Blehers Rotkopfsalmler (Petitella bleheri; Synonym: Hemigrammus bleheri) ist ein Fisch aus der Salmlerfamilie der Acestrorhamphidae. Seine ursprüngliche Heimat liegt im nordwestlichen Brasilien sowie im südlichen Kolumbien am Amazonas.Ulrich Schliewen: Praxishandbuch Aquarium. Mit über 400 Fischarten, Amphibien und Wirbellosen im Portrait. Gräfe und Unzer, München 2017, ISBN 978-3-8338-6139-0, S. 181. Der deutsche Name „Rotkopfsalmler“ wurde bereits 1967 von dem Coburger Großhändler für Zierfische, Otto Schultze, geprägt.Heiko Bleher: The Most Spectactular Rummy-nose – An odyssey in search of the fiery Hemigrammus bleheri. In: Tropical Fish Hobbyist. T.F.H. Publication, New Jersey April 1987, S. 10–21.Tropentierhandel Coburg Otto Schultze Nachf. Dipl. Biol. Christian Schulz, handelsregister-online.de Schultze hatte vor dem Zweiten Weltkrieg das Aquarium im Münchner Tierpark Hellabrunn betreut. Nach ihm ist der Panzerwels Corydoras schultzei benannt worden.Maximilian Holly: Vier noch nicht beschriebene Corydoras-Arten. In: Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Wien. Band 77, 1940, S. 107–112; hier: S. 112.

Natürlicher Lebensraum mini|Petitella bleheri mini|Petitella rhodostomus

Der ausgesprochen lebhafte und friedliche Schwarmfisch fühlt sich in strukturreichen und dunkleren Umgebungen besonders wohl. Bevorzugte Umgebungen sind Habitate, in denen der Pflanzenwuchs nicht überhandnimmt, doch einige dichtere Pflanzenverstecke vorhanden sind.Oliver Knott, Chris Lukhaup: Aquascaping. Aquarienlandschaften gestalten. Gräfe und Unzer, München 2013, ISBN 978-3-8338-2411-1, S. 251. Der Ichthyologe Rüdiger Riehl (1949–2012) gab 2004 an, dass Blehers Rotkopfsalmler als Schwarzwasserfisch anzusehen ist. Ulrich Schliewen, Ichthyologe und Sektionsleiter der Zoologischen Staatssammlung München, hingegen stellte 2011 als ursprüngliche Heimatgewässer Klar- und Schwarzwasserbäche fest, während der Biologe Jürgen Schmidt bereits 2001 geschrieben hatte, dass Blehers Rotkopfsalmler alle Gewässertypen, bevorzugt kleine Seitenbäche und Altarme, bewohnt.Jürgen Schmidt: Salmler (= Ihr Hobby). Bede, Ruhmannsfelden 2001, ISBN 3-931792-74-9, S. 66. Somit können auch Weißwasserbäche zu seinem Refugium gehören. Mit dieser Feststellung wird auch deutlich, wie groß die Bandbreite der Lebensräume des Petitella bleheri sein kann. Die meisten Gewässer Amazoniens sind SchwarzwasserbiotopeWolfgang Staeck: Salmler aus Südamerika. Lebensräume und Pflege im Aquarium. Daehne, Ettlingen 2008, ISBN 978-3-935175-41-8, S. 30. und werden durch Niederschlagswasser gebildet.Jürgen Schmidt: Salmler. Faszination Aquarienfischzucht. Bede, Ruhmannsfelden 1998, ISBN 3-931792-41-2, S. 10. Sie haben pH-Werte im sauren bis extrem sauren Bereich und sind sehr arm an gelösten Mineralien. Damit ist ihre elektrische Leitfähigkeit und die Gesamt- wie Karbonathärte äußerst gering. Da die Mineralienarmut der Schwarzwasser vielfach nur noch geringfügig vom Salzgehalt destillierten Wassers entfernt ist, unterscheidet sich die Chemie beider Wasserarten kaum.

Als Typusfundort der Art wird häufig ganz allgemein der Rio Negro, im Speziellen auch der mittlere Rio Negro in Brasilien angegeben.Wolfgang Staeck: In der Natur beobachtet: Rotkopfsalmler. In: Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift. Band 72, Nr. 10 (2019), S. 28–31. Er findet sich auch an dessen rechtem Nebenfluss, dem Río Vaupés,Rüdiger Riehl: Aquarien Atlas. Band 3, Mergus, Melle 2004, ISBN 3-88244-053-8, S. 130. der aus KolumbienBirgit Mehlhorn, Heinz Mehlhorn, Günter Schmahl: Gesundheit für Zierfische. Parasiten erkennen und bekämpfen. Springer, Berlin/Heidelberg 1992, ISBN 3-540-55535-8, S. 150. kommend, auf brasilianischem Gebiet in den Rio Negro abfließt. Daneben lebt der Rotkopfsalmler in Teilen der Einzugsgebiete des oberen kolumbianischen Orinoko und des in den Orinoko abfließenden Río Meta. Der Biologe Wolfgang Staeck beobachtete den Fisch zudem im Einzug des unteren Río Inírida, der über den Río Guaviare ebenfalls in den Orinoko entwässert.Wolfgang Staeck: In der Natur beobachtet: Rotkopfsalmler. In: Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift. Band 72, Nr. 10, 2019, S. 28–31.

Echte Wasserpflanzen sind im Schwarzwasser nicht sehr häufig anzutreffen, da das Licht meist nicht weit in das Gewässer eindringen kann. Durch die Niederschläge ist das Wasser jedoch mit organischen Substanzen aus den Dschungelböden angereichert, die hohe Humin- und Tanningehalte aufweisen. Viele Salmlerarten leben daher eher in den Bereichen, an denen sich Klar- und Schwarzwasser mischen.Wolfgang Staeck: Salmler aus Südamerika. Lebensräume und Pflege im Aquarium. Daehne, Ettlingen 2008, ISBN 978-3-935175-41-8, S. 31. Diese Mischgewässer sind in den Tropen nicht selten. Auch die oftmals stark angesäuerten Klarwasserbiotope Amazoniens sind ähnlich wie die Schwarzwasser nährstoffarm. Ihr Wasser, das keine Trübstoffe und kaum organische Bestandteile führt, stammt aus Gebieten, in denen es keine oder nur sehr wenige Mineralien aus Böden oder Gestein aufnehmen konnte. Die wenigen gelösten Mineralien führen dazu, dass auch dieser Gewässertyp ebenfalls stark an destilliertes Wasser erinnert. Typische pH-Werte liegen in den Bereichen von 4,4 bis 6,6, wobei der äußerst geringe Stickstoffgehalt die hohe Reinheit des Wassers zeigt.Wolfgang Staeck: Salmler aus Südamerika. Lebensräume und Pflege im Aquarium. Daehne, Ettlingen 2008, ISBN 978-3-935175-41-8, S. 33. Der Amazonas selbst ist ein Weißwasserfluss mit einer sehr geringen Härte, dessen pH-Wert zwischen 6,5 und 6,9 schwankt und manchmal auch den Neutralwert von 7 erreicht. Die Gesamt- und Karbonathärte des Flusses erreicht häufig Werte von 1–2 °dGH. Sonnenlicht dringt in das sedimentreiche, trübe Gewässer nur wenige Zentimeter tief ein, so dass echte Wasserpflanzen fehlen. Ihren Platz nehmen Sumpf- und Schwimmpflanzen ein. Die Weißwasser stammt aus erdgeschichtlich jungen Bereichen und führen eine Vielzahl an gelösten Substanzen.

Merkmale Blehers Rotkopfsalmler hat eine charakteristische, signalfarbene Zeichnung mit einem blutroten Kopf und einem schwarzweiß gebänderten Schwanz. Auch die Iris besitzt eine rote Färbung. Man vermutet, dass diese Musterung dazu dient, im trüben Wasser Richtungsänderungen des Schwarms mitzuteilen. Er teilt diese Farben mit Petitella rhodostomus aus dem Unteren Amazonas und dem etwas größeren Georgies Rotkopfsalmler (Petitella georgiae), der auch unter dem Namen „Peru-Rotkopfsalmler“ bekannt wurde,Joachim Stengert: Pflege und Zucht des Peru-Rotkopfsalmlers. In: Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift. Nr. 5, 1990, S. 281 ff.; hier: S. 281. und vor allem im peruanischen Oberen Amazonasgebiet lebt.Günther Sterba: Süßwasserfische der Welt. Ulmer, Stuttgart 1987, ISBN 3-8001-7165-1, S. 119. Blehers Rotkopfsalmler ist schlank und mindestens bis zu 4,5 Zentimeter lang, wobei die Weibchen fülliger sind.Ulrich Schliewen: Aquarienfische von A bis Z. Über 300 beliebte Süßwasserfische. Mit schönen Kleinstfischen fürs Nano. (= Der große Kompass). Gräfe und Unzer, München 2011, ISBN 978-3-8338-2191-2, S. 42. Schmidt (2001) gab als Endgröße des Fisches fünf Zentimeter und Schliewen (2017) sogar 5,5 Zentimeter an.

Blehers Rotkopfsalmler sieht Petitella rhodostomus (Ahls Rotmaulsalmler) und Petitella georgiae (Georgies Rotkopfsalmler) sehr ähnlich. Ahls Rotmaulsalmler besitzt im Gegensatz zu Blehers Rotkopfsalmler jedoch ein schmales dunkles Längsband, das mittig vom Ansatz der Schwanzflosse über den Schwanzstiel verläuft und zur Körpermitte hin immer heller wird. Die Rotfärbung beim Rotmaulsalmler ist zudem meist noch etwas intensiver und lediglich auf den Kopf begrenzt. Bei Blehers Rotkopfsalmler zieht sich die Rotzeichnung über den Kiemendeckel hinaus. Georgies Rotkopfsalmler zeichnet sich ebenfalls durch einen dunklen Streifen auf seinen Flanken aus, doch ist dieser ebenfalls mittig von der Schwanzflosse über den Schwanzstiel verlaufende schwarze Streifen deutlich breiter ausgeprägt als beim Rotmaulsalmler. Des Weiteren besitzt er eine markante schwarze Linie am Ansatz der Afterflosse.Jeffrey C. Howe: Original descriptions. In: Freshwater and Marine Aquarium. Band 15, Nr. 1–4, 1992, S. 206. Zudem umfasst die Rotfärbung am Kopf des Petitella georgiae in der Regel weitgehend nur das obere Drittel des Fischkopfes und reicht ebenfalls nicht über die Kiemen hinaus.

Verhaltensweisen Wie die Arten der Gattung Hemigrammus laicht er paarweise frei zwischen feingliedrigen Wasserpflanzen, wobei Blehers Rotkopfsalmler gerne auch als Laichräuber auftritt. Die laichende Mutter ist jedoch bereit, ihre Brut zu verteidigen. Sie verjagt andere Fische, die sich dem Laich nähern. Die Jungfische schlüpfen nach 30 bis 36 Stunden und sind nach dem vierten Tag freischwimmend. Die Bedeutung von stetigem Frischwasser für den Laich wird deutlich, wenn beachtet wird, dass der Fisch in seiner heimischen Umgebung den Laich offenbar in Fließgewässern absetzt. Im Gegensatz zu den künstlichen Parametern, die in Aquarien herrschen und der möglichen Bandbreite an Temperaturen und pH-Werten in den natürlichen Habitaten, gibt es dort doch auch einige wichtige Werte, die nur geringen Schwankungen ausgesetzt sein dürfen. Besonders gilt das für den Gehalt an härtebildenden Salzen und den durch Menschen verursachten Verunreinigungen. Das macht deutlich, dass Blehers Rotkopfsalmler in Bezug auf die Härte und Sauberkeit des Wassers keine große Anpassungsfähigkeit besitzt. Der Schweizer Züchter Hugo Benninger machte mit stark strömendem, unbelastetem und sehr sauberem Wasser, das eine möglichst niedriger Leitfähigkeit (20 μS/cm) besitzt, sehr gute Erfahrungen in Bezug auf das Fortpflanzungsverhalten und die Entwicklung von Laich und Larven. Wie bei den meisten Salmler sind auch die Verhaltensweisen und Gewohnheiten der Rotnasen nicht mit denen der echten Schwarmfische, beispielsweise den Heringen, zu vergleichen.

Systematik und Taxonomie Die von dem französischen Ichthyologen Jacques Géry (1917–2007) und dem österreichischen Entomologen Volker Mahnert (1943–2018) im Jahre 1986 erstbeschriebene ArtJacques Géry, Volker Mahnert: A new rummy-nose tetra from the Rio Negro, Brazil: Hemigrammus bleheri n. sp. (Characidae, Tetragonopterinae), with comments on Paracheirodon. In: Tropical Fish Hobbyist. Band 34, Nr. 11, 1986, S. 37–52. wurde nach dem deutschen Ichthyologen Heiko Bleher, benannt, der den Fisch 1965 entdeckt hatte. Lange Zeit wurde Blehers Rotkopfsalmler mit dem 1924 durch den deutschen Ichthyologen Ernst Ahl (1898–1945) erstbeschriebenen Rotmaulsalmler gleichgesetztHugo Benninger: Ist die Nachzucht des Rotkopfsalmlers schwierig? In: Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift. Band 54, Nr. 5, 2001, S. 16–18; hier: S. 16. und optische Unterschiede als natürliche Varietät wahrgenommen, bevor durch weitere Forschungen klar wurde, dass die Rotnasen insbesondere durch Unterschiede in der Färbung und der Schädelknochenmorphologie als eigenständige Art anzusehen sind. Bis heute kommt es durch die ursprüngliche Gleichsetzung der Arten immer noch zu Verwechslungen, zumal wenn auf Teile der älteren Literatur zurückgegriffen wird.

Bei einer phylogenetischen Untersuchung der inneren Systematik der Characidae, den Forschungen im Zusammenhang mit einer Revision der Gattung Astyanax und einer Mitte 2020 veröffentlichten Studie über die nähere Verwandtschaft der Neonfische (Paracheirodon) wurde festgestellt, dass Blehers Rotkopfsalmler nahe mit Georgies Rotkopfsalmler (Petitella georgiae) verwandt ist und dessen Schwesterart darstellt. Blehers Rotkopfsalmler und Ahls Rotmaulsalmler, ursprünglich zu Hemigrammus gehörend, wurden daraufhin in die Gattung Petitella gestellt.

Aquaristik Haltung und Pflege Vorinformationen