brach im Jahre 58 v. Chr. weiter nach Gallien auf. Nach der Schlacht von Bibracte zwang sie jedoch der römische Statthalter Julius Caesar zur Umkehr in die Schweiz. In der gleichen Zeitspanne besetzten die Römer die Schweiz von Süden her.

Paetiliacum mini|Ruinen des Bettleschlosses auf der Schlossflue oberhalb des OrtesÜber die darauffolgende Anwesenheit der Römer in Bettlach zeugt ein grosser Gutshof (villa rustica) mit dem Namen Paetiliacum, der westlich der reformierten Kirche ausgegraben wurde. Dieser soll dem römischen Kriegsveteranen Paetilius gehört haben. Auf diesen Namen wird auch der Ortsname Bettlach zurückgeführt. Bis heute wird ein zweiter römischer Gutshof auf dem östlichen Büelenhügel vermutet. Dessen Existenz ist jedoch unklar.

Das Bettlacher Gemeindegebiet durchzogen nachweislich zwei Römerstrassen von Petinesca (Studen BE) nach Salodurum (Solothurn), eine davon über das sogenannte «Römerbrüggli» in der Bettlacher Witi.

Über mehrere Jahrhunderte lebte die keltisch-römische Bevölkerung danach mehrheitlich in Frieden am Jurasüdhang. 260 n. Chr. drangen die Alamannen in die Region vor. Vermutlich wurde der römische Gutshof von Bettlach in dieser Zeit zerstört.

Im Jahre 401 wurden die römischen Kräfte aus Helvetien abgezogen, und im Jahre 450 erfolgte die unwiderrufliche Landnahme durch die Alamannen. Im 4. Jahrhundert waren ausserdem die Burgunder in der Gegend um Bettlach ansässig, bevor diese durch die Alamannen nach und nach bis zur heutigen Sprachgrenze bei Biel/Bienne zurückgedrängt wurden.

Unter den fränkischen Königsgeschlechtern der Merowinger und Karolinger wurde das Reich in Gaue und Marken eingeteilt. Dadurch geriet das Gebiet von Bettlach in den Zuständigkeitsbereich der Grafschaft Pippin. Zu dieser Grafschaft gehörten zu jener Zeit unter anderem die solothurnischen Gegenden links der Aare.

Im Jahre 630 ordnete der Frankenkönig Dagobert die Zuständigkeitsbereiche der Diözesen. Damals erhielten die Bistümer Lausanne, Basel und Konstanz ihre territoriale Form, die sie bis ins Jahr 1828 beibehielten. Bettlach gehörte zum Bistum Lausanne.