mini|Nationale Mitglieder aus 85 Ländern (Stand Mai 2023) Die Internationale Astronomische Union (IAU; , UAI) ist eine 1919 in Brüssel gegründete weltweite Vereinigung von Astronomen mit Sitz in Paris. Als Gründungsdatum gilt der 28. Juli 1919, als sich das Exekutivkomitee der IAU erstmals traf, um Benjamin Baillaud zum ersten Präsidenten der IAU zu wählen.Jean-Louis Bougeret: The first President of the IAU, Benjamin Baillaud. Proceedings IAU Symposium 349 (2019). Digitalisat,

Das Ziel der IAU ist die Förderung der Astronomie und ihrer Forschung durch internationale Zusammenarbeit. Sie ist neben anderen ähnlichen Organisationen für andere Wissenschaftszweige ein Mitglied des Internationalen Wissenschaftsrats, der seinen Sitz ebenfalls in Paris hat. Mit dem Stand von Februar 2025 hat die IAU 13.091 Einzelmitglieder aus weltweit 92 Ländern sowie 85 nationale Mitglieder, das heißt, astronomische Gesellschaften und Akademien.

Die deutschen Astronomen und astronomischen Vereinigungen werden in der IAU vom Rat Deutscher Sternwarten vertreten.

Organisatorisches

Die nichtstaatliche Organisation richtet seit 1922 in wechselnden Ländern alle drei Jahre eine Generalversammlung aus. Ausnahmen bilden die Weltkriegsjahre 1939–1945, die Verschiebung 2021/2022 wegen der COVID-19-Pandemie sowie das Jahr 1973, in dem kurz nach der regulären in Sydney eine zusätzliche, außerplanmäßige Generalversammlung in Warschau abgehalten wurde, auf polnisches Verlangen anlässlich des bevorstehenden 500. Geburtstags von Nikolaus Kopernikus. Der Zusatztermin wurde ab 1967 vom deutschen Präsidenten der IAU, Otto Heckmann, unter dem Eindruck deutscher Kriegstaten im besetzten Polen gegen den Widerstand vieler Astronomen durchgesetzt.iau.org (PDF; 558 kB)

Auf der Generalversammlung werden neue astronomische Entdeckungen diskutiert und nötige Kooperationen und Standardisierungen behandelt. So werden Fragen der Nomenklatur geklärt, wie die Namensgebung von Sternen, Planeten, Planetoiden und anderen Himmelskörpern sowie von Oberflächenmerkmalen, wie zum Beispiel von Bergen und Kratern.

Nr. Name der Kommission 4 Ephemeriden 5 Dokumentation und astronomische Daten 6 Astronomische Telegramme 7 Himmelsmechanik unddynamische Astronomie 8 Astrometrie 9 Astronomische Technikenund Instrumente 10 Sonnenaktivität 12 Strahlung und Aufbauder Sonnenatmosphäre 14 Atom- und Moleküldaten 15 Physikalisches Studium derKometen und kleinen Planeten 16 Physikalisches Studium derPlaneten und Satelliten 19 Erdrotation 20 Positionen und Bewegungen kleinerPlaneten, Kometen und Satelliten 21 Nachthimmelslicht 22 Meteore, Meteoriten undinterplanetarer Staub 25 Sternfotometrie und -polarimetrie 26 Doppel- und Mehrfachsterne 27 Veränderliche Sterne 28 Galaxien 29 Sternspektren 30 Radialgeschwindigkeit 31 Zeit 33 Aufbau und Dynamikdes galaktischen Systems 34 Interstellare Materie 35 Sternaufbau 36 Theorie der Sternatmosphären 37 Sternhaufen und Assoziationen 40 Radioastronomie 41 Geschichte der Astronomie 42 Enge Doppelsterne 44 Weltraum undHochenergieastrophysik 45 Sternklassifikation 46 Astronomieausbildung 47 Kosmologie 49 Interplanetares Plasmaund Heliosphäre 50 Schutz der existierenden undpotentiellen Sternwartenstandorte 51 Bioastronomie:Suche nach außerirdischem Leben

Etwa 37 Kommissionen der IAU sind für verschiedene Sachgebiete und für die Planung und Durchführung von Forschungsprogrammen auf übernationaler Ebene zuständig. Daneben gibt es auch noch verschiedene Arbeitsgruppen, wie die für die Nomenklatur des Planetensystems (WGPSN: Working Group for Planetary System Nomenclature).

Die IAU trägt die Schirmherrschaft über zahlreiche internationale astronomische Tagungen wie speziellen Symposien und Kolloquien sowie über das Kleinplaneten-Zentrum und das Zentralbüro für astronomische Telegramme am Smithsonian Astrophysical Observatory in Cambridge (Massachusetts), das den zentralen Nachrichtendienst wahrnimmt. Darüber hinaus fördert die IAU auch die Astronomie in Entwicklungsländern.

Historisches

Eines der ersten internationalen astronomischen Projekte war die ab 1887 der Sternortbestimmung dienende Organisation der Carte du Ciel, initiiert vom Direktor des Pariser Observatoriums Ernest Mouchez. Es folgten die „Internationale Union zur Erforschung der Sonne“ (International Union for Cooperation in Solar Research) 1904 und der „Internationale Kongress der Astronomischen Ephemeriden“ (International Congress of Astronomical Ephemerides) 1911.

Nach dem Krieg (1914–1918) bildete sich auf Anregung des Astronomen und „Internationalisten“ George Ellery Hale ein internationales Wissenschaftskomitee, das in dieser Situation die Neuordnung des Wissenschaftsbetriebs zum Ziel hatte. Dieses Komitee hatte unter dem Namen International Research Council („Internationaler Forschungsrat“), IRC, seine konstituierende Versammlung in Brüssel am 18. bis 28. Juli 1919. Als Mitglieder waren nur Staaten, nicht Einzelpersonen zugelassen. Die Staaten der Mittelmächte (Deutschland und seine Verbündeten im Ersten Weltkrieg) wurden dabei explizit ausgeschlossen, neutral gebliebene Staaten sollten vorher überprüft werden. Das Exekutivkomitee des IRC spielte eine zentrale Rolle bei der Validierung der Bildung verschiedener Wissenschaftsorganisationen, unter anderem der IAU, die bei Ende der Versammlung aus der Taufe gehoben wurde. Auch die IAU schloss die ehemaligen Mittelmächte von der Mitgliedschaft aus.Adriaan Blaauw: History of the IAU. Springer, Dordrecht 1994, S. 7 (Internetressource).

Jahr und Ort der Generalversammlungen 32. 2024 Kapstadt, 31. 2022 Busan, 30. 2018 Wien, 29. 2015 Honolulu, 28. 2012 Peking, 27. 2009 Rio de Janeiro, 26. 2006 Prag, 25. 2003 Sydney, 24. 2000 Manchester, 23. 1997 Kyōto, 22. 1994 Den Haag, 21. 1991 Buenos Aires, 20. 1988 Baltimore, 19. 1985 Neu-Delhi, 18. 1982 Patras, 17. 1979 Montreal, 16. 1976 Grenoble, 15. 1973 Sydney, 14. 1970 Brighton, 13. 1967 Prag, 12. 1964 Hamburg, 11. 1961 Berkeley, 10. 1958 Moskau, 9. 1955 Dublin, 8. 1952 Rom, 7. 1948 Zürich, 6. 1938 Stockholm, 5. 1935 Paris, 4. 1932 Cambridge, 3. 1928 Leiden, 2. 1925 Cambridge, 1. 1922 Rom, mini|Eröffnungszeremonie der 26. Generalversammlung 2006 in Prag1922 in Rom legte die IAU die heutige Anzahl von 88 Sternbildern fest. 1925 im englischen Cambridge erhielt der belgische Astronom Eugène Delporte von ihr den Auftrag, die genauen Grenzen der Sternbilder zu ziehen. 1928 in Leiden wurden diese Grenzen von ihr genehmigt, außerdem wurde die Benennung von 412 Mondkratern beschlossen.Heinz Mielke: Der Weg zum Mond. Verlag Neues Leben, Berlin, 2., erweiterte Aufl. 1971, S. 92.

Auf der Generalversammlung des Jahres 2006 in Prag erregte die Neudefinition der Planeten des Sonnensystems besonders große öffentliche Aufmerksamkeit; sie führte dazu, dass Pluto nicht mehr als Planet betrachtet wird.

Die 30. IAU-Generalversammlung fand vom 20. bis 31. August 2018 in Wien (Österreich) statt. Veranstalter war die Wiener Universitätssternwarte. In den zwei Wochen dieser Tagung, zu der rund 3000 Teilnehmer kamen, fanden parallel 7 große Symposien und 15 kleinere Tagungen (Focus Meetings) statt. Zusätzlich gab es Treffen der 9 Abteilungen (Divisions) der IAU.XXXth General Assembly of the International Astronomical Union astronomy2018.univie.ac.at, abgerufen am 19. Februar 2018.

Die 31. IAU-Generalversammlung in Busan, Südkorea, wurde wegen der COVID-19-Pandemie von August 2021 auf August 2022 verschoben.iau2009 — Press Release, abgerufen am 14. Februar 2021.

Siehe auch Sternbenennung Internationale Astronomie-Olympiade, seit 1996 alle ~2 Jahre

Literatur Rolf Sauermost (Hrsg.): Lexikon der Astronomie. In 2 Bänden. Herder, Freiburg 1989 f., ISBN 3-451-21632-9 Helmut Zimmermann und Alfred Weigert: ABC-Lexikon Astronomie. 8. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1995, ISBN 3-86025-688-2. Jacqueline Mitton: Astronomie von A bis Z. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1995. ISBN 3-440-07007-7 Walter S. Adams: The History of the International Astronomical Union. In: Publications of the Astronomical Society of the Pacific, Band 61, 1949, S. 5–12,

Weblinks

Offizielle Website (englisch)

Einzelnachweise

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