Der Millstätter See ist ein See nördlich des Drautals in der Nähe der Stadt Spittal an der Drau in Kärnten (Österreich). Er liegt in , ist 11,5 Kilometer lang und bis zu 1,8 Kilometer breit und nach dem Wörthersee Kärntens zweitgrößter See, jedoch mit 141 Metern der tiefste und mit 1204,5 Millionen Kubikmetern auch der wasserreichste See des Landes.Daten nach Sampl et al.: Zur Limnologie des Millstätter Sees. In: Der Millstätter See, Klagenfurt 2008, S. 66 Größere Ansiedlungen am See finden sich ausschließlich am Nordufer, darunter sind Seeboden, Millstatt und Döbriach die drei größten Ortschaften.

Etymologie mini|Breiteste Stelle des Sees bei Dellach, gegenüber der Laggerhof

Einer häufig verbreiteten Legende zufolge beruht der Name des Uferortes Millstatt auf jenen mille statuae (lateinisch für „tausend Statuen“), die der Karantanenherzog Domitian nach seiner Bekehrung zum christlichen Glauben in den See werfen ließ. Die Etymologie hingegen führt den Ortsnamen auf Milsstatt zurück, einer Siedlung an der Mils. Der Name dieses Baches wiederum ist vom vorslawischen Melissa abgeleitet, was Bergbach oder Hügelbach bedeutet. Bei diesem Milsbach handelt es sich vermutlich um den Riegenbach, der in Millstatt in den See mündet.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 1958, S. 156 f.

Geologie und Geographie mini|Historische Ansicht bei Pesenthein vor 1891 Entstehung Der Raum um Spittal an der Drau und dem Millstätter See war während der letzten Eiszeit, im Hochglazial der Würmeiszeit vor etwa 24.000 Jahren bis auf etwa 1800 Meter Seehöhe mit Eis bedeckt. Die nach Osten strömenden Eismassen des Möll- und des Drautal-Gletschers vereinigten sich im Raum Spittal mit dem Lieser-Gletscher zu einem breiten Eisstrom. Dieser teilte sich bei Lieserhofen in einen Nord- und einen Südast auf, wobei der nördliche Zweig die Millstätter Seefurche bildete und im weiteren Verlauf von Döbriach nach Radenthein und Kleinkirchheim dem Gurkgletscher zufloss. Der Gletscherschliff ist in Döbriach an beiden Bergflanken noch deutlich sichtbar.

Im Würm-Spätglazial vor etwa 20.000 Jahren schmolzen die Gletscher allmählich ab. Der Drautalgletscher sank in sich zusammen und bildete einzelne getrennte Eiskörper, sogenanntes Toteis. Ein solcher Toteiskörper blieb in der ausgeschürften Millstätter Wanne länger liegen und staute die Schmelzwässer des Liesertalgletschers sowie die mitgeführten Schottermassen auf. Letztere lagerten sich als Lieserdelta am Westrand des heutigen Sees ab. Mit dem Einsinken und Abschmelzen des Eiskörpers hat sich die Lieser allmählich in den Staukörper eingeschnitten und große Teile davon wieder abgetragen. Im Lieserdelta bildete sich aber auch eine abgeschlossene Wanne, in der sich das Wasser des heutigen Sees sammeln konnte. Der Millstätter See kann also als Überrest der letzten Eiszeit angesehen werden.Angaben nach Jochen Schlamberger: Zur Geologie des Raumes um den Millstätter See. In: Der Millstätter See, Klagenfurt 2008, S. 47–50.

Lange Zeit war der See größer als heute und reichte vermutlich bis Lurnbichl. Die Lieser scheint über Kötzing bei Krauth ober Seeboden in den See geflossen zu sein. Der alte Flusslauf ist noch entlang der Straße nach Treffling erkennbar. Im Laufe der Zeit hat die Lieser mit ihrem Geschiebe den Abfluss über das Lurnfeld verlegt. Folglich entstand der heutige Einschnitt im Millstätter Seerücken, der Liesergraben als Abfluss.

Geologie Geologisch gehören sowohl die Nockberge als auch der Seerücken zum Koralpe-Wölz-Deckensystem des Ostalpins. Die tiefer gelegenen Teile der Nockberge sowie der Seerücken bilden eine Einheit, den sogenannten Millstatt-Komplex, während die höheren Anteile der nördlich des Sees gelegenen Berge dem Radenthein-Komplex zugerechnet werden. Der Millstatt-Komplex besteht aus monotonen Gneisen und Glimmerschiefern mit Quarzitlagen. Diese Gesteine entstanden durch Metamorphose von Sand- und Tonsteinen, als Ablagerungszeitraum wird das Ordovizium angenommen. Der Radenthein-Komplex wird vor allem von Granatglimmerschiefern aufgebaut, in denen verschiedene Amphibol enthaltende Gesteine auftreten.

Lage und Einzugsgebiet mini|Der Seerücken trennt das untere Drautal vom Millstätter See (rechts) Der Millstätter See wird im Norden von den etwa 2000 m hohen Gipfeln des Tschiernocks, des Kamplnocks, der Millstätter Alpe und des Lammersdorfer Berges begrenzt, die zu den Nockbergen, dem westlichen Teil der Gurktaler Alpen gehören. Südlich des Sees trennt ein langgestreckter Bergrücken, der von St. Peter im Holz im Westen bis nach Glanz im Osten reicht, das Becken des Millstätter Sees vom Drautal. Die höchste Erhebung dieses großteils dicht bewaldeten „Seerückens“ ist der Gaisriegel (988 m. ü. A.). Östlich des Sees erhebt sich der 2110 m hohe Mirnock.

Das Gebiet um den Millstätter See ist seit mindestens 4000 Jahren kontinuierlich besiedelt. Die ältesten prähistorischen Funde Oberkärntens finden sich am Millstätter Berg am Plateau über dem Nordufer bei Sappl und Lammersdorf. Ein Pollendiagramm aus dem tiefsten Bereich des Sees zwischen Dellach und dem Laggerhof zeigt ab ca. 2200 v. Chr. eine ausgeprägte Häufung von Adlerfarn und Wacholder, zwei markante Indikatoren für menschliche Weiderodung und Waldweide.Adolf Fritz: 4000 Jahre menschliche Siedlungstätigkeit im Spiegel der Pollenanalyse. Ein Pollendiagramm vom Millstätter See. In: Geschichtsverein für Kärnten: Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten. 189. Jahrgang, Klagenfurt 1999, S. 43–52. Anhand der Pollenanalyse können fünf Phasen zunehmender und rückläufiger menschlicher Siedlungstätigkeit um den See identifiziert werden. Mit dem Beginn der Römerzeit häufen sich Pollen von Edelkastanie und Getreide besonders Roggen, die zur Völkerwanderungszeit wieder zurückgehen. In Dellach wurden die Überreste einer luxuriösen römischen Villa mit rotgrüner Wandbemalung, einer Hypokaustheizung sowie zweier außergewöhnlich gut erhaltener Türschwellen aus Marmor gefunden.Axel Huber: Römische Funde im Umfeld des Millstättersees. In: Franz Nikolasch (Hrsg.): Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. 2013, S. 45–87. Ab dem 9. Jahrhundert kommt es durch die einsetzenden bairischen Rodungen zu einem drastischen Rückgang der lokalen Waldvegetation.

Das schattige Südufer war bis zum Aufkommen des Fremdenverkehrs nur beim Laggerhof besiedelt. Die Ortschaften am sonnigen Nordufer vergrößerten sich erst mit der Anlage der Straße am Ufer. Die alte Römerstraße führte nicht am See entlang, wie heute die Millstätter Straße (B 98), sondern über den Millstätter Berg. Ab Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich aus den ursprünglichen Bauern- und Fischerdörfern die Fremdenverkehrsgemeinden Seeboden und Millstatt mit zahlreichen Feriendörfern.

Das Einzugsgebiet des Millstätter Sees ist 284,5 km² groß, was dem 21-fachen der Seefläche entspricht. Es deckt sich im Wesentlichen mit den fünf Anrainergemeinden Seeboden, Millstatt, Radenthein, Ferndorf und Spittal an der Drau. Die beiden letztgenannten haben keine geschlossenen Ansiedlungen am Seeufer. Der Millstätter See gehört zur touristischen „Region Millstätter See – Bad Kleinkirchheim – Nockberge“.

Der Hauptzufluss des Sees ist der im Osten bei Döbriach mündende Riegerbach, der von mehreren kleinen Bächen, besonders vom Tiefenbach aus dem Kleinkirchheimer Hochtal gespeist wird. (Ein weiterer, bei Millstatt mündender Riegerbach ist deutlich kleiner.) Insgesamt münden 30 Bäche in den See, der größte Teil davon am Nordufer. Der einzige Abfluss verlässt den See am Westende und mündet bei Seebach (Gemeinde Seeboden) in die Lieser. Er führt dieser durchschnittlich etwa 5,1 m³/s zu.

Zuflüsse Die größten Zuflüsse des Millstätter Sees sind (im Uhrzeigersinn vom Abfluss): Name Mündungsseite Mündungsort Einzugsgebietin km²Trefflinger Bach (Gießbach)NordenSeeboden11,8PlonerbachNorden1,2TschallbachNordenLechnerschaft2,7Laubendorfer BachNordenLechnerschaft2,6Tschierweger BachNordenMillstatt3,0Millstätter RiegerbachNordenMillstatt10,3Pesentheiner Bach (Pöllandbach)NordenPesenthein6,6Sapplbach (Mühlbach)NordenDellach2,1Matzelsdorfer Bach (Sonmnenhofbach)NordenDellach1,9GöllgrabenOstenStarfach3,0RiegerbachOstenDöbriach188,5GschrietbachOstenGlanz6,4TschernbachOstenGlanz2,6

Klima Klimatisch ist der See durch einen Aufwind begünstigt, der über dem See zu vermehrtem Sonnenschein, aber in der unmittelbaren Umgebung für Schlechtwetter sorgt. Der Millstätter See ist einer der wärmsten Seen Kärntens und aufgrund der großen Wassermasse und, da Zu- und Abflüsse gering sind, sehr temperaturstabil. An der Oberfläche in der Seemitte wird das Wasser bis zu 22 °C warm, am Ufer beträgt die Wassertemperatur bis zu 26 °C, bei Windstille und in Buchten steigt sie bis auf 28 °C. Die Warmwasserschicht erreicht im Sommer eine Tiefe von fünf bis acht Metern. Die Abkühlung im Herbst verläuft langsam, die Herbstzirkulation beginnt im Dezember, die Frühjahrszirkulation im März. Eine geschlossene Eisdecke tritt nur in extrem kalten Wintern auf, eine Eisbildung an den Ufern beginnt in der Regel im Jänner und endet bereits Ende Februar bis Mitte März.

Wirtschaft Fischfang

mini|links|hochkant|Laggerwirt Christoph Staber mit gefangenem Wels, um 1890

Der Fischreichtum des Sees war von alters her begehrt. Schon für die Benediktinermönche des Stifts Millstatt ist für das Jahr 1177 belegt, dass sie sich vom Papst die Fischwaid für den östlichen Seeteil in Döbriach zusichern ließen.Wolfgang Honsig-Erlenburg, Georg Dabernig: Zur Geschichte der Fischerei am Millstätter See. In: Der Millstätter See, Klagenfurt 2008, S. 31–34. Das Fischrecht im westlichen Seeteil lag lange Zeit bei der Herrschaft Sommeregg. Für 1450 ist bestätigt, dass in Seeboden und Millstatt mehrere Fischer ansässig waren, die für die damaligen Grundherren, die Grafen von Ortenburg das Seelehen verwalteten. Kaiser Friedrich III. ließ sich als Gegenleistung für die Fischereirechte des Klosters von diesem vierteljährlich 50 Seeforellen an den Hof liefern. Solange die Fischerei ein Recht der Grundherrschaft war, gab es dezidierte Regeln für den Fischfang. Schonzeiten waren festgelegt, Aufstiegshilfen bei Mühlen und Wehranlagen vorgeschrieben. Die Verwendung von Reusen und nächtliches Fischen mit einem Feuerkorb über dem Wasser und Fisch-Stecher war verboten.Axel Huber: Von der Raubfischerei zur Unterwasserfotografie In: KulturLandMensch, Nr. 2 / 2009, S. 4–6. Unter: (PDF; 602 kB), aufgerufen am 9. September 2011. Ferner war dem gemeinen Manne das Fangen von Krebsen ausdrücklich untersagt. Mit der Aufhebung der Grundherrschaft im Jahr 1848 entstand vielerorts eine völlige Freiheit des Fischfangs. Erst 1885 wurde ein Reichsfischereigesetz erlassen. In der Zwischenzeit gab es einen unkontrollierten Raubbau am Fischbestand. Kärnten erhielt erst 1931 ein verbindliches Fischereigesetz. Aus der Zeit der Raubfischerei sind einige Fisch-Stecher erhalten geblieben, die im Fischereimuseum Seeboden zu besichtigen sind.

Bis in die jüngere Vergangenheit war die Erwerbsfischerei ein wesentlicher Wirtschaftszweig am Millstätter See. Besonders einfach und einträglich war der Fischfang am Seeausfluss. Hier konnten zur Laichzeit die großen Lachsforellen mit transportablen Fischzäunen aus Ruten oder mit einer fixen Vorrichtung gefangen werden. Die letzten Reste des Lachsrechens im Seeausfluss, der im Jahr 1638 erstmals urkundlich erwähnt wurde und der durch seine aufstauende Wirkung immer wieder zu heftigem Streit wegen der Überflutung der Felder in Döbriach auf der anderen Seite des Sees führte, war noch bis in die 1970er Jahre zu sehen. Mit dem Bau von Flussregulierungen und Kraftwerken endete der Aufstieg der Lachsforellen. Bis auf wenige Fische, die von der örtlichen Gastronomie als Spezialität angeboten werden, wird gegenwärtig großteils nur noch als Freizeitvergnügen gefischt.

mini|Fischereimuseum beim Seeausfluss in Seeboden